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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-02-08 · 6 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numtni Landesverbandes hat In einstimmiger Resolution beschlossen, dem Großen Rat des Verbandes die Subventionierung der Arbeiterkolonie zu empfehlen. I>ie Errichtung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Wege zur Produktivierung der jüdischen Wanderfürsorge l >eutschlands. Per Reichsverband der Hauptstelle f ü r j 0 d 1 s c h e W a n d e r f ü r s o r g e. S. Adler-Rudel. Herlin. Dr. Georg Baum, Berlin. Alfred Be r g e r. Berlin. Eugen C a s p ary. Berlin. H. C h a s - sei, Hamburg. Dr. Oskar Cohn, Berlin. San.-Rat Ür. E IInger, Prankfurt. Rabbiner Dr. Freund, Hannover. C rl Goldschmidt, Leipzig. Dipl.-Ing. G r ü n wa 1 d , Beut! . R.-A. Max Jacobsohn, Breslau. R.-A. Koppel, Bqchi i. Dr. Max Kreutzberger, Berlin. Hugo Levy, Bren i Wilhelm Marcus, Berlin. Rabbiner Dr. Oppenhei . Mannheim. Rabbiner Dr. Rieger, Stuttgart. Rabbiner Dr. Salomonski, Berlin. Legationsrat Prof. Dr. Sobei - heim, Berlin. Dr. Walter Stein, Königsberg. Justizrai E. S t r a U S, München. Professor Dr. T ii r k , Berlin. Rabb r Dr. Wilde, Magdeburg. Siddy W ronsky, Berlin. Fragen der Anstalts- und Familienerziehung Zu einer „Aussprache jüdischer Frauen über Erz i e Ii u n g sf r a g e n". veranstaltet von der Isenburger Heimkommission und dem Jüdischen Frauenbund vom I, bis 3. Januar in Frankfurt a. M., hatten sich etwa SO Teilnehmerinnen eingefunden. Den Auftakt der Besprechunsen bildete eine Besichtigung des Isenburger Heims, dessen Entwicklung und Erziehungsmethoden Fräulein Benin Pappenheim darlegte. Das Programm der Tagung war unter dein Gesichtspunkt: „Prägen der Anstalts- und Familienerziehung" einheitlich zusammengestellt; die reue Aussprache bewies, daß man mit der Wahl der Themen die Fragen erfaßt hatte, die alle In der Erziehungsarbeit Tätigen besonders interessieren. Einleitend beleuchtete Fräulein Pappenheim die Unterschiede von Familien- und Anstaltserzl e h u u g und die verschiedene Anwendung einiger Erziehungsmittel - wie Hygiene, Erziehung zur Arbeit, zur Freiheit, zur Schönheit — in Familie. Pflegefamilie und Anstalt. Diese Ausführungen wurden durch Erörterungen über religiöse Erziehung In der Diskussion ergänzt Bei den Fräsen der Anstaltserziehung (Referentin: Gertrud M e n z i a ii - Hamburg) wurde u. a. die L e b e nsf r e m dhe i 4 des Anstaltskindes betont: ferner wurden die besonderen Schwierigkeiten hervorgehoben, die gefährdete Mädchen während des An- Staltsaufenthaltes und bei ihrem Wiedereintritt ins Leben bieten. Fs wurde in der Diskussion die Fräse aufgeworfen, ob nicht schon in der Heimerziehung gefährdeter Mädchen eine Erziehung zur späteren Freiheit durch allmähliche Erprobung ihrer sittlichen Festigung möglich sei. Die „Nachgehende Fürsorge" (Referat: Paula Nassauer-Frankfurt a. M.) nimmt nicht nur für (ieiährdele und Anstaltskinder, sondern für alle Jugendlichen eine besonders wichtige Polle ein. Eine verständnisvolle Zusammenarbeit der indischen Erziehungsanstalten sowie der jüdischen Wohlfahrtsämter und Vereine mit den Heimen wurde von allen Seiten gefordert (Referat: Dora St Ibermann-Berlin.) Die Vertreterin der Zen tral wohlf a h r tss t e I le der deutschen .luden sprach von dem Plan eines Auts tusschusses, in dem zunächst die Heime der Qefährdetenfürsorge sich zusammenfinden sollen. I ber die Anforderungen, die an die Erziehenden selbst ZU stellen sind, «ab es, nach einem Referat von Frl. Sidonie Werner- Hamburg, eine lebhafte Aussprache, In der die verschiede n Auffassungen der Generationen charakteristisch zutage traten. Die statistisch noch nicht erfaßte — und in ihren psyehologisi a Differenziertheiten auch nicht zu erfassende — Gruppe der „I - millenlosen", der Unehelichen, der Kinder aus Mischehen d zerrütteten Ehen (Referentin: