Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 36 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 3 titsche Mütter werden, sich das aus I landen ZU geben, was seilst lüdinneu und mit Recht — dir ihr größtes Qlfick ha.tcn, nämlich ihr Kind, das ihnen im Augenblicke der Not und Verzweiflung die Möglichkeil versperrt, sich mil ihrem Kinde /u ernähren. Hier muH Hilfe einsetzen, Ma i muß in Palästina, vor allem in Je« x rusalem und Jaffa, aber auch in Tiberias und Safed jüdische Kinderheime und Waisenhäuser ins Leben rufen, wo jüdische Mutier und i Kern, die sieh in Not befinden, und die durch das Kind verhindert lind, sich durch Arbeil zu ernähren, ihr Kind unterbringen können, ohne die Gefahr zu laufen, daß es ihnen „aus lauter Liebe'4 und Sorge um das „Seelenheil" entfremdet und entrissen wird. Nach dieser Richtung hat die neue jüdische Bevölkerung, die au« i uropa gekommen ist. schon mancherlei in Palästina begonnen. Aber es ist erst ein Anfang, und es bedarf großer Mittel, um hier eine wirksame Abwehr zu schatten. In den allerletzten Tagen kamen aus einer Stadt in Pcnnsvlvanien für die Insassen der vereinigten jüdischen Altersheime in |i rusalem wiederholt große Pakete jüdischer Zeitungen und Zeitschriften an, die die Absender gesammelt hätten, um den alten I euzerstreuen. Es ergab sich dann, daß zwischen die Zeitungen jlddisi h ichriebene Missionsschritten gisteekt waren, limmerkwürdige u'ii die Möglichkeit zu geben, sich durch angenehme Lektüre zu Art von Olaubcnseifer, die so wenig Vertrauen zu der W ahrheit ihrer Sache hat, daß sie sich solcher Mittel bedient, die man unter anderen Umständen als Schmuggel auffassen würde. Unserer jüdischen Auffassung ist eine derartige Methode entgegengesetzt, die wahrscheinlich mit Ijitrüstung den (irundsalz „Der Zweck heiligt die Mittel" als (inmoralisch verwirft, sich aber seiner um so lieber bedient. Im allgemeinen gibt es nur eine jüdische Qe••■•»Wirkung: Frz. hung zu jüdischem Selbstbewußtsein, aus Kenntnis des Judentums und der jüdischen Qeschlchte. Denn wer da weil», wie die Juden ■eil zwei Jahrtausenden im Namen des Christentums verfolg! worden sind, wer eine schwache Ahnung von eleu entsetzlichen Verfolgungen hat, die notwendig wann, um der Religi >:i der l iebe die Alleinherrschaft zu sichern, auch wenn sie' dem Wesen des Christ n tums eigentlich fremd sind, andererseits wer den tiefen inneren moralischen Gehalf des Judentums und seine grundlegende Bedeutung für die Schaffung der menschlichen Kultur kennt, wer g* WÖhnt ist, in klaren Begriffen zu denken, der muß sehr materielle Gründe haben, wenn er es dennoch vorzieht, 3as angestammte J* dentum ZU verlassen. Das Judentum ist mehr als ein bloßer Glaube, auch mehr als r.wv eine Religionsgemeinschaft. I s ist die Witts- und Kulturgemeinschaft, die der Welt einen Teil ihrer Kulturanschauung gebracht hat. Die sozial-ethische Kultur beruht auf dem Judentume. Aber außerdem haben dir Juden, die duem Stamme und ihrem Glauben treu geblieben sind, der Welt einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem sie den Mut hatten, immer und uberall die Minorität zu sein und gleichwohl an ihrer Ueberzeugung festzuhalten. Wir haben kei"- Grund unseren angestammten Glauben gegen irgend etwas einzutauschen. Und der verkennt unser Judentum, der ihm, wie das von getauft-jüdischer Seite geschehen is», die Aufgabe zuschreibt, jetzt, wo bei den nordischen Volkern das Christentum abblasst, es durch den Zufluß von Blut aus dem Volke, das sich so recht eigentlich religiös in seines Wesens Kern gezeigt hat, der christlichen Religion nein- Kampfes- und Widerstandskraft zu verleihen. Heinrich L o e w e. ffäisrachi-WellkonJerenz in Danzig \m I'». August begann die zahlreich besuchte Wcllkonferenz der Misrachi-Organisation in Danzig. I» der Eröffnungssitzung hielt der Präsident des Welt-Misrachi, Rabbi Meir Her Du, eine grolian elegte Rede, in der er die Rolle des Misrachi in der zionistischen Bewegung umschrieb und ungefähr ausführte: /um dritten Male seit Verkündung der Balfour-Deklaration sind die Vertreter des Misrachi aus zahlreichen Lindern zusammengekommen, i m