Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4876568-5968790-5969076--2246-4879852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Niimr | Seite Aufsätze Uber Jüdische Gegenstände, keineswegs nur aktuelle. Homiletische [Seiträge nur mit Maß und Ziel, möglichst wenig mit der Überschrift ..Herr Sow ieso und das Judentum", Worauf es ankommt, ist, daß die Artikel anständig geschrieben sind und \i ii Leuten, die etwas zu sagen haben. Nicht jeder dieser Aufsätze muß Offenbarungen enthalten, aber irgend etwas soll drin stehen, was irgendeinem etwas gibt Aul diesen Knien kommt es an, denn der Appetit kommt beim Essen. Die ritemcn ergeben sieh fasl von selbst aus Zeitfragen (siehe oben) und aus allgemeinen jüdischen Problemen: nur müssen sie gestellt und mein dem Zufall überlassen werden. Nebenbei: jeder Originalartikel hat Anspruch auf Bezahlung. Ein besonderes Arbeitsgebiet der Gemeindeblätter sollte die Ortsgeschichte sein. Auf den Gemeindestuben, in Familien, in alten Zeitungen, in den Stadtarchiven modert ungeahnt viel interessantes und wertvolles Material. Die Erfahrung zeigt, dal! gerade derartige historische Miszellen besonders gern gelesen werden, zumal von den Nachkommen der behandelten Personen; Jas Beispiel weckt Nachahmung, und so entstehen die Zeilen des erwachenden Interesses. Auch alle Familiennachrichten der Gemeinde sollen im Blatt stehen, von der (ieburt bis zum Grab, und sei es mir in statistischer Form. Schon als Quelle Für spätere zusammenfassende Darstellungen. Dann alle Bekanntmachungen der Verwaltung, aufklärende Artikel über die Rechtsverhältnisse der luden und ihrer Gemeinden, Berichte über die Sitzungen der Gemeindekörperschaften (mit den Namen der Redner), periodische Verwaltungsberichte der einzelnen Institutionen, alle Vereinsnachrichten, die gottesdienstlichen Anzeigen, der jüdische Kalender, einmal im Jahr die Namen aller Ehrenbeamten und ihre Funktionen. Ein besonderes Kapital iM der im technischen Sinn religiöse Inhalt. Die Betrachtung über den laufenden Wochenabschnitt ist zu sehr in Mißkredit gekommen, aber es wäre doch sehr zu begrüßen, wenn sich unter den jüngeren Rabbinern oder befähigten Laien einer lande, der zum Abdruck in allen Gemeindeblättern kurze aphoristische Abhandlungen über diesen seihen Wochenabsclmitt so schreiben könnte, daß sie in unserer Zeit Anspruch auf Beachtung hätten. Das wichtigste wird sein, einen neuen Stil dafür zu finden und lockende Überschriften; Zitate bitte nach Buber-Rosenzweig. Auch Bücher sollen regelmäßig an- K( werden, wobei durchaus nicht von jedem Much gilt. dal.', es auf keinem Barmi/.w atiseh fehlen sollte. Nachrichten ans anderen Gemeinden, auch aus dem Ausland und sogar aus Palästina gehören in jedes (ieineiiidehlatt. ebenso wie Berichte über Tagungen, möglichst kurz und nur über das Wesentliche referierend. Schon aus diesem (irund ist übrigens wöcl iliches Erscheinen geboten. Eine besondere Rubrik „Ausspru e" ist zu empfehlen, doch darf die Aufnahme von Fragen und ritiken nicht engherzig gehandhabt werden. Ein wegen er Kosten meist gemiedener, aber nicht zu unterschätzender i o. grammpunkt ist die Beigabe von Bildern: Photographie! deutender Gemeindemitglieder, aber auch Abbildungen sei er Kultusgegenstände, Gruppen aus Schulfesten und ähnll v l ud ein nirgends durchgeführtes Mittel wäre die Veröffentlichung guter neuer Belletristik. Welche Aussichten würden „ii eröffnen, wenn es gelänge, für die Gemeindeblätter jüdi; he Romane zu finden, wie sie in der ..Berliner Illustrierten" on der Maas bis zur Meinel. von der Madam bis zur Magi n geradezu magisches Band um die sonst so zerklüfteten M neu schlingen. Dabei haben auch w ir einmal unsere Helene \ IIfüer gehabt, und sie hieß »Vögele der Maggid". Hilft viell In ein Preisausschreiben? Also auch in dem von Natur bcscln kten Umkreis der Gemeindeblätter läßt sich eine gewisse \ elseitigkeit erreichen, so man nur auf Wilhelm Busch hört: „Denn guter Menschen Hauptbestreben Ist andern auch was mitzugeben". lau letztes Wort mich über die vielumstrittene Frage er Neutralität. Sie spukt immer noch, obwohl es sie so wi ii« gibt, wie die voraussetzungslose Wissenschaft seligen An 11kens. Natürlich darf in einem Gemeindeblatt nicht etwa inseitige Parteipolitik getrieben werden. Aber dies kann i ein ausschließen, daß alle das Judentum, also auch die Qemei Je. bewegenden Fragen in objektiver Weise erörtert werden, hie Versandung unseres öffentlichen jüdischen Lebens rührt großen Teil daher, daß die einzelnen Gruppen nebeneina er herlaufen, nur noch durch commercium und in beschränl Umfang durch connubium in Verbindung, im übrigen aber i hl ei fahren, w as im gegnerischen Lager vorgeht und warun es Oberhaupt ein gegnerisches Lager ist. Wahrhafte Auseinari rsetzung, und damit wohl auch die viel besprochene Bei cdung, kann nur auf gemeinsamem Boden erreicht werden, emals in Parteilokalen, wo doch immer nur dieselben Leute i isselbe Sprüchlein aufsagen. Das Wie solcher Erörterungen im Gemeindeblatt muß sich den örtlichen Verhältnissen anpas n. Aber aus Übertriebener Ängstlichkeit alles zu vermeiden, as da ( der dort übel vermerkt werden könnte, das hieße den S iin des Qemeindeblatts in sein Gegenteil verkehren, denn es w re nichts anderes, als ein schlecht maskierter Rückzug in le Lethargie, der wir gerade entrinnen wollen. Die Bibel als Geschichtsquelle Anfänge der Kulturbildung Von Dr. S. Jampcl, Schwedt a. O. Die Imposanten Denkmäler Mesopotamiens,die uns die gewaltigen Leistungen seiner Bewohner auf allen Gebieten menschlichen Schaffens und Wirkens, in Religion, Kiihm und Wissenschaft, in Jurisprudenz, Handel. Agrikultur und Technik bewundern assen, belehren uns. daB die Kultur Babylons alle anderen Kulturen des hohen Altertums nicht allein dem 'Irade sondern auch dein Alter nach bei weitem überragt Beim wir sehen Babylon bereits in mütterlicher Keile, während die anderen Völker des alten Orients bestenfalls in d<.r iiiugir.iulichcn Entwicklung begriffen sind, wenn nicht gar ..In Kinder mit harmlosen Spielen sich zerstreuen oder als zarte Siiunlinge in den Windeln liegen. l>as ermöglicht uns. die Anfange de Kulturbildung zu beobachten und zwingt uns die Überzeugung auf. dal! alle alten Völker zu den Bewohnern der Euphrat- und TigrlsUnder in dem Verhältnis von Schillern zu Lehrern gestanden haben. Nun ist aber Babylon bereits in der zweiten Hälfte des zweite i vorchristlichen Jahrtausends von Assyrien politisch in den Hintergrund gedrängt worden, und dementsprechend war auch sein KulturelnfluB immer schwächer, wie ja überhaupt Babylons groltte Kulturepoche im dritten vorchristlichen Jahrtausend liegt Ägypten dagegen hat auch im letzten vorchristlichen Jahrtausend seinen Kulturen lü in gleicher Stärke geübt Nimmt mau noch dazu, dall Hab im weiten Nordosten Vorderasiens liegt, während Ägypten das trum der Mittelmeerländer bildet, so ist es geschichtlich s i wohl zu begreifen, d a 11 die I r ad it innen a < allen Völker, ebenso auch die griechische, l 11 Ursprung aller Kultur in Ägypten gesehen Iiab Ii. \y.i ist aber geradezu staunenerregend, daß die Ober! - Ierung Israels, des Nachbarvolkes der Ägypter, die länge der Kultur d o c Ii i n B a b y Ion Ie n zeigt, n dem Israel während der ganzen biblischen Zeit fast nur unter ä. tischem Einfluß gestanden hat. je mehr man nun die I rene dieser tischen Tradition, die bis in den Beginn der Kulturgeschichte zur reicht, bewundert, desto mehr iniilS man den Kopl schütteln über kritische Verkehrtheit, die solche biblische Partien in einer SP Zeit entstanden sein läßt. Natürlich uuili dann die Bibel bei der teilung dieser ehrenden Patenrolle bestimmte Tendenzen ven haben! Was aber konnte Israel in jener späten l'eriode. im Exile 1 in der Königszeit veranlassen. Babylon mehr zu ehren als AgYPi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.