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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I Dezember 102s GEMEINDEBI Al l IH K ISKAKU'IIS< IIKN KM I ICIONSt iKMKINDE /.I LEIPZIG Seite erwachte, als seine Sohlen tiefer in den Schnee versanken. Hier en der Weg aus der Versenkung hervorzutreten, um in gleicher i o um den Feldern dahlnzulaufen, ni.in muBte also aulpassen. Der - nee war locker und nicht eingestampft wie bisher, und Gott allein i hie wissen, was für Untiefen die verräterische weiße hecke verbarg. Ii die groBc Kälte glaubte Reo Jekel erst jetzt zu fühlen, denn seine i (' waren trotz des eilenden Ganges ganz erstarrt und die Finger ii Mint in den Ärmeln, wohin er die Hände wie in einem Mufl Velen hatte. Soear die Brauen waren ihm angefroren und der Hart voller Eiszapfen. i r fühlte eine erolle Ermüdung und verlangsamte seine Schritte. :nd wandte er sich nach rückwärts und horchte, ob ei nicht das .ein einer Schelle vernähme, die eine Holzfuhr ankündigte; gegen iläßiges rrlnkgeld wurde ihm der Hauer auf dem Stull ein Plätz- .■.ew,ihren. Doch es war nichts zn hören oder zu sehen. Ein wenig Mischt ging er seinen W en und watete in dem lockeren Schnee. „Hu, .ilt!" dachte er. ..Wer jetzt zu Hanse wäre und heim Ofen sähe und Jen Kucken daran riebe! ... Wenn ich erst den Wald hinter mir es wäre nicht mehr so weit. Daun kommt gleich ein Dorf, dann ein s und gleich zeigen sich die ersteil Häuschen der Stadt. Wenn cscr Schnee nicht wäre, in den ich jedesmal bis über die Knöchel ke! Und keine Wegspur ist wahrzunehmen, es scheint fürchter- Schneesturm in der Nacht gegeben zu haben, alles ist verweht, „alt ist's, daß das Blut in den Adern stockt ..." Rcb Jekel schlug en die Hände gegeneinander, um sich zu erwärmen. Die Füße rzten ihn vor Kälte und es half nichts, daß die Sonne ihren Höhe- Ubcrschritten hatte und nun begann, abwärts zu rollen. Trotz, der en Erschöpfung verdoppelte er seine Schrille, um nur so bald als Ii den Wald zu erreichen. Der Frost wurde jede Minute stärker, edem Schritt ward die Schneedecke tiefer, und der Wahl war fern. fühlte Reb Jekel wahre Sehnsucht, nach ihm, wie nach einem Zurt. denn nicht weit dahinter winkte das Heim und lockte mit W ärme und seinein Frieden. „Wo nur der Wald hingekommen ig?" dachte er im Gehen. ..Nur Iiis und Schnee, so lange Ich gehe, -nunc entflieht, und wenn sie nicht da ist, gleicht die Welt einem eller. Das wäre nicht Übel, wenn ich mich verspäten würde: Geld i ich bei mir. eine volle lasche Kupfermünzen und eine Menge .11 dazu. Soll ich das etwa wegwerfen? ... Oder soll ich es bis in ipäte Sabbatnacht tragen? ... Hu. der Trost gehl mir durch die heu. er kr.nullit mir die Gedärme zusammen. Nur schnell voriis. Jekele, keine langen Pansen! Ja, wer nur schnell «eben könnte, der Schnee Ist weich wie Teig; bevor ich den einen Fuß heraus- . sinkt der andere hinein. I» Gott, hilf mir. nur die Füße etwas . hier zu rühren! Warum aber nur der Schnee hier so tief und locker - laue Straße muß doch ausgefahren sein. Anfangs war's nicht so. ler ...hab' ich mich ear verirrt? ..." Hei diesem Gedanken fuhr ihm lahmender Schrecken durch die Glieder, der ihm fast die Besinnung C Kein Zweifel, er hatte sich verirrt und war feldein abgebogen, /lieh wurde ihm sehr heil!, seine Hände sanken herab und die FOße cn ihm den Dienst versagen zu wollen. I »er Schweiß stand ihm in großen, eingefrorenen Tropfen auf der Stirne. Er hätte sich am liebsten in den Schnee hingestreckt, um auszuruhen, aber rechtzeitig erinnerte er sich au Aleksas Mahnung, Wie ein Lichtblick kam ihm der Gedanke, rückwärts seine eigenen Spuren zu verfolgen, bis er den Fahrweg gefunden. Inzwischen dämmerte es. Dunkelheit breitete sielt Ober die Erde und die weite, schimmernde Schneedecke nahm einen bläulichen Glanz au. Der Himmel war heiter, hie und da funkelte schon ein vereinzelter kleiner Stern, und Reh Jekel rannte seinem Ziele zu. kaum atmend, jedesmal stolpernd und gepeitscht von dem Gedanken, dali jedes Ruhehalten den Tod bedeute. ..< doli, hilf mir nur, den Weg zu linden) Soll ich denn hier sterben, in dieser frostigen Nacht, unter freiem Himmel?" Er horchte nach allen Seilen, ob nicht Gott sich erbarmt und einen Keller gesandt habe. Aber ringsum war alles Öde und abgestorben, nur einige verlassene Bäume starrten vielarmlg und eingefroren wie Gespenster in die Dunkelheit, Plötzlich verloren sich die Abdrücke im Schnee und Reb Jekel fühlte, daß ihm das Herz stille stand. Nun war alles zu Ende. Kr war dem Umsinken nahe. Aber was war das? Er blickte sich und erblickte zwei tiefe, parallel laufende Furchen im Schnee, wie sie nur ein schwerer Schlitten zurückgelassen haben konnte. Hier war der Fahrweg, Reb Jekels Herz wurde mit einmal so weit, so voll Dankbarkeit, daß er kein Wort hervorbringen konnte. Kr lispelte nur: ..