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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-03-23 · 12 (23.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG Seite 4 ders. Das Geld wunlt dem Rabbiner von Kowno, Rabbi Jizchak Elchanan und dem Rabbi Israel Salant übergeben. Sollte sieb die Zahl der Kandidaten vermehren, versprach der Spender ihnen die ganzen Einkünfte seines im Gouvernement Suwalki gelegenen Gutes zu widmen Rabbi Jizchak l'lchanan (gest. 1896) erfreute sich wegen seiner großen Gelehrsamkeit und seines mit strengster Frömmigkeit gepaarten milden Wesens bei den Juden der ganzen Welt hohen Ansehens, er stand an der Spit/e einer grollen Jeschiba in Kowno. Kaum hatten die Mittat-Junger von Kehn den Braten gerochen, als sie haufenweise nach Kowno kamen. Hier bildeten sie eine besondere Partei oder Gruppe unter den „Bachurim" (Jünger). Anfangs war der Gegensatz /wischen ihnen und den anderen nicht merklich; sie scharten sieh um die Fahne und um das Schlagwort des „Musar", das immer mehr von seinem ursprünglichen Inhalt verlor und KU einem Aushängeschild für egoistische Partei/wecke wurde. Die „Moralisten'- hielten sich für die Vornehmeren und Besseren, und damit für berechtigt, die Stipendien und alle anderen Benefizien zu beanspruchen, sowie bei Rabbinerwahleu bevorzugt zu werden. Der rein ideale Streit hatte materialistische Formen und Ziele angenommen. Es scheint, daß die Spende des Wohltaters dein Rabbiner Jizchak Elchanan den Ansporn gab, eine grolle Aktion zur Förderung der itauischen Jeschiboth einzuleiten. Er stand mit Rabbinern und jüdischen (iemeinden der ganzen Welt in Briefwechsel, da es seine Spezialität war, Nachforschungen nach verschollenen Auswanderern anzustellen, deren Frauen in der Heimat zurückgeblieben waren (Agunoth). In der Tat bewirkte der Aufruf des Kownoer Rabbiners, dall bedeutende Summen hei ihm für die unter seiner Leitung stehenden Lehranstalten einliefen. Es wurde versichert, dall in manchen Jahren die lieträge die Höhe von hunderttausend Rubeln erreichten. Der Rabbiner, der sich fast ausschließlich um die geistige Leitung der leschiboth, ferner um öffentliche Angelegenheiten kümmerte, iberdies von einer weit ausgreifenden literarischen Tätigkeit in Anspruch genommen war, überließ das finanzielle tiebahren und die personlichen Angelegenheiten der 1 lörer einem seiner Mitarbeiter, namens J. Blaser, einem Jünger des Rabbi Israel Salant, der ein stiller Anhänger und Förderer des „Musar" war. Die „Moralisten" hatten in ihm also einen heimlichen und offenen Protektor. Ihr Einfluß nahm immer mehr überhand, sie verdrängten alle, die sich ihnen entgegensetzten. Da das Studium der Moral- und Frhauungsbücher, sowie die Kontemplation und das müßige Träumen leichter und angenehmer sind, als die mühseligen Talmudstudien, so gewann diese Richtung immer mehr Parteigänger, stieß aber die ernsteren und besseren I lementc ab. Es kam zu Streitigkeiten, die öffentliche Meinung wurde aufmerksam, schließM h verlor Rabbi Jizchak Elchanan das blinde Vertrauen, das er in seinen Mitarbeiter Blaser gesetzt hatte und stellte eine Untersuchung an, deren Ergebnis darin bestand, daß Blaser die finanzielle Leitung niederlegte. Kommcrzienrat I achmann trat jedoch auf die Seite der „Moralisten'', die ihn durch ein merkwürdiges Mittel gewannen. Eines Nachts hatten alle Moralisten von Kowno den gleichen Traum; ein Vers aus dem sahbatlichen Brautlied für den Gottesdienst am Freitagabend, in dem das Wort „Beth- Halachmi" vorkommt, war ihnen im Traum erschienen. Tief erschüttert über dieses Ereignis, traten die angesehensten Führer zu einer Beratung zusammen und fanden nach langem Nachdenken die Deutung des Traumes; durch diesen hatte ihnen der Himmel kundgetan: wenn das Haus Lachmann ihnen reiche (iahen zuwendet, so wird dadurch die Erlösung Israels und das Kommen des Messias beschleunigt. Der Traum und die Deutung wurde nach Berlin