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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-12-21 · 51 (21.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite •» GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nimmn Mittelpunkt der gesamten wirtschaftlichen Probleme der Jetstteil steht die Bevfllkerungspolltik. Die statistischen Zahlen der Bevölkerungsdezimierung unter den luden sprechen eine ergreifende Sprache. Mehr als |e gilt es, der drohenden Gefahr der Mischehe, der Beschränkung der ehelichen und der wachsenden Zahl der unehelichen Geburten vorzubeugen. Jeder fünfte Jude oder jede fünfte Jüdin in Deutschland geht eine Mischehe ein! Per Jüdische Frauenbund erblickt In der Förderung der Frühehe, die gleichzeitig EU einer Geburtensteigerung führen würde, einen Teil seines Programms, Fr! in einer modernen Form, die zeitgemäße Portsetzung der von Frau Rabbiner Eschelbacher gegründeten Prühehekasse wieder aufgenommen und sie /n einen Fonds erweitert, dessen Aufgabe die Sicherstellung der Berufsausbildung iür Töchter und Söhne bilden soll. Diese Möglichkeit ist aul Grund eines besonders ausgearbeiteten Empfehlungsvertrages mit der Lebensversicherungsgeseilschaft „P Ii 8 n i z" gegeben. Jedes lüdischc Kind ist als verantwortlicher Besitz der indischen Gemeinschaft zu betrachten, ob bemittelt oder unbemittelt, kann für inser Empfinden nicht entscheidend sein. I>ie Töchter- und Söhne- Versicherung Jüdischen Frauenbundes ist derart aufgebaut, dal: aul bevölkerungspolitischer Basis für ein unbemitteltes Kind twas geschehen kann, sobald für ein bemitteltes Kind eine Versicherung abgeschlossen wird. In diesem Sinne ist eine überaus glückliche Vereinigung von individuellen und Gemeinschaftsinteressen rden. Her Frauenbundgedanke ist ein den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen praktisch entsprechender und zugleich ein tsgedanke in ideeller Beziehung. Her natürliche Hilfsverband im Leben sind Fitem, Kinder und Geschwister; WO aber die hkeiten dieses natürlichsten Hilfsverbandes nicht gegeben sind, bildet die Gemeinde das Oberhaupt einer Familie. Durch die reue Anteilnahme, die der Gedanke des Frauenbundes bereits in allen Deutschlands gefunden hat, ist es ledern Landes- und Provinzialvcrhande möglich, ein Kind in der Weise seiner Fürsorge zu unterstellen, daß für dieses Kind eine Qratisversicherung abgeschlossen werden kann. Sollte dieses Kind einmal eine Mischehe eingehen wollen, so wird ihm die versicherte Summe nicht ausgezahlt, sondern einem anderen Mitglied der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. \ ersicherungsgedanke an sich wird immer mehr zur Se'bst- :hkeit. Dr. Fr. Burgdörfer vom bevölkerungspolitischen Ausschuß i" Berlin sagt: „Die Famillenversicherung muß der Eckstein der ganzen künftigen Bevölkcrungspolitik werden.*' Man erkennt bereits allgemein, daß es für jede Gemeinde keine bessere i- Ii kc gibt als die Versicherung des Kleinkindes. Hierdurch wird, je ir.iher. desto billiger, eine Berufsausbildung und eine Lhemöglichkcit In bestimmtem Ausmaße sichergestellt. Die betreffende Gemeindi irsp.irt sich selbst wachsende Ausgaben, <>it sogar eine plötzlich geforderte Unterstützung. Hoffen wir, daß die sozialen Bestrebungen, die in der netten Arbeit des lüdischen Frauenbundes tief begründet liegen, in vielen Herzen den Widerklang finden, die sie erst für die Allgemeinheit zu dauerndem Segen atiwachsen lassen! fürt Jüdisches Vereinshaus! Nachstehender Entwurf des Vereins selbständiger indischer Handwerker zu Leipzig. Ortsgruppe des Zentralverbandes indischer Handwerker Deutschlands, geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Während in Leipzig, einer der größten lüdischen Gemeinden Deutschlands, in ausreichendem Maße für die Bedürfnisse des religiösen Lebens gesorgt ist. in letzter Zeit durch die hochherzige