Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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OEMEINDE BLATT DHR ISRAELITISCHEN «EUGIONSGEMEINÖE, LEIPZIG Bäte : Wem beides, historische Kenntnis und Weihestimmung, Fehlt, dem wird dieser Judenfriedhof wohl nur ein altersgrauer .lu- I denfriedhof sein, an Jahren und mit grauen Sandsteinen j gefüllt, Ks ist schwer, für <l<'" alten Prager Judenfriedhof eine richtige, sein äußeres liild charakterisierende Bezeichnung zu rinden. Ich möchte ilni das Ghetto der Toten nennen. Kr biete) geradezu eine anschauliche Erläuterung tu der biblischen Wendung: zu den Vätern versammelt werden. Hier wurden 'Iii- M>geschiedenen in der Tat zu ihren Vätern versammelt. Toter reihte sich an Toten, Grabstein schmiegte sich an Grabstein. Dicht beieinander, wie sie im Ghetto gelebt, und sie gebettet, eng verbunden und vereint, wie im Leben, sind sie hier im Tode. In der Enge des Ghetto wohnten «Ii»* Juden eng beieinander und bildeten gleichsam eine einsige große Familie, ^uch der Raum für ihre Teilen wurde ihnen knapp zugemessen, so daß sie haushälterisch verfahren und die Toten, nahezu bis zur körperlichen Berührung, dicht beieinander Letten mussten. Deshalb reiht sich auf manchem alten Judenfriedhof Slciu an Stein, und das Ganze macht den Kindruck einer einzigen großen Familiengruft Viele bedeutende Männer und Frauen w urden auf dem Pra Judenfriedhof zu ihren Vätern versammelt. Iiier rulil Josei Samuel del Medigo, ein Schüler und Freund Galileis. Hinru David Gans, der berühmte Historiker und Vstroni m, der Freu I Kepplers, Tycho de Brahes und Johannes Müllers. Hier befind i sich (nu ll die Buhestätte des Mordochai Meisel, des Reichen und Wohltäters, dessen Andenken ein Kranz herrlicher Sagen u Legenden ziert, liier ruht ferner jenes arme Schneidcrlein, i sein I.elien opferte, um das Präger Ghetto Mir dem I nters zu retten. Das Wahrzeichen des .dien Prager Judenfriedhofes ist jedoch das Grab eines Mannes, der ein Freund Kaiser I' dolts II. gewesen sein soll, eines Mannes, den die Sage zum \ chimisten und Zauberer macht, der aber in Wirklichkeit n ein Gotlesmann und Gottesgelehrter gewesen ist, ich mei das Grab Löwe heu Bezalels, des hohen llabbi Löw. Saxa loquuntur. Nein, das stimmt nicht. Die Steine sind stumm, oilei' ihre Sprache ist tot und dringt nicht au das <» der Lebenden. Der alle Prager Judenfriedhof isi still, da vi nimmst du keine Stimme. N\as der Prager Judenfriedhof ii erzählt, dir erzählen kann, das mußt du erst daheim iu Büchern nachlesen. Jüdisc he Jugendbewegung Der zweite Kongreß des Wcliverbandes der jüdischen .lugend Im Haust des staatlichen Konservatoriums wurde am 3. August der /weite Kongreß d< s Weltverband es der jüdischen Jugend eröffnet Die PräsidentSChafUtribÜnC Dahn eilt der Präsident des Welt Verbandes, Aime Palliere, Frau Yvonne Netter. Oroßrabbiner Schwarz, du Präsident der jüdischen Gemeinde Lazare Blum, der Präsident der Straßburger Zionistisdien Organisation, Robert Lei■>-IJreyfus. Anwesend waren der Präfekl des Niederrheins, Knut/, der /weite Bürgermeister von Strasburg, Maegcin, u. v. a. Aime Palliere führt in seiner Eröffnungsrede aus: Zur Zeit des ersten Kongresses des Verbandes, der 1926 stattfand, befand -ich unsere Organisation noch in der ersten Entwicklung heute zählen wir bereits -Li Gruppen und 12 ass i/ierte Vereine, Die Sektionen sind: Aine-Temouchent, Algier, Blklah, Constantine. Mascare, Medea, Oran, Orlen nsviUe, Tlemcen; Setif; Cairo; Pari-. Marseille, Casablanca, Tanger, Jerusalem, Beirut; Damaskus; Safed, Sousse, Tunis, Alexandrien, Genf. Ass izierte Vereine bestellen in: Buenos Ahes, Santiago, Marseille, Straßburg, Turin, Ujocemburg, Rabat, Tanger, Hamadan, Lissabon, Monastir; Klausenburg, \\ ii haben unseren zweiten Kongreß nach Straßburg einberufen, weil die -taike jüdische Gemeinde dieser Stadt tiir uns das f eilster nach Mittel- und Osteuropa ist. Unser Bestreben ist t-, auch in diese I inder einzudringen und die Jugend Für den Dienst an der judischen Wiedergeburt zu gewinnen, linser Verband ist die einzige jüdische Vereinigung, die dem Weltbund der Jugend, der sich um den Wert-Völkerbund gruppiert, angeschlossen ist. Wir >ind eingeladen worden, Delegierte zum FriedensweMkongireß der Jugend, der in einigen Tagen in Eerde, Holland, stattfinden wird, ru entsenden. I InSCT Verband sieht in dem Judentum nicht allein eine Konfession, sondern er stutzt sieh auf das Grundprinzip der Einheit dejudischen Volkes Die große Geschichte des Judentums isi nie unterbrochen w «den, sondern setzt sicit als Volksgeacbkhtc Iiis In murrt lau* fort Vi'ir wölk . dieser GeacUcbtc -.t/ue IgehaltvoUe Seiten hinzufügen. Während des Kongresses von 1926 wurde hauptsächlich Ober smsere Stellung zum Zionismus debattiert Aber ebenso wie man das Judentum nicht erschöpft, wenn man i> aK nur religiöse Gemeinschaft anspricht, ebensowenig wird man ihm gerecht, wenn man es mit Zionismus identifiziert; die hundertjährigen Aspirationen des Judentums auf Wiedererrichtung siiius Natiocudheima auf dem Boden seiner Väter sind mehr als eine parteiisch gebundene Aspiration. Unsere Organisation ist etwas von der zionistischen Organisation K'a'" Verschiedenes; unsere Mitglieder sind auch keineswegs »erpllicbtct, der zion. Organisation anzugehören. Was aber den Aufbau d« Jüdischen Natkmameinn in Pakistina betrifft, so machen es uns unsere Auffassung VOSS Judentum und unsere Einstellung /.u den gegcnwärti| en jüdischen Problemen zu einer I»flicht des Gewissens, diesem Wiederaufbau unsere Kräfte zu weih« Deshalb haben wir die Arbeit für den Keren Kajemeth in <i Kreis unserer Tätigkeiten gezogen. Das Zentralkomitee lädt in diesem Sinne den Kongreß ein, über Mittel zu beraten, wie sielt dl Verband aktiv und fruchtbar für den Aufbau Palästinas betätigen könne. Unsere Union wird die Gründung eines Jüdischen Hauses in Jerusalem ins Auge fassen und damit unsere Verbundenheit mit Jerusalem ins Auge fassen und damit unsere Verbundenheit mit dem Hoden unserer Väter dokumentieren. Am Montag, den 6. August, begann die Sitzung des Kongresses mit einem Tätigkeitsbericht von Aime Palliere. |s folgten Berichte der Jungmänner- und J ungmädchei Sektionen. S. Steinberg erstattete den Finanzbericht, der (ii neralsekretär Charles Nehama gab ein ausführliches Expose' übt die Organisator! sehe Arbeit und teilte mit, daß die Staats behörden von Marokko die Legalisierung einer Abteilung des Verbandes der jüdischen Jugend in diesem l ande verweigert haben Herr Meyerkey berichtete über das Organ des Weltverbande „Chalom", das in Französischer Sprache erscheint und mehr al 2000 Abonnenten hat In der NaduntttagSSitZtUUlg von Monfa| die unter dem Vorsitz von Jean Schranieck stattfand, wurden verschiedene Komnüssionenen gewählt Yvonne Netter, Mit gttcd der Advokatenkammer, Iiielt einen vielbeachteten Vortra; über die Stellung dis jungen Mädchens im jüdischen Leben und die Aufgaben der jüdischen Mutter in der Erziehung der neuen < i e n e r a t i 0 n. Der kanadisch I elegicrte Oucllberf begrüßte den Kongreß im Namen seiner Orup pe. Alfons Pacclfizl hielt sodann einen Vortrag über »Die Aufgabe der jüdischen Jugend in der heutigei Renaissa n c e - Be w e g u n g i m J u il e n t u m". In der Sitzung vom 7. August berichteten die Vertreter der verschiedenen Ländergruppen über die lokale Arbeit. Rabbiner Dr. Ernst Jacob, als (iast-Vertreter des „Verbau des der jüdischen Jugend-Vereine Deutschlands", berichtete übe die jüdische Jugendbewegung in Deutschland und hol hervor, (faß sein Verband in Fragen des Zionismus und der Religion absolut neutral sei und rein erzieherische Zwecke verfolge. Ii der Hauptsache wird danach gestrebt, jüdisches Bewußtsein in dei jüdischen Jugend zu weckten. Präsident Aime Palliere berichtete seinerseits Uber die Verband lungt ii des WeJtverbandes mit dem Verband der jüdischen Jugend vereine I fcutschlands und erklärte, die Bedingungen des Welt Verbandes für eine Zusammenarbeit mit dem deutsehen Verband' wären die, dall die neue Föderation in den Fragen des ZionisnsU! und der Religion nicht gleichgültig, sondern positiv eingestellt sei Er hoffe, es werdi sich eine Plattform für eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Verbände finden. Palliere teilte den vorläufigen Text der Leitsätze mit, die ah OrUndlagC für eine solche Zusammenarbeit dienen sollen. Die Leit sätzc lauten: