Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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(tocinöcblatt DrR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I F"|D7irL AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT L L I ■ Mm IV7 DER GEMEINDEVERWALTUNG! |), .< im-iiulrbLitl crsdhHnt jeden 1 reit iio, und u ifd ,|, U(gUod«ni der HYllKloilKKt'im'lnflr UIU-MlK<*ltlitil dun I*ust /"L;''sit'lii — S c h r 1 f 11 o 11 ii ii g : 1 gl derabhlncr GlMtal (lohn, I.Hp/iu', l.ohrsIrnL'r l<> NUMMER 4 / JAHRGANG 5 FREITAG 25. JANUAR 1020 Anzrlgcnvcrvaltunu und Drink: Uminlrmkerti Vnpitsi Pries, l.rip/ig, Hrüdrrsir. 59 - Fern ruf 70006 - nwlviiietk 1 eip/iL' 530 2O — Niidulrmk nur mit Quellenangabe und mit (irnehmlgun^ des Verhüten Rettattel BEMERKUNGEN ÜBER GEMEINDEBLÄTTER Von Dr. Kugcn Mayer (Frankfurt a. M.) D habt Verw im \ schli seile: rang mei dreh dies. Abpl P 19 nr M\ Sil er* Im Mannheimer ,lsraelitischenGemeindeblatt" veröffentlicht der Syndikus der Frankfurter Gemeinde, Herr Dr. Lugen Mayer, die nachstehenden Ausführungen, denen wir uns in allen wesentlichen Punkten anschließen können. Die Schriftleitung. ie größeren jüdischen Gemeinden Deutschlands haben sieb neuerdings in vieler Hinsicht gewandelt. Die Gemeindeverfassungen sind reformiert, die Parteien sieb vermehrt und teilweiseverändert, Frauen sind in die I Hungen eingezogen, kulturelle und soziale Belange stellen rdergrund, die Jugend wurde entdeckt, der Zusammen- U in Verbünde beginnt die von den Schöpfern des preußiludengesetzes von 1847 gewollte und erreichte Atomisie- II Einzelgemeinden wieder aufzuheben. Im Leben der Qelen inaelit sieb sozusagen eine größere Anzahl von Utningen bemerkbar, und es wird darauf ankommen, daß bei Betriebsamkeit nicht wie bei der Erdkugel eine gewisse tttung eintritt. Vie könnte bei diesen veränderten Verhältnissen die >se fehlen? Ist doch die Presse usw. s gibt /ur Zeit in Deutschland mindestens 2.t Gemeindeer oder ähnliche Zeitschriften. Die ältesten sind das seit 11 Merlin erscheinende und das Frankfurter, das im 7. Jahrsteht. Ober die Notwendigkeit der (icmeindcblüttcr ist siebts dieser Entwicklung kaum etwas zu sagen: ihre ExiberechrJgung ist durch ihre Existenz erwiesen. Aber zu gen bleibt, wie denn nun ein solches Gemeindeblatt aus- 1 soll. \n sieb sind Zeitungen eine Veranstaltung zur ('bering von Nachrichten. Ihre heutige Entwicklung zu Werkmaschinen der öffentlichen Meinung ist nur ein Ausdruck Neben Analphabetentums und zugleich hemmungsloser malisieruug. An die Stelle der Urteilskraft tritt das laue Band.!>ie jiid isebe Presse wächst auf anderem Moden. Ihr us ist im üblichen Begriff weder auf Politik noch auf Nachten eingestellt, sondern auf Familie und Gemeinschaft, nungsmaschinen läßt sieb kein echter .lüde gefallen, denn er : selbst alles viel hesser und bat seit unvordenklicher Zeit ii nur fürs Essen seinen eigenen Scbtilcban-Arucb. I »abei erbebt sich die Frage: I s t d e r .1 u d e e i g e n 11 i c Ii gierig? Käme es als Beweis hierfür nur auf die Tatie des Pragens an, dann wären die luden sicherlich das neuigste Volk, das je über die Erde gewandelt ist. Sieht man sieb aber diese Fragen, diese endlosen ..Warum nicht" und „Warum ja" etwas näher an. so wird man bald merken, daß es fast immer nur rhetorische Fragen sind. Auf Antwort wird ernsthaft nicht reflektiert. Auch nicht gegenüber einzelnen Zeitereignissen, es sei denn, daß es sieb um Vorgänge handelt, die das Qesamtjüdische betreffen: etwa Montefiores Reisen, der Dreyfußprozeß, Kaiser Friedrich. Herzl und alles, was die Rothschilds angebt. Nur dem Anschein nach ist der lüde ni.i diesem Wort ist hier immer der in der Gemeinschaft verwurzelte Jude gemeint an dem Tun und Treiben der Welt so brennend interessiert. Fs ist wahr, daß nirgends, auch nicht an den berUhmten Hierbänken, eifriger politisiert wird als an den Holzbänken des östlichen Lehrhauses zwischen zwei Kapiteln „Ejn Jaakow". Aber die Diskussion bat kein Nachspiel. Sie hängt gewissermaßen in der Luft, als eine unvermeidliche Konzession an die Zeitlichkeit, in der man nun einmal steht, so ähnlich wie gestärkte Kragen oder Zylinderhüte. Der .lüde steht ja auch nur mit Vorbehalt in dieser Zeitlichkeit. Schon Znnz hat darauf hingewiesen, dal] das jüdische Mittelalter ungefähr 100 Jahre später liegt als das europäische. Alles ist eben nur eine Ausstrahlung jenes „Als ob", das den .luden wie eine eigene Atmosphäre umgibt. Gibt es denn für ihn Neues unter der Sonne? „Lind wenn schon!" antwortet, sub specie aeternitatis, lächelnd der Ewige .lüde. Findet er nicht alles, was er brauch', in dem einen Buch, das für jeden Tag und für alle Zeit geschrieben ist und nie ausgelesen werden kann? Sind nicht die „Chiddusche-Thora" die einzigen Neuigkeiten, auf die es im Ernsi ankommt? liier sind die Fragestellungen, auf die er Antwort sucht und verlangt. Nicht aus Neugier, sondern aus Wißbegier. Wozu braucht er überhaupt zu fragen, da doch für ihn „die Qemore fragt". Aber nicht jedem siebt der Ewige lüde über die Schulter, und deshalb brauchen w ir beute U. a. auch d as <i e m e i n d e - b 1 a 11. Fs kann die wissenschaftliche Zeitschrift nicht ersetzen und noch nicht die Familienzeitung. Seine Aufgabe läßt sich zunächst am besten negativ bestimmen: die zwei früher wesentlichsten Wissensquellen, das eigene Lernen und der rabbinische Vortrag, sind zwar nicht versiegt, aber mau drängt sich auch nicht gerade zu ihnen. Trotzdem wollen viele nicht darauf verzichten, zu hören, w as in der jüdischen W elt vorgeht, und auch nicht auf jüdisches Wissen: nur haben sie die Fühlung mit den alten Mitteln und Mittlern verloren. In diese Lücke soll das Gemeindeblatt treten, zum Teil ganz bewußt als Lückenbüßer. So ergibt sich sein Programm fast von selbst. Auf der einen