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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-11-23 · 47 (23.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrgang, Nrv 47 23 Novemher 19*8 \ M. 1 11 fXl^^Ü «i'WM»'«« Amtliches HdxhrickteH tyer tienieiiideverwbltHrt kz 1 iqionZqz mzindz \ tu 0 , . lajblttt erscheint wc'hentlicli am Freitag. •■' i!st" -':f Rtliaionigainaloda wird ca un- ■etga .'.h laich die Post zugevtellt. Beiugsjasis ' '■'•a1. Mitglieder monatlich 60 Pfennig*. Anzeigenannahme: •V. ialiho;. CJiocienatraße 11. Nsphfja 144-K. Sä&itfttottoafl: GnaMltdNafeH Ctsma CrLatente, woursü '.0, T ilop n r 29641. :: ....: und V«l»i retoner, l.rloilf'"Ijcianatr. .1, daphon;<<W)'. AnrtgMaaaU»; Dil 4 j'.spuitan.- 20 Plg. F«. m.uenum! kle.ae Au^ctiin .ü *fj. UtnarMafiatitan und Teitiniera:» HCl btaosd. Tar:f. - Pur den in,,_ ratcntc-.i: J, Kühne, Baunriisir. 9 (Tttttlion 14449« Dt* SchrUIMl IbtraiRuntK dia unti aeenNaariei det VertttMN arachalnaoda« Beitrage und dia V»r aJatMChrlctaiM nur di -r^eseizl che V.reotoomiaf. Naobdfuck njr mit v'-'ri.c. »r.gabe und '>nttitT..juny »er. Viii autti leiaitet. Selma Lagerlöfs Beaciehungen zu Juden Zu ihrem 7(1. Cicburtsta^ (20. Nov. d. Js.). Von S. Meiseis. Der Dichtuiigsbczirk Selma I agirlöts liegt abseits von der llccrstralie, auf der wir auch Juden begegnen. Auf keinem der Schauplätze der wunderherrlichen Lagerlöfschen Geschichten, weder in Liljencronas Heimat noch im „Qösta Hcrling"-I and, noch auf dem Bauernhof der Ingtnarasöhne ist der Jude zu Hause. Selbst im zweiten Teil des Romans „Jerusalem", der doch in der Heiligen Stadt des judiischen Landes spieelt, tritt uns kein einziger Jude sichtbar entgegen. Das Jerusalem Selma Lagerlöfs ist die alte Hauptstadl Judias, aber ohne Juden. Das einzig Jüdische in diesem Roman, wenn man es nun einmal durchaus suchen und finden will, ist die kurze, aber recht anschauliche Darstellung der betenden Juden an der Klagemauer und die Schilderung einer wenig erquicklichen nächtlichen Szene auf dem jfidischen Friedhof im l"al Josaphat; in Jude aber, ein leibhaftiger! ein Jude in sichtbarer 1 rscheinung ,isi in Selma I agerlöfs Jerusalem nirgends zu sehen. Nur ein einziges .Wal hat ilie Dichterin einen Stoff aus der jüdischen Gedanken- und Gefühlswelt bearbeitet. Ich meine die Legende ,,Rahels Weinen" (abgedruckt in Hand 0 der bei Albert I angen in .Wunchen erschienenen Gesammelten Werke von Selma Lagerlöf). .,Raheis Weinen" behandelt die alte egende, die anschließend an den Vers Jeremias 11,15: „Rain I weint tun ihreK iniler" im Midrasch erzählt wird. Selma Lagcrlöf gibt du eine mustergültige Fassung und einen zeitgemSBen Sinn. Die Dichterin erzählt, wie sie zweimal in ihrem Leben das Weinen Raheis vernommen habe: das eine Mal war es in Bethlehem, als sie gerade au dem kleinen, weif) in, von einer niedrigen Kuppel überwölbten Häuschen vorüberfuhr, das Rahefs Grab umschlieltt, und das andere .Wal in der Heimat, im August 1011, bei Ausbruch des Weltkrieges. In Bethlehem hatte eine Beduinenfrau, einen furchtbaren Schrei ausgestoßen .der die I uft erschüttern machte, die die Stammutter Rahd um Hilfe für ihren kranken Sohn anrief, In der Heimat da war es eine europäische Frau, eine Mutter, die wild aufschrie, weil ihr einziger Sohn in den Kriegsdienst gehen mußte. Heidemal war es Raheis Weinen, der (Jrzeitlaut der Mutter, der in der Kehle dieser Frauen wieder