Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 43 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 QEMEINUEBLATl DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG, auf diejüd. Schule »Indenkönnen. Darauf habe ich zu erwidern, daß ich ja nicht allein füf mich kample, auch nicht für die sächsischen Juden, Obwohl auch das die Muhe wert wäre, sondern für die l'chenvindung des letzten Restes der Ghettos in Sachsen, ihr die Tilgung dei letzten Spi<r jenes □ eistet '>er Differenzierung, der Zurücksetzung der luden, dei für iur die sächsische Geschichte so typisch ist. Man hat beinahe vergessen, daß die Juden |ü Sachsen erst im Jahre ItWt, also VOI Knapp sechzig Jahren, in Sachsen völlig emanzipiert wurden. Wie man sieht, nicht vollständig! U«d ich war zur Aufnahme des Kampfes sittlich gezwungen weil es um dis höchste uu de Menschen, um die Grundlage des Staates, um das Recht gehl das durch Ministerialverordnungen auch dem Juden nicht verkümmert werden darf. 1 in Tatsache hat nur große Freude bereitet. Ich habe RUC t aus Christlichen Kreisen eine ganze Anzahl von herzlichen Zustimungskundgebungen erhalten Und wenn ich hervorhebe, daß unrer ihnen auch die eines leipziger Pfarrers ist. so mag das die Tatsache beleuchten, daß außerhalb des Judentums gleichfalls Verständnls dafür herrscht, daß Gewissensfreiheit für die Religion und die Gleichberechtigung der luden auch in Sachsen nicht durch An- Für die Wissenschaft des Judentums Von Dr. Israel Auerbach-Berlin. Seit Jahrzehnten war der Rückgang jüdischer Arbeit an der Wissenschaft des |i dcnuims zu beklagen. Nachdem durch Manner wie Zunlz. Geiger, Graetz, Frankel, Hirsch, Bacher, Steinschneider. Kaufmann; Hoffmann, und andere eine Perio le wissenschaftlicher Forschung von starker Intensität eingeleitet war, mußte man sieh eingestehen, daß unser Gelehrte nnachwuchs au Zahl immer geringer wurde und in seiner (icsamtlc istung an die jener führenden Deister nicht heranreichte. Nun kamen noch die Katastrophen des letzten Jahrzehnts, die besonders hart gerade die Judenhcit trafen. Mit der Zerstörung der territorialen Einheil der jüdischen Kulturwelt im Osten und der wirtschaftlichen Schwächung im Westen wurde die geistige Gefährdung unsere: Gemeinschaft evident. Da 1r.it. wie einst J uhauan b.'tt Sakkai durch die Orflndung der Akademie c. u Jahne aas den Trümmern des jü 'isehen Reiches die judische Idee zu leiten bemüht war, der Philosoph Hermann Cohen auf. mit dem Versuche, für seine Zeit Entsprechendes zu leisten*:, nämlich, im Hinblick auf die Erhaltung des Judentums seine geistigen Grundlagen zu verstärken. Fr Ii mzipierte 'den Plan zu einer Akademie für die Wissensehaft des J Ii d e n t u m s. Erste Anregungen hierfür hatte er schon IW7 in den Berichten der Orofiloge für Deutschland niedergelegt. Zu reifer er Ausprägung gelangten sie ein Jahrzehnt danach in der Broschüre ..Zeit ist's" von Franz R OS e u z w e i g: und. von dem jungst \ 11 blichcucn Sanitätsrat Bradl bewogen, nahm Cohen ditse Schritt zum Ausgangspunkt, um seine Idee zur Tat zu machen. Der greise Philosoph starb zwar übet dem Versuche hin, gleichwohl wurde, unter Führung von Bradt, eine Organisation lür die Akademie begründet, die seither in Ständigem Aufstiege begriffen ist. Hermann Cohens I eitsatz war: Sicherung des geistigen Fortbestandes durch Sicherung dejüdischen Qeiehrtentums. Die-- war umso dringlicher, als mehr und mehr, gefordert durch Staat. Sta lte ind Kirchen, die nicht jüdische Forschung die jüdischen Problem.' in \n iil' nahm, meist ohne Begeisterung für ihre Inhalte, ohne souve- in. Beherrschung der ebenso eigenartig spröden wie ungeheuren Literatur und ohne das unerläßliche innere Gefühl für den Qeisl der hebräischen Sprache. El hieß, durch die Akademie einem Stamm jüdischer Gelehrter den Weg bereiten, die, nach den 'Worien von Leopoli i andau, dem ersten Präsidenten des Akademievereins, imstande waren, .alles, was zur Erkenntnis des Wesens und des Schick- -als de- Judentums1 Vala'ethiscuesv ttlhgtCftertiana« wbgcrO s»t» schalt dient, in den Kreis ihrer wissenschaftlichen Durchforschung zu ziehen". Die er engere Kreis sollte befruchtend auf die Rabbiner und l eloe: wirken, denen wir die geistige Leitung der Gemeinden und die religiöse Erziehung unserer Kinder anvertrauen, (deichzeitig sollten die I rgebnissc der Forschungsarbeit, in einwandfreien und hochwertigen Büchern niedergelegt, dazu beitragen, die Dehcrzcugungcn unserer Generation zu festigen, Stolz und liebe zum Judentum zu erneuern. Die Akademie ist demnach Pflanzstätte fiitensivs t e n Q e I s t e s I eb eens, Arbe 11sz entrum und Existenz- Ordnungen