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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-04-27 · 17 (27.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
17 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN HELIOIONSGEMEINDE, LEIPZIG S«t* 3 1922 1923 1924 19i5 aus Polen aus der Tschechoslowakei 2,bb Pioz. iö,16 Proz. 52 55 „ 18 4Ü „ 57,80 „ "5.77 .. 51,04 _ 18,41 „ 'Der Hauptteil der Polen war in der Landwirlchaft tätig (unter 100 in der Landwirtschaft tätigen ausländischen Arbeitern waren in den 4 Jahren 84,53; 85,51; 8ö,75 und 87,00 Polen); während die Tschechoslowaken vorwiegend in der Industrie beschäftigt wurden (unter 100 in der Industrie tätigen ausländischen Arbeitern wäre» m den 4 Jialiren 32,76; 34,62; 34,80 und 34,11 Tschechoslowaken). Die Feststellungen des statistischen Landesamtes, daß nach Je» Kriege nur ein geringer Bruchteil von den in der Vorkriegszeit M uns beschäftigten ausländischen Arbeitern Beschäftigung landen, und dar» diese Minderzahl dem Friedensbestand des deutschen Heere« gleichkommt, verdient ernsteste Beachtung. Aus: Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge April I92I. Ein Jahr „Orf-Arbeit (Das Jahr 1927 im Leben des Verbandes der „Orr-Gesellschaften) Vortrag von Dr. A. Singalowsky in der Generalversammlung der Oes ellschaft „Ort", Abt. Deutschland I n der am 24. März 1923 stattgefundenen Generalversammlung hielt das Mitglied der Zentral Verwaltung des „Orf'-V erbendes, Herr Dr. A. Singalowsky, einen Vortrag über das Thema „Lin Jahr ,Ort'- Arbeit". In einer sehr gedrängten Form entwarf der Redner ein Bild von den Ergebnissen der „Orf-Tätigkeit für das Jahr 1927 auf den 3 Arbeitsgebieten des „Ort"-Verbandes. I. Für landwirtschaftliche Zwecke sind im Verlaufe des Vorjahrea ca. RM 399000.— ausgegeben worden; davon ca. RM 336000.— in Rußland. Mit Hilfe dieser verhältnismäßig geringen Mittel gelang es dem „Ort", nicht nur in den 27 Siedlungen des Odessaer Rayons 1179 Kolonistenfamilien und in Weißrußland 540 Familien zu bedienen, sondern auch einen neuen Bezirk Perwqmajsk mit über 10000 Hektar in den Kreis seiner Tätigkeit einzuschließen. In diesem neuen Rayon, der sich nördlich von den Odessaer Kolonien befindet, bediente der „Ort" bereits im Jahre 1927 317 Familien^ Insgesamt hat „Ort" im verflossenen Jahre 2054 Kolouistentamilien (= 1U252 Seelen) mit Krediten und agronomischer Anweisung unterstützt. Im Odessaer Rayon wurden mit l lilfe des „Ort" 725 Häuser gebaut, davon 440 im Sommer 1927. Es wurde Baumaterial für neue 3U0 Hauser vorbereitet, die in der ersten Hallte 1Y28 errichtet werden sollen. Damit wird die Wohnungslrage im Odessaer Rayon gelost sein. 54 Brunnen sind angelegt worden, davon 20 im Jahre 1927. Zur Festigung der Wirtschaftslage der Kolonisten trug besonders die im Verlaufendes Vorjahres erlolgte Vermehrung des lebenden und toten Inventars wesentlich bei. (jegenwartig entläßt auf jede Kolonistenfamilie ilurchschiuUlicli ein Minimum von 1.1 Pierd und 1 Kuh. Iii einer ganzen Anzahl von Familien besitzen die Landwirte je 2 Pferde und 2 Kühe pro I amiliei Einige, wie z. B. die Kolonien „Freiheim" und „Frihling" weisen einen Viehbestand von je 3 Pferden und 3 Kühen pro Familie auf. Nun drängt sich die Frage auf, wie es möglich war, mit den oben erwähnten verhältnismäßig geringen Mitteln derartige Resultate zu erzielen. Ohne auf diese Frage ausfuhrlich eingehen zu können, weist Herr Dr. Singalowsky darauf hin, daß die Ergebnisse im allgemeinen dein System von billigen Häusern (7,5x2,5 Klafter für 450 Rubel) zu verdanken seien, sowie den kürzeren Fristen der Kredite zum Erwerb von Inventar und teilweise auch dank dem Umstaude, daß die Vorschüsse vom „Ort" oft als Aufgeld zur Erlangung größerer Kredite (in Form von Sämereien und Arbeitsgeräten aus staatlichen Quellen) verwendet wurden, in der Hauptsache aber sind die erzielten Resultate der unter unserer Mitwirkung gesteigerten Selbsttätigkeit und Selbsthilfe der Kolonisten selbst zu verdanken. Die gewährten Kredite wurden von den Kolonisten pünktlich zurückgezahlt. Für das Jahr 1927 hat „Ort" insgesamt RM 1050000.— ausgegeben Das Budget für das erste Halbjahr 1928 beträgt RM 840000.