Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite l GEMEINDEBLATT I>i:R ISRAELITISCHEN KKLICIONStll-MHINDE ZU LEIPZIC. Numni i b sozialen Praxi« geworden Ist. Neben der heute allgemein In der Wohl« fahrtspflege der Großstadt als notwendig anerkannten Spezialisierung suchte der Prauenvereln „Ruth" schon bei seiner Gründung die Kluii zwischen Gebenden und Nehmenden zu überbrücken, die einen vor Überheblichkeit, die anderen \ <>< Beschämung zu bewahren. Die Qrflnderinnen bemühten sich, lede .hidin Leipzigs als Vereinsmitglied anzuwerben. Ein kleiner Mindestbeitrag, der Überdies Im Anian« monatlich von ehrenamtlichen Kassiererinnen eingezogen wurde, machte es auch der in beschränkten Verhältnissen lebenden indischen Frau möglich, Mitglied de>> Frauenvereins „Ruth", eines Leipziger Wohltätigkeitsvercins zu werden. Diese Mitgliedschaft hob d.is Selbstbewußtsein einer solchen Frau, verwurzelte sie In der Gemeinschaft und erlaubte ihr. wenn es einmal in schweren /.eilen sein mufite, sieh Im Wochenbett ohne Beschämung von dem Verein, ihre m Verein unterstützen ZU lassen. Hie mitten im Leben siehenden Vorstandsdamen, von denen Frau Ernestine Hart i e I d s. A.. die viele Jahre au der Spitze des Vereins gestanden hat, besonders hervorgehoben zu werden verdient, wußten über die Lebensverhältnisse der älteren Frauen in der Gemeinde gul Bescheid und konnten die Unterstützungen ohnd lede Recherche schnell und diskret bewerkstelligen. Auf die einfache Meldung der Hebamme oder einer Nachbarin, dal! eine indische Wöchnerin hilfsbedürftig sei. erseheinen prompt zwei Hamen des |-'rauen\ercins „Ruth" als freundliche Gratulantinnen, bringen Babj w äsehc, Stärkung»-und Erfrlschungsinittcl und sorgen iur alles Nötige. I Kirch Herstellung eines persönlichen Kontakts, Hinzufügung guter Worte zu den nützlichen Gaben, Hinweis auf das Glück, das mit dem Neugeborenen In die Familie hotte einziehen wird usw.. wird versucht, die Stimmung der Wöchnci heben, Ihr Mm, Zuversicht, Lebensfreude einzuflößen. Wie bcdeui psychische Einwirkung den GesundungsprozeB bei Wöchncrinne Kranken beeinflußt, ist ia heute allgemein bekannt und anerkannt So k.im es. daß der „Fraucnvercin Ruth" sieh bald groß« |c. lichtheil In der Gemeinde und wohlwollendster Förderung seitens der alleren Leipziger Vereine erfreuen und dank der ihm reichlich ßcndcu Mittel seine Tätigkeit von Jahr /u Jahr ausdehnen konni Neben der Wöchnerin nahm er sieh, besonders in den schw ren Kriegszeiten, der werdenden Mutter an und begründete und baute umfangreiche moderne Säuglingsfürsorgc aus. aber die der In Aufsatz \on geschätzter fachmännischer Seite alle Einzelheiten l Neben vielem, das der Frauenvercin erreichen, verwirk iei durfte, bleibt freilich eine ganze Reihe Aufgaben zu erfüllen, l'.is Wöchnerinnenhciin, das Mutier- und Kinderheim und in andere. 101 die Bcvölkcrungspolltik einer QroBgcmciiidc notwi nützliche und ersprießliche Institution, mußten trotz besten Willi Vorstandes und bcrcitswilligstcr Unterstützung der Mitglieder,! i und Gönner des Vereins Zukuufshoffnungeu bleiben. Möse es dem Frauenverein „Ruth" beschiedeu sein, im nc«, Vierteliahrhunderl in systematischer, glücklicher Weitcrcntwu alle seine Pläne /um Wohle jüdischer Mütter und Kinder zu vet rklichcn, /um Segen unserer Gemeinde und Gemeinschaft. Die Arbeit der Säuglingsfürsorge im Frauenverein „Ruth" Von Dr. med. ct. phil. Fritz Loebenstein Vor etwa sechs Jahren hat der Frauenverein ..Ruth", in Anlehnung an seine bisher schon ausgeübte Tätigkeit der Fürsorge für bedürftige indische Wöchnerinnen, die Motterberatungsstelle für indische Säuglinge und Kleinkinder Leipzigs, eingerichtet. Tin nicht geringes Wagnis, wenn man bedenkt, dali derartige Einrichtungen sonst von öffentlichen Körperschaften, von staatlichen oder städtischen Behörden unterhalten werden, hinter denen große Mittel stehen. W ie aber die Götter vor