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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-09-23 · 39 (23.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
39 (23.9.1928)
Date
1928-09-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Lichte, da Sonne und Mond an jenem Tage abwechselnd in ununterbrochenem OlanZC erstrahlen, ohne daß Finsternis scheidend zwj. sehen sie tritt. Den sieben Tagen aber fügt das (leset/, noch einen achten hinzu, den es als Schluß tag bezeichnet, wie es scheint, nicht bloB für dieses Fest, sondern für alle die Jahresfeste, die ich aufgezählt und besprochen habe; denn es ist das let/.te im Jahre und d-r / rchluß c r teste. Vielleicht vu lnbti Ii*' ir-tio Kdbikzail, die Acht, dem Feste aus folgendem (irunde zuerkannt: sie ist der Anfang der körperlichen Substanz beim Ucbcrgangsproz.cß vom Unkörperlichen und zugleich' »Her Abschluß der geistigen; das rein geistig Oedachte geht durch die Steigerung der Sieben zur Acht ins Körperliche über. Und so scheint auch das llerbstfest, wie gesagt, eine ständige und feste Vollendung und der Abschluß aller Feste im Jahre zu sein, da man sich den Ertrag des Feldes bereits angeeignet hat und nicht mehr durch die Zweifel über guten oder Schlechten Ausfal* der Ernte in (Hangen und Hangen erhalten wird; denn die Sorgen des Landmannes kommen nicht eher zur Ruhe, als bis die Frucht eingeheimst ist, da "J»r von Menschen und Tieren so vielerlei Schädigungen drohen. ') Die betr. Erklärung lautet: „Das Fest... beginnt in der Mitte des Monats, am fünfzehnten, gleichzeitig mit dem Eintritt des Vollmonds; denn kein Dunkel soll an jenem Tage herrschen, sondern alles soll ganz mit Licht erfüllt sein, da die Sonne vom Morgen bis zun Abend scheint und der Mond vom Abend bis zur Frühe erstrahlt, so daß beide Himmelskörper mit schattenlosem Licht einander aMosen. mel Frost und Hitze uberfallen, so bieten dir die dichtbelaubten Bäume Schirm und Schatten, unter ihren Schutz du den Schädigungen durch beide leicht entgehen kannst; sind dann aber alle Früchte eingeheimst, so gehe auch du hinein und finde in deiner sicheren Behausung Erholung für die Mühen, die du bei der Feldbestellung erduldet hast. Vielleicht aber sollen uns die Hütten an die lange Wanderung unserer Vorfahren durch die weite Wüste erinnern, wo sie viele Jahre hindurch an jedem Rastoric in Zelten wohnten. Es gebührt sich aber, im Reichtum der Armut zu gedenken, im Ruhm der Ruhmlosigkeit in führender Stellung des Standes als einfacher Bürger, im Frieden der Kriegsgefahren, auf dem L ande der Seestürme und in der Stadt der Wüste; denn nichts kann uns mehr erfreuen als die Erinnerung an früheres Unglück im höchsten Wohlstande. Abgesehen von der erfreuenden Wirkung ergibt sich aber auch ein nicht unbeträchtlicher Nutzen in bezug auf die Erziehung zur Tugend: denn wer das Oute wie das Schlechte vor Augen hat, wer diesem entgangen ist und jenes genießt, der wird gewiß von dankbarer Oesinnung und frommen Trieben erfüllt werden, da er eine Wendung des Oeschickes fürchten wird. Daher wird er /um Danke für das ihm zuteil gewordene Oute Ootl mit Lied und VA/ort danken und durch inständiges Gebet seine Onade zu erflehen suchen, um in Zukunft von Bösem verschont zu bleiben. Auch dieses Festes Anfang trifft auf den fünfzehnten des Monats, und /war aus demselben Orunde, der schon bei dem Frühlingsfeste erwähnt wurde1), damit nicht nur hei Tage sondern auch bei Nacht die Welt erfüll; sei von dem von der Natur gespendeten herrlichen Ein „toier" isrog l) Nach Sc Ii.) lern Alejchem von A. Suhl. Heißen tu ich Lejb, als Kind riel man mich Lejbl, und in der Schule hatte ich den Spitznamen „bejb-Lack-l.umpenpack", In der Schule bei un-, müssen Säwissen, bat jeder Junge seinen Spitznamen, / B.: Srul-Stuhl, Mejer-Drehcr, Mendl-Pfändl, Scholem-Golem, It/ig-Spitzig. Herl-Bock... V. ic gefällt Ihnen so ein Rem? Na, data lt/i.:; Spitzig, Mendt Pfändl, Scholen. Oolem ist — das kann man noch wrstehn. Abc.-, was lür ein Schwager ist Barl mit Bock*? Und watjfir eine Verwandtschaft hat Lejb mit Lumpenpack.