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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-06-03 · 23 (3.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
23 (3.6.1928)
Date
1928-06-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIO Seite 3 zionistische Arbeit in Deutschland auf der Basis der Gemeinsamkeit erledigt werden könne. Am Montag, den 28. Mai, dem /weiten Verhandlungstag, wurde zunächst die am Sonntag begonnene Generaldebatte fortgesetzt. Die Aussprache begann mit Darlegungen von Dr. Arnold Wiener« Beuthen, der sich gegen die a'ntiziouistischc Tätigkeit der Agudas Jisroel wandte und der Agudah ein unnatürliches Bündnis mit dem Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vorwarf, ein Bündnis, das sich nur nach dem Grundsat/ orientieren könne: die Feinde unserer Gegner sind unsere Freunde. In der Montagabendsit/.ung hielt das Mitglied der Zionistischen Weltexekutive Dr. Felix Rosenhlüth ein Referat über „Die Lage in Palästina und im Gesaintzionismus". Die palästinensische Regierung hat unter der Einw irkung der Not erkannt, daß Mir Prestige verbunden ist mit dem der Zionistischen Organisation. Die Handelsbilanz Palästinas hat sich im Krisen jähr 1927 gebessert; die Ausfuhr wurde um 600000 Pfund erhöht, die Einfuhr um 400000 Pfund vermindert. Dieses Ergebnis ist besonders auf die Orangcn-Ausl'ühr zurückzuführen. Dürre und Heuschreckenplage haben die steigende Zuversicht nicht herabgemindert. Nie, sagte Rosenblüth, hätten wir die Linie des Aufstiegs zu verlassen brauchen, wenn wir mehr Voraussicht bewiesen hätten. Die Arbeiterschaft hat eine seltene Widerstandskraft und eine hohe Intelligenz beim Erforschen und Schaffen von Arbeitsmöglichkeiten bewiesen. Trotz der Krise ging keine Radikalisierung vonstatten. Die Autorität der Arbeiterführer wurde merklich gestärkt. Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeiterführern tragen aber nicht jenen Burgfrieden-Charakter, den der Zionismus für mindestens n ch 10 Jahre nötig hat. immerhin ist ein Abgehen von intransigiiiter Dogmatik festzustellen. Die Arbeitervermitthingsbüros haben den Ver/.k'ht auf das Streikrecht in der Landwirtschaft zugestanden. Das Ende der Krise muH durch ein Aufbauprogramm besiegelt werden. Eine Stärkung des nationalen Kapitals ist notwendig, ebenso die Erhaltung des Aufbaugeistes in der Diaspora. Hie Lage in Amerika ist heute undurchsichtig, vielfache Elemente wirken durcheinander. In der Sitzung vom Dienstag Nachmittag wurden die Wahlen durchgeführt. Zum Vorsitzenden der Z.V. f.D. wurde Herr Kurt Blumenfeld wiedergewählt. Ferner wurden ein achtgliedriger (ieschäftsfühder Ausschuß (Alfred Berger, Dr. Bileski, Dr. Nahum Goldmann. Dr. Kanowitz, Dr. Kolleuscher, Dr. Landauer, Richard Lichtheim und Dr. Martin Rosenblüth) und ein 31 gliedriger Landesvorstand gewählt. Vor den Wahlen gab Alexander Adler im Namen des Misrachi eine Erklärung ab, dali der Misrachi iii dem Qeschäfts führenden Ausschult nicht vertreten sein wolle, da er nur dann eine Mitverantwortung übernehmen könnte, wenn er auch im Präsidium vertreten wäre. Zum Zeichen der Bereitwilligkeit zu Mitarbeit wolle der Misrachi jedoch seine Vertreter in den Landesvorstand entsenden. Nach einem Schlußwort Kurt Hluuuufe'ds, der der Stadt Breslau für die Gastfreundschaft dankte, ging der XXII. Delegiertentag der Z.V. f.D. mit Absingen der llatikwah zu Ende. Führertag des Esra Am 27. und 28. Mai fand in Fulda ein Führertag des Esra statt. Erschienen waren etwa 85 Führer und Führerinnen. Nach der Begrüßung durch den Bundesleiter Felix Münk sprachen für die Fuldaer Gemeinde Prov.-Rabb. Dr. Cahn, Rabb.-Assessor Kunstadl und M. Wertheini. Mehr als auf bisherigen Tagungen kam diesmal das Bewußtsein der Verpflichtung des Esra gegenüber der jüdischen Wirklichkeit zum Ausdruck. Dies zeigte sich in der Besprechung der Möglichkeiten, wie der Esra und der Esräer die Fr/iehungsidee seiner Gemeinschaft in der Ocffcntlichkeit verwirklichen könne. Hauptsächlich konzentrierte sich der Wille des Esra in Stellungnahme und fruchtbarer Kritik zum Aulim-Gcdaukcn Nathan Birnbaums im Anschluß an ein grollangelegtes Referat von Dr. Isi Grünfeld- Würzburg über „Nath; n Birnbaum und der Esra'1 und eine historisierende Diskussionsrede von Jacob Landau-Frankfurt. Besonderem Interesse begegnete in diesem Zusammenhang auch die Palästinabewegimg des Esra, die auf Basis der Erfahrungen der Fsra-Chaluzim in M.K hauch Jisroel und Rodges die weitere (icsteiiung und Erhaltung von (.halu/im vorbereiten will. Ferner wurden