von Behörden illusorisch gemacht werden dürft Der Gegenstand des Streites mag geringfügig erscheinen, K, aber in Wahrheit gewaltig. Denn es handelt sich — wie inim Ul , der Detont werden muß - um das Recht. Und Verständnis fui jne Stellungnahme erwarte ich auch bei dein Qlaubensgenossi n irreligiös nicht dieselben Bedenken gegen einen Schulbesm ,„„ Sabbath hat. Als einst die Fleißncrscheu Erlasse in Kraft waren sich die sächsische Judenheit wie ein Mann, und auch die a |n, differentesten Kreise schickten ihre Kinder in schöne'- - > mit uen Religiösen am Versöhnungstage nicht in die Sehn |nl Prinzip liegt heute dasselbe vor., nur mit dem Unterschiede, da riet Kreis der vom Unrecht sich betroffen fühlenden enger ist. Wen , Im Sinne des Ministeriums endgültig entschieden wird, lie es durchaus im Bereiche der Möglichkeit, daß bei nächster Gele jj auf dem Verordnungswege wieder irgend ein hndercs Stü. ,],T Verfassung beseitigt wird. Ansätze und Anzeichen liegen, \ >vog ein anderes Mal die Rede sein soll, auch auf .anderen Qebiete e'nd ich vertrete nicht meine Interessen, sondern die der! hsi. «eher Judenheit, wenn ich die Sympathie aller gerecht d n. den Men-c en in diesem Kampfe um Gleichberechtigung erbitte g a r a n t i e j ü d 18 C Ii e r fiel e Ii r t e r, A n Z i e h u u g s p u u k I [;. a u f st r e b e n der j Ü d i 8 C Ii - w i s s e o 9 e h a f tlich e r K r ä (t e Ihre Organisationsform ist das Forschungsinstitut (keim anstatt), geführt und gestutzt von einer akademischen K ,. schalt, gegliederl in eine Reihe von Fachsektionen. Nicht al!< ,r. gesehenen Abteilungen entstanden mit einemmal, aber e ne ndische, eine historische, eine Hterar-historische, eine sprach« nschaftliche, eine philosophische Sektion und eine Sektion für Statistik und Wirtschaliskumh der Juden sind bereits in Funktio ireul von Sonderkommissionen, die sich aus Autoritäten des In- und Auslandes zusammensetzen. Das Forschungsinstitut stellt tete Mitarbeitet an, übernimmt jüngere Gelehrte als Stipendiat« nt ihrer weiteren 1 irfbiMung und beledigt sie an den laufenden \rbeiten. Es publiziert endlich die Forschungsresultate in den V ifentllchungen der Akademie. Der grundlegende In in zur Organisierung des Instituts, die Aufstellung des großen Arl U- Programms, - wie der Beginn seiner Durchführung stamm! von seinem ersten Leiter, dem Historikei Eugen Täubler, Gegenwärtig leht Profi ssor Julius Quttmann an seiner Spitze, ihm zur Seil der wissenschaftliche Vorstand, bestehend aus Vertretern der jüdis hei Wissenschaft in Deutschland. Zurzeit sind annähernd i(> Gelehrt an den Aufgaben der Akademie und der ihr angeschlossenen Herl Cohenßtiftung beteiligt, lieber die wichtigsten laufenden Fon gen und in Druck befindlichen Werke unterrichtet alljährlich Korrespondenzblatt durch Oesamtberichte und gemeinvers lieh abgefaßte Spezialaufsätze der Autoren. Eines dir großen Ziele d>- Forschungsinstitutes ist: nach und i eine „Bibliotheca Judaica" zu schatten, die alle bis zum Ende 'S. Jahrhunderts erschienenen wichtigen jüdischen Sehrilten im;■ tischen Ausgaben, nötigenfalls auch in Uebersetzungcn, enthalten ill. Ein Generalverzeichnis aller aul unser Schrifttum bezüglichen U •duUten und ein photographisches Handschriftenarchiv sollen wo i gesamten Entwicklung unserer Gemeinschaft in politische!, gelegt werden Ein zweite- Ziel stellt die historische Durchdrin Hireller, wirtschaftlicher und sprachgeschichtlicher Beziehung fi'r di verschiedenen Epochen und Geschichtskreise, die die |u heil durchlaufen hat, zugleich oder nach und nach in Angriff | > inen. Eine Aufgabe iur Generationen! Die ganze Reihe der bereits erschienenen oder in Vorbereitun findlichen Arbeiten hier durchzugehen, wurde zu weit führen au; die größten der vorliegenden Publikationen sei kurz hingi sen: Drei Bände ..Hermann Cohens Jüdische Schriften" aus der pl sophisehen Sektion, Selms Stern-Täublers „Der Preußische Btaal die Juden" in zwei Binden au der historischen, die Edition » Theodors und Albecks "Midrasch Bereschil Rabba" aus der taln sehen Sektion. V<m den vorbereiteten verdienen besondere Heile' i Fritz Baers dreibändige „Geschichte der Juden im christlichen - ■ nie n". Gerhard Scholems Edition der ..Schriften des Mos - de | unter Berücksichtigung de', Problems der Entstehung des S und das..(.orpus scriptoruin sjrammaticorum et exegetarum", i 1 Sammlung der Klassiker der hebräischen Sprachforschung um' Bil erkläruug. Ins lebendige Judentum der Gegenwart greifen die Forschun der Sektion Iur Statistik und Wirtschaftskunde der Juden. Ihr I c. Prof Heinrich Silbergleit, ist daran gegangen, die aus der Vo