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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-06-01 · 22 (1.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
22 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELFOIONSOEMEINDE, LEIPZIO Seite 3 Neue Ausgrabungen in Palastina \us kanaanitischen Tempeln Die archäologische Expedition des Museums der Pennsylvanischcn Universität in Amerika hat in Hetli Schau, im östlichen Teil von Nordpalästina, zwei kanaanitische Tempel aus der Zeit des ägyptischen Königs Tutmoses III., 1501) v. Chr., ausgegraben. In Beth Schaff sind schon früher wichtige Altertümer auf der Akropolis der fitadt ausgegraben worden, die aus der Zeit stammen, da ägyptische i leere den Norden Palästinas erobert hatten. Heth Schalt war /ur Zeit König Sauls eine wichtige Festung der Philister. Im ersten Tempel, der einen Durchmesser von 117 Füll hat, wurden Gegenstände großen Wertes in den Ruinen und im Staub entdeckt, darunter auch . ine kleine, goldbedeckte Plastik eines Gottes und ein kleines Abbild der Aschtaroth. In dem Innern des /.weiten Tempels befand sich ein ins Ziegeln gebauter Altar, in dessen Nähe verschiedene heilige Geilte gefunden wurden, und ein zweiter Altar, der zum Darbringen ler Opfer bestimmt war. In seiner Nähe fand man Knochen eines Micrs. Auch außerhalb des Tempels wurde bei den Ausgrabungen ■in Altar gefunden, neben ihm eine kleine Bronze, einen Löwen darstellend, der sich auf einen Stier stürzt. Auch hier fand man nochen von Opfertieren, und es besteht so kein Zweifel, dall hier i ipferaltare standen.. I In der Schicht, die der Zeil des ägyptischen Pharao Ramsel II. angehört, fand man eilte Plakette mit Inschrift und dem Bilde des Architekten, der den in der Bibel erwähnten Tempel des Dagon gelullt hat, wo das Haupt des im Kampf gegen ilie Philister besiegten Königs Saul nach der Schlacht auf dem Berge Gilhoa ausgestellt wurde. Fs ist dies das erstemal in der Geschichte der Ausübungen in Palästina, dal! das Bild des Erbauers eines kanaanitischen Tempels gefunden wurde. Unter den übrigen Gegenständen beiluden sich Henkel von TrinkgefäBen und auf ihnen Zeichen von antiken Schriften, eine schöne Bronzeaxt, Verzierungen und verschiedene heilige (iefälle. In der Schicht aus der Zeit des Pharao Amenophes III. /wischen 1MI und 1375 v. Ohr , entdeckte der Leiter der Ausgrabung. Elan I'oc, verschiedene irdene Gefälle lind auf ihnen F.lefantcuköpfc, Stiere und ähnliche Abbildungen. Es wurden Hieroglyphen aus der Zeit der Hethiter und unter ihnen Zeichen, die ,,F.I" (Gott) und „Bizwar" (Burg) bedeuten, gefunden. Einer der interessantesten Funde sind Tongebildc in Schlangenform. Diese Schlangenfunde haben die Forscher zu der Meinung geführt, daß der Ort mit dem alten Schlangengntt verknüpft ist. dessen Name „Schalten" oder „Schau" war. Man fand auch eine Steintafel mit dem Namen des 'iottes, zu dessen Fhren der Tempel zur Zeit Tutmoses III. errichtet wurde: „Makar" oder „Makel", „der Gott der Bcth Schau beschützt." Die Tafel ist von dem Erbauer der Festung für seine« Sohn gestiftet worden. Der Gott „Makar" ist auf einem Stuhle sitzend dargestellt. Lr ist bärtig und trägt auf seinem Haupt eine Art Mütze mit zwei Hörnern. Aman-im-Efet, der Erbauer der Festung, und sein Sohn stehen vor dem Stuhl des (iottes und reichen ihm eine Lotosblume. Unter dem Bild stehen vier Gebetreihen an den Gott, des Inhalts, er möge „l eben, Reichtum und Gesundheit" verleihen. („Neue Züricher Zeitung"). Der Stein von Sydiem Professor Jirku, Breslau, berichtet in der „Vossischen Zeitung" über die Funde, die bei den von Professor Sellin (Berlin) geleiteten Ausgrabungen ZU Sichein in Palästina gemacht wurden. Bekanntlich hat Prof. Sellin den alten Königspalast und den Tempel lies Bundesgottes - beides Lokalitäten, die uns schon aus dem 9. Kapitel des Richterbuchei bekannt waren — sowie mehrere Urkunden in Keilschritf gefunden. Seit Anfang März, weilt Prof. Sellin wieder in Sichern und in wenigen Wochen sind ihm neue überaus wertvolle Funde geglückt. Neben der Preilegung des doppelten Bcfcstigungsgürtels der alten Stadt wurden zwei Feststellungen gemacht, die für die altteslamventliche Reügionsgeschichte von hoher