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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-06-03 · 23 (3.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
23 (3.6.1928)
Date
1928-06-03
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Satte 4 Unsere Gemeinde 130 Kinder, die nicht verreisen können, und die auch von keiner Ferienkolonie verschickt werden können, soll während der Soinmerferien wenigstem eine kleine Erholungsm iglichkeit und Ferienfreude geboten werden. Darum veranstaltet d<r J üdi scIie F rau enbund, Ortsgruppe Leipzig auch in diesem Jahre seine Spi el vor mit tage auf der ihm freundlichsl von den Besitzern des Lunaparka /ur VerfiisrmiL; gestellten Spielwiese, Die Kinder spielen täglich außer Sonnabends und Sonntags von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags unter Leitung geschulter Kräfte. In der Frühstückspause erhalten sie Verpflegung, bestehend .ms Milch, lerner Obst oder dergl. Qemeintarne Hin- und Rückfahrt erfolgt in Sonderwagen der Straßenbahn. Die Spielvormittage erfreuen sieh bei den Kindern so großer Behebt« heit, dal) die Zahl der daran teilnehmenden Kinder unbedingt von lim auf 130 erhöhl werden mußte. Es ergehl an alle Gemeindemitglieder die herzliche Bitte, unseren bedürftigen Kindern wenigstens diese bescheidene Erholung zu ermöglichen. Qefl. Spenden mihI zu richten an Frau Kosi Krause, Lange Straße 32 b. Jose) Rosenblatt aus New York in Leipzig Der berühmte, in New York lebende Kantor Josef Rosenblatt, befinde) sich zurzeil auf einer Reise in Deutschland, wo er in einer Reihe [lerer Städte einmalige Konzerte veranstaltet, um alsdann nach Oesterreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Aegypten und Palästina zu uisen. Wie wir erfahren, wird er in Leipzig Mitte Juni ein Konzert neben. Neue Bücher Sinclair I ewis, Elmer Oantry. Roman. Einzig berechtigte Ueberaus dem Amerikanischen von Frau/ l ein. Berlin 1928 (Ernst Rowohlt-Verlag). „Ucbertragung aus dem Amerikanischen". Aus dem Amerikanist ird< man nicht erwarten: aus dein Englischen? Mit vollem Beda hl und mit vollem Recht weist der Ueberset/.er nicht atlf dir hin, in der das Werk ursprünglich geschrieben winde, il den Kulturkreis, in dem es einstanden ist, und in dem allein es verstanden werden kann. Die Verhältnisse, über die der auch bei uns schon sehr geschätzte Sinclair Lewis die volle Schale beißender Ironie ausgießt, sind durchaus amerikanisch. Nur in ihnen ein Filou Wie Elmer Oantry auf der Stufenleiter kirchlich her Stellungen emporheucheln. Dieser Elmer tritt in ein College ein, in dem Baptisten-Geistliche herangebildet werden; er besitzt auch nicht eine ein/ige I igenschaft, die ihn als innerlich berufen für ein geistliches Amt erscheinen belle. Er ist roh, neigt zu Raufboldereien, hat Freude am Trinken und ist oftmals berauscht, er ki um keine Treue, keine Menschenliebe, hält kein Oclübde, ist alles eher als gottgläubig. Aber seine Mutter möchte ihn gerne als Geistlichen sehen; er verfügt über eine fortreißende Beredsamkeit und über eine aalglatte Verstcllungskunst, die ihm, bei einer besonderen Begabung für schnelles Hineinfinden in die überraschendsten Situationen, immer w ieder einen Ausweg finden läßt, wo andere unweigerlich aus ihrer Bahn herausgeworfen worden wären. So macht er seinen Weg. Ihm Ut es ein rein geschäftlicher Aufstieg. Geschäftlich abei sind auch die Aeußerungen kirchlichen Lebens, in denen er diese Wolle spielt; und das eben ist das Amerikanische. Die Kirchgemeinden sind |enseits des großen Wassers keineswegs so feste Gefüge wie in i uropa, sie sind durch das Sektenwesen und das damit zusammenhängende Treiben gewisser Wandergeistlicher in den geschäftlichen Wettbewerb hineingetrieben. Darum ist Oantry keineswegs einzig in seiner Art: mehr oder weniger gleichen ihm die anderen religiösen Führer an Unaufrichtigkeit, Unglauben und Phrasengetöne, Und auch darin liegt das Amerikanische, dali diese „Evangelisten" mit solcher Bewußtheit und darum mit