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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-07-20 · 29 (20.7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
29 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Mtc 2 OEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELKUONSOEME1NDE, LEIPZIO der richtigen Ablegung seiner Personensteuer und der wegen Entdeckung eines bey der Kapelle der Römisch-Katholischcn Glaubensgenossen EU Leipzig «ich ereigneten Diebstahls geleisteten ■ützlichen Dienste einen auf rwey Jahre gerichteten Paß aus. Unserm Geheimen t.abinett zur Befreyung von den den Juden bey Ihren Reisen in hiesigen I Inden obliegenden besonderen Abgaben für sich, sein Eheweib, Kinder und Bediente erhalten, weleher anno 1783 auf anderweit rwey Jahre und ao 1785 wieder ■uf vier Jahre erneuert worden ist. — Nachdem nun bey uns unmittelbar ernannter Herz um dessen fernere Erneuerung auf eine Lebenszeit in der abschriftlichen Beylage unterthätiigst tngesucriet, zur Bescheinigung der Nützlichkeit seiner zeitkerigen (leschifte für das hierländische Manufaktur-Wesen sich auf ein neuerliches in Abschrift mitkommendes Zeugnis mehrerer bekannter Fabrikanten und Manufaktur-Verleger bezogen, auch dabey angeführet, daß er durch die Befreyung von jenen Abgaben, deren Berichtigung auf den Reisen mit Aufenthalt und mancherlev anderen, den Handelsverkehr erschwerenden Unbequemlichkeiten verbunden sey, den Vertrieb inländischer Fabrikate fortzusetzen, umsomehr in Stand gesetzt werde, als begehren wir, hierdurch an euch, Uns wollet ihr, nach vorher eingezogener Erkundigung über des Supplicanten zeitheriges Verhalten und die •onst hierbey einschlagenden Umstände euren gutachtlichen Bericht gehorsamst erstatten. Daran geschieht unsere Meinung." (gez.) von Burgsdortff. Das Zeugnis der Fabrikanten hatte folgenden Wortlaut: „Daß der Schutz- und Handels-Jude Herr Elkan Herz, in Leipzig seit mehreren Jahren ansehnliche Quanta inländischer Fabrique-Waaren von uns erkauffet und dadurch das Consumo vermehren helfen und nützlich gewesen ist, solches haben wir •uf darum heschehenes Ansuchen hiermit versichern wollen." Leipzig, Neujahrsmesse 1701. Dem Leipziger Rat genügte das Zeugnis dieser Fabrikanten noch nicht; er befragte die „löbliche" Kaufmannschaft und die Kramer- Innung um ihre Meinung. Diese schrieben unterm 16. Juli 1791 •n den Rat, daß sie gegen den Schutzjuden Tilkan Herz awar nichts einzuwenden hätten, ,,jedoch immer Wahrheit sey, daß durch den Handel der Juden überhaupt, sobald selbige von den sonst gewöhnlichen Abgaben befreyet sind, uns und unsern mit schweren oneribus2) belasteten handelnden Mitbürgern sehr beträchtlicher Nachtheil zugezogen werde." *) Abgaben, Steuern. Sie baten daher den Kurfürsten, den Paß nicht auf Lebenszeit aus dehnen zu wollen, sondern nur auf einige Jahre, damit „wenn etwa Supplicantens 'Betragen, wie bey Juden gar öfters geschiehet, inmittelst ausarten sollte, wir von Zeit zu Zeit das nöthige wider denselben anzuzeigen Gelegenheit haben." Der Wegedeputierte und kurfürstliche Geleitsmann, Kammerkom missar Müller, sowie der Wageschreiber bestätigten ,daß Elkan Herz „wohl einer der besten Schutzjuden sei". Der verpflichtete Einnehmer meldete, daß „Elkan Herz den für einen jüdischen Hauß-Vater bestimmten Steuerbetrag, jährlich 127 Reichsthaler 16 Groschen, prompt und richtig bezahlt habe." Trotzalledem aber rückte der Rat die Bedenken der Kaufmannschaft in seinem Bericht an den Kurfürsten ins rechte Licht, muß aber zugeben, daß ein Bedenken nicht vorliege. Am 22. Juni 1792 erteilt der Kurfürst Elkan Herz den Cabinettspaß. Es heißt in der Urkunde: „Wir haben Elkan Herz in Gnaden befreyet mit dem Bescheide, daß er sich gegenwärtigen Passes nur bediene, wenn er odti seine Ehefrau selbst reisen, also für sich, nicht aber für seine Diener." Herz hatte erreicht, was er wollte. Er konnte nun in Kursachsen reisen, ohne Paßschikanen ausgesetzt zu sein. Nur des „Aufenthalts in Bergstädten hatte er sich gänzlich zu enthalten." Der Kurfürst gestattete später noch, daß Elkan Herz sich in Leipzig ansässig machte und eigene Handlung treiben durfte. — Elkan Herz wurde der Berater aller nach Leipzig kommenden Juden. Viele Glaubensgenossen waren bei ihm als Handlungsdiener in Stellung. Aus einem Schreiben-) der jüdischen Gemeinde vom 24. 