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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seile 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer n 1 V t I I** *s*>"i& * Bildnis de. Herrn Geheimei Hofrtt Prof. Dr. Volkelt, Leipzig Maler« erden ließ. Aber mit «.kr bloßen Freude an der reinen Farbe und Form konnte sich ein Mann von der menschlichen Intensität Einschlags nicht begnügen, Das Problem der Gestaltung menschlichen Körpers nahm ihn in Bann, und von du uns w ar es nur noch ein Schritt zum Portrat: denn so wenig ihm die Kontur und die Form genügte, so wenig konnte er bei dem bloBen Körper des Menselien verweilen. Was er suchte und in seinen Porträts fand, war vielmehr die Gesamtperson, deren Einmaligkeit und Besonderheit der Durchbruch des Qeistes und des Schicksals in den ZQgen des Antlitzes anzeigt. Diesen Durchbruch sichtbar werden ZU lassen, hat Einschlag von mm an gesucht; es gelang ihm in einer Reihe Kroßer Porträts der letzten Jahre, Zu dieser Reihe gehören das Bildnis von Professor Driesch, das das Philosophische Institut der Universität angekauft und der Familie Driesch übergeben hat. das von Qeheimrat Hinrichsen in der Frauenberufsschule, von Professor Krockcr in der Stadtbibliothek, von (ieheiuir.it I >r. Adler in der jüdischen Gemeinde, von Qeheimrat Professor Sudhoii im Institut für Geschichte der Medizin, das mich unvollendete Bildnis des Philosophen Qeheimrat Professor Volkelt und nicht zuletzt das Selbstporträt im Leipziger .Museum für bildende Künste, von einer Fälle anderer, die sich im Leipziger Privatbesitz befinden, ganz abgesehen. Als Porträtmaler hat der Name Einschlag einen neuen, volleren Klang erhalten. Auf der Dresdner Internationalen Kunstausstellung 1926 und auf der Ausstellung in Venedig im selben Jahre fanden seine Werke lebhaftes Interesse und grobe Anerkennung. Der folgerichtige Weg des Künstlers von der Kontur über die sinnliche Fälle farbig gestalteter Formen zum geistdurchtränkten Porträt bezeichnet zugleich auch die besondere Eigenart der Kunst Eduard Einschlags. Vielleicht ist die Richtung seiner künstlerischen Entwicklung durch ein immer grölleres, intensiveres und tieferes Drängen in die unmittelbare, lelnrndiKe Nähe der Wirklichkeit einigermaßen charakterisiert. Aber freilich ist es ein 1 »rängen zu einer höheren Art Wirklichkeil als der der naturalistischen Auffassung, und wiederum eine au, ere, wie sie diejenigen erreichen, für deren Kunst das beq mg Schlagwort der Zeit von der neuen Sachlichkeit geprägt i< |, ist die höhere W irklichkeit inneren Eindrucks, der aus der Uegegnung des Künstlers mit der Umwelt, seinem Erlebnis Mm Ding und Person dieser Welt entsteht. Und wie jedes Er|< mis eine sehr persönliche Angelegenheit ist. so ist es der Find ick, der in künstlerischer Form Gestalt gewinnt. Die Realität Jehl in ihm nicht verloren: es handelt sich niemals um nur absl kte Gedanken, die man in bildnerische Formen preßt, wie es itwa der Expressionismus tat. Aber es ist doch eine andere Re keine banale und alltägliche, sondern die durchaus einmalige reale Welt dieses künstlerischen Erlebens und dieses v,cs |ferischen W illens. In solchem Sinne ist Eduard Einschlag zwi ifel. los Impressionist. Die Dinge und die W esen, die er gestaltet, .sind durchaus sein Gebilde; sie sind der Wirklicllki in höchsten Malle ähnlich: aber sie sind mehr als das sie verraten einen Blick, der es vermag, durch die erste Wirklicllkeitsschicht zum eigentlichen Wesen hindurchzudringen, in; sie verraten unverkennbar eine Hand, die es meisterlich verstellt, diese tiefere Wirklichkeit sichtbar w erden zu lassen. Dies zeigt sich insonderheit bei den Einschlagsehcn Purträts. von denen ich den unmittelbar stärksten Eindruck habe. Schon beim ersten Blick hat man ein fast unheimlich lebendiges Gefühl: als ob der dargestellte Mensch sogleich leibhaft aus dem Rahmen heraustreten würde. Aber bei längerem Verweilen vor dem Hilde weil! man. dal! noch weit mehr und weit intensiver die Wirkung jener tieferen Schicht, des wirklichen W i sens des Menschen, dessen Porträt man betrachtet, aus dem Hilde heraus zu einem spricht: Man entdeckt plötzlich, besonders wenn man die dargestellte Person gekannt hat. an ihr Zu. einem seltsam vertraut erscheinen, obschon man sich ihrer vorher nie lK'Wiillt geworden. Man entdeckt Nuancen der Kleidung BlinJer lüde

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