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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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25 anuar »929 GEMEINDEBLATT DLR ISRALLII ISCIILN RLLICIONSGLMLINDL ZU l.l-IPZIG Seite 3 in .11cr ganzen späteren Geschichte hat Israel von den mesopotami- VÖlkern nur Schlechtes erfahren, Israels Geistesführer hatten ,., e Völker nur den Fluch iiliri«. Man könnte aber entgegnen, daß d;is immer noch unberechenl»,n Alter der ägyptischen Kultur dem der babylonischen vielleicht gk : kommt. Dagegen muß Iiier d;ir;mf hingewiesen werden, daß es sieh bei j, rage nach den Anfängen der Kultur, doeli nur um den Beginn jt ulturgeschichte handeln kann. Denn nur das Interesse au der |v entwicklung der Menschheit, rei/t uns. ihren ersten Sinnen igehen, Die Frühkultur irgendeines alten Volkes, das zu dem a||i leinen Kulturstrom keine Verbindung hatte, ist für uns ohne Belau Ist dies aber der Fall, dann kommt nur Babylon lür uns in Hell» well nur die kulturellen Ausstrahlungen dieses Landes uns den 1^ i, das Wachstum, die Entfaltung und Verästelung der Kulturg( .lue veranschaulichen können. Nur Babylon hat sieh um die \ nun« und Entwicklung der Kultur der ganzen Weit das Hauptv( st erworben. Darin stimmen heute alle spruchbefugten Beurteilet rein. Selbst Eduard Meyer, der mehr als jeder andere das hohe \\\, Egyptens und seiner Kultur hinaufzuschrauben bemüht ist, so aucli neuerdings betont mit Nachdruck, daß Babylon, im Gegeni Ägypten, schon in den iiitesten Zeilen in einem breiten Strom I ichen Lebens und vielseitiger Wechselwirkung gestanden habe, und I! die babylonische Kultur viel intensiver auf weite Gebiete und lr< Völkerstämme gewirkt hat als die ägyptische, die eine nationale. Beschlossene Grundlage hatte und daher nur auf das schmale nubische Gebiet eine ununterbrochene Einwirkung ausüben konnte. Hii ler Festsetzung des Alters der ägyptischen Kultur im Gegensatz zur :b\ Ionischen ist außerdem «rolle Vorsicht nötig. nun und Ranke, heule die größten und verdienstvollsten \. otogen Deutschlands, erklären in der neuesten Auflage des klassischen Buches: Ägypten und ägyptisches Altertum usw.. s. 5 7. daß die babylonische Kultur mindestens so alt ist wie die ägyptische, wenn nicht noch älter. Ebenso weisen sie darauf hin. daß aus dem iltesten Ägypten nur Tempel und Pyramiden erhalten sind, weil sie aus Kroßen Steinen hergestellt waren. Paläste dagegen, die aus unlieb i unten Ziegeln erbaut waren, sind alle verschwunden. In dem steil rmen Babylonlen aber bildeten die ungebrannten Ziegel das gesamte Baumaterial auch für die Tempel. Ferner warnen die beiden renannten Agyptologen davor, die Zeitangaben der ägyptischen Inschriften kritiklos zu verwerten: denn die Inschriften sind oft sehr „vei lächtig, geschmeichelt, übertrieben und nachgeahmt44. Dieses Urti i aus dem berufensten Munde ist gewiß nicht verdächtig. I'er Leipziger Dozent Schneider weist auf Seite 24 seines von \. (otogen wie von Assyriologcn gleich hochbewerteten Buches: K und Denken der Babylonier usw.. außerdem noch ilarauf hin. daß der Boden Babylons dem des ägyptischen Delta gleicht, in welchem bekanntlich fast gar keine Denkmäler erhalten geblieben sind, weil sie in dem feuchten Boden zugrunde gingen nur der trockene. sandige Hoden Oberägyptens ist konservierend und dal! außerdem der Moden des lernen Babylon doch nicht annähernd so durchsucht ist,wie der Agj ptens, welches stets von europäischen und amerikanischen Touristen Überfällt ist. Ferner erinnert Schneidet daran, dal! die wichtigsten Reste der urägyptisechen Kultur vom Totenkuli herrühren so vor allem die Pyramiden, die doch eigentlich nur Gräber sind während den Babylonlern der Drang nach ewigen Gräbern Fehlte. Wir sehen also, daß die biblische Überlieferung, die. im Gegensatz zu den Traditionen aller anderen Völker, das erste Kulturzentrum an den I lern des Euphral und I iuris zeigt, auch in Zeitgeber Hinsicht ihre Bestätigung findet. Aber die biblische Uberlieferung zwing! uns, in einem noch weil höherem Malle ihre unentwegte Echtheil zu bewundern. Indem sie auch noch einem andern, kleineren Volke, welches nachweislich bereits Jahrtausende vor der biblischen Periode von der Erde verschwunden war, ein ehrendes Denkmal setzt Ich meine, jenes neuaufgetauchte Volk, dem die allerältesten auf uns gekommenen primitiven Spuren menschlicher Kultur angehören, und das in den babylonischen Inschriften aller späteren Jahrtausende ..Suiner" genannt wird, währen.I die Bibel noch den ursprünglichen Namen „Sinear" (1. 