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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-02-01 · 5 (1.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 (;i:mi:ini>i:bi.att iw.r israhutischkn rkligionsgemeinde zu LEIPZIG Niuiiin, jj einiger Qemeinden recht wesentliche Beträge für Jugendarbeit. Schon seit einiger Zeit werden von manchen Qemeinden einzelne Jugendbiinde durch kleine Beihilfen unterstüzt. Neuerdings beginnt man jedoch schon diese Arbeit als eigentliches Arbeitsgebiet der Gemeinde zu empfinden. So hat die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg sehr stark auf die Initiative des Hamburger Landesausschusses der indischen Jugendorganisationen erst vor wenigen Wochen ein Kroßes Jugend- und Gemeindehaus eröffnet. hu Etat der Jüdischen Gemeinde Berlin standen in den Jahren und 1928 je M. 32000. tiir Zwecke der Jugendpflege. Im Jahre 1929 wird dieser Betrag aller Voraussicht nach um mehr als das Doppelte erhöht werden. Drei große Arbeitsgebiete haben sich in der Berliner Arbeit allmählich herausgebildet: Förderung von Turnen und Sport. Förderung der organisierten Jugendbewegung und ihrer geistigen Fortbildung und endlich Förderung der bisher unorganisierten jüdischen Jugend. Dabei ist die Form, in der diese Ar i| sich vollzieht, ebenfalls sehr bedeutungsvoll. Iis handelt sich nicht mehr nur um eine Arbeit für die Jugend, sondern um i lt Arbeit, die zum erheblichen Teil unmittelbar von der Jug J selbst geleistet und geleitet w ird. Der Jugendpflegeausschuß der Jüdischen Gemeinde Berlin besteht schon heute aus Vertretern der alteren und der jünio Generation in etwa gleicher Zahl. Sobald die Satzung >$ Jugendpflegeausschusses von der Gemeindevertretung ve >- schiedet sein wird, werden sogar die Vertreter der Jugendbii le die Mehrheit des Jugendpflegeausschusses bilden. Wir wünschen dem Jüdischen Jugendring Leipzig zu et ersten Wiederkehr seines Gründungstages, daß auch die Ji i. sehe Gemeinde Leipzig die jüdische Jugend an der Erfüll g ihrer großen Aufgabe beteiligen und ihr die erforderliche II fe hierfür werden lassen möge. DER JUDISCHE JUGENDRING LEIPZIG Von Hans Oesterrcicher Es geht bei der Zerrissenheit unserer jüdischen Gemeinschaft den Jungen selten anders wie den Alten: Zum Zusammenschluß und zu einer gemeinsamen Tat bringt sie nur eine allen gemeinsam drohende Gefahr, ein kurzes, gemeinsames Ziel, jedenfalls aber nur eine dringende Notwendigkeit. Ist die Gefahr vorüber, das Ziel erreicht oder die Notwendigkeit aufgehoben, kehren sich allgemein die Waffen wieder gegeneinander, und man geht erst In dem Moment wieder zusammen, der In hczug auf eine alle angehende Not der letzte ist. Der Jüdische Jugendring Leipzig bildet eine der wenigen Ausnahmen, obwohl er im ersten Jahre seines Bestehens einige Wale hart an den Folgen dieses alljüdisehen Separatismus vorbeigesegelt ist. Fr hat sie aber überwunden, steht heute fester denn je und w ird, da wir jungen jüdischen Menschen es wollen, stehen bleiben. In Leipzig wußte jeder jüdische Jugendbund vom anderen nicht mehr als die Tatsache seiner Existenz, als durch die nach Leipzig gelangende Ausstellung ..Das junge Deutschland" zum ersten Male eine gemeinsame Aktion notwendig wurde. Fs galt, neben der gesamten deutschen Jugendbewegung anständig zu bestehen. Dazu gehörte vorläufig einmal eine Verständigung aller Bünde untereinander und die Schaffung eines Arbeitsisschusses, der im September 1927 von Philipp Hojda als „Ai tsgemeinschaft der jüdischen Jugend verbände" gegründet wurde. Stundenlange Führersitzungen, emsiges Schaffen jedes Bundes zwecks Zusaniinentragung des Ausstellungsmaterials, Verhandlungen mit den öffentlichen Stellen, der Ausstellungsleitung, Feilschen um jeden Zentimeter Ausstellungsfläche, Beratungen