Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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GEMEiNDCBLA TT DER ISRAELITISCHEN REtlQIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Es sei noch nicht gesagt, daß das Rirualhad der Gemeinde nicht auch Geld kosten würde, möglicherweise bis zu M 10000.— im Jahr» obwohl er hofft, daß Oeld gespart werden kann. Herr Pell bemerkt zur Geschäftsordnung: Man kommt mit der Kaschrusfrage ins Uferlose. Hei Eingang der Tagesordnung habe man mit einem festen und durchführbaren Vorschlag gerechnet. Da diese Voraussetzung nicht gegeben sei, auch viele seiner Fraktionsfreunde fehlen, so bittet er um Absetzung von der Tagesordnung. Herr Dr. Gold Schmidt verlangt, daß die Fragen mit Rücksicht auf ihre Wichtigkeit im Finanzausschuß sowie auch im Aeltestenausschuß behandelt werden. Der Vorsitzende faßt diese Fordei ungen als Anträge auf Schluß der Debatte, Vertagung und Verweisung an die Ausschüsse, wo/u auch die Kaschruskommission gehören winde, zusammen. Herr Du bin er macht darauf aufmerksam, daß den Aufsehern zum 30. September gekündigt ist. Die vorstehenden Anträge werden in getrennter Abstimmung mit Mehrheit angenommen. Herr Stein bemerkt noch, daß bereits ein fester Beschluß der Kaschruskommission vorliegt, worauf der Vorsitzende feststellt, daß dieser Ausschuß nicht mehr mit der Angelegenheit befaßt wird, wenn sich dies als überflüssig erweist. Es spricht noch Herr Tumpowsky, der sich vor dem Schluß der Debatte zum Wort gemeldet hatte. Er fragt, ob für die Stelle des Oberaufsehers nur ein Bewerber in Frage kommt. Es sei früher liier gesagt worden, daß der Dajan die Gberaufsicht nicht allein ausüben könne, ihm sei aber das Gegenteil berichtet worden. Die Sparkommission soll sich dieser Frage annehmen. Wenn der Dajan Zeit genug habe, so sei es merkwürdig, noch einen neuen Beamten anzustehen. Damit solle aber durchaus nichts gegen Anstellung der in Frage kommenden, so sehr würdigen Persönlichkeit im (iemeindedienst gesagt werden, besonders, wenn es sich um den Frieden in der Oemeinde handele. Aber für die Stelle des Oberaufsehers sei diese Persönlichkeit doch wohl nicht notwendig. Gegenwartig hingen die Aufseher durch die Kündigung in der Luft, dies sei nicht angängig. Mit dem Eintritt in den Dienst der Gemeinde verlieren die Angestellten die Berührung mit dem Wirtschaftsleben. Man müsse I eute. die schon 5—0 Jahre im Dienst der Gemeinde stehen und mit dieser fest verwachsen sind, schützen. Sie wurden den Fleischern ausgeliefert sein, da sie im sonstigen Erwerbsleben keinen Anhalt I ahen. Dagegen mußten sie durch Verträge geschützt werden. Herr Kodes erklirt m einer Zwischenbemerkung, daß dies vorgesehen ist. C ' Herr Tumpowsky fragt weiter, wie es möglich sein solle, daß die Aufseher zugleich Angestellte der Fleischer sein, diese aber uberwachen sollen. Er freut sich über den Zwischenruf des Herrn Dr. Ooldschmidt „Outachten des Herrn Dr. Carlebach" und bittet, dem Outachten der Qemeinderabbiner auch in der Folge solches Gewicht beizulegen. In irgendeiner Form müßte die Anstellung der Aufseher durch die Oemeinde bestehen bleiben. Redner wird wieder durch einen Zwischenruf des Herrn Pelz unterbrochen, daß dies der alte Zustand nur mit dem I linzukommen eines neuen Angestellten werden w iirde. Danach betont Tumpowsky nochmals, daß auch sozialpolitische Fragen mitspielen, und daß dishalb vor einer endgültigen Regelung das Plenum gehört werden müsse. Er wisse nicht, Ob der AdtestenausschuB zuständig sei. Herr II »des erhält noch das Wort /ur Aufklärung. Die Fordei mg nach Abbau hat die jetzigen Auseinandersetzungen herbeige« tuhrt. Aus Y .r ieht sei allen Aufsehern gekündigt worden, in der Annahme daß bis /um 1. Oktober die Neuregelung erfolgt sei. Bei ihcsf-r s(-j vorgesehen, daß kein Aufseher ohne die vorhin genannte Aufsichtskommisslon von den Fleischern angestellt <xlcr entii*' werden kann. In der Tat wurde die Aufsicht das kahhinat in der Hand haben, dergestalt, daß dieses mehr über die Aufscher n bestimmen habe, als deren Arbeitgeber. Der Punkt wird verlassen. Der Vorsit/ende erklärt, daß gern iß dem gefaßten Beschlüsse verfahren werden wird. Der Brief der Fleischerdbesitzer, in welchem diese sich gegen die vorgesehene' Neuordnung verwahren, wirdverlesen, doch stellt der Vorsit/r fest, daß dieses Schreiben keinen Einfluß auf die Entschließungen der Gemeindekörperschaften haben kann. Auf eine Anfrage von Frau Felsen stein, wie denn eine Erhöhung der Fleischpreise vermieden werden soll, wenn die Auf. scher von den Fleischern angestellt werden, wird seitens des Vorsitzenden auf die in diesem Falle in Aussicht genommene Herabsetzung der Schächtgebühren verwiesen. 