Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4876568-5968788-5969017--1649-4879302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE, LEIPZIG auch der Gemeinde-Armenkasse seinen jährlichen Zuschuß von 1000 Mk, reduzierte ihn dann auf 500 Mk. und mußte von dieser Zeit, also 1807 ab. durch das Anwachsen der eigenen Verpflichtungen »eine Mittel fur seine Sonderaufgaben verwenden. Mit der rapiden Vergrößerung der Gemeinde mußte auch in Wohlhmrtsauf gaben eine Arbeitsteilung eintreten, eine Spezialisierung wurde nötig, lud SO entstanden neue Vereine mit Finzclaiitgabcn, so die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund ins Leben gerufene „Darlehnsksase für jüdische Frauen und Jungfrauen'', die leider Wieder eingegangen ist, und viele andere, die noch heute segensreich wirken. Alt die Aeltesten sind zu nennen: Hie Wohltätigkcitskasse der Gesellschaft der Freunde, die Mendelssohnstiftung, der Hilfsverein Israelitischer Gewerbetreibender, die Altersversorgung, der Kinderhort, die Speiseanstalt. Den Zeiterfordernissen paßte sich auch der Frauenverein an und spezialisierte im Jahre 1880 seuic Aufgabe. Er bezeichnet \"it mm an als sein Programm: „Unterstütr nmg hilfsbedürftiger jüdischer Frauen und Mädchen." Dieser Bestimmung ist er bis auf den heutigen Tag treu geblieben. rüchtige jüdische Frauen, denn Wunen noch heute in der Gemeinde bekannt sind, haben an der Spitze des Frauenvereins gestanden; so bis /um Jahre 18.SI) Iran Hertha Oppenheim er, die wohl auch in interkonfessioneller Arbeit viel geleistet hat, denn sie wird in alten Berichten immer als „eine Dame hoher Orden" bezeichnet. Sie w ar die erste Vorsitzende oder nach damaliger Bezeichnung „Obervorsteherin". Diese Benennung ist noch bis /um Jahre I92Q für die 1 eiterin des Frauenvereins beibehalten worden. Nach dem Tode von Frau Oppenheimer trat an ihre Stelle Frau Fanny Finkeist ein, die gemeinsam mit Frau Eleonore Frankel und Frau Mal win e .Weyer die Geschäfte des Vereins führte. I etztere hatte vom Jahre 1886 1895 den Vorsitz inne. Im Vorstand trat durch den Tod von Frau Eleonore Frankel, der im Jahre 1889 erfolgte, wiederum eine Veränderung ein. Frau Henriette Magnus trat an ihre Stelle. Vom Jahre 1895 ab Setzte sich der Vorstand aus den Damen Iran Mathilde Ooldschmidt, Frau Henriette Magnus und Frau Fanny Oppenheimer zusammen. Frau Magnus starb bereits im Jahre 1899 und der Frauenverein gewann an ihrer Stelle in Frau Rosa Porges eine neue Mitarbeiterin, die leider auch schon nach kurzer /eil im Jahre 1911 st irb. Der Vorstand erfuhr eine Ergänzung durch Frau Bertha Levy. Ah auch im Jahre 1914 Frau Fa nny Oppenheimer ihr Amt niederlegen mußte, trat Frau Amalie Zander in den Vorstand ein. Der Vorstand, der bisher immer nur aus 3 Frauen bestanden hatte, wurde jetzt zeitgemält erweitert, so dali er sich von nun an aus «) Frauen zusammensetzte, vom Jahre 1925 an sogar aus 'Ii Frauen. Nachdem Frau Mathilde Ooldschmidt nach 25-jähriger Tätigkeit ihr Amt als Obervorsteherih niedergelegt hatte, übernahm Frau Amalie Zander den Vorsitz, den sie heute noch führt. In dieser Zeit ist die Mitgliederzahl auf 52b angewachsen. Unsere Leipziger Gemeinde hat wenig Tradition, aber das Wenige an Tradition ist im Frauenverein verkörpert. Er ist ein Stück Alt- -l.cipzigcr jüdische Oeselüchte, eng verknüpft