diesmal auch die praktischen Wege pädagogischer Fsra-Arbeit innerhalb der Gruppen besprochen. Als Grundlage diente ein Referat von Jochanan Boschwitz-Berlin über „Die Arbeit bei Aelteren". v. Man bacbJofi einen engeren geistigen Zusammenschluß um die Führerschaftsblättcr als Ausspracheorgan, deren Herausgabe Dr. Arnold Merzbach (wie bisher) und Jacob Landau (neu) anvertraut wurde; ein neuzuschaffender hebräischer Teil s'-.ll einem weitgehenden Bedürfnis nach I lebräisierung entgegenkommen. Ausgangspunkt einer eingehenden Diskussion bildete am Sonntag nachmittag ein Referat von Alberl Neuberger-Würzburg über die Möglichkeit einer Synthese zwischen wissenschaftlicher Einstellung und jüdischem Traditionswillen. Die neue Bundesleitung wurde in Würzburg konzentriert; ihr gehören zukünftig an: Albert Neubcrgcr als Bundesleiter; Dr. Isi Qlünfeld, Walther Riesenfeld und Theo UHmann. Sie wird zunächst den in diesem Sommer noch stattfindenden Bundestag vorzubereiten haben. Eine Sondersitzung der Mädchen beschäftigte sich ebenfalls mit der geistigen Konzentration und beschloß eine liaueinteilung der Mädchengruppen. Für die Mldchenleitung wurden Anna Qroßwirth- München und Judith Rosenbaum-1 rankfurf bestätigt. Ein Aufruf des Hilfsvereins für die bulgarischen Juden Die Nachrichten, die dein Hilfsverein der Deutschen Juden aus dem Erdbebengebiet in Bulgarien zugegangen sind, und dringende Gesuche um Hilfe haben den Hilfsverein veranlaßt, eine Hilfsaktion zugunsten der jüdischen Wiederaufbauarbeit in Bulgarien einzuleiten und einen Aufruf an die deutschen Juden zu erlassen, das Hilfswerk für die bulgarischen Juden zu stützen. Der Hilfsverein, der bis zum Kriege in Bulgarien ein Netz von Schulen unterhalten hat, die nun zum Teil durch das Erdbeben zerstört worden sind, fühlt in sich die Verpflichtung, an dem jüdischen Rettungswerk teilzunehmen, Der Aufruf lautet: „Die bulgarischen Juden sind durch das Erdbeben vom 14. und 18. April schwel heimgesucht worden. In Philippopel, Tschirpan, Baz.ardjik, im ganzen Marizagebiet, hausen die Opfer der Katastrophe im Freien. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Bulgariens ist obdachlos und erwerbslos geworden. Die Regierung und die jüdischen Gemeinden Bulgariens bieten alles auf, um dem furchtbaren Elend abzuhelfen. Die hereingebrochene Not übersteigt aber die Kraft des Landes. Neben dei unmittelbaren Notstandsaktion für die obdachlosen Familien, die Hungernden und Frierenden, ilie Tausende herumirrender Kinder, die in Baracken zusammengepferchten Verwundeten und die an epidemisch ausgebrochenem Scharlach und Typhus Darniederliegenden besteht eine nicht weniger dringende Aufgabe die vernichteten Existenzen wiederaufzurichten. Es tut not, die Wohnstätten, die Krankenhäuser, die Schulen und die Synagogen wieder aufzubauen und vor allem. Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die bulgarischen Juden haben sich in ihrer grollen Sorge an den Hilfsverein der Deutsehen Juden gewandt Sie haben die Hilfe ausländischer jüdischer Oemeinden bisher nie beansprucht. In ihrer Notlage glauben sie jetzt die Sympathien und die Hilfsbereitschaft der deutschen Juden anrufen zu dürfen. Wie groll auch die Not unter uns deutschen Juden ist - wir müssen und in diesem Augenblick angesichts des elementaren Naturereignisses, das die bulgarischen Juden so schwer getroffen hat, unserer Pflicht gegen sie bewußt sein. Wir dürfen uns ihrem Ruf nicht verschließen. Wir wenden uns an die deutsche Judenheil mit der Bill,', die Rettungsaktion für die bulgarischen Juden nach Kräften zu stützen. Wir fordern hierdurch auf, zu spenden. Hellet rasch! Die Not ist dringend! Hilfsverein der Deutschen Juden. Vorsitzender: Dr. James Simon, steDvertr. Vorsitzende: Lugen Landau. Max M. Warburg, Will] Dreyfus." Wohlfahrtslotterie zur Erhaltung deutsch. Lungenheilstätte Besonderes Entgegenkommen des Herrn Preußischen Ministers für Volkswohlfahrl hat es ermöglicht, dali die Ziehung der Wohlfahrtslottcrie zur Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben vom 5. Juni endgültig auf den 26. September hinausgeschoben wurde. Die hohe Bedeutung des Liebeswerkes und die Fülle der Gewinne (u. a. Perlenkette im Werte von RM 15000.—, Wohnungseinrichtung, Auto, Silberkasten, silberne Chaniikkaleuchter und Sederschüssel usw.) werden gewiß viele veranlassen, diese günstige Gelegenheit zum Bezüge von Losen noch zu ergreifen; dieselben sind er? hältlich bei der Geschäftsstelle Holzgraben 2, Frankfurt a. M.

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