Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE, LEIPZIG Saite 3 druck, wie stark die jüdische Mitarbeit in Argentinien bei allen Fragen des Mädchenschutzes und der Bekämpfung des Mädchenhandels sei. Dta Arbeitsgemeinschaft nahm im übrigen von den Ergebnissen der eben erwähnten Beratungen ihrer Unterkommissionen Kcnntms, bestätigte die Wahl von Frau Paula (Hiendorf f-Breslau zur Mit Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Jüdische Gefährdeten fürsorge" und Wählte eine Anzahl von Vertreteiii anderer Organisationen, teils in ihren Kreis, teils in ihre Unterkommissionen hinzu. Ferner wurde der Arbeitsgemeinschaft ein eingehendes Rundschreiben über die Mitwirkung der jüdischen Wohlfahrtspflege in der neugeregelten Geschlechtskranken- und (iefährdetenfürsorge, das demnächst gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund versandt werden soll, zur Genehmigung vorgelegt. Schließlich wurde ein kurzer Bericht über den Stand der Verhandlungen wegen stärkerer Mitarbeit der jüdischen Jugendwohlfahrts- und üefährdetenfürsorge im Allgemeinen Deutschen Fürsorge-Erziehungstag gegeben. Alle Anfragen, die in diesem Bericht erwähnte Arbeitsgebiete im allgemeinen und besonderen betreffen, werden an die Arbeitsgemeinschaft „jüdische Gefährdetenfürsorge" oder ihre Unterkommissionen, sämtlich Berlin N 24, Oranienburger Str. 69,11, erbeten. Vom Hilfsvercin der deutschen Juden Nach Friedensschiuli hat der Hilfsverein seine Tätigkeit auf dem Gebiete der Auswandererfürsorge wieder in erweitertem Umfange aufgenommen. Außer der Zentrale in Berlin bestehen Komitees in den Hafenstädten Hamburg und Bremen, ferner üben Vertrauensleute des Hilfsvereins Auswandererfürsorge an den Grenzen und im Reiche aus, u. a. in Eydtkuhnen, Königsberg i. Pr., Stentsch, Osnabrück und Bentheim. In den Jahren 1921—1927 gingen über den Scblesischen Bahnhof, Berlin, wo der Hilfsverein eine Fürsorgestelle organisiert hat, rund 136000 jüdische Aus- und Rückwanderer, über Hamburg 'JbOOO Emigranten, über Bremen 11300 Emigranten. 7000 Personen wurde in der Zentrale Berlin eingehende individuelle Beratung und Fürsorge zuteil. Durch das „Korrespondenzblatt für jüdische Auswanderungsangclegenheiten1' informiert der Hilfsverein deutsche und außerdeutsche interessierte Kreise über Ein- und Auswanderungsvcrhältnissc. Im Jahre 1927 ist der Hilfsverein der Internationalen Konfcrcnzgcmeinschaft der privaten Vereinigungen für Auwaudcrersehutz iii Genf und dem Flüchtlingskonütcc (Refuges Advisory Comtnittee) des Internationalen Arbeitsamts, ebenfalls in Genf, beigetreten. Der Hilfsverein hat in den Jahren 1924—1927 rund 490000 Mark für Auswandeerrfürsorge aufgewendet. Er vermittelt Geldsendungen in großem Umfange zwischen den überseeischen Ländern und Rußland, sowie den Briefwechsel zwischen Polen und Litauen, die postalischen Verkehr miteinander nicht haben. Für die Opfer der Hungerkatastrophe, die Rußland 1921-22 betroffen ha», gab der Hilfsverein Mittel her, die bei der Wicdcraufrichtung jüdischer Ackerbaukolonien und für die Beshcaffung von Medikamenten Verwendung fanden. Fr unterstützte in den letzten Jahren EndehungsanstaUen und Waisenhäuser in I Hauen und Polen, und Iristete bei elementaren Katastrophen l Ulfe. Der Hilfsverein hat 1922 die Erziehung von Waisenkindern aus der Ukraine in Deutschland Übernommen und sorgt für denn berufliche Ausbildung und weitere Unterbringung. Die Hilfsaktion für ausländische jüdische Studierende in Deutschland führt er seit 1924 durch; dank derselben konnten in den letzten Jahren mehrere