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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seit« 4 GEMEINDEBI VIT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Niimii! Gefahr, auch konnte man dorl gerade Holzfuhren begegnen, die für wenige Kreuzer einen gerne nach Uor Stadt brachten, Aber gegen die Kälte muBie man sich in der Tal schätzen, Reb Jekel betrachtete die Fensterscheiben, an denen üppige Eisblumen blühten, und zog seine drei alten Westen, eine Ober die andere, an, Hann wiekelte er sieh noch einen fadenscheinigen Schal um die Brust und band sich ein Wolltuch iiin den Hals. Mit Aleksas Strohflechten In den Stiefeln konnte er sich in den Frosi hinauswagen. So ausgerastet, zählte er nochmals die Ifinl ei Honorar, die Ihm der Hausherr eingehändigt hatte, durchlief in inken die vielen Aufträge der Wirtin und. eine Melodie summend, k ißt« er die Mesns.ili und machte sich auf den Weg. Am Tore standen der Hausherr und seine dicke Frau. „Guten Sabbat! Bleibt gesund!" empfahl sich Reb Jekel. Der Hausherr brummte sein ..Ilm. hm!" und die Frau begann mit stt stimme, die in schreiendem W iderspruch zu ihrem Leibesumfang stand. ZU keifen: „Daß Ihr mir nicht vergeßt, Sonntag, Schlag zwölf, zurück zu sein. Die Jungens können doch nicht den ganzen lieben Tag müßig um rspringen. Und verteilt auch nicht. Hefe mitzubringen, und Nadeln nj l'apier und Seife und Ol und Kaitee und alles übrige. Geld hab Fnch ja mitgegeben." Keb Jekel suchte das Weite. Doch bald ereilte Ihn Aleksa, dei rn nachlief, um ihm noch einige tute Ratschläge mit auf den Weg zu Da der Schnee alle Spuren verweht hatte, so empfahl es sich die 11 straße einzuhalten und keine Seltenwege aufzusuchen, um etwas ras cr zum Z:ele zu kommen. Gegen das Erstarren der Finger oder der wäre das beste Mittel, sie mit einer Hand voll Schnee kräftig e reiben: aber sitzenbleiben, um auszuruhen, dürfe man keinesfalls, wenn der Schweiß in Scheffeln vom Körper rann, denn das wär» sichere Tod. ..Haßt gut auf. Panie Jekel. und Gott geleite Euch." v Hauer nickte, freundlich grüßend, mit dem Kopfe und kehrte um. Jekel verschwand an der Biegung der Straße, wo ihn bald die sei ebedeckten Felder umfingen. cM.i»n f i Unsere Gemeinde Chanukkafeier des Israelitischen Kindergartens I'.i die allzu engen Räume des Israelitischen Kindergartens schon iur den täglichen Betrieb nicht ausreichen, muß in diesem Jahre seine Chanukkafeier, die. wie alljährlich, in bescheidenstem Rahmen stattfindet, nach außerhalb verlegt werden: sie findet am Dienstag, dem Ii. Dezember, um 4 Ihr im Pfauensaal des Zoologischen Gartens st.Ut. Der Vorstand würde sich Irenen, die gütigen Spender und sonstigen Freunde des Israelitischen Kindergartens bei der Chanukkafeier begrüßen zu können. Die Hcschenkung findet am Tage vorher statt und wird, wie bisher, nicht in die Chanukkafeier einbezogen. Chewra kadischa<Fasten und -S'uda Wk bereits angekündigt, fand am Mittwoch, dem 27. November, erstmalig cm ("asten der Chewra Kadischa statt. Der Verlauf des Fastens gestaltete sich entsprechend dem im voraus bekanntgegebenen Plan. AN höchst bedeutsam sei noch die Predigt hervorgehoben, die im Mincha-Gottesdienst in der Synagoge. Keilstraße 4. Herr Gemeindeer l'r Carlebach gehalten hat. Die Predigt wies auf die Bedeutungen hin. die diesem Fasten der Chewra Kadischa ZUgmnde- , s pfelte in einer Erinnerung an die im Laufe des Jahres ngeschiedenen Gemeindemitglieder. Am Donnerstag abend lolgte dein Fasten die Chewra Kadischa-S'uda. Mehr als so Männer ich der Einladung gefolgt und verließen den Abend ußerordentlich befriedigt über den Verlauf. Das Mahl wurde durch eine Reihe von Reden gewürzt, die alle auf den einen (iedanken abgestimmt waren, den Frauen und Männern, die sich tätig in den Dienst der chewra Kadischa Stellen, ein äußeres Zeichen der Anerkennung ihrer aufopfernden Tätigkeit zu geben. