Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 2 (11.1.1929)
- Date
- 1929-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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II Januar 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZI LEIPZIG Seite 3 cl irakteristische Anekdote, die an Friedrich den Großen anknüpft, i folgendermaßen: Friedrich der Große spielte häufig mit einem i Jen Schach: einmal spielte er in Gegenwart von aiiileren Personen verlor Wiederholt. .,l>ie nächste Partie werde ich doch hoffentgewinnen!" rief der König ml) Unwillen dem Gegner tu. Dieser ledoch so ungeschickt oder so eitel, den Wink nicht tu verein der König verlor abermals. Daraul wurde der .lade mit Zorn iisgewiesen, um nie wieder der hohen Ehre teilhaftig EU w erden. Eine andere Anekdote und ein in Schachkreisen oft angeführter h knüpfen an den Zeitgenossen Friedrichs, an Moses Mendelsan, In Lindes Geschichte des Sehach wird eines Bildes Er- Hing getan, das Lessing und Mendelssohn am Schachbrett dar- . Isaak Hell, ein leidenschaftlicher Schachspieler, soll die beiden Ich jener Zeit zuerst am Schachbrett zusammengeführt haben. V h einer andern Version habe Moses Mendelssohn das Sehaeh- H abgelehnt mit dem Ausspruche, es sei für Spiel zn viel Ernst nir F.rnsl zu viel Spiel. Jedenfalls dürfte Mendelssohn diesen \ pruch erst in spätem Jahren getan haben, denn in seiner Jugend seinem Alter war er sicherlich ein fleißiger Schachspieler ge- . wie aus einer Anekdote hervorgeht, die Zelter in einem an Goethe mit folgenden Worten wiedergibt: „Aus jüngeren i.illt mir ein Jude ein. namens Michel, der in allen Dingen, uf zwei Elemente, verrückt erschien. Wenn er französisch h, kam kein unebenes Won über seine Lippen, und er spielte immen Schach. So kommt dieser verrückte Michel (wie mau Hinte) zum alten Mendelssohn, der sitz) und spielt Schach mit lu n Rechenmeister Abrain. Michel sieht das Spiel an. Abrain endlich eine Bewegung mit der Rechten, um das Spiel als verumzuwerfen, und erhält einen derben Schlag auf den Kopf, daß die lose Perrücke abfällt. Abrain hebt ruhin seine Perrücke auf spricht: „Aber, lieber Michel, wie hätte ich denn ziehen sollen?" vsim; hat den Vorfall im ..Nathan" nachgebildet. Dr. I manuel I asker, der Weitschachmeister und Denker, feierte seinen tili. Geburtstag, Am 34, Dezember vorigen Jahres ist Dr. Emanuel l.asker. vor Aljechln und Capablanca Weltmeister im Schachspiel, 60 Jahre alt geworden, Dr. l.asker, der isds in Berlinchen in der Neumark geboren wurde, erwarb 1889 in Breslau am" dem Hauptturnler des Deutscheu Schachbundes den Meistertitel. In lugendlichem Alter wurde er kurz darauf Weltmeister. Ersi 26 lahre alt. schlug er im Wettkampl den damaligen Inhaber des Titels, den Oesterrelchcr Wilhelm Sleinitz. nachdem er schon vorher anderen bedeutenden Spielern wie Dird, Mieses, Englisch, Blackburne und Showalter entscheidende Niederlagen beigebracht hatte. Auf den internationalen Turnleren, an denen er teilnahm, errang er meistens den ersten Prc S, nur wenige Male war er der zweite oder dritte: an einer niedrigeren Stelle endete er niemals. Von den Gegnern, die er später in Einzelwettkämpfen schlug, seien genannt: steinitz. Marshall, Dr. Tarrasch und JanOWSkl. Erst im Jahre V>2\ mttllte l.asker seinen Weltmeistertitel an den Kubaner Capablanca abgeben. Die allgemeine Ansicht der Schachsachverständigen war es. daß l.asker nicht so sehr Capablanca als vielmehr dem iur Europäer unerträglichen tropischen Klima Kubas unterlegen war. Trotzdem war Laskers Kraft ungebrochen; denn in den Turnieren zu Mährisch-Ostrau und zu New Vork l'>2-i wurde er wiederum Erster, und zu Moskau 1925 gewann ei hinter Bogoljubow und vor Capablanca den zweiten Preis. Seitdem hat er sich an öffentlichen Turnieren nicht mehr beteiligt. Hervorragend sind auch seine Leistungen als Schachtheoretiker, Sein „I. e h r h ll c Ii des S c h a C Ii s" und seine ,.S c Ii a e h b i b e I" w urden in fast alle Weltsprachen ubersetzt. Emanuel l.asker ist bekanntlich auch ein Denker von großer Tiefe und Eigenart. Er ist Verfasser einer Anzahl vielbeachteter Weltanschauungsbücher und Qedankendramen. Die große deutsche Press« würdigt eingehend l askers Persönlichkeit als Schachspieler und als I Vnker. Tagungen IN ist seit langem Braach, die letzten laue des bürgerlichen res zur Veranstaltung von Tagungen zu bestimmen. Der