Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 22 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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GEMEIN DE BLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG S«K 4 . 2. Soll eine Kasse ncyTinidct werden zur Ausstattung Unbemittelter jüdischer Mädchen, um diesen die Eheschließung zu ermöglichen, diese wäre aus den Uebersehüssen des laufenden Betriebet, Geschenken, Stiftungen usw. zu speisen. 3. Soll es in ideeller Hinsieht Aufgabe der gemeinnützigen jüdischen 1 hevermittlungsstelle sein, gesündere und vernünftige Anschauungen über die Ehe unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten. Es soll mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, daß das Glück Mi der Ehe nur durch den materiellen Besitz bedingt ist; die viel" lieh in dieser Richtung sich bewegenden übertriebenen Anforderungen müssen herabgesetzt werden. Es soll eine Umstimmung dahin ■rstrebl werden, daß vielmehr in erster Linie die Tüchtigkeit 4er I hepartner entscheide, und eine einfache und bescheidenere Lebensführung soll zugrunde gelegt werden. Die Organisation der gemeinnützigen Ehevermittlung soll in Form eines Vereins erfolgen, der sich über ganz Deutschland erstreckt. Da ilie Ehevermitthing natürlich zentralisiert sein muß, so kann die Stelle nur an einem Ort errichtet werden. Dagegen sollen in den einzelner. Städten und Bezirken ehrenamtlich tätige Vertrauenspersonen eingesetzt werden. Die laufenden Betriebskosten werden zunächst auf ca. M 5000,— jahrlich geschätzt, die für Anstellung einer geeigneten Kraft, für Miete eines Lokals »i sw. erforderlich sind. Die Summe erscheint nicht hoch gegenüber den großen Aufgaben, die zu erfüllen sind, und da die gesamte deutsche Judcnheit als Träger der Idee gedacht iit. Als jährlicher Mindestbeitrag ist zunächst M 5.— vorgesehen. Sobald die finanzielle Basis gesichert ist, soll unverzüglich zur Gründung des Vereins, zur Wahl des Vorstandes und zur Einrichtung der Vermittlungsstelle geschritten werden. Der konstituierenden Generalversammlung wird alsdann die entgültige Festlegung der Organisation und des Aufgabenkreises Obliegen. Die bis dabin erfolgenden Schritte wollen nur als provisorische und vorbereitende betrachtet w erden. Wer geneigt ist. an der Gründung der gemeinnützigen jüdischen Ehevermittlungsstelle mitzuhelfen, möge als Mitglied beitreten, und seine Anmeldung an pnich einsenden. [ Prof. Dr. Hanauer, Frankfurt a. M., ImTrutz27 Unser Weg in die Wirklichkeit Am Z7ni<nd 28. Mai versammelten sich in Dresden etwa 5<>0 Delogierte der jüdischen Jugendvereine Deutschlands zur 7. Delegiertentagung des Verbandes. Der im Jahre 1000 begründete Verband hat sich nach Ueberwindung ernster Krisen nicht nur äußerlich, sondern, wie aus den Verhandlungen hervorging, auch innerlich wieder durchaus gefestigt. Die Tagung war in gerade/u mustergültiger Weise vorbereitet. Bis in die kleinsten Einzelheiten hinein war alles durchdacht und für alles Sorge getragen. Von dem Moment an, in dem (!■; Auswärtige auf dein Dresdner Bahnhof aus dem Zuge stieg, bis zu dem Augenblick, da er ilie Heimreise antrat, war er von einer geradezu rührenden Aufmerksamkeit begleitet. Die Dresdner jungen Leute haben sich in opferfreudiger Begeisterung in den Dienst dieser I agung gestellt. Sie haben dabei in vollstem Umfange die Förderung der Dresdner Organisationen, < iemeinde, Loge usw. erfahren dürfen. Eingeleitet wurde die Tagung durch eine Eröffnungsfeier, bei der nach einem musikalischen Vorspiel der ausgezeichnete Sprechchor des Düsseldorfer J J V. in hochkultivierter Form l'sahn US und den Schlußchör aus Stefan Zweigs Jeremias EU Oehör brachte. In eine; Weiherede wies Herr Rabbiner Dr. Wolf nach einer her/liehen Begrüßung der Erschienenen auf die Losung hin. unter die die Tagung gestellt war. die Verwirklichung: es gehe darum, dem Idealismus, der Herleitung des Tuns aus der Idee und um der Ideewillen, zur Verwirklichung /u verhelfen. VA. ir der junge Mensch sieh zur Wirklichkeit durchringt, und welche Aufgaben ihm die Wirklichkeit stellt, wie er andererseits seine jugendlichcn Anschauungen in die Wirklichkeit des jüdischen Seins hineintragen soU, das war der Oedanke, der sich durch die Tagung