- Nichtsdestoweniger Li—e ich mir da> nie gefallen und tauge Schlägereien an, und is hageln Ohrfeigen und Pfiffe und Rippenstöße und Buche und Knuffe von allen leiten auf mich. Man haut mich braun und blau, denn ich bin der kleinste bei unin der Schule, der kleinste und dd schwächste und der ärmste, niemand wird für mich Partei ergreifen, im Gegenteil, wenn zwei reiche Jungem mich bearbeiten, einer rittlings auf mir mu; und dir andere mich am Ohre zaust, steht tlcr dritte, eines Armen Kind, dabei und hall mit im Takt: Immer/u! Immerzu! Pufft ihn! Knufft ihn! Die Oehrlein! Die Oehrlein! Immerzu! Immerzu! Da liege ich dann still wie ein Kätzchen, und wenn man mich losläßt, schleiche ich in eine Ecke und weine mich still aus, trockne die Augen, mische midi wieder unter die Kameraden und bin bald wieder wie gewesen. Km/, wenn Ihnen in dieser Geschichte e'.n Namen I ejb begegnet, halten Sie lest, dali ich das bin. 1 .. m:> n belrifit, so bin ich ein kompakte-;, molliges Kerlchen, klein aber dick, nicht s > sehr, weil ich fett bin. ich bin s:igar am Leib mager, aber dafür bin i n mollig, nämlich weil ich dicke wattierte Ib.-.eben trage, ein dicke-; wattiertes I eibchen und ein dikkes wattierte. Mäntelchen. Meine Mutter, verstehen Sie, will, dal5 is mir wann ist und ich mich behüte nicht verkühle, da hat sie mich von Kopf bis Füll in Watte gewickelt. Sie glaubt, M'ittcr nämlich, dali Watte einem Jungen nicht zunutze kommt. Watte kommt sehr zunutze ur einen Ball und noch einen Ball. Allen Jungen leihe ich Watte aus, schleppte sie aus den Hoschen und aus dem ') Bittere Orangenart, Hauptstück des am laubhüttenfest zu segnenden Feststraulies von Palmzweig, Myrte und Bachweide. Mäntelchen so lange, bis sie's zuhause merkten. Da setzte es < >lirfeigen und Püffe und Rippenstöße und Buche und Knuffe. Aber Lejbl Iii Iii sich nicht stören, teilt Watte aus. Mein Gesicht ist rot, die Backen bläulich, und die Nase immer verquollen, immer voll wie ein Auge. , Ein w ahrer Segen zu allen 1 . ufeln!" spricht Mutter und reibt Lejbln die Nase mit der Schurze imbarmherzig und schreit: „Noch! Noch!" Da hast du aber mal eine Plage! Eine Nase! Wenn es keine Nase gäbe, das wir' gut. I rstens wär' man's Schneuzen los, und zweitens wär' nich s, was Winnr frieren könnte in der Kälte... Nicht bloß einmal mußte ich denken: wie's wohl wäre, wenn es überhaupt keine Nase gäbe? Wenn die Leute ohne Nasen herumliefen? Doch, wie würden wir dann aussehen? Na, das ist eben die frage!... Aber, ich wollte Innen ja von einem „toten" Lsrog erzählen und bin vom hundertsten ins tausendste geraten. Mein Vater „Mojsche-Jcnkl der Vertrauensmann" ist seit urdenkliehen Zeiten im „Projekt" Angestellter. Er ist Kassierer. Er kl t viereinhalb Rubel die Woche Gehalt und spitzt schon lange auf eine Zulage: Wenn er Zulage kriegt, so kauli er, spricht er, mit Gottei Hille dies Jahr einen Lsrog. Doch Mutter (Basje-Bcjle die Vertrauerst! au nennt man s c) glaubt nicht an solche Sachen, eh r, sagt sie, stur/t eine Kaserne ein und Menschen werden getötet, ehe ein ( lief einem Zulage gibt. Einmal vor Neujahr kam Lejbl gerade, als s> ein Gesprich /wischen den Eltern im (iange war. Er: lind w enn die ganze Welt einstürzt, dies I .aubhüttenfest mul ich einen Esrog haben! Sie: Die Vi elt wird nicht einstürzen, und du wirst keinen I srvig haben! Li : So, meinst du? Was wärst du aber sagen, wenn man mir versprochen hat, zu dem Lsrog beizusteuern? Sie: In dem Lalle mul! man den Tag im Kalender rot anstreieh n und eintragen, dali am dreizehnten Neumond sich ein Wunder ereignet hat — ein Bär ist im Wald krepiert. Doch was noch? Wenn ich es nicht glaube, bin ich auch keine grolie Ketzerin. Er: Kannst es glauben oder nicht — ich sage dir: Dieses I <auhhüttenfesl haben wir einen eigenen Esrog. Sie: Amen! wär's nur, aus deinem Mund in Oottes Ohren! — Amen! Amen! — denkt l ejbl in seinem Herzen, und er stellt sieh vor, wie sein Vater ins Bethaus kommt, ein Würdenträger, mil seinem eigenn Esrog und mit seinem eigenen Palmwedel. Und obwohl Mojsche-Jenkl einer von der llinterbank ist — wenn es da/u kommt, daß die .Leute mit den Esrogim den Rundgang um die Kan-

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