Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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QEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGLML1NDF-, LEIPZIG lieber und städtischer Beh Irden, sowie der sächsischen Gemeinden wies der Vorsicher in seiner Ansprache auf den ältesten Leipziger jjudischen Friedhof hin, der erst IS11 nach mancherlei Schwierigkeiteil •reichtet werden konnte, und auf Jen bis Jetzt benutzten, der »seit 1S()I besteht. Dieser neue sei im Ausmaß der inzwischen beträchtlich gewachsenen Größe der Gemeinde angepaßt Auf einen Sologesang des Herrn Oberkantor s. Lampel (von der Qeffldndesynagogc) folgten die Wdhereden. Herr Qemelnderabbinef IV. Goldmänn legte das alte Wort zugrunde, das seit je auf dem (jüdischen Fried« hol vernommen wird: z'dokoh tazil mimoweß, das in seinem Doppelsinne: „Gerechtigkeit und Menschenliebe errettet vom Tode" zu des Lebenden spreche, mahnend, in Hebung von Gerechtigkeit und Menschenliebe das wahre Leben zu erkennen. So solle dieser Fried« kof, füi die Dauer eines Jahrhunderts gedacht, die Qemeinde zur Pflege von Gerechtigkeit und Menschenliebe aufrufen; so möge auch von außen her den Juden immer mehr Recht und Liebe entgegengebracht werden. Herr (ieineiiiderabbiner Dr. Carlebach sprach von der Aufgabe des jüdischen Friedhofes, die Lebenden aur Selbstbesinnung aufzurufen, ehe es „Zu spät" ist. Nicht nur „ZU tplt", wenn mau hier hinausgetragen wird, sondern auch ,,/u spät" für die Lebenden, den Abgeschiedenen ihre Liebe zu betätigen. So solle der Friedhof anregen, im Hinblick auf die menschliche Vergänglichkeit das Leben jederzeit mit Gutem anzufüllen. Namens stadtischen Behörden gab Herr Stadtrat Dix seiner Qeriugtuuüg über das der Gemeinde und der Stadt Leipzig zur Lbre gereichende Werk Ausdruck, das Zeugnis ablege für die Tatkraft und den Opl'ersinn der Gemeinde. Für den sächsischen Gcmcindecvrband und die einzelnen sächsischen Gemeinden, die sich durch Abgesandte hatten vertreten lassen, sprach Herr Rabbiner Prof. Dr. Winter-Dresden, der auf die geschichtliche Bedeutung der Friedhöfe in Sachsen hinwies; auch die Dresdner Gemeinde werde demnächst an die Errichtung eines dritten Friedhofes seit ihrer Begründung herangehen. Nach nochmaligem < horgesang faßte Herr Oemeinderabbiner Cohn die Stimmung der Stunde in einem Geint zusammen. Der Friedhof sei ein Tribut an die Wirklichkeit, der Tatsache des Todes müssen wir in Demut gegenüber stehen: möge der Friedhof allen denen, die in ihm ihren Schmerz weinen, Trost geben und Kraft, Kraft zum Ueberwindcn, Kraft aber auch, alles Edle und Gute zu Üben. Möge der Segen Gottes Qemeinde, Stadt und Land bewahren vor allem dahinraffenden Verderben. — An die Feier schloß sich ein Rundgang durch die Baulichkeiten. Besondere Hervorhebung verdient, dali die Einrichtungen den Kohanim gestatten, in der Halle an den Trauerfeiern teilzunehmen. / Was kann die Mor.fessori-Melhodc dem jüdischen Kinde geben? Am Mittwoch, den 25. April sprach Frau Vera Rosenbaum in einer, trotz schon en I ruhlingswetters stark besuchten Veranstaltung. Herren *Hüte Das Beste in allen Preislagen Reise-. Sport-, Yacht-, Schüler- und Kinder- Mützen Julius Müller, Leipzig, Petersstr.30 und Gohlis, Haitische Straße 87-89 In G'ih'is a irF Wi-dv. Cravmen und Herrenartikel Gft? 4vrr^ . —»- r- ■____~2j1 J. C. Harufch Frische Blumen für jede Gelegenheit Grimmaische Straße 29 Hauptbahnhof West