Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 t;i MI INDI BI Al l UCK ISKAIU I IISl IUiN RLI.KIIONSCLMI.INI)!■: ZU I IMPZK. Nummei i ist aber notwendig, daß dem Judentum der tanzen Well die Bedeutung des russischen Judenproblems auflebt, daB es begreift, dalt es siel! In s.ni/ anderem Ausmaße .ils bisher aktiv an dem russischen Wiederaufbauwerk beteiliget. Diese Interessierthell der ganzen Well .in ihrem Schicksal w irJ auch den religiösen Elementen im russischen Judentum d.is Rückgrat stärken und damit die Keim/eile schaffen für den w lederaufbau auch des religiösen Lebens. Gehl das russische Judentum unter? Herr Markus Hornstein, der Repräsentant der Jüdischen Qemclnde Herlin. der der bekannten, im religiös-konservativen russischen Judentum einst führend gewesenen Familie Hornstein entstammt und auch heute noch den Zusammenhanl mit den religiösen Schichten des russischen Judentums nicht verloren hat. ergreift Im „Israelitischen Familienblatt" das Won zu dem gegenwärtig so aktuellen Thema vom Sein oder Nichtsein des russischen Judentums. It.is Problem Ost und West, schreibt er. war zu allen Zeiten aktuell: eine Wechselwirkuni zwischen dem russischen und dem deutschen und darüber hinaus dein Judentum Westeuropas fand ununterbrochen statt. Dieses Problem beschäftigt uns heute in noch w< : stärkcrem Maße; heute, wo \or dem russischen Judentum das große tragische Fragezeichen steht. Kann ein Judentum leben und sich entwickeln, dem sein gewaltiger östlicher Flügel abgeschnitten wird, dem gleichsam seine rechte Lunie verdorrt, dem sein Juniborn versiegt? Und ist nicht dann das deutsche Judentum als der unmittelbare Nachbar am meisten in Mitleidenschaft gezogen? |)er Verfasser kommt zu dem Schlüsse, dal! das russische Judentum nicht -. . der heilige Funke glimmt unter der Asche: es krankt nur an den Übiekten, an den Tatsachen des äußeren Lebens. Fs stellt \or neuen Problemen. Problemen der Fristung des jüdischen Daseins, der Erziehung des Nachwuchses und der Manifestation seines Selbst in einer völlig umgestürzten und verwandelten äußeren Welt Aber is lebt und wird leben! Der Verfasser wendet sich gegen den Pessimismus des Herrn Dr. Ismar Freund mit Bezug auf die Zukunft des religiösen Jud tums in Rußland und berichtig! einige von l>r. Freund vorgebracl Tatsachen, schreibt aber: „Iis ist eine stumme Traiödle, die sieh russischen religiösen Judentum abspielt; eine Stille, die mit laus Zungen reilet. . . . Die Revolution hat den jüdischen Mittelstand / schmettert, sie hat die Erziehuni einer religiösen lugend ersehu Aber es gibt auch eine religiöse Erziehung, und es ist auch wahr. .; früher dem Kommunismus zuiewandl gewesene Jugend letzt Religion zurückkehrt, . . . Das heißt aber nicht, daß wir in eii untätigen Optimismus verharren sollen. Denn jeden Tag, den n n ungenutzt verstreichen lälü, gehen unwiederbringliche Werte \ loren. Die deutschen Juden als die fast unmittelbaren Nachbarn von wirtschaftlicher und religiöser Not bedrängten russischen Hin haben als ersle die Pflicht, zu helfen; zu helfen sowohl den Juden Rußland selbst, als auch denjenigen, die unfreiwillig zum Waiu stall haben greifen müssen und die nun zu einem grollen Teil n Deutschland ein Leben tiefster Armut fristen müssen. Hell! ili mit derselben Wnrmlicrzigkeil und Begeisterung, mit der die drängten und vertriebenen ausländischen Hruder stets zu helfen wohnt waren. Der Schreiber dieses war lebendiger Zeuge |ci i Woge begeisterter Hilfsbereitschaft, die die russische Judcnsclt ergriff, als in den Kriegsjahren Tauscndc österreichischer Brfl nach Rußland als Evakuierte und Fluchtlinie gebracht wurden, i Begeisterung war nicht weniger groß, als es «alt, das Los der in - sehen Mitglieder der deutschen Besatzung namentlich in der Epo der deutschen Evakuation zu lindem. Mau setzle sich unter tief, i ■iiir Leben oder Freiheil der eigenen Person für die Besserung Loses der Unglücklichen ein. Und keiner derselben durfte Obergam werden." Herr Markus Hornstein berichte! über