lebendig wurde. Die 1 egende selbst, von der Mei^tererzählcrin meisterlich nacherzählt, wirkt erschütternd. Mehrere bedeutende Schriftsteller und Dichter haben diesen altjiidischen legcndenstoff bearbeitet (darunter auch Herder: „Das Orab der Raheel" in der Sammlung „Rlätter der Vorzeit"), aber keiner Hat Ihm dit tiefe Deutung gegeben wie dia große schwedische Dichterin. Im Oesamtwerk Selma Lagerlöfs stellt die Legende „Raheis Weinen" die einzige geistige Beziehung der Dichterin zur jüdischen Gaisteeweit dar. Weit enger und inniger waren Selma Lagerlöfs ge Seilschaft Ii ehe Beziehungen zu Juden. Mit vielen angesehenen Juden Ihrer schwedischen Heimat war die Dichterin eng befreundet. Oft und gern besuchte sie das Haus der Warhurgs in Göteborg und Stockholm, und so manchen Summer verbrachte sie auf dem Herresthal Nils, der Besitzung August Abrahsmsons. (Her □ roßkauf mann und Gutsbesitzer August Abrahamson war ein bekannter Wohltäter; C int Nääs hat er spater in ein Seminar für I LuidU rtigkeitsuntcrnchl verwandelt und es bei seinem Tode 1S0S mit einem gr illen Kapital dem schw edischen Staad geschenkt) Line fast dreißigjährige Freundschaft verband Selma I agerlöf mit der jüdisch-schwedischen Schriftstellerin Sophie Flkan. In den drei Jahrzehnten ihrer Freundschaft verging kein Jahr, in welchem die beiden Freundinnen nicht nimm, mengekommen wären; entweder besuchten sie sich wechselseitig oder sie verbrachten gemeinsam die Sommerzeit in irgendeiner Sommerfrische am Meeresstrand. Auch die großen Reisen nach Italien und dem Orient, deren Findrücke die Dichterin in den Werken ,.I)ie Wunder des Antichrist1' und „Jerusalem" geschildert hat, machte Selma Lagerlöf gemeinsam mit ihrer Freundin. Sophie Flkan. die unter dem Decknamen Rust Roest feinsinnige Novellen und historische Romane veröffentlichte, wird von dem I a gerlöf-Biographen Berendson folgendermaßen charakterisiert: „Sic war eine echte Jüdin von vornehmer Art, feinfühlig, lebhaft, geistvoll, voll Ernst gegenüber den I ebensfragen, mit einem Zug zur Schwermut unter heiterer Oberfläche. Welt gewandt und tatkräftig." Wie es Li eben uf den ersten Blick, so muß es auch eine freundschaft gleich bei der ersten Begegnung geben; wenigstens war dies hei Selma l agcrlöf und Sophie Flkan der Fall. Anfang 1504. wenige Jahre nach dem Erscheinen von „Oötts Beding", traf Selma! agerlöf Sophie Flkan zum ersten Wale in Stockholm, und gleich war auch schon der Freundschaftsbund /wischen beiden geschlossen. Merkwürdig genug war die Sypathieerklärung (um nicht zu sagen: Liebeserklärung), die Sophie Flkan der Dichterin bei der ersten Regeenung michte; sie sagte: „Die Verfasserin des vielgenannten .Gösta Berling' gefällt mir besser als ihr Buch." Man weiß, wie sehr die Dichter hinsichtlich ihrer Geisteskinder empfindlich sind, zumal wenn das Geisteskind ein Frstling und besonders wenn dieser frstling ein Gösta Berling ist. Und doch hat hier das aufrichtig kritische l'rrril Sophie Flkan« den Keim zur wahren dauernden Freundschaft gelegt Selma I agerlöf bekannte später, daß ihr diese Freundschaft das gnrne Leben heller und reicher gemacht hat. Die Kgl. Bibliothek in Stockholm besitzt Werke Selma I agerlöfs mit handschriftlichen Widmungen fflr Sophie Flkan; eine dieser Widmungen lautet: „Der kleinen Hand, die mich Int Wunderland führte, und dem großen Herren, dae tnM

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