Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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g bruar 192!) GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMKINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Wenn von der Berufsausbildung unserer Jugend Besprochen v . muß aber ein eindringliches Wort an die jüdischen I hrherren gerichtet werden. Es ist eine bedauernswerte Tat- . daß viele nichtjüdische Handel- und Gewerbetreibende heute gl idsätzltch keine jüdischen Lehrlinge mehr einstellen. Die Zahl der I Millen für solche wird dadurch außerordentlich eingeschränkt. P r Umstand legt den jüdischen Geschäftsinhabern die moralische p i auf, bei Besetzung ihrer Lehrstellen vorzugsweise jüdische I nge anzunehmen, oder doch unter den Lernenden wenigstens eii e oder auch nur einen jüdischen zu berücksichtigen. Sie tragen d ch dazu bei, daß solchen Knaben ein erfolgreicher Lebensweg Crö riet wird. Und sie sollten dabei sich auch freimachen von der hl immer mehr erhobenen Bedingung des Zeugnisses der mittleren i,\ . Mit dieser Forderung wird so vielen verheißungsvollen Jungen dl lUfstleg verschlossen, weil ihren Eltern die Mittel zum Besuch näheren Schule fehlten. Jeder, der in der Praxis Erfahrung gesai eil hat, weiß ja recht wohl, daß aus den Volksschulen äußerst in. je Menschen hervorgegangen sind. Es gibt wohl kaum eine pn ktivere Hilfe, als wenn gerade den tüchtigen und strebsamen K n unbemittelter Eltern eine besonders gute Lehrstelle überlassen wird, damit sie später die Sorgen der Familie übernehmen können. Ein besonderes Wort noch soll den Lehrherren gelten, die ihre Geschäfte und Betriebe am Sabbath und den Pesten gcschlössen halten, oder die doch, wenn auch bei ihnen am Sabbath usw. gearbeitet wird, ohne Schwierigkeit Lehrlinge an diesen Tagen befreien konnten. Es steht doch fest — die Gründe und ihre Berechtigung sollen hier nicht erörtert werden , daß die Zahl solcher Häuser sehr zusammengeschrumpft Ist. Besonders schwer finden darum die der Schule entwachsenen Knaben und Mädchen gute Lehrstellen, die den Sabbath beobachten wollen. Gerade gesetzestreue Geschäftsinhaber sollten vollstes Verständnis für diesen Wunsch haben und sollten Lehrstellen - wie Uberhaupt alle Posten In ihren Betrieben — nur an solche vergeben, die gleich ihnen an der alten Überlieferung mit Treue festhalten. Kür die Notwendigkeit, der Jugend die Wege ZU ebnen, ist In den jüngsten Tagen viel Verständnis geweckt worden. Keine Notwendigkeit aber ist größer als die, ihr durch eine gediegene Berufsausbildung die Grundlagen für ihre Existenz zu vermitteln. gc. Noi Lein; eint II IUI wir Ii Iber rrad Hdh itl II's Fort ihre Em nieii heil Arl ler' Jan Oc Mc Unsere Gemeinde enfeier des Jüdischen Jugendring Anläßlich des einjährigen Bestehens des .Indischen Jugendring ig feiern die Bünde und Vereine dieses erste Jubiläum dttrcii Morgenfeier am Sonntag, den 10. Februar 1929, Im „Weißen des Zoo. Beginn pünktlich II Uhr. /wei Veranlassungen sind es eigentlich, die dieser Eeier Grund Charakter geben. Einmal soll durch das geschlossene Ziisanunenii aller Bünde zu dieser Eeier der jüdischen Öffentlichkeit gegendokumentiert werden, daß diese Einheit jüdischer Menschen, die tionell im Judentum nicht zu begründen möglich ist. bei der -Jieu Jugend das erste, schwierigste Jahr überdauert hat. Als Menschen können sie nicht die Garantie dieser gleichmäßigen tentwicklung übernehmen und setzen daher an Stelle derselben Will e n, als eine geistig und menschlich geeinte Jugend diese Eenschaft mit sich weiterzutragen in die große, jüdische Geile. In ihre Gefolgschaft pflanzen sie den Gedanken