hundert Hochschüler ihr Studium in Deutschland beenden. In den Jahren 1921 1927 wurden für Waisen- und Studentenhilfe 225000 M ausgegeben. Die neuen Verhältnisse in Osteuropa und im Orient stellen den Hilfsverein vor neue Aufgaben. In den Sowjetrepubliken ist infolge der gewaltigen wirtschaftlichen Umwälzung eine Abwanderung von Teilen der judischen Bevölkerung auf das platte Land eingetreten. Mit der Verstaatlichung von Mandel und Gewerbe wurde di r jüdischen Bevölkerung die ökonomische Grundlage entzogen, die sie sich wieder zu schaffen sucht in der Landwirtschaft, in der Industrie und in einigen Kleingewerben, Benifen, die ihr zum groben Teil bis jetzt verschlossen waren. Diese Umstellung ist für die russischen Juden eine Existenzfrage. Die Sowjetregierung unterstützt die Landansiedlung der Juden durch Unentgeltliche Ueberlassung von Grund und Hoden. Der Agro-Joint, eine Zweigorganisation des Auiericau Joint Distribution Cominittee, die Jewish Cokonization Association und verschiedene andere WohlfchrtsgeseUschafteu leihen ihre Mithilfe bei der Finanzierung und Durellführung der Kolonisation. Seit 1925 konnten bereits über 12000 Familien in der Krim, im Süden der Ukraine, in Weißrußland, im nördlichen Kaukasus, in Usbekistan und In mehreren anderen Teilen der Sowjetunion angesiedelt werden. Einige hundert jüdische Dörfer sind entstanden. Die jüdische Landansiedlung ist Gegenstand allgemeinen Interessen geworden. Auch in IX^utschland wurde in vielen Kreisen der Wunsch rege, sich an der Aufbauarbeit im Osten zu beteiligen. Im Auftrage des Hilfsvereins begaben sich im November 1926 Dr. Paul Nathan und Dr. Mark Wischnitzer zur Teilnahme an einer joV dischen Kolonisationskonferenz nach Moskau. Dr. Wischnitzer oev reiste im August 1927 die Kolonien. Eine Reihe wichtiger Aufgaben ist bei dem Wiederaufbauwerk noch zu erfüllen. In den Kolonien herrscht großer Mangel an Krankenhäusern, Ambulatorien, Badeanstalten, Schulhäusern, Kindergärten und Kinderhorten. Die Lehrwerkstätten in den jüdisheen Gewerbeschulen sind veraltet und abgenutzt. Sie bedürfen dringend einer Renovierung and Anpassung an mdemeo Anforderungen. Hier eröffnet sich für den Hilfsverein ein großes Arbeitsfeld. Der Hilfsverein hat seine Popularität in der jüdiscen Bcvölkefirungj Rußlands nicht eingebüßt. Seine Bereitschaft, sich an der Arbeit für dieselbe wieder zu beteiligen, wird freudig begrüßt. Im Aufbauwerk für die Glaubensgenossen im Osten wird die tatkräftige Hilfe der deutschen Juden, wird die Leistung der deutsch» Wirtschft und Technik von großer Bedeutung werden können. Unsere Gemeinde; Vortragsreihe: Der Jüdische Prophetismus I Der dritte Vortrag des Herrn Gemcinderabbincr Dr. Goldmann in der Reihe: der jüdische Prophetismus behandelt den Prophetcni I „Jeremia". Der Vortrag findet am Mittwoch, den 14. März, punkti lieh 20 Uhr im Konferenzzimmer der Höheren Israelitischen Schule; (Gustav-Adolf-Str. 7) statt. . Israelitischer Wohltätigkeitsverein zu Leipzig Abt. Solbadkolonie Dürrenberg (Alfons Jacobsohn-Kinderheitn) Das Kinderheim wird am I, Mai ds. Js. eröffnet. Es werden 5 Kolonien hinausgeschickt. Anmeldungen für sämtliche Kolonien worden entgegengenommen im Gemeindeamt, Löhrstr. 10 pt. am Montag, den 5. März 1928, am Montag, den 12. März 1928, am Montag, den 19. März 1928, von 11 — 12 Uhr vormittags. Spatere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. •TAGLICH ÜBER 100000 AUFLÄGE© o o JteUG&ii #S DO feitu ngf 9BZVOSPR&/S MO *OSATUCH POSTBEZUU IM WtttiL BLSTELLüItU) O o o cn m TÄGLICH OBER lOOOOP AUFLA6E*