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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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QEMEINDE1LATT DER ISRAELITISCH» ■EUKMOMOEMIMDC, LEIPZIG M* 4 Lendwirtschaftliche Arbeiterkolome Herr Dr. Kreuzberger, Berlin, berichtet über den gegenwärtigen Stand der Arbeiten zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Arbeiterkolonie *). Er teilt mit, dar} zur Durchführung des Planes 301MMM1 M erforderlich sind. Die staatlichen Behörden haben sich bereit erklart, einen Kredit von 60000 M zu gewähren. Er führt •us, wie ein Teil der weiter benotigten (leider beschafft werden soll, und gehlägt vor, zu diesem Zweck den Bestand der Landeskassc »on 5000 M der Hauptstelle für judische Wanderfürsorge zuzuweisen. Es habe keinen Sinn, die Wanderfürsorge wie bisher gleichsam als Abwehrtätigkeit ZU betreiben. Sie müsse unbedingt, produktiv gestallet «erden. Heu Rechtsanwall Sulinger stellt fest, daß die Versammlung für die geforderte Geldbewilligung nicht zuständig ist. Wenn er selbst luch dafür eintrete, die Wanderfürsorge produktiv zu gestalten, möchte er doch die Frage aufwerfen, ob durch die geplante Arbeiter* kolonie die Krankhell des Wandern* zu beheben ist, und ob es den Verbänden zugemutet werden kann, für etwa 50 Leute ein so kost- ■pieliges Werk ins Leben zu rufen. Es sei notwendig, daß zunächst einmal das gesamte Material über die wirtschaftlichen Voraussetzungen und Auswirkungen des geplanten Unternehmens dem Säehlischen Gemeindeverband und der Landeskasse vorgelegt wird. Im Anschluß hieran meint Herr Direktor Katzenstein, daß man ntnächsl daran denken könne, den vorhandenen Geldbestand wenigstens zum Teil für Einrichtungen der produktiven Wanderfürsorge im engeren Bezirk der Landeskasse zu verwenden. Die Besprechung wird durch ein von der Dresdner Gemeinde gebotenes Frühstück unterbrochen. Herr Kahn-Chemnitz dankt hierfür der Dresdner Gemeinde und gibt, da er abreisen muß, den Vorsitz an Herrn Direktor Katzen st ein ab. Dieser führt seine vor der Unterbrechung der Sitzung gemachte kurze Bemerkung des Näheren aus. Die heutige Tagung könne mangels Zuständigkeit zur Frage der Geldbewilligung nur wenig sagen. Sie könne nur sich über die Zweckmäßigkeit der Arbeiterkolonie »ußern. Ein solches Werk könne garnkht hoch genug geschätzt werden. Der Segen einer solchen Zufluchtsstätte für die Durchwauderer wurde unermeßlich sein. Dies sehe man am besten an den Bodel- •chwingh'schen Anstalten, deren Tätigkeit wunderbar und ergreifend sei, die aber auch hinsichtlich der Geldaufbringung vielleicht beispielgebend seien. Sie wenden sich unausgesetzt und unermüdlich immer wieder an die privaten Kreise, die sie durch ihre Druckschriften für ihr Liebeswerk erwärmen und dadurch private üclder aus allen Bevölkerungsschichten gewinnen. Die Hauptstelle für judische Wanderfürsorge möge prüfen, inwieweit sie ähnliche Wege beschreiten könne. Hierzu ständen die m allen größeren i H-meinden bestehenden (icmcindebiätter und die sonstigen jüdischen Zeitschriften zur Verfügung. Man solle darin volkstumliche Auflätze über das geplante Werk veröffentlichen, welche die Notwendigkeit und den Segen desselben in handgreiflicher Weise zeigen. Vielleicht empfehle es sich, Druckschriften in Massenauflagen her- CUStellen und den Zeitschriften beizulegen und auf diese Weise den Gedanken der Arbeiterkolonie in die weiteste judische Öffentlichkeit zu bringen. Es sei bedenklich, bei der Fülle der jetzt schon den Verbänden obliegenden Aufgaben, diesen wieder neue Lasten aufzuerlegen. Von berufener Seite, Herrn Rabbiner Dr. Goldmann, Leipzig, sei in Nr. 6 der Zeitschrift des Hilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender darauf hingewiesen worden, welche Gefahr darin liege, alle soziale Fürsorge auf die Gemeinden und Verbände abzuwälzen, während die private Wohltätigkeit unserer Glaubensgenossen zu