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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-09-23 · 39 (23.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
39 (23.9.1928)
Date
1928-09-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN KELiaiONSOEMEINHE ZU LEIPZIG ich selbst mein weiß, wie das paniert ist. Ehe der Etrog noch recht in meiner Hund war, lag der Pitum schon zwischen meinen Zahnen.. . Den lag vor Laubhüttertfest beeilte sich Vater, früh nach hause *u kommen und beschäftigte sich damit, den Palmwedd zusammenzubinden, die „Vier Arten" /u ordnen, und alles auis beste \orzubereiten. Den lein zurecht gemachten Palmwedel stellte er obenan in eine Ecke, lehnte ihn etwas an die Wand, und Lejbln wurde ein- ., sich beileibe mein zu unterstehn und den Palmwedel anzuren. Aber das war ganz Überflüssig. Lejbl hatte seine eigenen gen: Herrgott, der PitumI Der PitumI Wo/u er bloil eleu Pitum aösen halte! Was halte er da\on gehabt! Was iur einen ticschmack ....i schon ein Pitum \oii einem Laiug, wo er am Lude gar — plui! tter wie ualle schmeckt, ubel kann einem werden! Um nichts und wieder nichts eine Frucht verdorben, einen Esrog,, possul" gemacht, so ciuiJ nicht mehr der Segen über um gesprochen werden kann! Und daf) dein so war - das hatte Lejbl bereits von seineu Kameraden in der Schule erfahren. Nun iragt sich's bloll, wo/u hatte er das a dg gehabt?... Es wai ihm, als hätte er einen .Word begangen, ein lebcueies W esen hergenommen und das Köpfchen abgebissen und .....■ au» Leben genommen. Warum.-' wofür?... Nachts im Schlai erschien ihm der Lsrog im Traum, rüttelte um und zog ihn am Aermcl, weckte ihn und tragte: „Was habe ich dir getan, du Spitzbube?-... Warum hast du meinen Pitum abgebissen.' Ich bin ja jetzt possul, possul!" Lejbl dreht sich auf die andere Seite, stöhnt "•• 1 ......U ein, da rüttelt es ihn wieder: ,,.Worder! Was hat dir ~-:- il ii getan? .Wem Pitum? .Wein Pitum?..." Der eiste Tag Laubhuttenfest kam. Nach dem Nachtfrost ging die Sonne am läutern, blauen Himmel auf und Übergoß die Lide mit der .. päteten Wärme einer Stiefmutter... Den lag stand Moischtlenk) der Vertrauensmann besonders früh auf, um den fälligen Abschnitt de r Bibelverlesung noch einmal durchzusehn, ihn mit der üblichen seiiimcn 1 estinelodie einmal durchzusingen. Den l ag erhob si .! auch Basje—Bejle früh zu den feiertäglichen Fischen und den hen Nudeln und dem feiertäglichen Schmormöhren-Nachtisch. Ueu lag erhob sich auch Sahnen der Tischler sehr früh. um bei ans in der Laubhütte truher als alle den Segen über den Esrog zu erledigen, damit er seinen Lee mit Milch trinken und sich zum l est weidlich pflegen konnte. — Sahnen bittet um den WVdel und den Esrog — richtet Mutter Vätern aus. - Mach den Schrank aui und nimm die Dose raus, aber behutsam! Bpricht Vater und steigt selber auf elas Fußbänkchen und holt den l'almwcdel vom Schrank herunter und bemüht sieh silbst damit in die Laubhütte, den Tischler mit der frommen Handlung zu beehren. — liier, sprechen Sie den Esrogim-Segen — wendet er sich au den Tischler — aber vorsichtig, um üotieswillcu vorsichtig!... Sahnen, ue.r Tischler, uns« Nachbar, ist unberufen ein Riesenkerl von einem Juden, und hat zwei I Linde, wo jeder Finger für sich drei solche Uejblchen wie mich glatt auf die Erde legt. Heide Daumennägd sind bei ihm stets verpappt und stets rot von Lack. Und wenn er so einen Nagel Übet ein Brett fuhrt, bleibt einetiefe Spur drin wie von einer Eisenschärfe... Zum Festtag hat Sahnen ein weiBes Hemd und einen neuen Uebcrrock angezogen und hat sich im Bad lange mit seife und Sand d,e Hände