Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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_ gars an den jugendlichen Israael oder die Entsetztheit der Frau Potiphars, der Josef sein Gewand zurückgelassen hat oder der vom Schuldbewußtsein gebeugte Kain — sie alle fesseln nicht nur durch dm Ausdruck, sondern packen durch ihre Farbe: sie schafft den Hauch des Biblischen, das über allem ruht. Dieses Zitternde, Zarte, Weiche, Fließende der Pastelle, das erscheint uns bedeutsamer als der Versuch, möglichsten Realismus in den menschlichen Zügen und der Bekleidung zum Ausdruck biblischer Darstellung zu nehmen. Niemand wird diese Kunst ohne starkes inneres Interesse sehen können. Darum kann der Besuch der Ausstellung nur aufs wärmste angeraten werden. —n. Neuer Chorleiter in der Ez-Chaim-Synagoge Der Chor der Synagoge „Ez-Chaim1' hatte zu den Pcßach-Fciertagca mit einem - besonderen „Repertoire" aufgewartet Man hatte Gelegenheit, zum ersten Mal festzustellen, daß der Chor erst jetzt tatsächlich — wenigstens vom musikalisch-künstlerischen Standpunkt aus — eine Gemeinschaft bildet, die zu Recht den Namen „Chor" verdient. Allerdings sind wir weit davon entfernt, ihn mit allem Lob zu überschütten für seine Leistungen, aber wohl für seinen Fleiß und die aufrichtige Liebe zur Sache. — Der neue Leiter, Herr Gonsky, ist — nach den einigen Kostproben zu urteilen — ein riesig gewandter geschulter Chorführer, unter dessen Obhut wir die tapfere Sangesschar gern und lange wissen wollen. Musja Gottlieb. Bericht über die Generalversammlung fc der Chewra Kaüisdia am 16. Februar 1928 Herr Markendorf eröffnet die Generalversammlung mit den Worten, daß ihm die Leitung der heutigen Versammlung übertragen worden ist, aus Anlaß des Ausscheidens des Herrn Jaocb Elias als I. Vorsitzenden. Herr Markendorf widmet Herrn Elias für seine großen Verdienste während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit bei der Chewra Kadischa wärmste Worte des Dankes und betont, daß er denselben Ehrenplatz einnehmen soll, wie seine Vorgänger. Der Frau Johanna Rabin OWitZ werden persönlich nochmals im Namen sämtlicher Anwesenden Glückwünsche anläßlich der Vermählung ihres Sohnes ausgesprochen, wofür sie sich herzlichst bedankt. Sodann tritt man in die Tagesordnung ein. Der Tätigkeitsbericht für das Jahr 1927 wird verlesen. Zu Ehren der verstorbenen Mitglieder erheben sich die Anwesenden von ihren Plätzen. Herr Isidor Fels enstein als Schatzmeister erstattet den Kassenbericht für das abgelaufene Kalenderjahr. Er führt aus, daß eine ganze Anzahl Mitglieder mit ihrem Jahresbeitrag im Rückstand geblieben sind. Es wird beschlossen, über die zu ergreifenden Maßnahmen in einer der nächsten Vorstandssitzungen zu beraten. Herr Multer beantragt Entlastung des Vorstandes. Diesem wird entsprochen. Als nächster Punkt der Tagesordnung erfolgt die Neuwahl des Vorstandes. Um sich über die Wahlvorschläge zu beraten, wird eine Pause von 5 Minuten angesetzt. Nach Beendigung der Pause unterbreitet der Vorstand nachfolgenden Wahlvorschlag: Pincus Schwarz, Georg Markendorf, Paul Gelberg, Isidor Felsenstein, I. B. Sachs, Aron Dzialowski, Adolf Goldwasser, Nathan Schächter und Josef Wanderer. Herr Cohn stellt den Antrag, daß die Vorschlagsliste des Vorstandes, wenn keine Gegenstimme vorhanden, als gewählt ZU betrachten ist, mit der Einschränkung, daß als I. Vorsitzender Herr Georg Markendorf, II. Herr Oelberg und III. Herr Dzialowski in Frage kommen. Die noch zu wählenden Vorstandsmitglieder sollen durch Acclamation gewählt werden. Herr Braun stellt den Antrag, die Wahl durch Stimmzettel vorzunehmen. Der Autrag des Herrn Cohn gelaugt ztir Abstimmung. Da das Resultat ergibt, daß eine Stimme gegen diesen Antrag ist, führt Herr Dzialowski aus, daß demzufolge die Wahl durch Stimmzettel zu erfolgen hat. Herr Braun empfiehlt, die Namen der vorstehend genannten 3 Herren auf einen und die übrigen 6 Namen auf einen zweiten Stimmzettel zu setzen. Mit diesem Vorschlag erklärt man sich einstimmig bereit. Es wird nunmehr nach vorgenommener Wahl das Ergebnis des I. Stimmzettels verlesen. Georg