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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-08-17 · 33 (17.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Jahrgang, Nr. 33 17. £u$u:r 1923 ^k.. n'l _ A/. 1 Ii /Xi&N^/ lULhkiuL^ul Ani-Hichzs HbchrichiehlJ* ^<3cr GeHieiMdeverw*ltHrt kzliqion^qzmzindlz fx &t|tytg v «-schein*. wfichentiich am Ptwtatfl D % 'Vi-2 .:ü«a um Kaug, 3.;e.;u.n .5 * ia «n- 1 ... -r:h die Post ..uqestellt. Beiui^reu ■ hta I;lieder monatlich 60 Pfennige. •\n?. dgmanoalUBS; I - 1 '.ocie.istrafjs II, T«',etir.t>n 14449. icrrif:leitunq: CeTi-inJ-.i •'■ '* 'rrCo 1 . rpn , I Ihtstr, '0. Telephon SMC. " Oru 1 u >u Varii; w! T lehw, UiüTiq. Gbfkfa -t» 1!, ralaanon 14443. Anim;e; >-e.:ie; D'e 4qttMttao« ma-Zatla /.j Hg. Fa sni; tI k'eine Air« la« 1? »»j. Unnc'ilagaei'en und TaaUawrata na;', »und Tarif. - Für den InseratantaH |, Xijhn?, BauhMst? « (Telephon 14449). Die Schriftleitung flbtnillWIWt 10' dis unter dtnNajntM uc.-i Verfassers eia-^c:;^ .1? 1!<t'ra^c jnd die Veiem3r.nchrichten nur dis praftgtaajttl cne Verantwortuno. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehm g. ig des Verussers 1 Mattet. Das Ghetto der Toten Der alte Präger Judenfriedhof Von S. Meist Is Durch das tschechoslowakische Pressebüro wurde vor kurzem die Nachruhi verbreitet. üaR '1 v berühmte Prager Judenfriedhof i,i Verbindung mit dem Assanierungswerk der Stadl Prag verschwinden müsse. Inzwischen hat aber die Denkmalskommission diese Nachricht berichtigt, der Friedhol steht auch weiter unter Denkmalsschutz und wird erhalten bleiben. Jedenfalls i<t dadurch die Aufmerksamkeit erneut auf dieses ehrwürdige Denkmal jüdischer Vergangenheit gelenkt worden. Die Schriftleitung. Prag isl eine Stadt, <lie viele Türme hat, und jeder Turm hat eine Uhr, und jede Uhr gehl ihren höchst persönlichen Gang. Auch «las Judenrathaus besitzt eine Turmuhr, <lie ehemals den Juden in der Josephstadl den Gang der Zeil angezeigt hat l nd -' hjüdisch muß es ehemals in der Josephstadl ausgesehen Iv V'il. so (laß sellisl die Zeil nicht umhin konnte, sich einen stockjüdischen Gang anzueignen. Die I "Ii r am Judenrathaus hat nämlich ein hebriisebes Zifferblatt und der Zeiger bewegt sich, der hebräischen Schrift entsprechend, von rechts nach links. Diese T'hr halle einst mil den alten Juden im allen Judenviertel Prags Schrill gehalten, sie halle ihnen Stunden des L rids, aber auch manche Stunden der Freude geschlagen. Es war eine Uhr, die ihre eigenen Wege ging und mil ihrer eigenen metallenen Stimme redete. Heule macht sie einen recht bseHgen Eindruck. Diese Künderin der Zeil hat sich mit Jer Zeit überlebt und fühlt sich gegenwärtigyWohl recht vercinit: sie isl die einzige, die konservativ geblieben ist. sie ist 1 1I0 noch eingestellt auf mittelhoch jüdische Zeil. Dem Jndenrathaus gegenflber steht die UtneuschuL Ein leres Geblude, eine fast in mystisches Dunkel gehüllte Sy- ^ffoge. gebaut nach den (für den Architekten unmaßgeblichen) Vorten des Psalmisten: ..\us den Tiefen rufe ich. o Herr. •11 dir!" Nur spärlich dringt das Tageslicht in die Mtneuschul; ns herrscht darin ein geheimnisvolles Dunkel, als hätten sich Ti ihrem Räume die Schallen von acht Jahrhunderten schichtweise ■usgebluft Vielleicht war sie immer so dunkel, nur vtirde sie in früheren Zeilen von einem innern Licht erhellt. »OB dem Licht der Lehre. Denn viele Leuchten in Israel haben ■ dieser Synagoge Helle und Wärme verbreitet. Der redegeh wandle Hajim Besalel, genannt der Prediger, hat hier seine formvollendeten Vorträge gehalten; der ehrwürdige Salomo Ephraim Lentschits hat hier wißbegierigen (■ meindemitgliedern die heilige Schrill erläutert, der hervorragende Talmudist Mordechai Jafc die Halacha interpretiert, der geistvolle Jonathan EibenschQts, der Talmudisl und Kabbaiist, die Pforten der Weisheil erschlossen: der nach seinem Werke ,,Tt;S'fol Join-tob" beröhmt gewordene Jointob Lippmann Heller (Heine erwähnt ihn in der Disputation: „Gill nicht mehr der Tausves-Jontof, was soll gelten?"), ferner Ezechiel Landau und der alle überragende Jehuda ben Besalel, der große Rabbi Löw, den sie den ho'»"" nannten sie alle und viele andere (jüdische Geistesgrößen haben hier ihre segensreiche Wirksamkeil entfaltet In den acht Jahrhunderten ihres Bestehens hat die MlnniM Iml vieles irese- ■ ■ hen und vieles gehört; heule scheint sie nur noch von ihren Erinnerungen cu leben, l nweil von der Utneuschul!>• findet sich der berühmte alte Judenfriedhof. Alte Friedhöfe gibt es in vielen jüdischen Gemeinden, diee neue Friedhöfe beritten. Die allen haben eigentlich ihre Beieichnung nicht der Zeil, sondern den neuen zu verdanken; sie können nicht als die Reliquien vergangener Jahrhunderte, sondern als der Gegensatz /.u den neuen Friedhöfen angesehen werden. Der alte Prager Judenfriedhof dagegen ist zeitlich alt und durch sein Mter ehrwürdig, luf diesem Judenfriedhof soll sich ein Grabstein aus dem sieheuien Jahrhundert befinden. so sagt die i eberlieferung, die freilich, wie jede Ueberlieferung, eine \ri von Glaubensartikel ist; ein historischer Nachweis hierfür isl nicht vorhanden. Der alte Prager Judenfriedhof, der sich in friedselig sanftem Helldunkel dem Auge des Beschauen darstellt, ist wie ein Märchen aus Geschichte, Sage und Legende gewoben. Er wirkt in seiner Gesamtgruppierung nicht schön, sondern erhaben und weihevoll: erhaben wie die Stille, die in ihm herrscht, und Weihevoll wie jeder geweihte Ort. WO die sterblichen Reste großer Männer zur ewigen Ruhe gebettet sind. Aber auch seine Erhabenheit und Weihe offenhart sich nur einzelnen, nicht jedermann. Dieser Judenfriedhof gleicht einer Maviertastalur. die erst dann die verschiedensten Töne und Vkkorde hervorbringt, wenn die Finger eines Lebenden sie berühren. Der Prager Judenfriedhof ist alt. ehrwürdig alt. und seine (,rabsteine sind Steintafeln der jüdischen Geschichte. Aber man muß. um diese Stein tafeln lesen zu können, ihn.gewissermaßen mit der Geschichte in der Hand betreten. W'eihestinmiung muß man mitbringen, um seine Erhabenheit ganz zu empfinden.

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