< > Gott, 0 Gott!" ... Nun mußte gewiß bald ein zweiter Schlitten kommen und die Pein war zu Ende. Aber seine «rolle Erschöpfung konnte er nicht bcnieistcrn. ..Nur ein Wellie ausruhen, nur ein eanz klein wenig, nur einen Augenblick," bat er sieh selbst um Erlaubnis und suchte die Stimme in seinem Innern zu belauben, die ihm zurief, der Lockung zu widerstehen. ..Nur eine kleine Weile will ich hier sitzen. Gottes Hilfe ist ja nahe." Kr setzte sich in den Schnee hin und begann, die läppen kaum bewegend, das Abendgebet zu murmeln. Doch bald überwältigte ihn eine «rolle Müdiekeit. die sich wie ein Nebel verwirrend um seine Sinne legte. Nun war es Iiier warnt und weich zu sitzen. Aus seinen Füßen war die Kälte eanz geschwunden, ja, er fühlte ear nicht, dall er Füße hatte, auch Ohren. Nase und Fingerspitzen waren auf einmal warm. Kiu wonniges, köstliches Gefühl durchrieselt seineu ganzen Leib. Aus weiter Ferne glaubte er eine Stimme zu hören, die -einen Namen rief. Ks war der Rabbi. „Reb Jekel. ist Reb Jekel nicht da?" Ja er ist da und gleich wird er singen. Trotz seiner Betäubung, die ihm umfängt, fallt ihn ein urollcs Staunen an. Kr iühlt deutlich. daß er hier bis zu den Knien im Schnee dasitzt, und doch sieht er sich kl n wie er auf dem Almemor steht, hoch über den Köpfen der versammelten Menge, und hört seine eigene Stimme, dle„Lecho-Daudi" sinet. Die ganze Synagoge ist ein einziges Meer von Licht. Alle tauchen darin unter und blicken ihn mit ihren Rammenden Augen an. er aber sinet ohne Aufhören. I angsam beweg! sich das Almemor nach oben, jene versinken minier tiefer, und er erhebt sich immer hoher und höher, und zwischen Ihnen WOgl ein endloses Meer von Strahlen und Tönen ... Der Schnee fiel in dichten Rocken zur Erde herunter. Die Rocken wirbelten und tanzten in der Luft auf und nieder und verhüllten die Welt mit einem Schleier. Allgemach häufte sieh am Wegrande ein Schneehügelchen an. und darunter schlief Reb Jekel den ewigen Schlaf. Gemeindesitzung: vom 26. November 1928 Amtliche Niederschrift Nach Eröffnung der Sitzung begräßl der Vorsitzende den an •teile des verstorbenen Herrn Jacob Hahn in die < icmcindcv ertreing eingetretenen Herrn Dr. Willy Michaelis mit herzlichen v orten. Die Niederschrift der Qemelndesitzung vom 10. September 1928 vird vorgelesen, genehmig! und vollzogen. Herr stein wünscht, laß ausdrücklich darauf aufmerksam gemach! werde, daß nur der mlliche Bericht maßgebend sei. Der Vorsitzende erwidert, daß dei 'h rieht als amtlicher bezeichnet und deshalb selbstverständlich inalS- I ehend sei. Ks wird darauf zur Tagesordnung eeschritten. I. Regelung djs Kaselirus. Der Vorsitzende berichtet, daß die In ler vorigen Sitzung behandelte Maßnahme, wonach die Aufseher in len Dienst der Fleischer treten und ein Oberaufsehcr von der Geleinde angestellt werden sollte, sich nicht habe durchführen lassen, la alle Beteiligten nicht einverstanden waren. Der Vorstand habe daher eine andere Regelung beschlossen, und zwar sollten die Milchaufseher in den Privatdiensl übertreten und die Fleischaufseher auf II abgebaut und deren Gehälter zugleich vermindert werden. Dadurch werde ermöglicht, dal! der Fehlbetrag von isiKin M. nicht überschritten zu werden braucht. Die K>SChruskommlssion Sei nochmals eeliörl worden, da durch Beschluß der vorigen Sitzinu der Vorstand In Qemelnschafl mit dem Rabbinal zu dieser Regelung ermächtig) worden war, die Kaschruskommlssion sich übrigens früher schon mit einer viel ungünstigeren Regelung einverstanden erklärt habe. Herr Qoldrel beantragt, die Sache an die Kaschruskommlssion zurückzuverweisen. Es sei ein eroller Unterschied zwischen dem früheren Vorhaben und dein jetzigen, es handele sich um eine Aufsichts\ ertninderung. Herr (irosz: Die Kaschruskommission sei nicht übergangen worden. Die vorgeschlagene Regelung sei die einsig mögliche, das Rabbinal habe ihr zugestimmt, sie sei auch finanziell ausführbar. Endlich müsse einmal Beschluß über das Kaschms gefaßt werden. Herr Qoldrel: Die QeldfragC stelle erst in zweiter Linie. Soviel er wisse, sei das Rabbinal nicht einverstanden. Auch Herr Seiinger ist der Meinung, die Kaschruskommission müsse gefragt werden. Auf eine Anfrage des Herrn Tumpowsky, ob das Rabbinal einverstanden sei. erklärt der Vorsitzende, das Ein-

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