Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 39 (23.9.1928)
- Date
- 1928-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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3 gel machen, geht «Mojsche~Jenkl auch in dei Reihe mit allen Vornehmen von der Ostwand. Und Lejbln Ischl das Herz im Leibe... \\ ie er In die Schule kommt) kann er nicht an sich halten und plappert aus, dall sie diesen l eiertag einen l srog haben werden; einen eigenen x Lsrog! Doch niemand will ihm glauben. "Was sagt ihr zu seinem Vater! iprechen die Stromer untereinander — so einen Habenichts, so einen Überschnorrer gelüstet's, nach einem Lsrog. Er glaubt wahrscheinlich, es wäre eine Zitrone, ein Apfel für'a l'fennig!... Und man verehr; Djh.u wie gewöhnlich eine hübsche Tracht Prügel, Ohrfeigen, RippenstöUe, Püffe und Knuffe.. Und Uejbl beginnt einzusehn, daii sein Vater ein Habenichts ist, ein Oberschnorrer, und <laii ein Schnorrer es sieh nicht gelüsten lassen darf... Wie überrascht ist er aber, als er nach Hause kommt und Herrn Mensl, den Schächter, den Dreispitz au fdem Kopf, mii Vater am Tisch sit/cn trifft, und vor ihnen ein Kästchen mit I m igim steh» sieht, die mit ihrem paradiesischen Wohlgeruch die ganze Stube erfüllen. Der Dreispitz, den Den Hensl der Schächtei auf dem Kopie tragt, ist ein Erbstück aus der ersten Napoleon Zeiten. Bei den I rantosen ist er längst aus der Mode. Aber zu uns ins Städtchen wai poch einer hingeraten, aber auch nur der eine bei I lernt I lensl dem Schachter. Diese Kopfbedeckung ist lang und schmal, hat vorn einen Spalt, einen Knopf und zwei Quasten. Mich juckte es immer nach diesen Quasten: Wenn die Mütze wenigstens lür zweiMinut n m'r m die Hände fiele, wären die Quasten mein! Herr Hensl der Schlächter legt seinen ganzen 1 ad«.n aus, wählt «inen t <r«»g und trägt ihn Vätern mit zwei Fingern hin, er mochte ihn betrachten. - Hier, den Lsrog müssen Sie nehmen, Herr Mojsche-Jenkl, ila werden Sie Freude daran Italien . .. — Lin Corfyrer? fragt Vater und betrachtet den Esrog von allen Seiten wie man einen Brillanten betrachtet, und seine Hände zittern vor Freude. — Na, iimd ob! meint der Dreispitz mit I aehen, und du Quastein baumeln dazu. Mojsche-Jenkl weidet sich an dem Lsrog, riecht an ihm, kann sieh nicht satt sehn an ihm, ruft Basje-Bejle herbei und zeigt auf den Esrog mit einem glückseligen I Schein, wie mau auf ein sehr kostbares Zierkistchen, ein Schmuckstück, einen Edelstein zeigt, odci ein schönes, teures Kind, einen Augentrost. Basjc--Bejle gehl heran, streckt die Hand behutsam aus, will den Esrog nehmen. Da gibt man ihn ihr nicht: „Die Hände in Acht! Einmal riechen, wenn du willst" ... Basjc--Bejlc begnügt sich, wenigstens dran zu riechen. I nd mich läßt man nicht einmal dran riechen! Mich läßl mau nicht einmal heran, dall ich nicht zu nahe stehe, ich soll garnichl mal hingucken, denn es ist lebensgefährlich. „Da ist er schon!" spricht Mutter, „lad ihn bloß ran. gleich beißt er den Pitum*) vom I srog ab!" - Gott behüte! spricht Vater. Bewahre und beschütze! springt ihm der Dreispitz bei, und'die •.»u.i-ten baumeln dazu... Herr Hensl schenkt den Ehern etwas Werg, den Lsrog einzuwicklu, und der Dult, der Paradies«Sduft verbreitet sich in alle Ecken... Wie «in Brillant, wie ein seltener Stein, wie ein kostbares Pfand, das man zur Aulbewahrung überkommen hat, es zu hüten, wie den Augenstern, so fällte man den wohlriechenden l srog, hüllte ihn in Werg, wie man ein Muttcrkind. ein Einziges, einhüllt, dall es sich nicht behüte das Hälschen verkühle und man bettete ihn vorsichtig ein. legte ihn tu eine schöne, runde, hölzerne, gedrechselte, bunte Zuckerdose, «Im Zucker bat man mit Verlaub hinaus, und den l srog bat man wie einen herzlieben Oast herein: -') Die ekhdformige Spitze. Der I srog ist er für den Ritus untauglich, „potiul' muH unversehrt sein, sonst Herzlich