Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968788-5969048--1974-4879603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 3 LEWtBQ Olm Botschaft des liberalen «Judentums die Juden von je zweite Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum zu Berlin Am Sonnabend, lö. August, abends, wurde im ehemaligen Sitmgssaal des Herrenhauses /.u Berlin die /.weite Konferenz des Uf/eltverbandes für religiös-liberales Judentum eröffnet. Die Erifmungssitiung war eine große Manifestation für den religiös-liberalen Oedanken und gestaltete sicli außerdem /.u einer Huldigung der Führer des Liberalismus in der ganzen Welt lür den Präsidenten , liberalen Weltverbandes Claude U. Montefiore, der vor einigen Baten 70 Jahre alt geworden ist. Der grofle Sitzungssaal des Herrenhauses und sämtliche Galerien waren von Delegierten, («ästen und Journalisten Überfüllt. Als Vertreter der Reichsregierung und der Preußischen Staatsregierung war (irat von Tattenbach, als Vertreter der Stadt Berlin0 der Polizei-Vizepräsident Dr. Bernhard Weilt erschienen. Ltwa i Delegierte waren zugegen: aus den Vereinigten Staaten von Amerika, der Union of American llcbrew Congregations, aus Frank« reich, England (von der Jewish ReUgious for tue Avancement of Liberal Judaism), Deutschland, Schweden, Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechoskwakd u. a. Mehrere hundert prominente Oiste nahmen als Vertreter jüdischer Organisationen oder von liberalen Ortsgruppen und Vereinigungen an der Konferenz, teil. I in 8,30 Uhr betrat die Präsident« n-Lstrade die hochragende ehrwürdige üestalt von Claude (i. Montefiore, gefolgt von Lily Montague, A. Leo Weil-Pittsburgh, Rabbi Mattuck-London, Heinrich Berlin und Justizrai Dr. Blau Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Blumenthal sprach ein eigens für die Tagung verfaßtes riebet, das einen Dank enthielt für das bisherige Qelingen der Erneuerung des Judentums und eine Bitte um Segen für das (ieingen der Tagung, Erhaltung des Gutes der Väter und gutes Qe- Ingen für die Zukunft. i laude (i. Montefiore eröffnete die Tagung in deutscher Sprache. Er dankte für die holte Ehre, die ihm durch die Uebertragung des Präsidiums erwiesen worden ist, und begrüßte Delegierte und (i te, insbesondere die Vertreter der Regierung, der Stadt Berlin und der großen jüdischen Körperschaften. Das Wort ergreift der Präsident der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, R.-A. Heinrich Stern, der zuerst engdann deutsch spricht. Er beginnt mit dem hebräischen Spruch „Se hajom assah haschem, nagila, wenismecKa ho". Er gedenkt .Milien Väter des I ibcralismus, die last alle in Berlin /er ewi- K'ulie gebracht worden sind: von Israel Jakobsohn bis Bernhard Breslauer, sowie zweier weiterer Namen aus der Übrigen Welt:! iac Wise und Israel Abrahams. Zunächsl wende sich die Konferenz an die liberalen Juden. Wie jede wahre Bewegung ist auch das de Judentum niemals fertig, sondern stets ein Gegenstand hei Ben Ringens seiner Anhänger, eines Ringens mit sich selbst und mitder Umwelt. Die Arbeit der niensten Tag* möge dazu beitran, dal) sich jeder Einzelne klarer werde über die Grundlagen sei- - Judeseins. Man hatte von dem liberalen Judentum mit Recht sagt, dall es die individuelle Religiosität des Einzelnen befreit abe, dali es dem Recht der (iemeinschaft das Recht der Lin/elpcrsonlichkeit entgegensetze. Dennoch haben die liberalen Juen, und das müsse auf das stärkste betont werden, die innige Verbundenheit mit ganz Israel, den Oedanken der jüdischen (iemeinschaft, niemals verleugnet. Sie Wollen diese (iemeinschaft nicht zersplittern, wollen ihr im Gegenteil einen Inhalt geben, der sie nur fester zusammenschließt. Darum wende sich diese Tagung nicht nur an die liberalen Juden, sondern au al.e Juden der Welt. Unsere OemeJnschaft spreche aber nich: :iur ZU den Juden« sondern zur ganzen Menschheit. Wahre Freiheit, Einheit und i riede werden erst einziehen in die Herzen und die Häuser der Menschen, wenn erfüllt wird, was vor Tausenden von Jahren Jüdische Männer der Welt gekündet haben. Der Redner wünscht, daO die Konferenz ein Jungbrunnen für die Hnerale Bewegung, ein 'Ring des Zusammenschlusses der jiidirehen Qemeinschatt und ein Samenkorn U%< .