Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ♦ 75 Jahre Israelitischer Frauenverein Die diesjährige Generalverammlung des Israelitischen Frauenvereins, die am Mittwoch, den 14. Marz 1Q28 stattfindet, wird ein besonderes Gepräge durch die Feier seines 75-jährigen Bestehens verliehen. An die Generalversammlung (Beginn 16,30 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstr. 1) schließt sich eine kleine Feier mit geselligem Beisammensein an. Jüdischer Künstlerabend Das Purimfest des Keren Kajemeth Lejisrael am Mittwoch, den 14. März im Großen Festsaal des Centraitheaters verspricht, hervorragende jüdische Kunst zu bieten. Außer den prominentesten Mitgliedern der palästinensischen Künstlertruppe, Tel-Aviv: Meir Teomi, Frau Perkai und Rafael Klatzkin, die _ w'jc wir schon berichteten — in Berlin durch ihr vielseitges Können allgemeine Bewunderung fanden, ist es der Festleitung gehingen, die hervorragende Interpretin des judischen Volksliedes, Frau Rahel Kaufmann, Berlin für die Veranstaltung zu gewinnen. Die junge Leipziger Pianistin, Frl. Bobby Lentschner hat sich ebenfalls in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt. Es ist zu begrüßen, daß auch in Leipzig wieder einmal ein rein jüdischer Künstlerabend veranstaltet wird, der bestimmt lebhaftes Interesse findet. Statistisches zur letzten Gemeindewahl Zu dem in der letzten Nummer veröffentlichten Ergebnis der Gemeindewahl vom 26. Febr. dürfen nachstehende Zahlen auf Interesse rechnen. Die auf die vier Vorschlagslisten abgegebenen Stimmen verteil— sich wie folgt: Reichs- Nichtreichsinsdeutsche deutsche gesamt Liste I: Poale Zion 57 530 596 „ II: Volkspartei 256 1289 1545 ,. III: Liberale 981 74 1055 „ IV: Vereinigte Orthodoxie 171 973 1140 Insgesamt abgegebene Stimmen 1465 2880 4345 Für die Wahlbeteiligung ergibt sich folgender interessanter Vergleich: Wahl 1925 3778 41,5«,u aller Wahlberechtigten Wahl 1927 (Nov.) 4Ö29 - 42,47<>:o „ Wahl 1928 (Febr.) 4345 - 45,8«/» „ „ Danach ist die Wahlbeteiligung in beachtenswertem Wachsen begriffen. Nach der Staats/ugehörigkeit verteilen sich die abgegebnen Stimmen: i 1465 Reichsdeutsche 33,71 "u aller abgegebenen Stimmen 2880 Nichtrcichsdeutsche 66.29% „ „;; 4345 =l00,00o.o Da das Verhältnis der reichsdeutschen zu den nichtreichsdeutschcn Wahlberechtigten wie 31,5:68,5 ist, ist ersichtlich, daß die Beteiligung der Reichsdeutschen im Verhältnis größer war als die der Nichtreichsdeutschen. Das zeigt auch die Berechnung des Verhältnissatzes zur absoluten Zahl der Wahlberechtigten Gewählt haben 49,03% aller reichsdeutschen, 44,32"., aller nichtreichsdeutschcn Wahlberechtigten Generalversammlung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig Am Montag, den 27. Februar d. J. fand im Feurichsaal die diesjährige Generalversammlung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig statt, die mit einer Neuwahl des Vorstandes verbunden war. Anstelle der ausscheidenden, langjährigen Vorstandsmitglieder Frau Flora Cahn und Frau Gertrud Carlebach, die sich genötigt sahen, eine Wiederwahl nicht anzunehmen, wurden Frau Erna Kölner und Frau Lotte Sachs gewählt. Die Wahl der vom Vorstand bereits kooptierten Frau Bettina Brenner wurde bestätigt Im übrigen wurde der alte Vorstand wieder gewählt. Auf den geschäftlichen Teil folgte ein Vortrag von Frau Bettina Brenner über das Thema: „Was uns angehr". Leider kam der gehaltvolle Vortrag infolge eines plötzlichen Ucbelbefindens von Frau Brenner nicht vott zur Geltung. Sein Inhalt sei in kurzen Umrissen hier wiedergegeben. In den Kreis unserer Interessen fällt alles, angefangen von der j.heiligen, Kleinarbeit" innerhalb, der Familie bis zu den großen weltwirtschaftlichen Abmachungen der Politik. Der zunächstliegende Intercssenkreis der Frau ist die Familie; oder sollte es sein. Die Zeitverhältnisse haben es mit sich gebracht, daß vor 3 Jahren auf der großen Frauerrwoche in Köln eine ganze Tagung unter den Gedanken „Erneuerung de» Familie" gestellt werden mußte. Auch der jüdische Frauenbund bemüht sich, die jüdische Frau zu einem vertierteren Erkennen ihrer Familienpflichten zu führen; die Sabbathstubc auf der üesolei, die Herausgabe des Kochbuchs gehen auf die Interessen der jüdischen Hausfrau ein. Die jüdische Frau soll aber auch mit offenem Auge die bevölkerungspolitischen Vorgänge sehen, den erschreckenden Geburtenrückgang, die Dezimierung jüdischer Reihen durch Taufe und Mischehe, die immer mehr in Brauch kommende Spätehe, alles Erscheinungen des Westjudentums. Eine Erziehung unserer Jugend zu größerer Anspruchslosigkeit kann das Eingehen von Frühehen erleichtern. Versicherungen, Brautausstattungsvereine sollen als in «fiesem Sinne wirkende, gemeinnützige Einrichtungen gefördert werden. Die jüdische Mutter soll sich Kenntnisse auf den verschiedensten Gebiet ten, auch auf dem des jüdischen Wissens schaffen, weil sie sonst ihren Kindern keine Führerin sein kann. Der zweite Interessenkreis der jüdischen Frau ist die soziale Arbeit. Die Vortragende hob aus diesem weit verzweigten Gebiet zunächst die Erholungsfürsorge hervor, die für Kinder garnicht früh genug einsetzen kann, die für den jugendlichen Menseben in die Zeit seiner psychischen und physischen Entwicklung so notwendig ist und die dem berufstätigen Menschen seine Spannkraft erahlten soll. Von großer Bedeutung ist die Arbeit für die gefährdete Jugend: Rechtzeitige Unterbringung in Erzieungsheimen, nachgehende Fürsorge bei der Entlassung sind prophylaktische Mittel, Schaffung von Abendheimen oder noch besser von Gemeindeheimen, die zu Sammelplätzen für die Jugend werden, sollen gefördert werden. In den letzten Jahren ist die Zahl der jüdischen unehelichen Kinder und der jüdischen Prostituierten gestiegen. Aufnahme jüdischer Hausangestellter in jüdischen Häusern, Gewährung von Familienanschluß können Abhilfe schaffen. Der dritte Interessenkreis der jüdischen Frau soll ihr geistige Werte geben. Der Kalender des J.F.B, und die Blätter d. J.F.B, suchen die jüdische Frau geistig anzuregen, und sind gleichzeitig nach außen hin Beweise für das hohe, geistige Niveau des jüdischen Frauenbundes. Sie weisen dem geistigen Streben der jüdischen Frau die Richtung. Vertiefung soll aber durch intensives Lernen gefunden werden, das in Kursen, Arbeitsgemeinschaften gepflegt wird. Aus der Beschäftigung mit der jüdischen Lehre erwächst die Liebe zum Mitmenschen. EA-SCHÜTZ hervor r aqendo Qualflätsmöbel aus eigener Fabrik Leipzig Kffrnersfe 54-56