erlah- *) L'eber den Plan einer Arbeiterkolonie wurde in der Sitzung der Lande-kasse vom Ii). April 1027 zum ersten Male beraten. Die Arbeiterkolonie soll den Wanderern Cielegenheit zur Arbeit schaffen und ihre Seßhaftmach ung fördern. Die Schrift!. -i^iK«tiiiiiiiijtiiiiiiti ittiiiiiiiiiitiii iiiiiiiitttiitiiiititiitiaiti.iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiititHi«iiiiiH«aB» Der Bubikopf Dauerwellen Wasserbällen H a a rf ärben durch Spezialisten Richard Lorenz, Brühl 4 •-^EH«wiuMitiniiitiitiiiiittiiiiiiiiiijiiMiiiiittiiiiiiiiiiiitniiiiiiiiitiitttiiifTtttiti>iiiiiitiitiitnimmmB»> men drohe. Der hei der Landeskasse vorhandene üeldbestand gebe die Möglichkeit, produktive Einrichtungen, wie sie andere Bezirke bereits haben, nämlich ein Unterkunftsheim oder eine Holzspalterei oder eine Kleiderkammer oder dergl. für unseren engeren Bezirk zu schaffen. Für solche Zwecke solle man wenigstens einen Teil des verfügbaren Geldes bestimmen. Herr Dr. Kreutzberg er schildert nochmals in eindringlicher Weise die Nöte und Drangsale, welche die wirtschaftlich Schwachen auf die Wanderschaft treiben. Es gelte insbesondere, die Entgleisten unterzubringen, die in der geregelten Wirtschaft nicht unterkommen. Dies seien insbesondere Strafentlassene und heimatlose Flüchtlinge, Erwerbsbeschränkte und sonstige Hilflose aller Art. Das Werk müsse geschaffen werden, die Unterlassung könne von der Judenheit nicht verantwortet werden. Leider habe die Erfahrung gezeigt, daß die privaten Spenden des jüdischen Mittelstandes nur unzulänglich seien. Dies habe sich z. B. bei der Sammlung des jüdischen Frauenbundes zur Errichtung einer Lungenheilstätte und bei anderen Anlässen erwiesen. Er werde aber die Anregung des Herrn Direktor Katzenstein der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge unterbreiten. Die finanzielle Mitwirkung der Gemeinden und öffentlichen Verbände sei unerläßlich. Es ist gedacht, daß sie 100000 Mark aufbringen. Wie hoch das Werk geschätzt werde, sei aus der Zusage von 60000 Mark aus staatlichen Mitteln ersichtlich. Die fehlenden 140000 Mark hoffe man von Einzelpersonen zu erhalten. Der Redner stellt den Antrag, die heutige Versammlung möge eine Entschließung fassen, die zur Förderung der Sache dem Sächsischen israelitischen Gemeindeverbande vorzulegen ist. Herr Bellakj, Zittau, begrüßt den Plan und sagt für seine Person Unterstützung im Verbandsausschuß zu. Fräulein Waitzfeider, Dresden, bezweifelt, daß von privater Seite die Gelder aufgebracht werden können, und ist überzeugt, daß die Dresdner Gemeinde ihre Hilfe zusagen wird. Herr Direktor Katzenstein macht den Vorschlag, dem Verbandsausschuß zu empfehlen, daß von den zur Verfügung stehenden M 5000.— die Hälfte für die Arbeiterkolonie, die andere Hälfte für im Lande Sachsen zu schaffende Einrichtungen für die Wanderfürsorge verwendet werden. Nachdem noch die Herren H e y m a n n -Plauen, Ben ja min-Chemnitz, Bellak -Zittau und Dr. G ä rt n er - Zwickau sich sämtlich warm für die Schaffung der Arbeiterkolonie eingesetzt haben, wird folgender Antrag des Herrn Hey mann - Plauen in Verbindung mit einem Antrag des Herrn Bellak-Zittau einstimmig angenommen: " i Die heutige Tagung der Landeskasse Sachsen hält die Schaffung einer Arbeiterkolonie seitens der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge für unbedingt erforderlich und bittet den Sächsischen israelitischen Gemeindeverband um Bereitstellung der auf ihn entfallenden Mittel. Die heutige Tagung gibt anheim, von dem vorhandenen Ueberschuß der Landeskasse 2500 Mark für den genannten Zweck zu verwenden; die restlichen 2500 Mark für Einrichtungen der Landeskasse Sachsen zugunsten der Wanderfürsorge zurückzustellen. Diese Entschließung ist dem Ausschuß des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes vorzulegen. Die Sitzung wird kurz nach 2 Uhr geschlossen.

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