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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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uaeasuo i Serte 4 des jüdischen UberaHsmus. Der Jude darf die Bequemlichkeit nicht Heben, er rmifi den W illen zum Drama haben, cur Tragödie. Liberalismus bedeute nicht ein Minimum, sondern ein Maximum am Judentum. Liucialcä Judentum müsse die Stimme der UcsciiichK hören. Mit den anderen Richtungen im Judentum ist dem Liberalismus gemeinsam, dafi er einen entschiedenen Wert darauf legt, dat der Jude in seiner Religion ein eigenes, eigentümliches, religiöses Besitztum hat, dali dem Juden in seiner Religion die Gewißheit, das Gebot, die Zuversicht, der Wert seines Lebens gegeben ist. Da» Bcsond re des liberalen Judentums ist, dali es in dem allen rugleioh Immer stark empfindet, was darin der Menschheit, und also jeder* Menschen gegeben ist. so daB in dem Persönlichen, in dem sjx-zitiseta Jüdischen, auch immer das Universale lebendig erfallt wird. Die Gefahr der anderen Richtungen ist, dali das jüdische Denken jfanz in seinem eigenen jüdischen Bezirke bleibt, dali die Werte und damit der ^roüe Zug ihm verloren gehen. Die Uefahr des Liberalismus ist. daB er sich in die Weite verflüchtigt, dali er in einen vagen UnjversaUslmUB, in eine verschwommene Humanität verfliegt, und dal) er so das Bewußtsein des Eigenen und ( harakCeristischeii, die Sicherheit des bestimmten Bodens einbüßt. Das Humane verlangt vom Menschen weniger als das bestimmt Religiöse, weil es ein Allgemeines ist, das keine genauen Forderungen stellt. So kann Liberalismus aus einer Schwäche des Religiöses hervorgehen, er kann eine Minimall'orderung des Jüdischen bedeuten. Die tiefahr der Orthodoxie ist, dali die Idee, das Wesentliche und Eigentliche von der Fülle der ein/einen Forderungen erdräckl wird. Die Gefahr des Liberalismus ist, dali er sich mit dem Allgemeinen und Ideellen zufrieden gibt und sich des Einzelnem, des Gebotes enthoben meint, so dali er dann eine Religion und K<mression und nicht eine Religiosität, ein religiöses Leben ist. Der Liberalismus gründet sich auf das Recht des Individuums. Aber damit fordert er vom Einzelnen auch mehr als jede andere Richtung. Her Liberalismus sagt jedem, dali in seinem Judentum der Geis! dei Menschheit ist; damit sind vom liberalen Juden gröllere Gedanken als von jedem anderen gefordert .Der Liberalismus stellt den Lin/elnen in seine Gemeinde und in sein Volk; aber auch in die Völkerfamilie; damit i-t von jedem ein stärkeres Bewußtsein seines Platzes vonnöten. Dreifaches ist so die Forderung: lebendige persönliche Religiosität, Größe der Gedanken, W issen um den jüdischen Wert. Darin spricht die Gegenwart ihre Forderung aus, das i-t „modern life". (.laude O. IMontef iore halt nun sein Referat über: Die Bedeu' tung des liberal e n | t: d i u t u m t ü r d a \ religiöse L c b e n. Das religiöse Leben erhalt seine Färbung durch die besondere I igenschafi der Religion, indem Religion (anders wie Schönheit, Pflicht 'iiier Wissen) eine lebendige Persönlichkeit als Objekt oder Subjekt Fordert, Dieses Ideal ist (für den 0laubigen) nicht durch Menschen geschaffen, wenn auch durch Mensehen entdeckt. Religion timl religiöses leben bedeuten Beziehungen zu einer höchsten Persönlichkeit, die in Höchstem Malle lebendig ist. Es m außerordentlich unwahrscheinlich, dali ein orthodoxer Jude ein reiner und leidenschaftlicher Theist wird, wenn er aufhört, ein 1 Versicherungen aller Art ""Vi *. " h*md Cohn Lüsfersfref^ ZA Fernspr. 