Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. Februar H»'-".» (;i:Mi:.iNi)i:ui.Ai r di-k israüi.itisciu.n ri:i.k;ions(;i:mi:ini)I-: zu i.f.ipzig Seite 3 Cale am Rennplatz und Haltung, die einem nie auffielen, obschon sie nun besonders charakteristisch, ja ganz wesentlich zu sein scheinen. Mit besonderer Eindringlichkeit wird mau, lediglich durch Komposition vnii Farbe und Licht, auf die Wölbung der Stirn, den schillernden Ausdruck des Auges, die Beugung des Mundes gewiesen, die nun für diese Person von ganz eigener Bedeutung werden, ohne daO mau sagen könnte, worin diese Bedeutung liegt. Derart ist also diese Portrutkunst Einschlags, dal! sie nicht nur die Suggestion der lebendigen Wirklichkeit erzeugt, sondern vielniehr das innere Wesen der dargestellten Person deutlich werden läßt. Vielleicht vermögen die Reproduktionen der Bilder, die diese Zeilen begleiten, ein wenig das Qesagte zu belegen, obwohl man die ganze Farbigkeil des Originals brauchte, um wirklich das sehen ZU können, wovon die Rede ist. Aber diese /eilen wollen ja nicht viel mehr sein, als nur ein Glückwunsch und ein Hinweis, damit jeder in jedem Sinne! einen Zugang zu dem W erk Einschlags rindet, Dr. K. 25 Jahre Frauenverein „Ruth" Von Anna Neu mann 25 Jahre Prauenvcrcin „Ruth", Jas bedeutet einen Abschnitt in der Geschichte der Leipziger jüdischen Wohlfahrtspflege. Während in dem ersten halben Jahrhundert ihres Bestehens die Leipziger lüdisehe Ucmeinde sich allmählich normal entwickelte, wurde sie um die Wende des Jahrhunderts gleichsam Ober Nacht zu einer Qroßgc- ■dnde. Der wirtschaftliche Druck in manchen Provinzen Österreichs, der /ur \ rarmung, ia Verelendung der indischen Massen dort führte, die ii«iii!i hen Verfolgungen und Pogrome in Rußland hatten einen starken Zuzilg aus den zahlreichen Städten und Städtchen dieser Länder ein als \Ksse- und Handelsstadt rühmlich bekannten Leipzig bewirkt. Die Wohlhabenden unter den Zugezogenen und die, die durch Heil' Anspruchslosigkeit und Qlück es cur Wohlhabenheit gebracht wtl . gaben wohl nach gutiüdischcr Sitte reichlich ledein, der hilfcwcl id au ihre Tür pocht..und unterstützten noch reichlicher Freunde und erwandtc in der alten lleiui.it. blieben aber den alteingesessenen Leip Kcr luden fremd und (raten nur verein/eil den hier bestehenden »Vol Btigkeltsverelnen hei. Die durch Krankheit und Unglück in Not (ierateneu mußten aber. '■| als Ausländer keinen Anspruch auf l'iiierstützuiig durch die hei den hatten, die llilie der jüdischen Wohltätigkeitsvereine in AusPrtiJi nehmen. Dadurch geriet der in Leipzig durch seine segensreiche Wirksamkeit rühmlich bekannte Israelitische Trauern erein in eine mißliche Lage. Mit seinen Hinnahmen, die /ur Unterstützung durchreisender und hiesiger armer und kranker Frauen irüher vollkommen ausreichend gewesen w iren, sah er sich plötzlich dem ( bermaß sozialer Aufgaben einer jüdischen Qroßgemcinde gegenübergestellt Es «ah nicht nur ffungi gen Brot und Bedürftigen Kleider. Unterkunft und Aibeit zu schaffen, es mußten auch Kranke versorgt, Wöchnerinnen und Säuglinge gepflegt werden usw. Um dit Qeberlnnen einigermaßen zu entlasten und den Bedürftigen besser l eiten zu können, lallten im Jahre 1904 einige mutige Krauen den Entschluß, einen zweiten Frauenverein zu gründen. Dieser Verein sollte die Pflege der Wöchnerinnen zu seiner Spezialaufgabt n achen. In einer glücklichen Eingebung nannte die Qründerin. I'raii Rosa Kühnreich, den Verein „Ruth". Nomen est omen. Ruth hieß jene Frau, die als Fremde, als Bettlerin nach Bethlehem kam und Stamm-Mutter der Könige in Israel wurde. Qrandsati des Prauenverclns „Ruth" sollte es sein und ist es geblieben, in ieder armen Wöchnerin die Mutter einer zukünftigen Qröße in Israel zu seilen und sie mit dcmcntsprechender rücksichtsvoller Liebe und Ehrerbietung zu umgeben. Die großen Qedanken kommen aus dem Herzen, sagt Pascal. Die Frauen, die dein Zunc ihres Herzens folgend den Verein gegründet haben und von denen I ran Regina Pfefferblüth, Frau Helene Neunasser und Frau Pepl Dubiner bis auf den heutigen Tag im Vorstand arbeiten, verwirklichten, gewiß halb unbewußt, so manchen großr.ügigen Qedanken, der erst In der allerletzten Zeit Qemeingut der