hindurchzog. Schon in den erfreulicherweise sehr eingeschränkten Begrüßungsansprachen trat dieser Leitgedanke in Erscheinung, in eine besonders tiefe und zündende Form durch Rabbiner Dr. Beeck (Berlin) | ekleidet: Aufgabe der Jugendorganisation s>i es, dem jungen Menschen dabei behilflich /u sein, wenn er bemüht ist, den Willen und den Mut zu sich reibst zu finden. Die einzige wahre Realität ist der Meiisih, dei Weg zur Wirklichkeit ist drr Weg /um Menschen und hierbei den Jugendlichen Wegweiser zu sein, da/u sei die Jugendorganisation bestimmt. Das Hauptreferat hielt Rabbiner Dr. Max Wiener (Berlin): „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit-'. Das außcrordcn'ü.l. bete (ob nicht für die überwiegende Mehrzahl der Anwesenden allzu tiefe?) Referat gipfelte in der Feststellung, dar, dem Geiste des Judentums sachliche Arbeit immer entsprochen hat Das Judentum ist als Religion des Gesetzes stets aktivistisch gewesen War auch die Deining der Gesetze der jüdischen Gesamtheit kral göttlicher Autorität auferlegt, so ließen sie doch die Entfaltung de Persönlichkeit durchaus zu. Unsere Zeit mit ihrem Losungswor „Sachlichkeit" stellt sich einer rein geistigen Auffassung, wie alle anderen Gebiete, so auch der Religion entgegen; den Dualismus Idee und Realität läßt sie nicht gelten: mit Weltanschauung laß: sich heute Religion nicht mehr ersetzen, es muß unbedingt klare Stellung zu ihrer Kernfrage gesucht werden, zum Göttlichen; dann aber dieses durch das gesamte Leben verwirklicht werden. Organisch schlössen sich an das grundlegende Referat Wieners di< zum Praktischen überleitenden Referate Herbert Felsenthal (Düs seldorf) „Die Arbeit in den Bünden" und Dr. Julius Herzfei« (Essen): „Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde" an. Der Jugendbund will und soll zur Gemeinschaft erziehen. Darum muß die orga nisatorische Arbeit darauf gerichtet sein, die Jugendlichen mit allen Fragen des lebendigen Judentums in Berührung zu bringen, um in ihnen die Neigung und die Eignung zur tätigen Mitarbeit in der Gemeinde zu bilden. Andererseits soll aber auch die Organisation sich dafür einsetzen, daß dem jugendlichen Tatwillen auch ein Betätigungsfeld zugestanden wird. Die Fülle von Gedanken und Anregungen rief eine recht ergiebige, mit erfrischendem Temperament geführte Aussprache hervor. Im Vordergrunde standen neben der Bundesarbeit und der Junggruppenarbeit die Stellung zum Judengesetz und Gemeinde-Fragen. In der geschlossenen Delegiertentagung gab sich der Verband eine, neue Satzung und bewilligte den vorgelegten Etat. Anstelle des aus beruflichen Gründen zurücktretenden ersten Vorsitzenden Dr. Klein, Düsseldorf, wurde Dr. Hugo Hahn, F.ssen, durch Zuruf der Versammlung gewühlt. Unter jubelndem Beifall der Versammlung überreichte der neue 1. Vorsitzende dem in der Verbandsleitung verbleibenden Dr. Klein als äußeres Reichen des Dankes des Verbandes für Meine außerordentliche Leistung eine künstlerisch ausgeführte Plakette. Den Schluß und Höhepunkt der Tagung bildete das Referat Dr. Hahn's „Jüdische Jugend im Weltjiigendbund". Der Sprechchor des Düsseldorfer Jugendvcrcins, der auch bereits in der Eröffnungsfeier mitgewirkt hatte, brachte mit „Stimmen der Jugend" von Karl Dröger einen weihevollen Abschluß. Ein ergänzender Bericht über diese bedeutsame Jugendtagung folgt noch. O. C. Verband russischer Juden in Deutschland Der Verband wurde im Jahre 1020 zur Unterstützung seiner Mitglieder gegründet, dehnte jedoch bald nach seiner Begründung infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse seine Tätigkeit auf alle jüdischen Flüchtlinge aus Rußland und aus den Randstaate»- Galizien, Rumänien, Ungarn usw. aus. In erster Linie förderte er die Rückwanderung nach den I leimatstaaten und die Auswanderung nach den west- und außereuropäischen Ländern. Für die in Deutschland weilenden Flüchtlinge wurden Lehrkurse für gewerbliche und kaufmännische Ausbildung durch den Verband eingerichtet. Dank der Subventionierung des Internationalen Arbeitsamtes in Genf konnte im Jahre 102r> eine Darlehnskasse ins ^^tlloW^^ JgjjjjgggÄ , ROTHER&KUNTZE 1 A C— Qualität ii 9or-m _c r&tAc/as«ttp. (Deri/cöargrün&tigs./e> •✓V-e/^o. -Z«ito^m« J&<j/t/ur, tjs uzciaa. •Cc/o/ory^trt tfott 76~jar~»*+ta