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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-11-23 · 47 (23.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 OGMEMDEMATT DER ISRAELITISCHEM KEUGiONSGE MUHDE ZU I.OPOQ es lieben lehrte." Sophie Elkan starb 1921. Sein» Lagerlöf hielt ihr die Grabrede, eine meisterliehe Grabrede, den nekrologischcn M*i« Stentücken der Weltliteratur wie Borners Gedenkrede auf Jean Paul, Dostojewskis Gedächtnisrede auf Puschkin vergleichbar nur mit dem Unteerschiede, daß dort der Schriftsteller dem Schriftsteller, der Dichter dem Dichter Worte des Gedenkens, hier aber die Freundin der Freundin Worte der Liebe nachrief. yHMür« Sa;.--»»»iiirf& Ctaanukkafesi der jüdischen Schule Wie nun schon seit nahezu 20 Jahren, s.> bereitet auch in diesem Jahre die Höhere Israelitische Schule ein ( hanukkafest vor. Diese Veranstaltung tragt von immer hei einen eigenartig vielfältigen Charakter, Sie bedeutet nicht nur für die Kinder der Schule den Höhepunkt des ganzen Jahres, sondern sie hat sich auch als eine freudig begrüßte Gelegenheit da/u erwiesen, dali die Iiiern untereinander und als Ganaes mit der Schule freundschaftlichen Konnex herstellen. I überdies finden sich ehemalige Schüler der Anstalt hie,- zusammen, um eine Stunde gemütlichen Beisammenseins mit ihren ehemaligen Kameraden zu genießen. So hat es sich denn herausgebildet, daß Jugend aller Jahrgange mit I ehrern und Litern zusammen einen Abend verleben, in dessen Mittelpunkt die Schule und ihr Leben steht; so ein wirkliches Zusammengehörigkeitsgefühl immer wieder aufs neue erzeugend, Line andere fiauptanziehungskraft bilden die Programmpunkte, die ja nur dieser Veranstaltung zu eigen sein können. Die Schuler und Schülerinnen fast aller Klassen /eigen hier ihre Fälligkeiten zur Wiedergabe dessen, was, je nach ihrem Alter, die Schule sie lehrt. Kleine Szenen, Reigen und lebende Bilder wechseln mit musikalischen und schauspielerischen Darbietungen ab. Wer immer den Gang der Vorstellungen verfolgt, vermag sich ein Bild von der Erziehungsarbeil der Schule zu machen. In diesem Jahre soll das Festprogramm besonders reichhaltig gestaltet werden. Auch die Pausen, deren zeitweise überlange Dauer manchem unangenehm auffiel, sollen durch verschiedene Darbietungen ausgefüllt werden. Alle, die zur Schule irgendwelche Beziehungen haben, dürfen also mit Recht dem 12. Dezember mit gespannter Erwartung entgegensehen. ,— Dr. Nathan Birabaum in Leipzig Die Aglldat Jisrod < >rts- und Jugendgruppe hatte am 17. ds. Mts. die Freude, Herrn Dr Nathan Birnbaum-Berlin hier begrüßen zu dürfen. Der allverehrte grdsc Gelehrte sprach in der überfüllten Turnhalle der israelitischen Schule über „den Weg des Judentums in der Geschichte" und zeigte in sein.-r bekannt meisterhaften Weise, wie dessen sittlichen Grundsätze auch durch seine Toehtcrrcligioncn Anerkennung und Verbreitung gefunden haben. Am nächsten Tage vereinte sich eine stattliche Anzahl von Gesinnungsgenossen und Freunden, um den Beginn des Schreibens einer neuen für die hiesige Jugendgruppe bestimmten — Sefer Thora zu feiern. Die ersten Buchstaben wurden von den /ahlreieh anwesenden Rabbonhn und Tboragelehrten geschrieben, denen die anderen Festteünehmer folgten. Die sich anschließende Mahlzeit wurde durch die zahlreichen Thoraworte, von denen nur die herrlichen Ausführungen des Herrn Rabb. Dr. Carlebacu hervorgehoben werden sollen, z-.' einer wahrhaften S'udas Mizwoh, die auch durch Gesangsvorträg.