einige weitere Episot die die begeisterte Hilfsbereitschaft, deren die russischen luden i.i . waren und sind, illustrieren, und schließt: „Etwas von die' r „HlsslahawUSS" ja ein gerüttelt Mal! davon wünsche ich mell deutschen Brüdern." Gemeindesitzung vom 17. Dezember 1928 Schluß der amtlichen Niederschrift Nach der Pause wird die Besprechung über die verlesene Statistik eröffnet IKrr Dr. Qoldschmidt: Aus der Aufstellung ist festzu- . dal! das wirtschaftliche Ucbergewicht der deutschen Qemeindemltglieder so groß ist. dal! eine Abtrennung ein Unglück für die Gemeinde sein würde. Daraus ergibt sich auch die Berechtigung, die Steuer auf des Einkommens zu beschränken. Von der Steuer- Verden in der Hauptsache die mittleren deutschen Steuerzahler betroffen. Die Statistik gibt auch darüber Aufklärung, welche Ausgaben die (iemeinde im Falle einer Trennung zu leisten haben würde. Dies sei wohl zu erwägen, es gebe Bewegungen, die drohend werden können. Ikrr I umpowsky: Die Leistungen der (ieiiieindeinitglieder erschöpfen sich nicht in Steuern, es gehören dazu die freiwilligen Leistungen (Vereine, Krankenhaus usw.). Auch darüber könne eine Statistik aufgemacht werden, welche zeigen wurde, dal! die Leistungen der ausländischen (ieiiieindeinitglieder denen der inländischen mindestens gleichwertig seien. Ifurch Spenden könnte ein erheblicher feil der Mittel t'iir die Fürsorge aufgebracht und dadurch der Haushalt der (iemeinde entlastet werden. Herr Dr. Wohrizek: Es ist zu bewundern, was in den Kr« seil von Nichtdeutschen bei Sammlungen erreicht wird. Die Präge, welche Qemeindemitglieder früher und welche später hier >cßhal geworden sind, solle man in Ruhe lassen. Herr Tumpowsky hätte Gelegenheit sich im Finanzausschuß über alles genau zu unterrichten. Er zieht es aber vor. seine Ausführungen in der Öffentlichen Sitzuiu zu machen, die nur aufregend wirken und viel Zeit kosten. Redner bittet dringend, sachlich zu bleiben. IKrr Seiinger: IS gibt keine Unterschiede, wenn es sich um das Wohl des Judentums handelt. Im übrigen bemängelt er die Art. wie die Einbürgerungen bewirkt werden und spricht eindringlich für die soziale Fürsorge. Herr Breslauer: Fr habe als Stadtverordneter wenig Gelegenheit gehabt, fnr die Einbürgerung von Gemeindemitglledern zu wirken, weil der Wunsch. Deutscher /.u werden, nur von wenigen geäußert worden sei. Herr Rosenfelder bemängelt, daß zuviel Geld ins Aasland laufe. IK rr Strand beantrag! Schiuli der I »ebatte. Dies wird angenommi Es sprechen noch Herr Stein, der sich gegen gewisse Fol. rungen aus der Statistik wendet, und Herr Tumpowsky über die Art der Hindernisse der Einbürgerung. Es tritt hierauf eine weitere Pause ein. .'. Hew MliKiing der Mittel zum liau eines Ritualhades. Der Vorsitzende nimmt auf den Beschluß der vorigen Sitzu - Bezug und berichtet, dal! der OesetZCStreUC Verband sich mit einer jährlichen Beihilfe von 6000 M. und. nachdem diese abgelehnt » mit einer kostenlosen l'ebergabe der Mikwa einverstanden erkl. habe unter der Bedingung, dal! die (iemeinde in den Mietvertrau i tritt und eine Subvention von iährlieh 2000 M. zahlt. Es wird d( l Antrag des Vorstandes gemäß beschlossen, den Vorstand zu crm.i. Ilgen, ein Berechnungsgeld von 50000 M. bei der Stadtbank Lcipz vorbehältlicfa späterer Umwandlung in eine langfristige Anleihe b hufs Erbauung eines Ritualbades aufzunehmen, 3. In den Ausschult für die ueuaiifzustelleiide Friedhof SO rdlHI I werden einstimmig gewählt die Herren S t r a u I!. Stein. I Michaelis. Qulminit, DubIner, Herr Dubiner stellt eine Antrage wegen des (ieiueindehlatte Die Beantwortuni wird an die nichtöffentliche Sitzung verwiesen. J. Fin Gesuch des Mar Kochba Boxabteiluni um eine Ii' hilic von 5wi M. wird abgeleimt. Es folgt eine nichtöffentliche Sitzung, Herren -Hüte Das Beste in allen Preislagen BCtSC, Sport . Yadit-, Schiller und Kinder Plüizen JUliUS Müller, Pe.ersstr.30 und Gohlis, tiallische Str. 87—So In iitihln tiltth U'uuA«-, Krj-LJItr» und llirrtn.ittlktl I ————————