dieser Einnicht mehr als Idee, ihr geben sie sie als Lebensgrundlage. Die Eeier dient weiter dem nächsten praktischen Ziel des eben Jugendring. Geeint als Menschen einer gleichen Schickctneinseliaft, erstreben sie jetzt das Haus der Jüdischen e n d als die Heimstätte dieser Idee. Mensch bei Mensch, Gruppe Gruppe, Raum an Raum sollen in ständiger Berührung jüdische it und Tat geschehen. Heimlos, zerrissen und voneinander entwird heute noch in allen diesen Gruppen wirklich schaffender ad gearbeitet. Entfernungen und Fremdheit verhindern gegene Kenntnis, lassen schwache Verbindungsfäden wieder zerreißen, ii Mauern und Gräben zwischen unseren Menschen. Auf daß der zum Geiste, der Mensch zum Menschen und der Geist zu den -chen komme, sucht die Jugend die gemeinsame Stätte. Her Jüdische Jugendring bittet Sie alle: Eltern, Freunde und noch de: Kommen Sie zu uns! Wir wollen Ihnen zeigen, wie wir bc- /iisammengchörcn und daß wir beieinander bleiben wollen. re-Misrachi-Leipzig \m vergangenen Mozeh-Sehahbath fand die Generalversammlung hiesigen Zelre-Misrachl-Gruppe statt. \us den Berichten der Vorsitzenden ist hervorzuheben: das crliche Wachsen der Gruppe, die heute fast 7(1 Chawerim und Chaweroth zählt: die Schaffung einer Jüngcrcn-Gruppe. des Brilh Hanoar: die Arbeit im Jugendring und der, nachdem auch die Zionistische Vereinigung sich durch zwei Vertreter an der Arbeit beteiligt, letzthin erfolgte Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft nationaljüdischer Bünde. Die Anerkennung, die die Gruppe innerhalb der Zlon. Verein, usw. gefunden hat, erfreute sehr. Von den Chawerim wurde eine Verfassungsänderung angenommen, dahingehend, daß künftig kein Vorstand mehr, sondern ein Bundesleiter und ein Arbeitsausschuß die Arbeiten der Gruppe durchführen, bzw. leiten werden. Die Delegiertenwahlen zum a. 0. Delegiertentag des deutschen Misrachi zeigten die Einmütigkeit aller Chawerim in der Ablehnung des Barthschen Antrags die Umwandlung der Zion. Verein, für Deutschland betreffend. Die nächsten Monate werden für die Gruppe intensive Arbeit für die Ziele des Zcüre-Misraelü und ihre weitere Stärkung innerhalb des jüd. besonders aber des zion. und religiösen Lebens Leipzigs bringen. Josef Sagagi. Erziehung der Eltern Einen äußerst anregenden Verlauf nahm die erste Abendveranstaltung der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, in der der bekannte Leipziger Nervenarzt Dr. Ernst Jolowicz über „Erziehung der Eltern, ein Beitrag zur Erziehungsberatung" sprach. Der Saal reichte bei weitem nicht, um die Erschienenen zufassen. Vonseiten der Anwesenden hörte man nur Äußerungen allgemeiner Befriedigung über den Abend, der den Eltern wertvolle Gesichtspunkte für die Erziehung nahebrachte. Die Vorsitzende der Ortsgruppe. Erau Else C o h n . wies in ihren Eröffnungsworten darauf hin. daß die Fragen der Erziehung schon nach verschiedenen Richtungen in der Ortsgruppe behandelt worden seien: das Jüdisch-Religiöse, die körperliche Ertüchtigung, die modernen Methoden der Kleinkinderpädagogik. Jugendprobleme, Fragen der Berufswahl seien besprochen worden: nun solle der Arzt das Wort erhalten, um auf das Moment der seelischen Ertüchtigung vom Standpunkt der modernen Seelenforschung die Aufmerksamkeit zu lenken. Der Redner führte etwa aus: Probleme der Erziehung beschäftigen heute in bemerkenswertem Maße das Denken. Worin liegen die Ursachen für diese Erscheinung? Die Probleme als solche sind nicht neu. sie sind nur durch die neugewonnenen Erkenntnisse heller beleuchtet. Central - Theater Betriebe Anton Schneider Montag, den ll.rebr. 1929 (Rosenmontag) cr-fiSsficRADC J Kapellen i