übermittelt, und als Antwort trafen abermals zehntausend Rubel ein; ferner übergab der (ieheimrat sein Gut im Gouvernement Suwalki einem der Führer der „Moralisten" zur freien Verfügung der Anhängerschaft. Blaser hatte jetzt die Mittel, eine besondere Kasse zu gründen und den Kampf aufzunehmen. Aber erst nach dem Tode des Rabbi Jizchak Elchanan (ISMO) wagten sie es, einen richtigen Krieg zu organisieren und herausfordernd aufzutreten. Die Spannung wuchs immer mehr; endlich kam es häufig zu Schlägereien, die größeren Umfang annahmen. Jetzt traten (18u7) die angesehensten Rabbiner hervor und kennzeichneten in einer sehr würdigen, aber ebenso energischen Kundgebung den Moralismus und seine Anhänger vor der ganzen jüdischen Öffentlichkeit. Die besten Schichten sahen die Hohlheit seiner Lehren und die Verwerflichkeit im Treiben seiner Anhänget ein. Der politische Zion'smul, der sich um dieselbe 7eit ausbreitete, zeigte der Jugend neue Ideale und lockte sie aus dem Gebiete dieses ganzen Streites hinweg. Der „Moralismus" verfiel immer mehr. Die Musar - I läuser verödeten. Um das Jahr 1910 war nur das Musar-Haus in Kowno geöffnet. Die Zusammenkünfte fanden meist in den Wohnungen der älteren Anhänger statt. In einer Vorstadt von Kowno hatten sie eine Jeschiba unter dem Namen „Keneseth Israel" zur Erinnerung an den Stifter Rabbi Israel Salant gegründet, aber dieses I ehrhaus wurde von allen begabten und strebsamen Jüngern gemieden. Die ganze Bewegung ist in Nichts zerronnen, nur die Frinnerung au die Persönlichkeit des Stifters ist geblieben. Es war ein echter Idealist, voll reinen Strehens, ganz, uneigennützig, voll uncrschütterlchen Glaubens an sein Ideal, voll Tatkraft und Opfermut. Wäre sein Ideal wirklich wertvoll gewesen, er hätte trotz der traurigen Kulturarmut des Milieus Großes für sein Volk und vielleicht für die WeR wirken können. Jüdische Verbände u. Gemeinden .lugcndtagurg in Dresden Am 27. und 28. Mai 1928 findet in.Dresden die VII. Ordentliche Delegicrtcntagung des Verbandes der jüdi sehen Jugendvereine Deutschlands statt. Das Thema der Tagung ist „Unser Weg in die Wirklichkeit". In einem grundsätzlichen ersten Referat „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit" soll die Bedeutung der objektiven Erziehungtwertc für die Persönlichkeitsbildung des Jugendlichen unsrer Tage dargestellt werden. Das zweite aus zwei Teilen bestehende Referat wird sich ganz den Fragen praktischer Arbeit zuwenden. Der erste Teil wird die Möglichkeit eines Mindcsterziebungsprogramms für unsere Bünde zu überprüfen haben, während der zweite Teil die Aufgaben der Jugend in der Gemeindearbeit behandeln wird. Im Schlußreferat soll schließlich der Wille unseres Verbandes zu titiger Mitarbeit an den allmcnschlichen Problemen unserer Zeit in einem Weltbund der Jugend Ausdruck finden. Leopold Lyssow Sieckner Pawage, Tel. 29183 Sp rial-Geschäft feinster Schokoladen Heller — Kohler Hamann Rumpelmayer Zur Vorbereitung der Tagung hat sich unter dem Vorsitz des Heran Rechtsanwalt Paul Salinger, Dresden ein Ehrenausschuß gebildet, dem außer einer Anzahl Persönlichkeiten aus Dresden noch folgende Herren und Damen angehören: Rabbiner Dr. Leo Bacck, Berlin; Rabbiner Dr. Hugo Fuchs, Chemnitz; Josef Kahn, Chemnitz; Otto Schlesinger, Wilischthal b. Zschopau; Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Bin Ums. fir m\ tili lisTri Früüiaürs-MoilBUB StagtpaapnschHht beige, nußbraun, i Q QA rose. Abs. LXV lü. SpartRenichuhe beige Boxcalf rn mit Trotteur I / DU u. I.XV Abs lu> Herren-Halbschuhe Harren-Lack-Halbschuh braunBoxcalf, Rahmenarb. 14.90 weiß, gedoppelt elegante Form Reizende Kinderschuhe dla Ittztan FrOhjahrsnauhelten In Rlrsenauswaht xu billigsten Preisen i unseren modernen Schau- |fen»letnzclij«-nwlrlti >en die I neuest« n h~rUh|c>l\rs-Modelle I In noch nie dagewesener Relrhhnltlgkell i Varnhagen Relcrtsstr. 48-44 (Eck« Brühl)

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