15. M.: 10, l"- II. 2: 14, 1) genau bewahrt hat. welcher in Berücksichtigung der orientalischen Aussprache des ebräischen g oder ch mit dem „Schangar" der Amarna sich deckt: ein Name, der sonderbarerweise in den sumerischen Inschriften selbst bis ietzt noch nicht gefunden werden konnte. I lieses Sumerer- oder Schinearvolk. dessen Existenz früher, in der ersten Periode der Ausgrabungsforschung, von mehreren Assyriologcn, die in der sumerischen Sehriit lediglich eine altbabylonische Priestet ■ schritt erblicken zu dürfen glaubten, bestritten wurde, stellt uns heute in seiner Käuzen Größe leibhaftig vor Augen. Wir kennen heute seine spezitische Kultur, die sich selbsl noch in den spättreu Perioden von der gleichzeitigen babylonischen wesentlich unterscheidet, sowie seine ihm eigenen Religionsanschauungen, die sich von denen der anderen Babylonier auffällig abheben. Besonders aber seit der Entwicklung der modernen Sumcrologie, wagl es kein Assyrlologc mehr, die re ih: Existenz der Sumerer anzuzweifeln. So haben also die Assyriologen auch dieses archäologische Problem, bei dem sie die Bibel auch heute noch keineswegs ZU Rate ziehen, ohne es zu ahnen, im Sinne der Bibel gelöst. (Vgl. die Besprechung des Buches: ..S. Jampel, Vorgeschichte deisraelitischen Volkes und seiner Religion41 in der vorliegenden Nummer.) Aus aller Welt Die neuesten Ausgrabungen in Palästina \us Jerusalem wird berichtet: Professor Garstang von der Univer tät Liverpool, der früher das Antiiitütätcndcpartcuicnt der Paläsl regierung leitete und nach seiner Rückkehr aus England seit cini- .i Zeil Ausgrabungen vornimmt, teilte dem Mäcen seiner Arbeilen. Sil Charles Marton, telegraphisch mit. daß er seine Vorarbeiten an lk Platze der biblischen Stadt Hazor beendet und auch d< Ort von AI bereits durchforscht habe. Er hofft jetzt, durch vt eichende Untersuchungen festzustellen, in welchem Zeitabschnitt der AuSXUg der Kinder Israels aus \« v p t en Ogen hat. Hazor am Meromsee ist die Stadt des Königs labil', dt :usammen mit den alliierten kanaanitischen Städten von der Richly Deborah in der Schlacht am Thaborberge besiegt wurde (Riehls!Y). Professor Gnrstangs Expedition hat dort, wie verlautet, einige Si len und andere Überreste eines Tempels BUS der Zeit Salomons ' zelegt. Zur Feststellung des Datums der Schlacht hat sich Pro- Ii >r Garstang zu vergleichenden Studien nach Jericho begeben. Mit dem Ingangkommen der neuen Ausgrabungssaison wird auch P r-.sor Dr. William F. Bade, Direktor des Palästinainstituts der I Hc Schoo! of Religion in Berkeley, Kalifornien, wieder zurückk en. um seine Ausgrabungen in Tell-cn-Nasbeh, acht Kilometer Hieb Jerusalems, wieder aufzunehmen. Professor Bade hat dort etzten Jahr eine biblische Stadt bloßgelegt, die als d s a 11 e MI z p a Ii des I' r o p Ii e t e n S a m u e I angesehen wird. H s wird bereits seine dritte Forschungsreise nach Palästina -ein. Ms Resultal der beiden vorigen hat er die bedeutendste Einzelsammlung der verschiedenartigsten bisher aufgefundenen israelitischen Keramik zusammenstellen können. Auf seiner letzten Expedition legte er einen allen israelitischen Tempel bloß, der auf Fundamenten aus i!cr Zeit zwischen Inn und 600 vor der christliehen Ära errichtet wurde, i'lso wohl noch in den 'lauen Davids. In einem Keller eindeckte er eine Reihe antiker Weinkrüge, deren einer auf dem Henkel die hebräische Inschrift ..Mi/pah" trug. Dadurch sah Professor Bade seine er I Annahme bestätigt, dal! die bloßgelegte Stadl da- Mizpah des Propheten Samuel war. Zum Beginn der neuen Forschungsperiode hat du' Regierung eine für die Archäologen sehr einschneidende, dem Laude aber nützliche Verordnung erlassen, nach der in Zukunft Ausgrabungen nur noch gestattet werden, wenn die Funde zwischen der Expedition und der Regierung geteill werden. Herzls Original »Testament wiedergefunden Das Original des von Theodor llerzl. dein Begründer der modernen zionistischen Bewegung, eigenhändig niedergeschriebenen Testaments, von dem man angenommen hat. daß es während der Nicdcrhrcimiuu; des Wiener JuStispalastCS im Jahre 1927 mit so vielen anderen Akten der Vernichtung anheimfiel, i-t soeben vom Präsidenten der österreichischen Zionistischen Organisation, Rechtsanwalt Dr. Leo Goldhammer, im Distriktsgericht zuWien-Döbllng wieder aufgefunden worden. I's bestand die Besorgnis, dal! durch das Verschwinden der Originalabschrift des Testaments Schwierigkeiten bei der ( bcriühnillK der (lebeine HerzK nach Palästina einstehen werden. Nun sind diese Sehw ierigkeiten behoben.

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