* der Herren Oberkantoren Sehneider, Wilkotnirski und Spektor verschont wurde. Kinderbeschenkunjj I92K des Hilfsvereins isr. Gewerbetreibender Wie in jedem Jahre veranstalten wir wieder eine Ausstellung der BekHidungsgegenstinde zur Kinderbeschenkung welche am Sonntag, den 2 und Montag, den t. Dezember, von 10-!'j Uhr in unserem GeschiftssteUe, Brühl 21,11 stattfindet. In Freundschaft, Verehrung und Dankbarkeit fühlte sieh Selnu Lagerlöf dem grollen dänischen Kritiker Georg Brandes verbunden. Er allein war es, der ihr den Weg zum Lrfolg und zum Ruhme ebnen hall Als die Dichterin 1000 den Nobelpreis für Literatur erhielt und, wie üblich, in der schwedischen Akademie für diese Auszeichnung in einer Rede dankte, da gedachte sie in dieser Rede auch der Förderung, die ihr durch Georg Brandes zuteil geworden war. Alle unsere Mitglieder, Freunde und Gönner laden wir zur Besichtigung hei/liehst ein. Der Vorstand Die Verteilung der Kleidungsstücke beginnt am I Dezember. Die Gesuchsteller werden mittels Postkarte benachrichtigt. Schülerkonzert im Feurichsaal, Schulstr. I Diesen Sonnabend, den 24. Nove.nber pünktlich 20 Uhr findet das Schülerkonzert des hiesigen Klavierpädagogen Siegfried Weinberger statt. Zum Vortrag gelangen Werke für 2 Klaviere, für 2 Klaviere zu S Händen und Solostücke klassischer Meister. Personalnachricht. Goldene Hochzeit. Herr Rabbiner Isidor II. Auerbach und :- ine (iattin Teophila geb. Auerbach begehen am 27. November 1<)28 (.1. Kislew) ihre Goldene Hochzeit. Herr Rabbiner Auerbach ist ein Sohn des Rabbiner Hirsch Auerbach s. A. des Verfassers des „Diwre Hatauroh" und ein Bruder des berühmten „Plocker Raw" s. A. seine (iattin ist eine Tochter des „Plocker Raw". Neue Büchar Erwin Rieger, Stefan Zweig, der Mann und sein Werk. I. M. Spaeth Verlag, Berlin 1928. Es ist immer ein schwieriges Unterfangen über einen lebenden Dichter, der in der Vollkraft seines Schaffens stellt und über sein Werk zu schreiben ,/unial, wenn es sieh um einen so produktiven (ieist wie Stefan Zweig handelt. Denn schon jetzt, unmittelbar nach dem Erscheinen der Biographie bedurfte sie schon einiger Ergänzungen durch Besprechung neuerer und neuester Werke. Trotzdem hat es seinen Reiz, auch, wenn man nicht vor einem abgeschlossenen Werke steht, dem Wesen, Werden, W achsen eines Dichters nachzugehen. Man sollte eigentlich den Dichter selbst und nicht über ihn lesen, sollte ihn aus seinen eigenen Werken kennenlernen und nicht aus dem, was andere über ihn sagen. Wenn aber ,wie es hier I rwin Rieper tut ,etn Freund aus reichster Kenntnis und tiefstem Verständnis über „den Mann und sein Werk" schreibt, dann wird das 1 esen zu der Erkenntnis von der Einheit des Dichters mit seinem Schaffen. Es wird dem, der das Werk kennt, wertvolle Aufschlüsse geben, dem der sich noch wenig oder garnicht mit ihm befallt hat, den Weg zu Stefan Zweig, dem feinsinnigen Kiilturkünder, weisen. Stefan Zweig hat früh ilie Welt in ihrer Weite kennengelernt. So hat sich seinem Wesen nie ein enger Nationalismus aufgeprägt, sondern er wurde ein Kunder des Europagedankens, ja, der Welt- Vterbrüderungsidee. Starken Einfluß aul sein Denken hat der belgische Dichter Verhaeren ausgeübt, mit dem er in engster Freundschaft virbunden war. Dieseer Freundeskreis, dem über alle nationalen Grenzen hinweg, Geistesführcr aller Länder angehörten, wurde durch den Krieg zerissen. Erschütternd wirkt der im Berliner Tageblatt 1914 veröffentlichte Brief „an die Freunde im Fremdland". Wenig Menschen haben durch Vermittlung internationaler Werte so intensiv für den Gedanken eines geeinten Europa gewirkt, wie Stefan Zweig. Die Welt hat es ihm gedankt. Es gibt kaum einen Schriftsteiler, dessen Werke in so viele Sprachen übersetzt sind wie die Stefan Zweigs. Seine Bücher haben ihren Leserkreis in Holland,

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