über die Stilisierung. Arbeiten an unserer Ausstellung bis in die Nächte lünein. Kritik am mühselig gewonnenen Resultat . dies waren die Umstände, die eine Atmosphäre der Gemeinschaft schufen. Sie wurde von allen gefühlt, man wurde auf einmal gewahr, daß unser Jüdischsein von vornherein ein enges Band zwischen uns allen bildete und dali die Gegensätzlichkeit der Anschauungen unsere menschliche Bindung nicht zu behindern brauchte. Die Ausstellung, die erste gemeinsame Tat, stand. Blau und weiß, mit Einschlags Jungenkopl in der Mitte, knallte die ..Jüdische Wand" im Bauhausstil Dm Tolziners in den Wulst aufgestapelten Jugendlebens in den anderen Kojen, die jüdischen Eltern und manche Jugendliche mit ihnen bestaunten die kahle Wand, blätterten leichthin in den Zeitschriften. Klaubten nicht der Statistik, gingen und jammerten Uber die Armut dieser Selbstdarstellung. Nun. wir Eingeweihten w ußten, daß die öffentliche Kritik die Unmöglichkeit einer Darstellung der Jugendbewegung durch sichtbare Ausstellungsobjekte ganz richtig erfaßt hatte, daß es dort darauf ankam. in jugendlichem Stil das wenige sichtbare Material der ji: scheu Jugendbewegung ZU gruppieren und im übrigen dui I sich selbst im Leben zu beweisen, ob und wie die jüdische .luge existierte. Einmal marschierte die „Arbeitsgemeinschaft der jüdiscl Jugendverbände", M) Mann stark durch die Stadt und d;. zur Besichtigung in die Ausstellung selbst. Als sich die Fühl r w ieder zusammensetzten, brauchten sie den allgemeinen Drang in einem Bund aller Bünde zusammenzubleiben, nur zu k< Statieren, und der .lugendring wurde gegründet. Das ging sl und selbstverständlich im Januar 1928 vor sich, der „Jugeni ring" trat dem Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbän« - Sitz Berlin, bei, wählte Philipp Hojda zum Leiter und herein ti seine öffentliche Gründungsfeier vor. Diese fand statt! 29. Januar 1928, beginnend mit einem Umzug des gesamt Jugendrings in Anzahl von 600 Jungen und Mädchen, ein» bis auf den letzten Platz besetzten Saal im Zentraltheater Ui einer Menge guter Darbietungen von selten der .lugendrü bände und Ansprachen von selten der jüdischen Verbände Uli der jüdischen Oeffentlichkeit. Um die jüdische Jugend all Richtungen war der Ring ihres jüdischen Stammesbewußtsei geschlossen. Dieses Stammesbewußtsein, das die Führer zuerst gespi hatten und das sie spontan den „lugendring" gründen Ii mußte tiefergelegt werden, mußte den Gruppen und Jüngei zwecks gegenseitigen FühJens nahe gebracht werden. Dazu u half der allwöchentliche Sportnachmittag auf dem MeßpiaI gelände, WO die Bünde gegeneinander Hand- und Völkcrb spielten und sich dabei kennenlernten. Fs stieg die große Trel fahrt der .lugendringbünde im Sommer 1928 mit den Meisk Schaftsspielen und neuen Darbietungen von Chören und Fahl tenorchester. Die Bünde unter sich veranstalteten Orient: rungsbesprechungen. lernten die Bundesideologien der ändert kennen, verschafften sich dadurch eine objektive Kenntnis all jüdischen Richtungen. Dann kam die Uebernahtne der Sozi., arbeit im Herbst. Zuerst übernahmen 10 Jungen und Mädch Einzelpflegearbeit bei bedürftigen jüdischen Kindern. 7 weite: leisten Hilfsdienst im Kinderhort, dem (ieineinde-Wohlfahrtsai: steht eine praktische Hilfstruppc von 10 Jungens zur Vi. füguug. wir älteren Führer stehen zur Fürsorgearbeit an älter« Jugendlichen bereit. Chor und Orchester spielten zweimal , Wohltätigkeitsfesten. In einer uns vom Schulamt zur Vei füguug gestellten Turnhalle wurde ein Gymnastikabend für ab Bünde eingerichtet, den ein eigens engagierter Sportlehrer Ic tete. Fr wurde im Dezember vom Bar-Kochba in der Weis abgelöst, daß die meisten lugendringbünde jetzt am Trainin

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