über Misrachi-Probleme und Miarachi-Arbeil zu sprechen. Wir Misrachisten sind zum Zionismus nicht durch irgendueiche negative Momente gekommen wie and re grolle Teile lies jüdischen \olkes, für die Lrez Israel ein Heilmittel für gewisse Wunden ist. Unser Zionismus geht weiter, ist positiver. Der Betriff Oakotfa luden.e. iür im. nicht nur Mu.isai und Verfolgung, sondern .null Heimatlosigkeit, in diesem Lcsgelcs.sdn von unserem Lande können jüdischel eben, judische' Religion, jüdische Kultur, judische Sprache und Weltanschauung nicht /um herrschenden Faktor im Judentum werden. Wir sind so gut wie alle anderen politischen Ziouisten, die unter der Fahne Theodor HerzlS marschieren, uns der Bedeutung bewußt, daß die politische Selbständigkeit wie die ökonomische Unabhängigkeit unbedingte Notwendigkeiten für den Aufbau l rez Israels sind. Aber nicht, weil wir eine jüdische Politik machen wollen, schlagen wir politisene Wege ein. Politik ist nur ein Mittel, das uns zu unserem Ziele führen soll: ein Judctis'.aat im judischen (ieist, ein judisches 1 and, in dem die Gesetze der Thora herrschen, ein l eben, in dem das Wort Ciottes die oberste Macht bedeutet. Es wird heute von vielen Seiten anerkannt, dall der Misrachi das Zentrum der Zionistischen Organisation ist. Man hetrachet unseren Weg als den goldenen Mittelweg. Dieser \\ eg| ist aber der alte Weg des Judentums. Unsere Seele ist nicht zerrissen, sk umspannt das ganze Judentum, das religiöse wie auch das nationale Wir erwarten von den Millionen des jüdischen Volkes, die an die jüdische Zukunft glauben, das judische Gesetz hüten, den jüdischen Sabbath und Jom-Tow feiern, dall sie endlich einsehen, dall der Aufbau Lrez Israels und die Aufrichtung lies jüdischen Volkes ein teil der Thora und des jüdischen Gesetzes sind, und dall die Arbeit, die der Misrachi in Lrez Israel tut, ihre Arbeit ist und dal! der Anschluß an unsere Organisation Pflicht eines Juden ist Der Redner ging sodann auf die Arbeit des Misrachi im Linzclncn eif, der in Palästina nicht nur ökonomische Werte schallt, sondern ein Netz von Schulen unterhält, das vor acht Jahren mit drei Schulen und 400 Schülern begonnen wurde und heute 63 Schulen, darunter drei Mittelschulen, mit mehr als omni Schülern umfaßt. Iii de: Misrachi - Arbeiter-Partei sind lausende von jungen Leuten organisiert, die als Chaluzim nach I re/ Israel kamen. Rabbonini und Schochtim w urden in fast jede Stadt und Kolonie eingesetzt, S< - nagogen und sonstige rituelle Gebäude wurden an vielen P.ätzen e - richtet. Die Misrachi-I'.nnk mit Niederlassungen in Tel Aviv und Jerusalem hilft der Mittelklasse, arbeitet gut und zahlt schon Dividend '. Wenn wir auch in den letzten Jahren aus rein mlsrachistischen und zionistischen Gründen in Opposition zu der zionistischen Leitung stehen, sind wir der zionistischen Organisation doch treuergeben, Wir arbeiten überall eifrig und ergeben für Keren Hajessod urd Keren Kajeraeth, Den letzteren betrachten wir als den Qrundsten zur Verwirklichung des zionistischen Ideals. Wenn auch der Ker. :i Hajessod nicht immer im I inklang mit dem. was uns teuer und heil g ist, arbeitet, so kann man doch annehmen, dal! Si Pro/, von dem, was der K U. geschaffen hat, von größter Bedeutung auch für in:, ist. Wir konnten aber unsere Arbeit nicht weitet Führen, ohne lüi unsere verschiedenen Arbeitsgebiete einen besonderen Fonds /:; schaffen, den Keren I r</ Israel whel Hamisrachi, der schließlich nichts anderes ist als ein integraler Teil des I re/! rael-Autbau Ks ist Pflicht eines jeden Zionisten und Misrachisten, den Keren I rez Israel zu unterstützen, obwohl wir im Gegensatz /u anderen Zi nisten nicht der Rückkehr zum Judentum als Vorbedingung zur Rü kel mm Judenland bedürfen, da wir j.i gefestigt auf dem traditionellen Boden stehen, ist unser gemeinsames Ziel doch die Rückkehr in das Land, in dem das Judentum wieder aufblühen und erstarken kann. Diese; Ziel vor Augen, treten wir an die- Arbeit. Bestellungen für feint. jjjjjjgjgj unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Inn.: Ernst Fischer fiüher langjähriger Pächter di i Konditorei .Ffrst Re;hskaa:!ti '