13QQ0 Bad Harzbur$ fioiei und Pension Parkhaus s. Potnansm. •« Tel. n 50 Zimmer Zentralheizung, kalt- und warmflieüendes Wasser. Bader in jeder Klage. Eigens Synagoge im Garten, gemütlidie hohe Speise- und (jesellsdiatts-Säle. Maloerstiidter Rabbir atsiuisidit orthodoxer Jude zu sein. Daraus allein schon ergibt sich die ungeheure Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben, W«l das orthodoxe Judentum für die Juden des Westens mein und mehr unannehmbar wird. Kein anderes, nicht religiöses ideal, so vorzüglich es an sich auch sein mag, kann die Stelle des orthodoxen Judentums in der Schaffung des religiösen Lebens et setzen. Nur Religion kann die Stelle ran Religion einnehmen. , Das liberale Judentum ist in hohem Maße notwendig, um dem weit verbreiteten Indiffereutismus und Atheismus entgegenzuwirken. Das liberale Judentum ist die ein/ige Chance für das Judentum und für das religiöse Leben der Juden des "Westens. Das libe rale Judentum allein besitzt die Kraft, erfolgreich die Schwierigkeiten zu lösen. Darum wollen wir an das liberale Judentum und an (iott glauben, i 1 Rabbi Dr. David Philipson (Cincinnati) spricht über „Religiöses Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft". Der jüdische Liberalismus ist die Behauptung des Rechtes auf das selbständige Urteil der Persönlichkeit gegenüber den Forderungen der verschanzten Autorität. Das wahre Verhältnis zwischen dem religiösen Leben des Individuums und der (jemeinsebaft in der liberalen Bewegung; ihre gegenseitige Verpflichtung: „Freiheit in der Vereinigung" sollte das Motto des liberalen Judentums sein. Rabbiner Dr. Josef Lehmann, Prediger der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin, spricht über „Einfluß 'des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit". Das Wesen des Liberalismus besteht in der Wahrung der unbedingten Freiheit der Idee. Weder mythologische Vorstellungen, noch dogmatische Formulierungen dürfen die Idee fessein, der in rein logischer Lrkenntnis die Möglichkeit gegeben sein muß, sich gemäß dem Fortschritt des Denkens und der Kultur stetig zu entwickeln. Das Wesen des Judentums ruht in seiner Eigenart, seiner rein gei-i lügen, rein sittlichen (iottesidee. Die einzigen religiösen Einrichtungen der jüdischen Gemeinde können daher nach der Anschauung des liberalen Judentums nur sein: 1. Lehrhaus, 2. Qotteshaus, i. soziale Einrichtungen. Die Ligenart der sittlichen Idee des Judentums gegenüber Christentum und Buddhismus offenbart sich in der Idee der sozialen Gerechtigkeit. Das Lebensrcchl des Knechtes und der Magd, des Armen und des Fremdlings, ihr unbedingtes Mcnschcnrecht, ihr Recht auf Anteil an den Gütern der Gattes erde beherrscht die sittliche Gedankenwelt der Bibel und prägt sich in praktischen sozialen Forderungen aus. Fs war das Verdienst des liberalen Judentums, daß sofort mit Beginn der großen Rcformhewegung des l<>. Jahrhunderts auch der Baum sozialer Gerechtigkeit wieder zu neuer Entfaltung kam. Fs verbleiben dem liberalen Judentum auch heute noch besondere Aufgaben für die soziale Arbeit, a) I initial mufl die soziale <ic- Aile Ritualien einschl. Esrogim und Lulowim sowie Gebetbücher in bewährter großer Auswahl liefert .W.KAUF MA N N IrUtil Tel. 23009 Allen Freunden und Bekannten «eben wir davon^ Kemtnis, dafi die Barmizwah-Feier mxn-ia unseres Sohnes Leo Max s G. w. am Sonnabend, den 1. September \92H (xun^D raiP). 9 Uhr vorm. in der Synagoge KeilblraUe 4, staUlmden wird. Osias Zimmermann u. Frau ^F.rnpfang in unserer Wohnung (Kberlwdstraße 7) von 11 3 Uhr^

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