Bedeutung sintl und sicher noch viel diskutier! werden dflrkten. Erstmals fand Sellin, was bisher ganz übersehen worden war, dall der Eingang /u dem Tempel des Bundesgottes von zwei grollen steinsäuleu flankiert war, welchen Brauch wir bisher nicht nur von phöni/ischen Heiligtümern, M>ndcrn auch vom salomonischen Tempel zu Jerusalem kannten (I. Königsbuch 7,21). Diese Steinsiullen, die nach oben hin vielleicht in Verzierungen endigten, sollten wohl die su-He von Schutzgottheiten einnehmen, die den Fngang zum Tempel bewachen. Dann aber fand Sellin, dall eine schon früher entdeckte gn>- fle Steinplatte, deren Zweck man noch nicht erkannt hatte, zweifellos ihren Standort unmittelbar östlich vom Altar hatte und hier als kultische Steinsäule (auch das alte Testament kennt solche) Verwendung fand. Der Tempel, in dem dieses Stcinheiligtum stand, wurde zwar, wie wir aus der Bibel wissen, im 12. Jahrhundert v. Chr. durch Abitnelek zerstört. Da aber, schreibt Proü Jirku. durch die jetzt gefundene Keramik bezeug!i st, dall dieses Heiligtum auch noch in den folgenden Jahrhunderten weiter bestand, so kann kein Z.weictl obwalten, dall dieses Stcinheiligtum den berühmten Stein von Sichern darstellt, der in den Erzählungen von Jakob und Jostta eine iso große Rolle spielt (I. Mos. 33, 20. Buch Josua 24,26). Es 'ist mithin bei den Ausgrabungen von Sichern geglückt, das berühmteste altisraelitische Kultobjekt wieder/utinden. — Ein ausführlichere r'Bericht Bericht Sellins, dem in Fachkreisen mit Spannung entgegengesehen wird, folgt demnächst. t (JTA) Jüdische Verbände u. Gemeinden Die gemeinnützige jüdische FhevermitllunRSSlelle Die gemeinnüt/ige jüdisene F.hevermittltingsstelle soll in erster Linie dazu berufen sein, der jüdischen Ehenot der Gegenwart zu steuern, die Ehelosigkeit zu bekämpfen, den Willen /ur Ehe zu stärken, dadurch die Zahl der jüdischen Ehen zu vermehren und zugleich die der Mischehen ZU vermindern. Es ist eine Tatsache, dall tauseude jüdische jungcMännei Und Mädchen, die durchaus zur Ehe geeignet wären, unverheiratet bleiben. Die Ursachen sind teils innerer, teils äullerer Natur. Fs tragen zur Abnahme der Eheschließungen i n erster Linie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei, vor a Hern die Verarmung des Mittelstandes, welche die Gründung eines eigenen I lausstandes erschweren oder unmöglich machen. Dazu kommt das außerordentlich /erstreute Wohnen der deutschen Juden — 600000 Juden wohnen in mehr als 1500 Orten — wodurch die Anbahnung einer Ehe erschwert wird. Auch die Zunehmende Landflucht ist von erheblichem Einfluß, der/ufnlge vor allem die jüdischen Männer in die Städte einwandern, die jüdischen Mädchen aber vielfach zurückbleiben. Für letztere wird infolgedessen die Auswahl unter geeigneten Ehepartnern stark eingeengt, so dall, wenn nicht die Heiratsanzeige zu einer Eheschließung geführt hat, ihnen, wollen sie nicht ehelos bleiben, als letzter Ausweg nur die Verwandtenlleirat oder die Mischehe übrig bleibt. Den zahlreichen jüdischen Mädchen, die in den Städten als Angestellte tätig sind, steht niemand zur Seite, der ihnen bei der Eheanbahnung unterstützend an die Hand geht. Vielen tüchtigen jüdischen Mädchen ist es unmöglich, zur Eheschließung zu gelangen, weil sie vermögenslos sind. So ist es heute mehr oder minder dem Zufall überlassen, ob die jüdischen jungen Leute zur Verehelichung, die sie ersehnen, gelangen oder nicht. Neben den äußeren sind es innere Gründe, welche die Eheschließungen erschweren: Es sind dies die zu hohen Ansprüche, die vielfach sowohl von Männern wie von Frauen an den Standard der Lebenshaltung gestellt werden, welche der zu schließenden Eh« zugrunde gelegt werden soll. Demgegenüber hat die geplante gemeinnützige jüdische F.lievermittlungSStdle eine dreifache Aufgabe zu erfüllen: 1. Soll sie eine sich über ganz Deutschland erstreckende Organisation der Eheanbahnung darstellen, um all die Hindernisse zu beseitigen, welche jetzt der Eheschließung entgegenstehen. Bestellungen für feine KonOlioreiwaren unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Inn.: Ernst Fischer früher langjähriger Pädttar 4»r Konditorei „Pirat lilchskanzlaT

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