Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numn i | Aufschwung im persischen Judentum Nach einem Bericht aus Teheran hat sieh die rechtliche, politische und wirtschaftliche Lage der .Inden in Perslen seit der Inaugurierung des neuen demokratischen Regimes bedeutend gebessert. In der per- : Hauptstadl l'eheran leben heute ungefähr 10000 Juden. Kleinere .indische Gemeinden gibt es in anderen persischen Städten. Die Juden, die vor der neuen konstitutionellen Ära als Heloten behandelt, unterdrückt und mißhandelt wurden, denen nur die Ausübung der niederen Berufe gestatte! war, dürfen heute dank der freien Konstitution und dank auch dem seit dem Kriege vor sich gehenden wirtschaftlichen Aufschwung ehrenvolle Positionen einnehmen. Die persisch-jüdischen Kaufleute haben in den besseren Straßen von l'eheran moderne Warenhäuser errichtet und größere Handelsbüros etabliert. Die luden vermitteln den Handel mit Europa, richten Druckereien ein, mehrere Juden betätigen sich als Ärzte und Apotheker, eine größere Anzahl von Juden ist im Handwerk und besonders in der Schneiderei tätig, auch dürfen Juden heute staatliche Ämter bekleiden. Die bemittelteren Juden verlassen das enge Ghetto von l'eheran und siedeln sich In den europäischen Vierteln an. Die jüdischen Kinder besuchen die persischen und die ausländischen mittleren und höheren Schulen. Nach der Verfassung genießt der persische Jude die gleichen Rechte wie jeder persische Bürger, mit der einzigen Ausnahme, daß ihm wie jedem Nichtmuselmanen die Ministerlaufbahn verschlossen bleibt. Allerdings wird diese Bestimmung der Konstitution nicht konsequent durchgeführt; denn auch die Departements der Justiz, der auswärtigen Angelegenheiten, der Polizei, des öffentlichen Unterrichts und des Krieges scheinen den Juden verschlossen zu sein. Seitdem vor drei Jahren die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, dienen die jüdischen iungen Leute auch in der Armee, die den Juden früher hermetisch verschlossen war. Bei den Parlamentswählen wählen die Juden in einer gesonderten Kurie, was Anlaß zu bedauerlichen Streitigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde Kibt. Infolge dieser Unzuträglichkeiten ist u. a. die Zionistische Föderation Persiens seit einigen Jahren untätig. Anstrengungen, die Föderation . n reorganisieren, w erden gemacht (J. T. A.) Austausch zwischen der theol. Fakultät Gießen und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Zwischen der evangelisch-theologischen Fakultät Gießen und der Hochschule für die W issenschaft des Judentums in Herlin ist ein Austausch von Gastvorlesungen vereinbart worden. Zunächst wird der Gießener Religionshistoriker, Professor D. Dr. Heinrich Eriek. in der . letzten Januarwoche 1929 an der Hochschule für die Wissenschaft des ludentums eine Vorlesung über den „religionsgeschichtlichen Ort des Protestantismus" halten. Zu einem größeren Kreise wird Prof. Fried am Abend des 2H. Januar If?1' In einer der Monatsvorlesungen der Hochschule über das Thema: ..Was eint und trennt die Konfessionen" sprechen. Jüdische Verbände und Gemeinden Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek E. V. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die Unlversltäts- und National-Blbliothek zu .1 e r usa I e m außerordentlich «rolle Portschritte gemacht. Vor kurzem wurde das zweite Hunderttausend katalogisierter Bücher überschritten. Wenn ungefähr die Hälfte aller vorhandenen Bücher in deutscher Sprache abnefalii Ist, so is! dies der beste Beweis von der intensiven Tätigkeit der deutschen Freunde der Bibliothek. Die „Gesellschaft der Freunde der alem-ßibliothek E. V.", die an ihrer Spitze steht, hat durch den unerwarteten Tod ihres unvergeßlichen Vorsitzenden Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt einen Verlust erlitten, der nicht ausgeglichen irden kann. Durch den Tod des Vorsitzenden