Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 wie die Kaufsumine beschafft werden soll. Herr Gott lieh erklärt, daß die früheren Gesichtspunkte völjig ausschsultn müssten. Unter den heutigen Verhaltnissen sei die Sache nrnichtdiskutabel. Auch l!err Kaufmann erklärt sich mit Rücksicht auf die für einen Umbau erforderlichen Kosten gegen einen Ankauf, auch als Spekulation kommt der Kauf nicht in Frage. Es wird einstimmig beschlossen, von der Ausübung des V >ri, rufsrechtes abzusehen. >. Der Vorsitzende berichtet Über die Schritte, weiche der Vorstand auf (irund des Beschlusses der letzten Qemeindeaitzung zur anderwriten Regelung der Kaschrusaufsicht unternommen hat. Auf (irund der schon damals mitgeteilten Erwägungen habe man die Sich." so ordnen wollen, daß die Aufseher aus den Diensten der Qemeinde auss leiden und in den unmittelbaren Dienst der Fleischereibesitzer übertreten, während seitens der Qemeinde eine Persönlichkeit angestellt werden sollte, der die Oberaufsieht zu übertragen wäre. In Verbindung damit sei eine Herabsetzung der Schächtgchnhrcn geplant gewesen Der Vorstand hatte geglaubt, auf diese Weis.- eine befried ende Regehing gefunden zu haben, als heute ein Briel der Flei geher eintraf, der die Sache wieder Fraglich mache. Die Schwierigkeiten kämen sowohl von den Fleischern als auch von den Auf- ■ehern, und von einem bestimmten Kreis von Qemeindemitgliedern. Bei diesem Sachstand empfehle es sich, einen bestimmten Entschluß noch nicht zu fassen, sondern den Vorstand zunächst zu ermächtigen, einen (»beraufsehcr anzustellen, falls die übrigen Voraussetzungen zur Ordnung der Frage gegeben sind. In jedem Falle werde das Defizit heim KaschrUS, welches im I laushaltplan vorgesehen sei, überschritten werden, schon aus dem eirunde, weil bereits ein halbes Jahr verstrichen sei und bis zur Neuregelung noch Zeit vergehe. Im Zusammenhang mit der Frage der Anstellung eines Oberaufsehers müsse h die Uebernahme des Ritualbades in Gemeindeverwaltung behandelt werden. Dem gesetzestreuen Verband >ii wegen finanzieller Schwierigkeiten ein Vorschuß von \\ 500. bewilligt worden, damit dei Betrieb bis 30. September d. J. aufrechterhalten werden konnte. Der Verband sei bereit, der Qemeinde das Ritualbad zu überlassen, hat aber zunächst eine jährliche Keine von 3000 .\\ gefordert, die linden bisherigen Vereinsrabbiner bestimmt war. Der Verband will aber das Ritualbad unentgeltlich abtreten, wenn der Vereinsrabbiuer als Uberaufseher in den Dienst der Oemeinde übernommen wird. Unter dei gleichen Voraussetzung soll nach einer Mitteilung aus zuverlässig« Quelle der Verein Ahawas Thora bereit sein, seine Elementarklassen aufzulösen und die Kinder dei Rdigionsschulc II zuzuführen. I s besieht mithin eine Verknüpfung der $ Fragen, der Kaschrusaufsieht, des Ritualbades und der Ahawas Thora und es sei bei einer befriedigenden Lösung dieser Fragen der schon so oft versprochene Friede in der Oemeinde erneut auf das bestimmteste angekündigt. Herr Tutnpowsky erklärt, sich auf (irund dieser Ausführungen noch nicht zu allen Einzelheiten der in Rede stehenden Frag;n äußern zu können; er schlagt aber grundsätzlich vor, eine Verbindung derartiger verschiedenartiger wichtiger Dinge zu vermeiden. Es sei dem Ansehen der in Betracht kommenden Persönlichkeil nicht zuträg- Ich, daß auf solche Weise eine Stellung in der Qemeinde für ihn geschaffen werde. Kubier schlagt daher vor, sich auf die Frage des Kaschrus zu beschränken und von einer Verbindung der i Fragen ibzuseheu Herr Pelz: Fs sei im l aufe der Jahre schon außerordentlich viel Über das Kaschrus gesprochen worden, die Orthodoxie sei nicht folgerichtig gewesen. Es gehe offenbar auf Anstellung einzelner Personen. Fr spricht sich für Ablehnung der Ermächtigung de- Vorstandet aus und verlangt genaue Vorschläge und ein klares Bild, ie die Neuordnung aussehen soll. Voraussetzung hierzu sei eine Einigung zwischen den Fleischern und der Kaschruskommission, Herr II od es weist demgegenüber auf die Niederschrift über die orig« Sitzung hin, aus der sieh ergibt, daß die Qemcindesitzung dem vorstand die Neuordnung überlassen habe. Der Vorstand ha! die Regelung versucht In letzter Stunde haben