Wert r Zusammenkünfte ist ein vielseitiger. Sie schaffen denen, die gleichgerichteter Arbeit stehen. Gelegenheit zum Austausch ihrer Erfahrungen und damit zur gegenseitigen Anregung; sie führen Menn .ms verschiedenen Landesteilen und Lebenskreisen einander :: sie legen Zeugnis ab für die Lebendigkeit gemeinsamen Stres und wirken deshalb befruchtend auch auf diejenigen Kreise, die den betreffenden Zusammenkünften nicht teilgenommen haben, sei dali andere Veranstaltungen sie in Anspruch genommen haben, r daß ihre 'Teilnahme an solchen erst geweckt werden muß. Wir würden gern über den Verlauf aller Tagungen, von denen Kenntnis erhalten haben, berichten, würden Kern auch BUSihrlich berichten. Der beschränkte Raum gestattet uns nur, in rzc das Wesentliche aus einigen Veranstaltungen zu verzeichnen. Berliner Tajiunjj des Bundes jüdischer Akademiker. Vom 23. 2(>. Dezember 1928 hielt der Mund jüdischer Akademikci \.i seinen Bundestag In Merlin ab. Wissenschaftliche und geschäft- StZUngen wechselten mit geselligen Verunstaltungen, zu denen - gleichzeitig gefeierte 25jährige Stiftungsfest der Berliner Bundcsreinigung Anlaß bot Vor einem größeren Forum wurde am 25. Dein ber abends im Plcnarsitzuugssaalc des Herrenhauses der Bundesg feierlich eröffnet. Vertreter der Gemeinden und Organisationen, llundesmitglieder und (iäste. Fremde und Einheimische fanden sich in uttlicher Anzahl ein. Den Höhepunkt der eindrucksvoll verlaufenen ranstaltung bildete ein tiefschürfender, mit großem Beifall aufgeimmener Vortrag des Seminardozenten I>r. Joseph W oh I g e m u t h ■er das Thema: „D le Erwlhlung I s ra e I Von den wissenschaftlicher Referaten der 'Tagung seien folgende rvorgehoben: Oberrabbiner Dr. Carlebach (Altona) sprach über Die B e d e U10 n g des Diu T h O r a in der < i e g e u w a r t. Fr ics den religiösen Wert einer Wiederbelebung des Diu Thora nach d stellte die Forderungen auf, die zu diesem Zwecke an Gemeinden ud Einzelmenschen zu richten seien. Nach einem Korreferat des!echtsanwaltes Dr. W i e n e r (Merlin), der die Trage vom Standpunkte les modernen Juristen beleuchtete, wurde eine Entschließung angenommen, die in beiahendem Sinne zu der Frage Stellung nimmt. In einem Referat über: „Die Verantwortung für die religiöse PUhrung des Minderjährigen" untersuchte Rabbiner Dr. David Ochs auf Grund der tahiiudiseh-rahbinischen (.»lullen die Frage der Verantwortlichkeil Erwachsener für das religiöse Verhalten Jugendlicher und zeigte die Berührungspunkte mit den Ergebnissen moderner Sozialpädagogik. Studiendirektor A. S P i e r (Hamburg) sprach über: „Naturwissenschaftliche Erkenntnis als immanentes Pr oble m i ü d i s c h e r W e11a nSChaUUng". Der Redner definierte die verschiedenen, das besprochene Gebiet betreffenden Begriffe, um dann auf die Tatsache naturwissenschaftlich fundierter Probleme innerhalb der jüdischen Weltanschauung einzugehen. Dabei kam es dein Redner welliger BUl die Lösung als auf die Stellung derjenigen Probleme au. die sich aus den scheinbaren Widersprüchen der modernen Wissenschaft und den Lehren der 'Thora ergeben. Soziale Woche des Reichsausschusses der jüdischen Jujjendverhände. Die soziale W oche des Reichsausschusses der jüdischen Jugendv erbände in dem vom RekhsausschuB der jüdischen Jugendverbände Unterhaltenen Jacobsonheiin zu Seesen vom 23. 31. Dezember 1928 vereinigte etwa 40 hinge Menschen aller jüdischen Richtungen im eigenen Heim der jüdischen Jugend zu gemeinsamer Arbeit und Erholung. Der Oelst-der Jugendbewegung fand einen Ausdruck in neuen, verantwortungsvollen Forderungen beruflicher und nichtbcruflichcr Sozialarbeiter, in ernsten, ehrlichen Aussprachen. Durchdachte Krink. die sich auf guter Sachkenntnis aufbaute, zeigte konkrete lüdische Aufgaben. Dr. Ollendorff und Dr. Kreuzberger behandelten die Trage der I" r u e UerungsbeStr e b u n g e u in der allgemeinen und iiidi seilen Wohlfahrtspflege. Während Dr. Ollendorf überwiegend von der Verankerung der jüdischen Wohlfahrtspflege im Bewußtsein der jüdischen Gesellschaft sprach und Maßnahmen vorschlug, die dieses Ziel erreichen lassen sollen, wies Dr. Kreuzberger die Zusammenhänge zwischen Wohlfahrtspflege und Wirtschaftsordnung auf: als besondere jüdische Forderung hob er hervor, den durch die Verschiebung im Altersaufbau der Bevölkerung bzw. den Qeburtenausfall in den Kriegsjahren entstehenden Lehr-