Spendt der Pamilie Eitingon das m> dringend notwendige Krankenhaus gebaut wurde, ist für das jüdische Gemeinschaftsleben noch nichts getan worden, und noch immer iehlt es an einer Heimstätte itir die zahlreichen Vereine. Noch immer müssen diese sich mit Zimmern und Sälen In Gastwirtschaften abfinden, wo sie. wie Ii Eingeweihte weiß, nur ungern gelitten werden. Die KardlnaltU) der Juden, ihre Mäliigkeit. wird ihnen zum Verhängnis, So bekou man nur schwer und unter erheblichen Kosten Räume für Silzuii. Versammlungen und Peste. Diesci Zustand ist auf die Dauer einer Gemeinde wie Lei unwürdig, und deshalb ergreift der Verein selbständiger Handw« /n Leipzig, Ortsgruppe des Zentralverbandes iüdischer Handwei Deutschlands, die Initiative, Er hält sich Iür befugt dazu, d letzten Endes werden ja Häuser von Handwerkerhänden erbaut zählt auch er zu den Vereinen, die die Misere mit Vereinsräumei eigenen Leihe verspüren. Der Verein wendet sich deshalb mit einem Aufruf an die iiidi- Öffentlichkeit und au die prominenten Mitglieder unserer Qemcil um Spenden zu sammeln zu einem Fonds, aus dessen Mitteln indisches Vereinshaus an geeigneter Stelle in Leipzig errichtet v den soll. Dieses Vereinshaus soll allen hiesigen jüdischen V ereinen n Rücksicht auf irgendeine politische Einstellung eine Heimstätte währen. Es soll enthalten: Vereins- und Klubzimmer in genüget Anzahl für Vorstandssitzungen, kleinere Versammlungen u. dgl„ oder zwei große Räume für Versammlungen und Pamillenfestl keilen, einen Festsaal, Bibliothek- und Lesezimmer, eine Kegelb einen Billardsaal, außerdem Räume für ein Jugend- und Lehrlii heim und wenn die Möglichkeit gegeben ist eine Turnh; und einen Garten fiir Tennis- und Rasensport: selbstvcrständ auch Wirtschaftsräume Iür ein koscheres Restaurant. Die Erhaltungskosten des Unternehmens sollen aufgebracht w den durch Mietezahlung der Vereine, durch Vermietung der Säle Versammlungsräume füi Familien- und Vereinsfeste, durch \ Pachtung des Wirtschaftsbetriebes, durch Abhaltung von Oottcsdk im Saal an den hohen Feiertagen und durch die Zinsen eitles an sammelnden Betriebsfonds. W enn alle Glaubensgenossen, die an einem regen Qemeindclcl Interesse haben, nach ihrem besten Können zu diesem Werke steuern, sn muH es gelingen, den Plan zur Tat werden zu lassen. Viel wird gewonnen sein fiir das lüdischc Qemeinschaftslcfi und \or allem wird der lüdischen Jugend gedient, welche sich w fühlen wird im indischen Vereinshaus, Von der Gemeindeverwaltung ist In absehbarer Zeit nicht erwarten, dal! sie von sich aus einen solchen Plan aufgreifen K. deshalb muß die Gesamtheit die Mittel aufbringen, und wenn Kräfte mitarbeiten, dann wird es gelingen, dann werden wir in Iii ZU ferner Zeit mit Stolz auf das gelungene Werk schauen köni mit Stolz, weil ein leder seine Gabe dazu gegeben hat, so daß leder sagen kann: Auch ich habe geholfen zu dem Bau, von d reiches indisches Leben ausstrahlen soll. Der Verein selbständiger iüdischer Handw erker zu Leipzig, < b gruppc des Zentralvcrbandes iüdischer Handwerker Deutschlaii hofft, daß sein Ailfrtii den nötigen Widerhall finden wird. Wir beginnen das Werk und hoffen, es zu gutem Hilde fülu /ii können, Alfred Muscatblal Jüdische Verbände und Gemeinden Oer jüdische Musetimsg-edanke. Oberall, WO Juden leben, regt sich der Museumsgedanke i /engt von dem Interesse der jüdischen Gemeinschaft an ihrer V gangenheit. Seit Monaten wurde im stillen eifrig daran gearbei' in Breslau ein lüdisches Museum erstehen zu lassen. I Verwirklichung des Planes beansprucht naturgemäß längere Vorbei lumr, da das Institut auf wirklich wissenschaftlichen Qeslchtspunki CT, Central - Theater -Betriebe I Anton Schneider C. T.-CäSlnO das eleganteste Tanz-Cabarett Der große Erfolg! Künstlerische Leitung : Direktor Kurt Kaiser

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