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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numn g Wichtige neuerscheinungl Oer Talmud in Deutsch ubersetzt v. Lazarus Guldschmidt komplett in 11 l.ein.-Banden zu je ca. 800 Seiten Supskriptionsprcis Je M. IS. pro Band Bestellungen bei: Dudihandluna MW. Kaufmann, Leipzig ci, Brühl 8 Als Gegengewicht gegen den Materialismus haben die Forschungen zu einer weitgehenden Psychologisierung geführt, für die naturgemäß die Erziehung ein besonders wichtiges Feld bietet. Um so mehr, als in neuester Zeit die Kontinuität eine Störung erfahren hat. Die neuere Psychologie ist im Qegensatl zu der alten, die nur feststellte, was ist, von dem Gedanken der Entwicklung beherrscht, sie will die Frage beantworten, warum ein Tatbestand so geworden ist, wie er ist. L ud gerade darum vermag sie soviel über die Erziehung zu sagen, weil es sich ja dabei um Werdende handelt. Für die Entwicklung eines Menschen kommen zwei Momente in Betracht: das Erbbiologische und die Umwelt Bei den erbbiologischen Anlagen kann das Körperliche weit leichter als das Seelische festgestellt werden. Die Ermittlung des Seelischen wird geradezu unmöglich gemacht, weil kaum auseinandergehalten werden kann, was Anlage und was EhifluB der Umwelt ist. Denn — und gerade das hat die moderne Seelenforschung erkennen lassen ■— schon das Erleben des Säuglings wirkt durch das ganze Leben eines Menschen nach, auch wenn es nur unbewußt bewahrt wird. Für die Begriffs-, Willens- und Qefflhlsblldung empfangen die Menschen in den ersten Monaten und Jahren ihres Lebens bestimmende, ja häufig entscheidende Einflüsse. In die Bildung der Begriffe mischt sich durch das ganze Leben etwas von dem, was ein Kind zur ersten Hildung eines Begriffes erlebt hat. Ob sich ein Mensch in seiner Willensentfaltung zum Zurückweichen, zum Ausweichen oder zum „männlichen" Protest, d. i. dem unbeugsamen „Und trotzdem", entwickelt, wird wesentlich bedingt durch die Lindrücke seiner frühesten Kindheit. Und in gleicher Weise üben auch die ersten Qefflhlserlebnisse eine nie verklingende Wirkung aus. Aus dieser Erkenntnis von der ungeheuren Bedeutung der ersten Erlebnisse Mnd die Folgerungen für die Erziehung zu prüfen. Eine Kluft zwischen der alleren und der jüngeren Generation hat immer bestanden. Tradition und Revolution wechselten einander ab. In unserer heutigen Lage zeigt sich die revolutionäre Tendenz nur lebhafter als früher, weil die ältere Generation kein Verhältnis zur aufwachsenden gewinnen konnte. So wenig es angeht, auf den erziehenden Einfluß ganz zu verzichten, so wenig darf auch Erziehung so aufgefaßt werden, als ob das werdende Geschlecht In die Hahnen des älteren geleitet werden sollte. Eltern sollen als Richtschnur für ihre Erziehungsaufgabe die Beweglichkeit erachten, mit der sie sich Verständnis für die IQngere Qeneration verschaffen. Nur dann können sie Einfluß Boen, wenn sie sich in das Neue einer neuen Lebenseinstellung einzufühlen vermögen. In Zeiten, die eine ruhigere Entwicklung nahmen, zeitige der Mangel solcher Beweglichkeit nicht so bedenkliche Folgen, wie in dieser unserer in allem aus den Lünen geratenen Gegenwart Darin liegen die tieferen Ursachen für das Hervortreten der Erziehungsprobleine. Sie sind nicht so sehr