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Herrn Markendorf, in der er die Meli -sprach, daß die Chewra Kadischa älter sei als die Gemeinde, wies Herr Qemelnderabbiner Cohn in seiner Ansprache darauf hin, daß noch im Jahre 1*59 die Chewra Kadischa nicht bestanden habe, Lr betonte den Wert des einigen Zusammenarbeiten! in der Chewra Kadischa. Herr Qemelnderabbiner Dr. Carlebach unterstrich noch besonders die selbstlose Arbeit der Frauen in der Chewra Kadischa und feierte die neue Einrichtung als ein Zeichen der Rückkehr zur alten Tradition. Herr Gemeindevorsteher Goldschmidt Überbrachte den Dank des Oemelndevorstandes an die Chewra Kadischa für den so wichtigen und heiligen Dienst und versprach, auch weiterhin bereitwillige Förderung der Chewra Kadischa. Ii geistvollen rabblnlschen Deutungen brachten ferner die Herren Rabbiner Feldmann, I. Ii. Sadis. Qoldwasser und Sllberstrom den in der Chewra tätigen Frauen und Männern Lob und Huldigung dar. gewohnter Meisterschaft brachten alsdann Herr Oberkantor Schneider ein entsprechendes Stuck eines Psalms und Herr Oberkantor Lampcl eine Arie aus dein Ellas zum Vortrag. In später Stunde wurde die Feier mit dem gemeinsamen Tischgebet abgeschlossen. Ausstellung im Hilfsverein Am Sonntag und Montag war die nun schon zur Tradition cwordene Ausstellung der für die Kiuderbeschetikuiig des Hilfsvet bereitgestellten Bekleidungsgegenstände zu besichtigen. Wir lim gestehen: Jahr für Jahr möchten wir glauben, daß nun eine Sie . rung kaum noch möglich sei. und Jahr für Jahr sehen wir. dal! in Tat das vergangene Jahr noch übertroffen wird. Ganze Wareniii i an Schuhwaren. Mänteln. Kleidern. Anzügen. Leinen- und VA Wäsche, kurz alles, was zu einer soliden Einkleidung gehört, ist i für 525 Kinder bereitgestellt. Es ist ein ungewöhnliches Mal; opferfreudiger Arbeit darauf gewandt worden, all diese (iegenstä zu beschaffen, und man sieht es den Gegenständen an, welche Li und welche Sorgfalt auf die Arbeit verwandt worden ist. Hört n i noch, daß ein Betrag von über M. 46,000, aufzubringen war. d darf mau nur mit der höchsten Bewunderung von dieser Leist sprechen und dabei der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck gel« daß es ohne große Mühe gelingt, den an dem Gesamtbetrag Iii ' fehlenden Rest (der noch recht stattlich ist) in kürzester Frist . zubringen. Zum Gastspiel des Moskauer Jüdischen Akademischen Theaters (Scholem Alejchem, „200 000") Die Handlung dieser Komödie ist denkbar einfach: Der arme Sehn der Schimeie Soroker gewinnt das große los und darf auf der Lei der sozialen Rangordnung einige Stufen höher klettern. Doch die e dene Gloriole wird ihm von zwei Betrügern vom Haupte gerissen, wird arm wie früher. Seine schnell erworbenen aristokratischen Freut verliert er ebenso rasch, wie er sie gewonnen hat. und am linde in er sich im heimatlichen Dorf und in der Armut wohler als in der St.: und im Reichtum. Man sieht, ein durchaus volkstümliches Stück, v es ein Vertreter des Wiener Volksstücks, etwa Nestroy, hätte eben schreiben können. Fs zeigt handlungsmäßig keine typischen Merkma einer OStjüdlschen Kunst. Aber die Handlung ist hier durchaus nebe sächlich. Nicht das ..Was", sondern das ..W ie" ist entscheidend. I Ausgestaltung dieses primitiven Handlungsschemas, die Verzerrung d Posse ins Satirisch-Groteske, die Typisierung (aber dennoch nie Schematisierung) der Personen, also das Werk von Regie ui Schauspielern, ist unübertrefflich. Die Musikalität dieser Sprache, d Eindringlichkeil der Gesten, die Quicklebendigkeil der Bewegungen, hier äußert sich die großartige deklamatorische und theatralisch Kunst, das mittelmeerische Temperament dieses ostjüdischen Volk nims. Die uns Juden eigentümliche kritische Art zeigt sich in de Erfassen der Charakteristika eines Menschen, in der Prägnanz, n der solche Typen wie der langbeinige, melancholische „Klesmer", d< engbrüstig-krummrückige Dorfschneider oder der ewig geschäftii Schadehen gezeichnet werden. empfiehlt ihr neueröffnetes E. HUBOLD Spezialgeschäft feiner Schokoladen und Konfitüren ""........HmilMIIMIIIIIHIHUllfllHIIIIIHIIMIIMHHMHIIIIIIIMIMIIHIIIIHNNIHHMHIIIHHIIMHIlUII......III.......Ii.....IIMIIIIIIIIIMIHIinnimHHIIIIIIIinillMIIMIIIIIIMIIIHHIIIMIIIIIIHIHHIIIHNNI in der TUCHHALLE gegenüber dem Kaufhaus Brühl

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