12. 1810 an den Leipziger Rat erfahren wir, daß die Gemeinde damals aus 4 Mitgliedern bestand. Es waren dies die ansässigen Juden Elcan Herz, David Hirsch, Herz Lob Levi und Leser Phillip. Diese vier Glaubensgenossen Vurden vom Rate stets zur Zahlung der „Jurae Stolac" herangezogen, wenn ein armer Glaubensgenosse im Stadtbercich gestorben war. Sie baten daher den Rat um die Vergünstigung, welche der Kurfürst der Dresdner jüdischen Gemeinde bereits seit 1787 zugestanden habe. Der Rat beschied Elkan Herz aber abschlägig und berief sich auf das kurfürstliche Mandat von 1698. Auch ein zweites Gesuch Elkans wurde am 13. November 1811 abermals abschlägig beschieden. 3) Leipziger Ratsarchiv, THL II 87. Jüdische Verbände u. Gemeinden Ernestine Esdielbadier lebt! Allen Freunden der Frau F.schclhacher zum Tröste sei mitgeteilt, daß die Nachrieht von ihrem Tode lediglich der mordlustigen Phantasie eines offenbar unter der Last der Hitze zusammengebrochenen Setzerlehrlings zu danken ist. Frau Eschelbacher lebt, sie ist froh und munter, und da Totgesagte bekanntlich recht lange leben, iwoflen wir hoffen, daß sich bei ihr der alte Wunsch: „Bis zu bundertundzwanzig Jahren" erfüllt. Unsere Gemeinde Zuschritten an dl« Schrittleitung Es wird gebeten, alle für die Sdirift<eitung des Oemeindeblattes bestimmten Zuschriften in der Zeit vom 15. Juli bis 0. August an Herrn Gemeinderabbiner Dr. Goldmann, König- Johanr.s'.raße 17 zu richten. Konzert auf zwei Flügeln Am Sonntag, den 24. Juni 1928 veranstalteten Fräulein Anny faffe und Fräulein Paula Gelb eine Matinee mit Konzerten auf IMrei Flügeln. Unter den dargebotenea Werken ragte besonders das Schumann-Konzert ■ moll, op. 54, hervor, das mit überlegner Technik und feine« musikalischem Empfinden cum Vortrag gebracht wurde Das als Einleitnng gewählte Back-Koniert 1b I »oll aeigt« «n sicheres klare* Spiel der beide« Vortragenden, jedoch wäre manche Feinheit noch deutlicher und eindrucksvoller gewesen, wenn nicht das 2. Klavier etwas zu stark und mit etwas zuviel Pedal gespielt hätte. Das am Schluß vorgetragene Conzerto pathet^jue c moll von Liszt bewies ein starkes Talent beider Damen, die mit großem Temperament das schwere Werk in tadellosem Zusammenspiel zur Wiedergabe brachten. Wohl als Einlage spielte das noch jugendliche Fräulein Hertel Mansbach einen Satz des c dur Konzertes von Beethoven und man mußte die Technik der jungen Dame bewundern, die xfür später sicher sehr viel verspricht. Allerdings wäre es hier angebracht gewesen, vielleicht mit dem Spiel in dem öffentlichen Saale noch etwas zu warten, bis die Ausbildung zu der notwendigen Beherrschung auch im Musikalischen ausgereift ist. Jedenfalls war die Veranstaltung ein voller Erfolg und spricht für die außerordentliche Begabung der Lehrerin Frl. A. J a ff e, der es gelang, ihre Schülerin bis zu dieser hohen Stufe des künstlerischen Klavierspieles zu bringen. Dr. E. S. Bundestag des Esra Das diesjährige Bundestreffen des Esra findet vom 28.—31. JuE (12.—14. Aw) auf der Leuchtenburg in Thüringen statt Die technische Vorbereitung geschieht durch die Leipziger Gruppe. Das Büro der Tagung befindet sich bis zum 26. Juli in Leipzig. Ab 28. Juli lautet die Anschrift: Esra-Bundestag, Leuchtenburg, Post Kahla i. Thür. Letzter Termin für die Anmeldung von Leipziger Esräern ist der 23. Juli. Der B. T. soll die Form eines Arbawbundestags erhalten und vor allem die Probleme Vier Jüngeren tarn Gegenstand haben. Das nähere Programm wird noch bekanntgegeben. t . C t.

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