war die Tätigkel lei Gesellschaft fast gelähmt, and hat erst jetzt wieder mit neuer I eingesetzt. Die Sammlung von Büchern liest nach wie vor in |en Händen des Geschäftsführers (im Ehrenamte) Herrn Protessoi m Heinrich 1. o e w e, Merlin NW 40, Flemingstraße I-. Ii ,|a letzten Zeit sind namhafte Bücherspenden unter anderem elngeg, an von Prof. Dr. Ismar Elbogen, Frau Staatsrat Dr. S. (ii c. witsch, Ludwin I k e n h e r k . I tresden, H. LI c h t e n s l n, Prof. Dr. Heinr. Loewe, Rabbiner Dr. Arthur Posner, iel Direktor Moritz Simon tauch für Bezalel), Prof. Dr. Lu vi« Stein (auch für Schaar Zion in Tel-Abib), Verlag Ullsi n, Prof. Dr. Eugen Wölbe (soweit kein Ort genannt Ist, in B< n. Eine sehr namhafte Geldspende wurde von Herrn Lippmann Hl c\\ in Breslau zur Verfügung gestellt. Unser Vorstandsmitglled n Simon S t r a u 1.1 in Kassel hat sich bereiterklärt, jetzt in sysl na. lischer Weise die von ihm früher gestiftete «rolle Sammlung i\. üstlscher und rechtsphllosophisch-ethlscher Literatur zu erw< rn und auszubauen. Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt hat seit Jahren für die Jerusa m. Bibliothek eine hauptsächlich laryngologische Blbliot k gesammelt. Diese sollte nach seinem Tode In den Besitz der lerusalem-Blbliothek übergehen, Er hat aber schon bei Lebzeiten iegönnen, Teile davon direkt nach Jerusalem zu «eben. Im Hochsoi konnte die Gesellschaft In seinem Auftrage die ersten drei Kistci nil wertvollen Werken nach Jerusalem übersenden. Er halte zu dh cm Zwecke durch Josef Schwarzmann ein Exlibris hersti ,n lassen. Die tragische Verkettung der Umstände wollte es, dall Iii danksagende Bestätigung des Eingangs aus Jerusalem hier wäl ü der Beerdigung des Stifters einging. Unmittelbar vor seinem le der viel zu frühen Tode hat Dr. Bradt letztwillig verfügt, daß s ine gesamten medizinischen Bücher sofort nach Jerusalem übergcl hn werden sollen. Wir werden daher die Exlibris von Josef Schu rz« mann jetzt einkleben lassen und dann die sehr bedeutende Blblh k an ihren Bestimmungsort überführen. Jetzt ist es die vornehmste Aufgabe der Gesellschaft, das V rk des verstorbenen Vorsitzenden mit doppeltem Eifer aufzunehmen nd fortzuführen, damit der Verlust einigermaßen ausgeglichen wird. Die Geschäftsführung licet nach wie vor in den Händen des Sei Iiführen Prof. Dr. Heinrich L 0 e w c , Schatzmeister ist Bankier lil Dammann in Firma Emil Dammann & Co.. Berlin NW 7, l niversitätsstraße 3b. ohne dessen tatkräftiges Eingreifen die Wirk^ mkeit der Gesellschaft unmöglich wäre. Der Jahresbeitrag für Eil ipersonen beträgt 10 M. Das Wolffsohnhaus der Bibliothek ist jetzt unter l> Ii Zum Frühling ist seine Einweihung zu erwarten. Eine noch fehl* de Summe für den Innenausbau muß jetzt aufgebracht werden, hier tuull auch die Bibliotheksgesellschaft einspringen. Das Ergebnis der Wahlen in der Dresdner jüdischen Gemeinde In der Jüdischen Gemeinde zu Dresden fanden die Wahlen im Gemeinderat, der sich Lude l"2s auflöste am Sonntag, dem 20.Jai ir, unter außerordentlicher Beteiligung statt. Es war der erste wirkl hc Wahlkampf seit \')\2, da die Ergänzungswahlen in den nachfolge Jahren in der Hauptsache auf (irund von Kompromissen ZUSta Ckamen. Noch am Abend vor der Wahl hielt die Jüdische Volksp. tei eine Massenversammlung ab. in der Herr Ministerialrat Hans (r il ans Berlin der Hauptredner war. Abgegeben wurden Insgesamt 920 Stimmen, wahlberechtigt w 1160 Qemeindemitglieder, so dal) eine Wahlbeteiligung von B0' verzeichnen ist. Ungültig waren 39 für den Gemeinderai und 15 il den Qemelndevorstand abgegebene Stimmen. In den Vorstand gewählt 3 Liberale (415 Stimmen), zwei Mitglieder der Jiidis^ Ii Volkspartei (360 Stimmen). Auf die \22 Stimmen der VolksvereiniK - Häuser / Hypotheken / Hausverwaltungen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSB 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 235 71