3. Vom Verband russischer Juden in Deutschland mit dem Sit/ in Berlin liegt ein Antrag auf Gewährung einer Beihilfe vor, der voa dessen Vorsitzenden, Herrn Wirklichen Staatsrat Dr. Jacoh Teitel bei seinem Besuch in Leipzig persönlich! überreicht worden i t. Der Vorsitzende führt aus, daß es sich um die Unterstützung von Flüchtlingen aus Rußland handelt, die ihr Vermögen verloren hat» u. Berlin habe 12000 M, Frankfurt a. M. 1000 M bewilligt. Der Gerne ndevorstand schlägt einen einmaligen Beitrag von M 500.— vor. Herr Pelz, ist für Erhöhung auf 1000 M wie Frankfurt a. M.lltir Tumpowsky: Die Angelegenheit ist außerordentlich wichtig. Is handele sich um Leute, die in Rußland ihre Existenz hatten und nun verloren haben. Er ist ebenfalls für eine Erhöhung auf M 1000. Er betont noch, daß es sich um den verschämten Mittelstand handelt Herr Rosenfelder kann sich dem Antrag Pelz nicht anschließen. Die in Frage kommenden Hilfsbedürftigen würden privat unterstützt. Viele Gemeinden in Deutschland könnten ihren Kultus nicht aufrechterhalten und finden nicht die notwendige UnterstD ZUng. Diese Aufgaben gingen vor. Herr Pelz: Beim Haushaltplan sei man so großzügig verfahren. Heute solle man nicht so viel über die Sache reden. IX-r Vergleich mit Frankfurt a. M. sei durchaus gerechtfertigt. Leipzig habe sei; viele große russische Steuerzahler, auf die Rücksicht genommen werden soll. Herr Seiinger wendet sich gegen den Standpunkt des Herin Rosenfelder. Es dürfe keinen Unterschied zwischen deutschen und au lindischen Juden gemacht werden. Diese Bemerkung wird vom Vorsitzenden dahin richtiggestellt, daß dies auch nicht geschehen sei. Herr Seiinger führt weiter aus, die amerikanischen Juden bitten in den schlechten Jahren nach Deutschland Tausende von Dollars gegeben, ohne zu fragen, ob es sich um deutsche oder Ostjudm handelt. Es dürfe in einer jüdischen Oemeinde kein Unterschied gemacht werden. Es kann auch einmal das umgekehrte Verhältnis eintreten, daß in Deutschland Not herrsche, und daß wir auf die Unterstützung der Ostjuden angewiesen seien. Leipzig solle 1003 M geben. Herr Joske unterstützt den Antrag des Vorstandes in der Erwar hing, daß dieser die Angelegenheit sorgfällig und eingehend geprü hat. Erst in der letzten (iemeindesitzung sei die Sparkommissi;. eingesetzt worden; größere Mittel ständen nicht zur Vcrfügim; da der Uaushaltplan geschlossen ist. Herr Du;.iner: Der Verband beschränkt sich nicht auf Ufl terstüt/ungen, sondern unterhält produktive Einrichtungen, wofü hauptsächlich das Geld gebraucht wird. Der Etat beläuft sich an rund 200000 M. Er spricht sich für Bewilligung von 1000 M au- Herr Seiinger fordert, daß nur gespart werden soll, wo es not wendig ist, aber hier sei die Ausgabe angebracht. Herr Tumpowsky sieht als Mitglied der Sparkommiss'on dei Betrag als wohl angebracht an. Die Notlage sei fürchterlich. Un gerecht zu sein, müsse man sich in die Lage der Annen versi tzcn. AUi ehrwürdige I eute, die nicht mehr arbeiten können, seien brotlOE In dieser Frage müsse sich das jüdische Gemeinschaftsgefühl bewili ren. Herr Gott lieb stellt fest, daß jeder der Anwesenden VOI dem gleichen Mitgefühl beseelt sei. Man dürfe aber die Finanzlage de: ^^ifiiniiiiiniiiiitiiiHiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiuittiiiMiiiiiiiinHiniiiiiiiiituiHiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiHtiiitni»« rill Telephon Nr. 55333 53067 reirtifjt und färbt schnell und preiswert Teppiche, Portleren Herrenu. Osmangard. N:*r,te Filiale SalzKHtkM «, Tel. 14 424 Der Bubikopf Dauerwellen Wasserwellen Haar färben durch Spezialisten Richard Lorenz, Brühl 4 ^fflHUWWlBIHItulHlllllUHUI^