Probleme der schwierigeren Jugend als der Eltern, die nicht mit der Jugend mitzugehen weiß. Darum beginnt die Lösung dieser Probleme bei der Erziehung der Eltern, die sich der Bedeutung der Einflüsse der frühesten Kindheit bewußt sein müssen, und sich in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe als Erzieher von diesem Bewußtsein leiten lassen. In Fällen, in Jenen die seelische Entwicklung der Kinder bedenkliche Erscheinungen aufweist, kann auch die ärztliche Beratung helfen, die Ursachen /n erkennen und Hemmungen aus dem Wege zu räumen. An den mit lebhaftem Heifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache an. an der sich Gemeinderabbiner C U h n . Prediger Lud w i |. I ran K a t / e n e 11 e n b o g e n und Dr. Lochen Steln beteiligten. Erklärung Unter Hczugnahmc auf den Artikel „Das Haus der jüdischen Jugend", der in Nr. 5 des Qemelndeblattes seitens der im Jugendring vereinten Hunde veröffentlicht wurde, erklären wir hiermit, daß wir gegen unseren Willen als unterzeichnender Hund genannt wurden. Esra, Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Wochen-Zeittafel 8. bis 14. Februar 1929 — 28. Sch wat bis 4. Adar I 5« 39 1929 Februar Sch'wat 5689 Freitag 8. 28. Sonnabend 9. 29. S. Mischpotim Neumondswe e Sonntag 10. 30. 1. Neumondstag Adarl Montag 11. 1. 2. Neumonds tag Dienstag 12. 2. Mittwoch 13. 3. Donnerstag 14. 4. Gemeindesynagoge Sabbatgottesdienst: Freitag, s. Februar, Abends ci 17.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn): Sonnabend, 9. Februar, gengebet 9 Uhr, Jugendgottesdienst 15,15 Uhr mit Predigt (Rabb er Cohn): Nachmittagsgebet 17.25 I hr, anschließend Lehrvortrag (Ri ner Cohn): Abendgebet 17.57 Uhr. Morgengottesdienst an Sonnnd bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, wochentags 7,30 Uhr, Abendgn sdienst 17,15 Uhr. Synagoge Ez-Chaim, Otto-Schill-Str. 4 Freitag, den S. Febr. 1929, abends 17.15 Uhr: Sonnabend, 9. Febr. 1929, früh 8.30 Uhr. nachmittags 1(> Uhr, Ausgang 17.57 > Wochentags, früh 7.30 Uhr. abends 17.15 I hr. Talmud Thora Synagoge, Keilstr. 4 Sabbatgottesdienst: Freitag abend 17.15 Uhr: Sonnab .1 iriih!s.3(l Uhr. Mincha 1(> Uhr, Sabbat-Ausgang 17.57 Uhr. Wochentags: früh 7,15 Uhr, abends 17,15 Uhr. Für ausreichende Heizung ist Sorge gelragen. Synagoge „Ohel Jakob", Pfaffendorfer Str. 4 Freitag, abend 17.15 Uhr: Sonnabend, früh S.30 Uhr, Mii Ii l(i Uhr, Ausgang 17.57 Uhr. Wochentags, früh 7.30 Uhr. Mincha 17.15 Uhr. Personensfandsnachrichten a) Geburten: 9. Januar 1929 Abraham Tarschis und Marv geb. Anspach, Ehreiis straße 43, eine Tochter. 19. Januar 1929 Chalm Spielberg und Minda geb. Lustmaiiii, König hann-Straße 16, einen Sohn, b) H a r 111 i z w a Ii : In der Synagoge "hei Jakob (Pfaffendorfer Str. 4): Am Sonnabend. 9. Februar, Ludwig Singer. Sohn von Herrn Mai Frau Posa Singer. Nordstraße (>4. Am Sonnabend, 16. Februar. Heinz Weiser, Sohn von Herrn Weiser und Frau. Relchelstraße 19. c) Todesfälle : 26. Januar 1929 Debora Baron, Packhofstr. 1. 29. Januar Kind Eleonore Ziegler, Relchsstr. 14. 29. Januar Meilech Mohr, (ierberstr. 20. 30. Januar Kind Sali Mordre Dörfler, (ierberstr. 45. 30. Januar Adolf Fischer. Möckernsche Str. II. 4. Februar Sulitn Wechsler. Kaust. Steinwcg 15.

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