willkommen, Herr lsrog, nur immer herein, hereinspazicirt in die Dose!... Die Dose wurde behutsam mit dem Deckel be-- deckt, in «K it Glasschrank gestellt, die Schranktür zugemacht und adiöl Ich habe bloli Angst, daß der Bankert (das bin ich) islch nicht an den Schrank macht behüte, und den Pitum vom Lsrog abbeißt so spricht Mutter noch einmal und fallt I ejbln bei der I land und zieht ihn vom Sehrank weg. \\ ie eine Katze, wenn sie Butter schmeckt, vom Vorherd herab* springt, «Ich Rücken reckt, herumzustreichet. beginnt, sich anzureiben, jedem in ilie Augen zu blicken, und sich beleckt, so strich der arme Lejbl eine hübsche Zeit um den Schrank herum, schaute durch ilie gläserne Tür hin« in, lächelte der Dose mit dem I srog zu, bis die Mutter es bemerkte, Da riet sie den Vater an, dall es den Stromer jucke, sieh über den I srog herzumachen und den Pitum abzubeißen.. In ilie Schule, du Spitzbube, schockschwerenotl Uejbl /lein den Kopf ein, lallt die Augen sinken und geht in die Schule. Die paar Worte, die .Wutlei Vätern wegen des Pitum vom dem Lsrog gesagt hatte, waren für l.ejbl man kann sagen - Ciift, ein quälendes Gift in den Adern. Von der Minute an setzte sich der Pitum Lejbin in den Kopf, ging ihm nicht eine Sekunde aus dem Sinn, erschien ihm nachts im Traum, rüttelte ihn, zog ihn bei der Hand: „Kennst du mich, Närrchen? Das bin ich doeh, Pitum!"... Lejbl dreht sich au, ilie andere Seite, stöhnt und schläft ein, rüttelt es ihn wieder: Stell auf, gib mach den Sehrank auf, nimm den Lsrog heraus und beiß mich ab. wirst dich erquicken!". ■ Früh, wenn l.ejbl ansteht und sieh mit Wasser die Fingernägel abgießt, erledigt er rasch das liebet, nimmt das Frühstück mit, hascht im Vorbeigehn einen Blick durch die (ilastur in den Sehrank auf die Dose mit dem I srog, und es ist ihm, als ob die Dose ihm zuwinkte, zuriete, zuzwinkerte: „Komm her!... Komm her, Großer!" Lejbl nimmt die Füße unter die Arme und läuft davon in dieSchule. l.ejbl nimmt die Füße unter die Arme und läuft davon in die Shuelt. I ines schönen Morgens einmal, als Lejbl aufstand, bemerkte er, dall er allein war ganz allein im Haus. Der Mater ist im Projekt, die Mut Iii auf «lein Markt, ilie Magd macht sich in der Küche zu schaffen. ,.Alles ausgeflogen, kein lebendes Wesen", denkt Uejbl, gießt die Nagel ab und hascht einen Blick durch die Glastür in den Schrank und erblickt die Dose. Sie winkt, ruft, zwinkert ihm zu: ..Komm her. komm her, Großerl".. Behutsam, vorsichtig schleicht l ejbl au den Schrank öffnet die Olastflr, nimmt die i 'ose heraus, die schone, runde, hölzerne, gedrechselte, bunte Dose, hebt den Deekel ab, und ehe er noch das Werg von dem Lsrog abnimmt, fährt ihm ein Geruch, ein starker, scharfer Geruch, ein paradiesischer Wohlgeruch in die Nase. Und ehe er stch's recht versieht, ist der Lsrog schon in seiner I land, und der Pitum sj>ringt ihm in die Augen: — Willst iltt Vergnügen haben- Willst du einen Geschmack vom Paradiese kosten? Schnell beiß mich ab! Hab keine Angst, Närrchen! Niemand weiß es, keine Seele sieht's! Kein Vogel plappert's aus! — — — Was gewesen war, wollen Sie gern wissen? Sie wollen wissen, ob ich den Pitum vom Fsrog abgebissen habe? üb ich mich beherrscht habe und den Pitum nicht abgebissen habe?... Ich mochte wissen, was Sie an meiner Stelle getan hätten, wenn man Ihnen zehnmal eingeschärft hätte, dall Sie sieh nicht unterstehen sollen, den Pitum vom Lsrog abzubeißen? Sie hatten wohl nicht wissen wollen. Wie ein Pitum von einem I srog schmeckt? Sie wären wohl nicht auf den Einfall gekommen wie ich: abbeißen und mit Spucke wieder ankleben? Sie können mir's glauben oder nicht, das ist Ihre Sache - aber ich schwöre Ihnen auf Ehre und Gewissen, daß Centrai-Theater Betriebe Anton Schneider .-. --»«Mfif. C.T-Casino das eleganteste Tanz-Cabarett 5slä2&Ä!sJs! Künstlerische Leitung; Direktor Kurt Kaiser