den Erfolg nicht nur Schweiß sondern auch Mut gesetzt haben, so hat sieh diese kühn besonnene und ausschließlich von privater Seite durchgeführte Institution im Laufe der Jahre /u einem nützlichen und heilbringenden Faktor in der indischen Wohlfahrtspflege Leipzigs entwickelt, (iemäll dem Charakter der Säuglingsfürsorge und auch entsprechend den Absichten der Gründer hat sich das Unternehmen Im Laufe der Zeit ausgedehnt und wird von weiteren indischen Kreisen in Ansprach genommen. her Aufgabenkreis der Mütterbcratungs- und Säugllngsfürsorgestclle gliedert sich In zwei große Teilgebiete. Das eine ist die Tätigkeit in der Fürsorgcsteile selbst, die hauptsächlich vom Arzt wahrgenommen w ird. Messer als alle theoretischen Darstellungen kann eine Schilderung der Sprechstunde diese Arbeit veranschaulichen. Her Säugling wird von der Mutter In die Sprechstunde der Mütterberatung gebracht. Hort erkundigt sich der Arzt nach der bisherigen Entwicklung des Kindes, vor allein nach den häuslichen Verhältnissen und den sozialen Bedingungen, denen das Kind ausgesetzt ist. Das Kind wird hierauf untersuch! und gewogen, Ratschläge betreffend der Ernährung, der Kleidun« und Pflege des Kindes vervollständigen das Ganze. Im Bedarfsfalle wird der Mutter empfohlen, das Kind der Behandlung eines wahlfreien Arztes zuzuführen. I"'ür ledes Kind wird ein besonderes Protokoll angelegt, in dem das Wichtigste schriftlich niederseiest wird. Etwa aller 2 Wochen stellen die Mütter die Kinder des ersten Lebensjahres vor, in besonderen Fällen noch häu- Hger. Hei jedesmaligem Besuche erhalten die Pfleglinge außer den Ratschlägen des Arztes, soweit nötig, unentgeltlich Wäsche und Kiek dung und vor allem Nähr- und üetiußmittel zur Säuglingscrnährunc Wirkt sich so die Tätigkeit der Mütterberatung selbst haupi lieh nach der beratenden Seile .ms. so wird diese /um anderen die fürsorgerische Arbeit der Säuglingsschwester im Haus» der Pflegebefohlenen durch praktisches Helfen ergänzt. Hei der l ecn- .irt der meisten Mütter und Kinder, die die Sprechstunde aufs is| es natürlich, dal; die Empfehlungen des Arztes nicht ganz leicht Eingang finden. Es bedarf nichl allein hierbei, sondern Uberhau der Durchsetzung der ganzen Institution, der Mitarbeit einer vertrauenerweckenden Schwester, die. neben ihrer «Uten sachlichen Schulung, es v ersteht, den Müttern menschlich nahe zu kommen. Hingabc an den Beruf und keine Seileu vor irgendeiner noch so k; erscheinenden Arbeit sind die Voraussetzungen. So macht es sich /. H. häufig nöti«. daß auch außer der reinen Betreuung der Kinder die Schwester ml! Hand anlegt an Arbeiten des 1'agCS im Hl oder in der Familie, wie etwa Kleider ausbessern. Strümpfe stopieil usw. Wesentlich «eilt ihre Aufgabe dahin, den Verordn KCl des Arztes zur Durchführung zu verhelfen und im ganzen pflen dir Mutter und Kind tätig ZU sein. So hilft sie. indem sie den M tCI die verschiedenen Abkochungen und Zubereitungsarten der Mikanahrung, der Qemüsecrnährung zeigt; so demonstrier! sie ihnen praktisch, indem sie die Kinder häufig selbst futtert: so «eilt sie nützlicherweise zur Hand, indem sie die Kinder öfters badet, trocken k'I anzieht, kurzum, durch die Tal den Müttern alles vormacht, vv. Ml gesunden Pflege des Kindes notwendig ist. Bei Erledigung i eset Maßnahmen wird die fürsorgerische Tätigkeil auf das Wirks unterstützt durch die großzügige Gestellung von Leib- und letlwäsche. des weitem durch Abgabe von Helten und Kinderwagi der Frauenverein „Ruth" bedürftigen Pamilien gern gibt. \iilier Kinderarzt und Füraorgeschwester arbeiten seil Bes heu der Mütterberatung Ständig mehrere Damen sowohl in der S| stunde als auch in der häuslichen Fürsorge ehrenamtlich mit. Itrcr Häuser / Hypotheken / Hausverwaltungei ffj?| REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG A 1—1 LBPLAYSTRASSB J GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 235 76