>» Auftrieb und da* Blühen Je gesamten Menschheit werä . Legationsrat (iraf von Tattenbach erklärte-, er habe von der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung den ehrenvollen Auftrag erhalten, diese Tagung /u begrüßen, die im Dienste ethischer Ideen steht und darum nicht an ein einziges Land gebunden ist. Die von ihr vertretenen Ideale erstrecken sich über alle Länder der Erde und tragen da/u bei, Berührungspunkt« /wisch.:: den Menschen und Völkern zu schaffen und dem Frieden zu d nen. Rabbiner Dr, Seligmann wendet sich im Namen der Vereinigung für das liberale Judentum mit einer feierlichen Ansprache an den Präsidenten Montefiore, dem alle geistigen Führer des' Liberalismus huldigen als einem Mann der Wissenschaf! und des starken Willens, als einer religiösen Persönlichkeit, die als Vorbild dient und das Beispiel von „Kiddusch haschem" gibt. Da er nun die Schwelle des biblischen Alters überschritten hat, überreichen ihm die Führer eint Festgabe. Kammergerichtsrai Wolff begrüßt Schaft der jüdischen I andesverbände sthen Landesverbandes und der Bcrli Weltkonferenz und sagt, ir stehe hier Juden, in der verschiedenst« nanu ns der Arbejtsgemein- Deutschlands, des Preußier Jüdischen < )< m tfnde die als Vertreter alicr deutschen und das ist nicht ZU bedauern, eher /u begrüßen — Richtungen vertreten sind. Aber jeder gibt von sciiegung ner Stelle das Beste für das Wohl des Judentums. Möge die Tagung ein Markstein sein in der Geschichte des Judentums. Montefiore dankt tiefbewegt für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Deutschland, sagt er, ist der Geburtsort und die Heimat des liberalen Judentums, hier wirken große Männer und Lehrer. Montefiore erzählt, wie er vor 15 Jahren zum ersten Male nach Berlin kam, um bei Männern wie Maybaum, Zun/ und Steinschneider . u lernen. Durch diese Andenken ist ihm Berlin ni einer Stadt geworden, die ihm Demut einflößt, so oft er sie betritt. Ls komm.' ihm darum verwunderlich vor. daß er heute hier den Ehrenplatz einnimmt. Hier fühle er sich nicht als Führer, sondern als Schüler. Ls folgen nun die Berichte über die religiös-liberale Bcwi in den verschiedenen I ändern. Am Sonntag vormittag begann die Sitzung um 11,30 Uhr mit einem kurzen Gebet Den Vorsitz führte A. Leo Weil (Pittsburgh), der i.i einer kurzen Ansprache betonte, dall der Weltverband für das liberale Judentum in der Frage des Zionismus Neutralität wahre und dall darum diese Frage nicht zur I rörterung kommen werde, das Präsidium ist aber damit einverstanden, daß die Sondernummer der „Jüdischen Rundschau", die der liberalen Wettkonferenz gewidmet ist, draußen unter den Delegierten verteilt werde. Von lebhaftem Beifall begrüßt, begann Dr .Leo Baeck das Gcneralreferat der Tagung, das den Titel trug: „Die Botschaft des liberalen Judentums an die Juden von heute!" In meisterhafter, tief eindringlicher Form, die die grofle Zuhörerschaft in Atem hielt und zum Schluß einen außerordentlich warmen und lugdauernden Beifall ausloste, entwickelte Baeck die Idee ~**\~*, a * v ^'^f-" &sm;- Central-Theater (Betriebe Anton Schneider r.'T.^^g»^ C.T-Casino das eleganteste TanzCabarett Das sensationelle Programm mit Sam Woodlng und seinem Chocolate Kiddies Orchestra Künstlerische Leitung: Direktor Kurt Kaiser I I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.