Fernsprech-Sammelnummer 70156 ■BBa^B^BBaaBOIH des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig über obiges Thema. Ausgehend von der modernen Anschauung, daß Begabung weniger ausschlaggebend ist für Gestaltung des Lebensschicksals als Milieu und Erziehung und dali in jeder jungen Menschenseele viele Anlagen aus Mangel an Pflege verkümmern, berichtete die Rednerih von verschiedensten Versuchen, durch geeignete Erziehungsmethoden beliebig heraus gegriffene Gruppen von Kindein zu oft erstaunlich hohen Leistungen BUf verschiedensten Gebieten, z. B Musik, Zeichnen zu veranlassen. List Maria MonteSSOÜ gelang es durch ihr geniales System, Kindern zu einer selbsttätigen Erziehung innerhalb einer Kindergemeinschaft zu verhelfen. Die Rednerin demonstrierte au dem von dei Finna Kohler und Volkmar freundlichst leihweise überlassenen Entfaltüugsmäteriäl als ein Beispiel für die An der Dinge, welche die DottoresSS den Kindern zum Spieleu erdacht hat, die Farbtäfelchen, an denen das Kind Farbnuancen unterscheiden lernt, ferner den Werdegang des Schreibenlernens vermittels Abtastens des Sandpapierbuchstabens und Nachmalens desselben. Da im Montessorildttderhaus sich jedes Kind seine Beschäftigungsmittel selbst auswählt, so können Hoch- und wenigerbegabte, Spät- und Frühreife miteinander arbeiten, ohne sielt gegenseitig zu hemmen. Das ist für jüdische Kinder, deren Entwicklungstempo erfahrungsgemäß] sehr unterschiedlich ist, von großem VJC'ert. Ueberhaupt hat es sieh gezeigt, dali jüdische Kinder sehr auf die M. M. ansprechen, was von völkischer Seite schon mehrfach als Einwand gegen die Methode ausgesprochen wurde. Noch wichtiger als die bequeme Aneignung von Wissen ist für unsere Kinder das Leben in der Gemeinschaft, das ihnen Gelegenheit gibt, oft veriniftte Tugenden, wie freiwillige Einordnung in ein (ianz.es, Erfüllung selbsterwählter Pflichten, Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Sicherheit und Selbständigkeit zu entwickeln. Der verschärfte Existenzkampf, dem das jüdische Kind entgegengeht, fordert elfte besonders sorgfältige Vorbereitung für das Leben. i , Es folgte auf den sehr anschaulichen Vortrag eine sehr lebhafte Diskussion, aus der als besonders interessant die Schilderung hervorzuheben ist, die Frau Rahe! Fuchs-Chemnitz von dem Werdegang des ersten Montessori-Kindergartens im Freistaat Sachsen gab, der eine Gründung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Chemnitz, ist. Frau Ardel regte die Gründung eines Montessorikinderhauses für Leipzig an. I ran Llse Cohn, die die Veranstaltung leitete wies darauf hin, dali der Gründuugsgedaake privater Initiative entstammt, die Leipziger Ortsgruppe verfolge mit ihrer Veranstaltung nur einen informatorischen Zweck. v Zum Schluß gab I ran I ladassah ( hami/.cr austeile eines Vortrages über „Neuerscheinungen in der modernen jüdischen Literatur", der ursprunglich für dieses Datum geplant war, einen kurzen Extrakt dieses Referats. --^s^iittiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiitif tiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiit.iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiB»». Der Bubikopf Dauerweilen Wasserw-Mlen Haar färben durch Spezialisten Richard Lorenz, Brühl 4 ««EIIIMltlllllVIllllltllllllllf ltllf IT1I1ITiltllllll III1tlllllllTllllllll1lllllll1ttl11IUlll1lllIlllllllIlllIIiaB=» \/jcn%c\, IA : J)if aaeawt SüHsatiunf J Koiut zioa r um/r r l