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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-10-05 · 40 (5.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG ein ganzes Dasein im Diesseits; doch schöner ist ein einziges, der göttlichen I ehre und den glitt* Taten geweihtes Stündchen im Diesseits, als die ganze selige Ewigkeit im Jenseits. Line andere jüdische Volkssage malt recht anschaulich das Bild, welches die jüdische Volksphantasie sich von den Wonnen im Jenseits macht: I s t Li Mi einmal ein armer Mann durch den tiefen Wald. F.r hatte einen alten, zerbrochenen Wagen und ein mageres, kleines Pierdchen, und wie et sich so dabiinscnlcpptc, kam der Freitag und es wurde Abend. Da musste er Rast machen und den Sahhat feiern. Er gab seinem Pferdchen Futter, betete und holte aus d.'m Sack ein Stückchen trockenes Schwarzbrot hervor und hielt damit das erste Sahbatmahl. Das gleiche tat er am Sabbatmorgen /um zweiten, und am Abende des Sabbattages /um dritten SabbatmahL Und wie er s> einsam iHiseinen.'.'Urdcheu. im wildin Waide dastand, gedachte er der alten Zeiten, als er reich war und den Sabbat auf ganz andere Weis.- feierte, als hin auf dem Wagen mit einer Krume Schwarzbrot Da; sab er in seinem schonen Hause mit Prau und Kindern i.i einem hcllerleuchteten Zimmer und hatte zahlreiche (i iste bei Tische, und sie sangen die schonen Sabbatlieder, wie Gott is gebietet, und man trug die blatten Speisen auf und trank Wein und war fröhlich \ ..in Her/, n. Und wie er so nachdachte, wurde ihm immer trauriger zumute, und er fing an zu weinen. . „Nun habe ich mich mein ganzes LCCen redlich gemäht und gerackert, und am I ide ist is s> weil mit mir g\kommen. Warum straft mich Gott so hart? Freilich meines Anteils an der zukünftigen Welt hin ich sicher, und nachdem ich Sunden abgebüßt habe, werden mir alle Herrlichkeiten des Paradieses zuteil werden. Aber, wenn Gott mir Pur einen Teil jener Ihr. lichkeiten, die mich im Himmel erwarten, ein klein wenig ird'sclus Qlflck geben wollte, damit ich es hier nicht nötig hätte, m eh so bitter zu plagen, wäre das nur gerecht von ihm." M.ltlircweile wurde es Nacht. In den guten alten Zeiten p legte er zu dieser Stunde am Ausgang des Sabbats das Qeldtmahl, das Festmahl des König Davids abzuhalten. Was war das für eine Treu le und l ustigkeii im Hause! Man sang die Lieder des Propheten Eliah und sagte I hora und erzählte schöne Geschichten, bis dir M »igen graute. Und jetzt sali er da im hnsterejn Walde und hungertet, denn das Schwarzbrot war schon /u linde. Und wie e sich at da. alles erinnerte, erhob er die Augen und bemerkte von lern.' ein liciit.cn Dem Lichtlein ging er nach und gelangte in ein kie'nes Häuschen, wo er eine alt' I rau trat. Die alte I ran b i( dem Ausg hungerten rine 1 >rtion Fische an. die vom Sabbatmahl übrig geblieben warci Natürlich wollte er zuerst die Semii.ith (Gesänge) f.ir den Sabbat ausging singen, und wurde nicht s.i bald fertig, Da k i.u aul ihn ein Mann zu und sprach: „K umn mit mir, ich knie d en zum Qele'tsmahL" (Das Abschiedsmahl zu Ehren der scheidenden Königin Sabbat.) Er fällte ihn bt der bland i;i:d ,ehrte du eh i .u tntirird •■: l Iii hie einen weiten, weitet Weg, b's sie in e u n Ra nn gelangten der n II war von Licht, daO vs aussah wie bei heilem Tage Darianeil saßen viele Menschen, junge und alte. Ls Aaren lauter schön.' Manschen, und sie sahen sr.ir idel aus. Al'e bitten «reiße GcW-lüdlr BI Und all die lu den hereinkamen, gab man ihnen auch weiße Qswinder zum Anziehen. Dann setzten su sich an dm risch, ein r si mml den Gesang an, und alle sangen mit, und das war der schönste Qesing, den er je g< ,i irt. Dann sagte ein Alter Thon und er deutete ihnen vieles Unerklärlich) und Verborgene, daß unser Mann erstaunt und mtziukt war. Dana erhob ein schöner Alter mit leachtenden kugen, wie zwei Sonnen, und c nun langen weißen Bart eise Fedel und Iii: an zu spielen, dawir s> wunderbar schön, daß esinesn dabei di< Sceh st*sgthen konnte. Und dabei tanzten de anderen alle, und tanzten gar lange, iYr min sili es ihnen an, dall keine Müdigkeit Übet sie kr>m. s'.lange sie auch tanzen m chten. Unser armer Mann k nute sieh u cht sa't sehen, und sat h >rea in a l dem Schönnen, welches hiir war. Er vergalt ganz, w >!i-r «r k in und was mit ihm geschehen war und meinte, hier wurde er ewig bleiben in den weißen Gewändern und wurde den Gesang hören und das Spiel dir F iedel und die wunderbaren Offenbarungen der Geheimnisse der Thora. Da Vam auf ihn der Min t zu, der ihn hierhergebracht hatte, fasste ihn 