Frl. Bertha Pappen heim) wi c als besonderes Erziehungsproblem wohl zum ersten Male leuchtet. Auf diesem Hintergrund erhob sich das Mild der Familie . Is Erziehungsstätte von unersetzbaren Werten und der nur ihr elg< Atmosphäre (Referat: Frau Dr. Rahel S t r a tt ß - München). In dem letzten Referat (Anregung zu einem freien Zusamm schhiß jüdischer Eltern) betonte Frl. P a P P e n h e i in, daß die iüdis c Familie folgende Mindestforderungen in der Erziehung ihrer Kii verwirklichen müsse: Die Ausgestaltung des Freitagaben s zu einem besonderen, festlich betonten l'ainilienabend: die Unur- Strelchung der jüdischen Feste: die bewußte und betonte Erfüll s des MaaBer gebot s; einfache Lebensführung; Re Inhal tu? des Hauses von geschmacklosen und aufreizenden Zeitungen d Bildern; lebendige Verbindung der Kleinwelt des Hauses mit großen Fragen der Welt. Die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, Frau Bei Brenner, konnte in ihrem Schlußwort feststellen, daß gerade Verschiedenheit der Auffassungen, der Melnungs- und Erfahrungs; tausch der Generationen, der Mütter und Berufserzieherinnen, Le rinnen und Jugendfürsorgerinnen die Aussprache bereichert und wesentlich gefördert habe. Sie hoffte, daß sich das gegenseitige \ stehen und die gemeinsame Klärung der Begriffe auch in der Ziehungsarbelt an den verschiedenen Stellen praktisch auswil werde. In besonderer Erinnerung wird allen Teilnehmerinnen ein Ab< t im Hause der Frau Clementine C r a m e r bleiben, der durch ein i Melles Gepräge und die vollendet schöne Aufführung einer als Seh tenspiel bearbeiteten und vertonten „Geschichte des Rabbi l_ nina", die Frl. P a p p e ii Ii e i in las, au Stimmung und Genuß S( lies bot. Den stärksten Eindruck aber gaben und hinterließen die IT. furter Taue allen durch die Persönlichkeit Hertha Pappenhein die diese Tagung erdacht und führend beeinflußt hat. die durch i Lebensarbeit und ihre Lebensauffassung den Jungen und Älteren, jüdischen Frauenwelt in ihrer Gesamtheit direkt und indirekt Erzieherin geworden ist. Wie steuern wir Die Wirtschaftlichen Verhältnisse machen heute mehr denn je eine gute Berufsausbildung zur Voraussetzung für ein Fortkommen im Lebenskampfe. In Zeiten wirtschaftlicher Blüte mögen auch dusogenannten „Luftmenschen", das sind solche, die ■ rlel Berufszweig ordnungsgemäfl erlernt haben, sich erträgliche Existenzen schaffen. Diese Zeiten aber sind dahin. Heute rächt es sich bitter, daß Hunderte von Familienvätern nichts Rechtes können: unabwendbare Not zieht In die Häuser ein, und alle Mittel der Fürsorge reichen nicht hin, die Sorge von ihnen zu nehmen. Nur eine Hoffnung gibt es, um ihnen eine frohere Zukunft zu bereiten: die Sohne und die Töchter, die heranwachsen und den Eltern zur Stutze werden können und sollen. I in SO dringlicher aber ist es geboten, daß E 11 er n, deren Kinder die Schule verlassen, die Frage des Berufes mit allem Ernste prüfe n. der Verelendung? Erstes Gebot sei es ihnen, daß die Söhne und die Töchter ih künftigen Berul gründlich erlerne n. Es ist ein großer Irrt wenn so viele meinen, ihre Kinder müßten so schnell wie möglich ' dienen, und sie deshalb in einem Berul nur eine oberflächliche A bildung nehmen lasen: nur die Tüchtigen finden I schäftigung und k o m m e u v 0 r w ä r t s. Nicht minder wichtig ist die Wahl des B e r u f e s. Es k nicht eindringlich genug vor solchen Berufen gewarnt werden, schon heute überfüllt sind, schon heute nicht allen Verdienst ge können, die In ihm Anstellung suchen. Beispielsweise Unverstand, groß ist die Zahl solcher Jungen, die Kürschner werden wollen, wohl es genug Kürschnergehilfeii gibt, die oft monatelang keine Arl finden. Es gibt so viele aussichtsreiche Berufsmöglichkeiten; wai sollen sich alle gerade in einen Beruf drängen, in dein es hernach sonders schwer sein muß, sich zu ernähren.---

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