solch frechem Spotte mit der religiösen Sehnsucht der Menge ihren Mißbrauch treiben, wahrend sie untereinander gar kein Hehl aus ihrer wahren Meinung machen. — Was uns der amerikanische Schriftsteller hier entrollt, ist ein ungemein aufschlußreicher Einblick in eine religiöse Welt, von der wir uns keine Vorstellung machen konnten. Sie ist zweifellos nicht „die" religiöse Welt da drüben, aber doch von solchem Umfange, daß sie ein bedeutsamer Faktor ist. Lewis spricht darüber mit anschaulicher Lebendigkeit, weilt immer wieder neue Seiten ZU beobachten, so daß man sich gerne von ihm fuhren läßt. Und wenn man Parallelen zieht, dann wird man sagen müssen, daß auch bei uns das religiöse Leben seine Vcrirrungen hat, daß solche aber doch weit entfernt sind von dem Ausmaße, das hier geschildert wird. Oder — sollten wir etwa ZU milde sehen..? —o— l iii e ii / Dürr, o. Professor der Theologie in Braunsberg (Ostpr.: Religiöse Lebenswerte des Allen Testaments. I reiburg 1028 (Herder u. Co.). Es scheint, als ob wir am Ende einer Periode gewisser Bibchnüdigkeit stehen, der eine neue Schätzung der in dem alten Buche enthaltenen ewigen Werte folgen wird. Weniger von den katholischen Kreisen, denen der Verfasser angehört, als von der protestantischeil Oelehrtenwelt hat man lange genug dabin gestrebt, den Nachweis zu erbringen, daß „religiöse Werte" von Israel nicht geschaffen worden seien. Man kommt auch in diesen Kreisen zur Erkenntnis, daß man falsche Wege gegangen ist. So kommt die vorliegende Schrift eine: Erneuerung der Wertung unseres alten Schrifttums entgegen. Ist es auch eine Stimme aus nichtjüdischem Lager, so bietet sie doch dem jüdischen Suchenden so viel an Anregung, daß sie auch von uns gelesen zu werden verdient. In einem ersten allgemeinen Teile zeigt Dürr, daß unsere heilige Schrift auch heute noch volle Würdigung als literarische Erscheinung erfahren sollte. Er macht sich eine Frage zu eigen, die nur zu berechtigt ist: Welchen ungeheuren Eindruck würde die Bibel machen, wenn sie heute erst entdeckt würde! Man sollte sie unter diesem Gesichtspunkte betrachten und ihre geschichtliche und ihre Gegenwartsbedeutung zu immer neuer Auswertung bringen: sie hat den sittlichen Monotheismus begründet und bewahrt. Aber mehr als alles dies: si<* atmet einen Oeist, der unserer Zeit so vielfach geschwunden ist: den Geist der wahren, gläubigen Frömmigkeit. Durch reiche Beispiele belegt Dürr, wie die Überzeitlichen religiösen Lebenswerte in unseren heil. Büchern richtig einzuschätzen sind: das so starke, unmittelbare Oottesbew nßtsein und, daraus fließend, jenes unerschütterliche Gottvertrauen, jene unbedingte Hingabe an den göttlichen Willen und die das gesamte Alltagsleben beherrschenden Wirkungen dieser echten Frömmgikeit. Möchten nur alle Juden von der gleichen Begeisterung für unser Schrifttum durchströmt werden wie dieser katholische Gelehrte: es winde auch das zur gerechten Würdigung der Juden nicht unwesentlich beitragen. Und um solcher Begeisterung einen Hauch zu erlangen, dürfte es für viele nüt/lich sein, sich in das kleine Werk zu versenken. —n. Amtliche Bekanntmachungen der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig ßarmizwah-Vorbereitung Zur Barmizwa-Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unentgeltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vom 1. Januar 1<)1<> bis 31. März 1<)I<> geborenen Knaben beginnt der Lehrgang am I. Juli Wl$. Nur wer daran teilgenommen hat, wird als Bannizwa in der Qemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 30. Juni 1<J'»S im Gemeindeamt, Löhrstraße 10,1. Von der Teilnahme können atttf Antrag der Eltern solche Knaben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat Herren «Hüte Das Besle in allen Preislagen Reise-, Sport-, Yacht-, Schuler- und Kinder- Mützen JUÜUS Müller, Leipzig, Petersstr.30 und Gohlis. Hallische Straße 87-89 In Gohlis auch Wäsche, Cravatten und Herrenartikel

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