1> der I and in et' it: e;hn hinau; lurch unterirdische < Ärrje, weit, weit weg h a sie in einen Raum gelangten, der angefu I war mit G >kl und E le'sle nen, dill es in den Au^en nur so llimmcrte Da spra Ii der Führer zu unserem Manne: „Wisse, ich bin Fbah, der Prophet Ich habe de ne Klage gehört, und deine Bitte, da IVGott dir den Lohn, der dich im Jenseits *ar. tet, auf Erden in irdischen Gütern bezahie. Ich habe d'ch Mm in- |>a. radies gebrach;, und du hast da eine ganze Nacht verweiit. Di;;iS| den Geschmack des l'aradiises bei I ebzclten gekostet. Da wart die Heiligen und Reinen, die hier in Ewigkeit ein seliges Leben fü en. Das war König} David, der die Fiedel spielte, denn es w ja das Festmahl des Königs Diavid. Wenn deine Zeit auf Erden ab hu>> fen ist, wirst auch du unter ihnen weilen. Aber solange du k| inuPt du Armut tragen. Denn es wurde im Himmel be chl>ssin ,|ag entweder diese oder jene, Welt erbst. Doch wenn du auf je n .v\\ verzichtest, kannst du hier so viel Gold und 1 d< Isteine nehme als es dir beliebt. Nun wähle.-' Der arme Mann sann eine Weile uh Abei bald wandte er sich ab, denn er 'fürchtete, daß der J .z. r l |<a (böser Trieb, Habsucht) ihn bereden kj'mnte, auf das sei ge | e. ben im Jenseits in Gemeinschaft der Heiligen und Reinen tu verzichten. Als der Morgen graute, stand er w ede i n dichten V .«tele neben seinem Wagen und seinem mageren Pferdchen. Aus der überreichen Fülle der psychologisch und phi os | xa äußerst lehrreichen jüdischen Volkssage.i, die das Jenseits-Pr< lesa zum Gegenstand haben, möge noch folgende hergesetz: weid i: Einer Witwe starb ihr einziger Sohn, kurz, bevor «JT Hochz.it m< iun sollte. Anstatt ihn Hinter die Chusspa zu fuhren, führte sie ihn auf den Friedhof hinaus und bettete ihn ins kalte Grab. Wochen und Monate lang war sie wie verwirrt, sali stumm da und?prach ein Wort zu einem Menschen. Nachher weinte sie Tage und N ichle i as> Verbrochen. Aber auch als das Trauerjahr vorftbe).- war, legt« si: die schwarzen Gewänder picht ab, weinte die Näehtu hlid ren, wandte sich von den Menschen ab, ging jedei Tag auf d is <.ia!) ihres Sohnes und verbrachte lange Stunden mi dem Betrachtiii ,e. Orabhflgels und des Denkstiins darauf. Ale Tr. stivoric und / ui l.n ihrer Verwandten und Freunde wies sie von sich. Sie sehnt ch nach dem Tode, um mit ihrem geliebten Kinde endlich verein) zu sein, oder wenigstens es im Traume /U sehen liiuni il erichi.'n ir der verstorbene Sohn im Traum. Sein Gesicht war schwarz vor Kummer und Harm, er war r' einen Sack gehüllt und mit n bedeckt. Du Herz der Mut.er krampte sich bei diesen Anbick zusammen und sie kannte kiin W ut hervorbringen. Der Sohn s, Kh zu ihr: „Mutter, warum borst du nicht auf, um m'cii zu rau. rn? Das läßt mir auf der anderen Well keine Rulle und ich bin dl keinen Augenblick in die Pforte des Paradieses eingclissm woi in, sondern null! obdachlos umherirren. Dein unablässiges We'.nen und Trauern beleidigt (iott; alle anderen Seelen strab en in dem An Ikfc Oottes, die Engel im Himmel bringen de guten Taten herauf dk ihre Hinterbliebenen zu ihrem Gedenken verrichten, von dir her kommen nur ewige Klagen und Vorwürfe gegen den uiiabänderl ihn Willen Oottes, der doch allein we sc und gütig ist, il'id am In teil weiß, was den Sterblichen frommt. Wenn du mich wirklich Be'i hast, nullit du endlich ilie Trauerg«wander abejen. und den Sch tri aus deinem Herzen verbannen. Anstatt Um d n To.l de lies i HCl unablässig zu trauern und zu klagen, mullt du .rtf Er Je i u sd mm Andenkeen das tun, was Ihm zu vollbringen verwahrt war I h habe kein Kind hinterlassen. Aber in derselben Nach:, als ich s uh, wi.rde in dieser und diiser (iasse. in diesem und diesem Haus ' i'1 Kind geboren, und die Mutter, deren Mann einige Wochen in aus dem i eben geschieden. Starb kurz darauf Sache das K ud ml, itfmin es zu dir, hege und pflege es, a's wäre es das I lad meines ein/igen Sohnes, habe Freude daran, tröste dich über d u od deines einzigen Kindes Damit wirst du den Wil'en (io'tes tili lad meine Seele von den Qualen erlösen, d e ich wegen deiner rn 1r sigen Trauer, erdulde." Am nächsten Morgen war da; i rste, was d e Fra i tat, das erlassene Waisenkind aufzusuchen. Sie nahm e> zu sich und tat ' i> «erstorbener Sohn ihr anbefohlen. Nach einiger /e t erschien der Mutter abermals der S ili i in Traume. Er war in die strahlenden Ocwändcr dir Zcdikah (lewrs ir /•■dakah dinehirinf gekleidet, sein Antlitz leuchtete, sein.- Au es glänzten und er lächelte selig.

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