Markendorf 28, Paul Oelberg 21, Aron Dzialowski 30 Stimmen. Das Ergebnis des /weiten Stimmzettels ist wie folgt: Adolf Goldwasser 32, Isidor Felsenstein 31, LB.Sachs 29, Pincus Schwarz 28, Josef Wanderer 27, Nathan Scliächter 27, S. Multer 7, D. Jackson 5, A. Straufl 2 Stimmen. Die im Vorstand gewählten 9 Herren nehmen die auf sie gefallene Wahl dankend an. ' Herr Markendorf als Ii Vorsitzender führt aus daß er sich der Schwere seines Amtes voll und ganz bewußt ist. Er bedauert dt« große Interesselosigkeit der Chewra-Mitglieder, welche in dem mangelhaften Besuch der heutigen Generalversammlung stark zu Tag« tritt. Selbst von Seiten des Gemetndevorstandes sei niemand erschienen. Da die Ausübung der Tätigkeit der Chewra-Mitglieder aut dem neuen Friedhof große Anforderungen an jedes einzelne Mitglied stellt, bittet Herr Markendorf herzlichst um größeres Interesse für die Bestrebungen unseres Vereins. Der Antrag der Herren Ernst Beer, Raphael Oppenheime» und Adolf Strauß, betreffend Einführung eines gemeinsamen Fast» tages, wird verlesen. Herr Adolf Goldwasser bittet, den Fasttag nicht auf den lag der Generalversammlung festzusetzen. Herr Rubinstein fügt dem Antrag Beer usw. ergänzend hinzu, daß nach einem Fasttag auch eine Sude folgen muß. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Carlcbach in ausführlichen Worten erklärt, wie in anderen Gemeinden ein solcher Tag begangen und durch eine Sude beschlossen wird, bittet er nunmehr diese schon lange ersehnte Anregung in die Praxis umzusetzen^ Nach einer längeren Aussprache unter den Herren Dzialowski, Merkin und Rabbiner Dr. Carlebach, bei welcher durch Herr» Dzialowski besonders betont wird, daß es Pflicht eines jeden Mitgliedes wäre, namentlich derer, die an der Tahara teilnehmen, an dem festzusetzenden Tage zu fasten, wird der Antrag, einen < hewra- Fasttag und eine Chewra-Sude am 15. Kislew festzusetzen, einstimmig angenommen. Der Vorsitzende spricht Frau Oppe nachträglich im Namen der Chewra-Mitglieder die herzlichsten Glückwünsche anläßlich der Vermählung ihres Sohnes aus. Herr Rubinstein beantragt, die Beerdigungen nachmittags vorzunehmen, da es verschiedenen Geschäftsleuten unmöglich sei, um die jetzige Zeit abzukommen. Herr Marken dorf rät von einer Aenderung dringend ab, da es den meisten aktiven Mitgliedern leichter sei ihre Mittagspause zu verkürzen, als nachmittags während der Geschäftszeit sich zu befreien, um an den Beerdigungen teilnehmen zu können. Die jetzige Zeit wäre schon zur Gewohnheit vieler Mitglieder geworden. Herr Oppenheimer stellt den Autrag, die Beerdigungen an Freitagen früher anzusetzen. Auch hiervon rät Herr Markendorf ab. lieber den Antrag des Herrn Scliächter, die Beerdigung 12,45 Uhr vorzunehmen, soll in der nächsten Vorstandssitzung beraten werden. Herr Merk in stellt den Antrag, daß bei Beerdigungen das Kaddischgebet nicht wie bisher am Grabe, sondern in der Halle gesprochen werden soll. Herr Dzialowski dankt Herrn Merkin für die gegebene Anregung und richtet an die Anwesenden die Frage, ob sie sich damit einverstanden erklären, w enn diese Frage in der nächsten Vorstandssitzung erörtert wird. — Herr Rabbiner Dr. Carlebach ist der Ansicht, daß der Gemeindevorstand zu einer solchen Neuregelung seine Zustimmung geben würde. Zum Schluß stellt Herr Merkin den Antrag, daß darauf hingewirkt werden soll, daß die I eidtragenden das Grab nicht früher verlassen, bis dasselbe mit einem kleinen Flügel versehen ist. Nachdem die Angehörigen dem Verstorbenen durch Einwerfen einer Hand voll Erde die letzte Ehre erwiesen haben, soll aus einer bereitstehenden Karre, die mit Erde gefüllt ist, das Grab möglichst schnell gefüllt werden, wie es in einigen Gemeinden (z. B Hävern) Brauch sei. Herr Markendorf steht dem Antrag des Herrn Merkin sehr sympathisch gegenüber und stellt den Antrag, daß auch über diese Anregung in einer der nächsten Vorstandssitzungen beraten werden soll. Er bittet gleichzeitig Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, die J. C. HaniTch Das Blumengeschäft für Jedermann Grimmaische Straße 29 Hauptbahnhof West Fernsprech-Sammelnummer 70156