die Fleisch:r diese Kegelung abgelehnt, doch sei nicht gesagt, dal! der Vorstand diesen Druck nachgeben wird; die Wege zu einer friedlichen Verständigung seien aber keineswegs verhaut. Die Neuordnung sei aber nur unter der Voraussetzung der Anstellung des Oberaufsehers möglich. Wenn die Aufseher in den Privatdienst der Fleischer üherg.'uen, so müTte demgegenüber ein Qegengewicht durch die Austeilung eines Oi.c - aufsehers durch die Qemeinde geschahen werden. Wenn die Versammlung das Vertrauen zu dem Vorstände habe, daß er die Sache richtig ordnet, so könne sie ruhig die Ermächtigung erteilen. Die Vorteil? einer Einigung mit dem Verein Ahawas Thora und einer Uebernahme des Ritualbades in Gemeindeverwaltung seien sehr groll, zumal kein Zweifel darüber besteht, da!! die Qemeinde ein Ritualbad haben muß, da mit der Schließung des vorhandenen unter Umständen gerechnet werden müsse. Auf der anderen Seite bringe vielleicht die Uebernahme des Ritualbades Ersparnisse. I i.' Ermächtigung solle gegeben werden, damit in den Kaselirusfragcn, die auch den Vorstand unausgesetzt beschäftigen, endlich Ruhe geschaffen wird. Beabsichtigt sei, die Kasein iisaufsieht einer Aiifsichtsk..inmission zu unter« stellen, welche aus dem Vorstandsdczerncntcn, dem orthodoxen Qemeinderabbiner und einem Vertrauensmann der Fleischer beste it. Herr Markendorf glaubt, daß man rasch weiter komme, wenn der Brief der Fleischer verlesen werde, und stellt e nen dahin;.'ejhenden Antrag. Herr Stein meldet sich in Sachen des Vereins Ahawas Thora, dessen Verwaltung er noch immer angehört. Ihm sei nicht bekannt, dal! im Vereinsvorstand die vorhin In rührte Angelegenheit besprochen worden sei, und er glaubt nicht, dal! der Verein seine liisi;■- rigen Aufgaben in so weitgehendem Malle einschränken werde Im Kaschrus könne sich die Oemeinde keinesfalls dem Drucke der Fleischer fugen, die Zuverlässigkeit dts Kaschrus dürfe nicht in Fra;e gestellt werden. Demgegenüber erklärt der Vorsitzende, daß, wie er schon vorher betont habe, der Verein Ahawas Thora offiziell keine I rkläning abgegeben hat; die Mitteilung stamme aber v in maßgeblicher Seite. Fs scheine zwar keine Fälligkeit bei allen H - teiligten zu bestehen, es sei aber sicher, daß Verhandlungen si gefunden hätten. Herr Seiinger: Die Stellung seiner Partei zu dieser Frage habe sich nicht geändert. Fr habe gegen die Bewilligung eines Bi - träges an den Verein Ahawas Thora gesprochen. Et zeige sich je.zt, daß dessen Schule überflüssig sei. Is handele sieh nur um Personal« fragen, ebenso sei es beim Kaschrus. Bither hat es immer gchA iien, jeder Fleischer müsse einen Aufseher haben, der nicht vom Fleischer bezahlt werden dürfe, Heute werde das Qegenteil bewiesen. Die Qemeinde gebe zuviel QeW aus für religiöse Angelegenheiten, dies sei bei dem Kitualbad der Fall. Bereits sein Vorgänger, Herr (zaezkes, habe die Uebernahme in Gemeindeverwaltung \ - langt. Bei all diesen Fragen wurde immer Politik getrieben. Der Redner wünscht Auskunft nlier die (iilinde für eine Acndcruug i.n Kaschrus, ferner darüber, warum .las Ritualbad jetzt mit einem .V geschlossen werden nuisse. Wenn dir Oberauftehcr angestellt tei, winden die früheren Forderungen wieder kommen. Die Oemeinde müsse sich zeitgemäßeren Aufgaben zuwenden, nämlich den Fraj u der Kultur, der Literatur, Qeschichte usw. Wie könne es vcrantci ir« tet werden, II Personen mit mindestens M Angehörigen zu entlassen, um einen Beamten anzustellen. I s sei nicht an. ingig, hei; das Qegenteil von dem zu sagen, was früher erklärt >\ »rden ist; dies beziehe sich auf alle i I ragen, dts Kaschrus, des Ritualbades und dir Ahawas Thora. Der Vorsitzende betont, dal! die Neuregelung im Kaschrus nur unter der Voraussetzung, dal! ein von ih r Gemeinde angestellter Obcraufseher da ist, zugelassen werden kann. Die Neuordnung ist au! (irund der von der Qemeindcsitzung immer w ieder erhobenen Forderungen nach Abbau vom Vorstand aut in Angriff genommen worden, um für die (icmciudc eine Verbilligung des Kaschrus herbeizuführen. ÜflfiftlÄtl ' ■'' ~» mmm Ccntral-Thcatcr ■Betriebe Anton Schneider r^j-^v* C.T-Casino das eleganteste Tanz-Cabarclt SlflUÄ Kürntierische Leitung: Direktor Kurt Kaiser