—. im laufenden Jahre wird „Ort" für landwirtschaftliche Tätigkeit in Rußland ca. 250000 Rubel ausgeben, darunter 00000 Rubel an eingegangenen Rückzahlungen. In diesem Jahre wird sich die Hilfe des „Ort" auf neeue 800 iKolouistcnt'anülien im Bezirke Perwomaysk erstrecken»; Die landwirtschaftliche Arbeit in Polen konnte natürlich von einem viel kleineren Umfange als in Rußland sein, wurde aber auch dort auf gesunden wirtschaftlichen Grundlagen geleitet. „Ort1 bediente in Polen 100 von der Landwirtschaft sieh ernährende Familien 12 landwirtschaftliche Genossenschaften wurden ins Leben gerufen. Von den eingeführten neuen Kulturen sind die llopfenpflanzungen in 2 Kolonien zu erwähnen. In 5 Punkten wurden ca. 10000 Obstbäume gepflanzt; an einem Punkte in der Nähe von Baranovici wurde eine Bienenzucht auf breite Basis gestellt. Im selben Jahre wurden mit Hilfe von „Ort" 4 Milchwirtschaften in Polen gegründet, die sich mit ihren Erzeugnissen auszeichnen und gute Verdienste zu verzeichea haben. — Die landwirtschaftliche Arbeit in Bußarabien verlief während der ganzen Zeit unter schweren Bedingungen. Sie litt auch ■Br* ' Rb*»2U _. _, infolge der ungeregelten Beziehungen zwischen dem liessarabischen „Ort" und dem Verbände der jüdischen Genossenschaften. Letztem wird eine Reorganisierung bei der territorialen Abgrenzung der Arbeitsgebiete von J(.A und „Ort" durchgeführt. Alles in allern investierte „Ort" in den landwirtschaftlichen Arbeiten in Beßarabien übe« RM 42000.— teils in Form von kurzfristigen, meistens aber vc* langfristigen Krediten. An Rückzahlungen gingen im verflossene« Jahre über RM 21000.- ein. Auf dem Qebiete der agronomisches! Unterweisung in Befiarabien wendete „Ort" große Aufmerksamkeit dem Weinbau zu. i» . II. Berufliche Ausbildung. Trotz der schweren finanaietlen Lage wurden im Vorjahre 12 neue Lehranstalten gegründet. Im Verlaufe dieser Zeit sind aber von den II Fachschulen, die ..Ort" in Rußland unterstützte, 9 in das Staatsbudget einbezogen worden. „Ort" ergriff dann die Initiative zur Errichtung von speziellen Fortbildungsanstalten für Lehrlinge, die in der für das Handwerk neu geschaffenen Situation von aktueller Bedeutung sind. Solche gibt w gegenwärtig in Odessa, Minsk und Kiew. — Die Gründung von Muaterwerkstätten für Erwachsene zwecks Produktivierung der Deklassierten wird nunmehr in Angriff genommen. Im allgemeinen unterhielt „Ort" im Jahre 1027 69 Fachschulen mit einer Gesamtzahl VOM Schülern. Im letzten Jahre wurden auch in Gemeinschaft mit JOINT ■nd JCA Kurse für Instruktoren veranstaltet und eine fachliche Konferenz der Verwalter der jüdischen Handwerks schulen organisiert. III. Die Hilfe für den Aufbau des Handwerks gewährte „Orr" durch seine kooperative Einkaufs-Gesellschaft, die im Laufe df Vorjahres jüdische Handwerker mit Produktionsmitteln auf de» Wege von Kredit im Betrage von RM 672000.— versorgte. Niederlassungen dieser Kooperative bestehen bereits in Litauen, Lettland, Polen, Bukowina, Beßarabien und Rußland. Als wichtige Funktion betrachtete die Zentralverwaltung den organisatorischen Ausbau des Verbandes. Eine erfolgreiche Kampagne wurde in Polen durchgeführt. Die Zahl der „Ort"-Mitglieder in Westeuropa hat sich verdoppelt. 20 neue „Ort"-Organisationen ia Europa und 6 „Ort"-Komitees in Südafrika sind entstanden. — Dia nächsten Aufgaben skizzierend, führte der Berichterstatter, Herr Dr. Singalowsky aus: „So groß der Nutzen der Hilfeleistung seitens verschiedener Komitees oder Stiftungen, .amerikanische und; westeuropäische' auch sein mag, so wird doch die Verwirklichung der historischen Aufgabe der wirtschaftlichen Umschichtung letzten Endesdavon abhängen, in wieweit es gelingen wird, die Aufbauenergie der osteuropäischen jüdischen Masse und deren Willen zum Umbau zu organisieren und in Taten umzuwandeln. Das Wachstum des „Ort" hängt mit dem Wachstum der schaffenden Kräfte der beteiligten Massen zusammen. Seine Kraft wurzelt in der volkstümlichen Bewegung, deren Forderung und Ausgestaltung er als sein« vornehmste Mission betrachtet." <i*****W°Kf"*M»l9 RÖTHERfcKUNTZ Quo/itof et 9orm «?*vs t^/o-a-ai^. 2>es»*6ors* sfün-mtisf^tm Vr-mi^m. itsporn <5wai m J^o/t/unt *t f

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