gerieben, aber die Hände blieben verpappt und rot von Lack wie gewesen. in diese I Luide al»o fiel der ängstlich behütete, wohlriechende Esrog. Nicht umsonst sprang Mojgche—Jeukl der Vertrauensmann direkt iu die I lohe, als Sahnen der Tischler den Esrog anpackte, ordentlich einmal prellte und den Palmwedd tüchtig einmal schüttelte. Vorsichtig! Vorsichtig! — spricht Vater und bangt um den Esrog und nun drehen Sie ihn mit Verlaub um. den Pitum nach unten, und sprechen Sie den Segen „Dali Ich's erlebt", aber beriutMn, behutsam, um üotteswillen behutsam! Plötzlich sprang Mojsche-Jenkl der Vertrauensmann wie von dt, Tarantel gestochen in 'die Hohe und schrie mit einer ganz licmdt, Stimme: „Oh!"... Auf sein Ucschrci kam liasje-liejle in die Laut, hütte gelaufen. — Was ist los, Mojsche-Jenkl? Uott sei mit dir! — Hoher Tölpel, ungebildeter! brüllte er auf den Tischler los bereit, ihn mit dem lihck zu durchbohren — wie kann man mir c, so ungeschlachter Tolpatsch sein! So ein ungehobdter Ignorant! Li Esrog ist wohl ein Heil? Uder ein Mciliel? Oder ein Bohrer' tu Esrog ist kein Beil, kein Meißel, kein Bohrer. Sie haben mir den I laut ohne Messer durchgeschnitten! Sie haben meinen Esroy p0s. sul gemacht! Da liegt der Pitum, da hier, sehen Sie, grober Flegd Ignorant der Sie sind!... Wir waren alle bestürzt auf den Tod. Salinen der Tischler stand dt wie vom Schlag gerührt, konnte nicht begreifen, wie ihm so ein Unglück passiert war: Wieso war dei|it der l'itum abgesprungen Lr hatte doch, wollte er meinen, den Lsrog behutsam gehalten, kau* mit den Fingerspitzen berührt! Ein Pech, so ein Pech!... Basje-Bejle war wie erschlagen und rang die Hände: „Wenn einer einmal kein Oluck hat", spricht sie unter Tranen, „dann soll er lieber ßingehn und sich begraben lassen, lebendig, frisch und gesund m die Erde hinein'.''... Und Lejbl weih nicht, ob er tanzen soll vor Freude, dao Uott so ein Wunder hat geschelm lassen, ihn aus solcher Not erlöst — oder ob er weinen soll über Vaters Schmerz und Mutters Tränen — odei ob er Sahnen dem Tischler um den Hals fallen soll und ihm die die groben Hände küssen mit den verpappten Tingern und roten Nj. geht dafür, dall er sein guter Engel, sein Retter gewesen war?. Lejbl wirft einen Blick auf Vaters üesicht, auf der Mutter Trantr,, auf des Tischlers Hände, auf den Esrog, der auf dem Tisch herumliegt: tot, gelb wie Wachs, ohne Pitum, ohne einen Tropten Lehensblut, eine Leiche, ein totes Wesen. — Ein toter Esrog - spricht Vater mit gebrochener Stimme — Ein toter Esrog - sagt ihm die Mutter nach, Tränen ii den Augen. — Ein toter Esrog sagt ihnen Sahnen der Tischler nach und schaut sich in die Hände und denkt dabei offenbar: ..Ein paai Flossen - der Teufel soll sie holen!"... ■ Ein toter Esrog fährt's l ejbln heinahe lustig heraus, usd er beißt t|ich auf die Zunge, 'denn ei wein ja doch, dad »r. l ejbl, der Totschläger; der Mörder des Esrog war---- SBKGER Nähmaschinen in altbewährter Güte Erleichterte Zahlungs Bedingungen jg. Sifimasctiinen kf», AWIengesallschoffJ, In L.e»lpmlgi C 1, Pelersstraße 14 (Singerhsue) * S 3, Südstraße 26 ♦ W 31, Zscrochersttie Straße 24 ♦ N 22, Halleache Str.OT ♦ 0 30, Eisenbahnstr. 48 Wir laden sämtliche Mitglieder des Jüdischen Gesetzislreuea- Verbandes e. V. für die am Sonntag, d. 30. September 1921 20 Uhr in der Färberslraße 4 stattfindenden ii g 1 i «I «k ■• - \r e r h a iu m I m n p ein. — In Anbetracht der wichtigen zur Diskussion stehenden Frage" w'rtl um zahlreiches und pünktl Erscheinen gebeten. Jüdischer Qesetzestreuer-Verband e. V. a. senumer / b. Schimmel

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