mit Erinnerung an die Familien, die im Leipziger judischen Leben eine Rolle gespielt haben. Und es müßte für alle die, welche noch personliche Bindungen an die durch den Frauenverein gepflegte I radition besitzen, ein Akt der Pietät sein, gerade den Verein zu fördern, dem ihre Vorfahren ihre Arbeitskralt geschenkt haben. Aber auch ganz unabhängig von 'allen Pietätsempfindungen muß man den Frauenverein als eine Einrichtung werten, die aus dem Leipziger Gcmeindelcbeii nicht weggedacht werden kann. Wer unsere Eürsorgearbeit kennt, weilt, weich eine wertvolle Ergänzung fur die (lemeindewohlfahrtspflege der Frauenverein bedeutet, wie oft er als letzter und unentbehrlichster Hilfsquell in Anspruch genommen wird. Unendlich viel kranken Frauen sind durch den Frauenverein Ärzcneicn und sonstige medizinische Hilfsmittel wie Bandagen. Brillen usw. zuteil geworden. Sein Zuschuß zur Pflege oder fur Badereisen hat schon mancher armen Frau zur Gesundung verholten. Bedürftigen Frauen, die auf ein karges Existenzminimum angewiesen sind, hat die Beihille des Frauenvereins in Oeld oder Lebensmitteln zur Erleichterung ihrer schweren wirtschaftlichen läge beigetragen. Der Frauenverein, der es stets verstanden hat, sich auf die Zeitbedürfnisse einzustellen, gewährt auch seit einigen Jahren jungen Mädchen Beihifen zu ihrer Berufsausbildung, oftmals bestreitet er die Kosten ganz. Et liegt im Wesen des im Israelitischen Frauenverein geübten altjüdischen Wohltun-', dall seine Arbeit ganz in der Stille geschieht. Um so heiligere Ehrenpflicht ist es heute wie vor 75 Jahren, die emsige in so vornehmer Oesinnung geübte Arbeit des Frauenvereins zu fördern, t Jüdische Verbände u. Gemeinden Jüdische .l.i^cndwDhlfahrtspnejfe Auf der (>. Verbandstagung des Reichs verb and es der jüdischen 1 ehr er vereine im deutschen Reiche vom 2t). bis 28. Dezember 1(J27 in München wurde ein Sozialer Ausschuß, der den < harater einer Arbeitsgemeinschaft tragen soll, mit dem Heilpidagogen Georg Sawady als l. Vorsitzenden, begründet. Dieser Ausschuß will das Interesse des jüdischen I ehrert an der lugend* Wohlfahrtspflege wecken, fördern und wachcrhaHen, und ihm Rat und Hüte in allen Fragen der JUgendwohlfahrtspflcge erteilen. Er will dahin streben, dall die judische Schule und mit ihr die jüdische Lehrerschaft '■Orker mitwirken bei der pädagogischen Ausgestaltung der gesamten JugendwohlfahrtsarbefL Zur Mitarbeit ist jeder judische Lehrer willkommen. Zuschriften sind zu richten: an < u-org Sawady. 1. Vorsitzender des Sozialen Ausschusses de:. Reichsverbandes der judischen Lehrervereine im deut- ' sehen.Reiche, Geschäftsstelle: Berlin N 24, Oranienburger Str. 69, IL Zentralwoblfahrtsstelle der eii st.cn .luden Ende Januar fand in Berlin eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft „Judische Oef ä h r d e t c n fw ü r s o r g c" statt. Ihr gingen Beratungen der Unteronuniwioncn für Gefangenen- und Psychoi pathenfürsorge voran. Die Verhandlungen standen unter dem Vor- ' sitz, von Sanitätsrat Dr. Seettgsohn-Beriin. In der Kommissionssitzung für Oefangenenfürsorge, an der auch der Vorsitzende des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurta. M. teilnahm, wurde mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, dali vom 1 .Februar ab eine enge Zusammenarbeit zwischen der ZentralaVOhlfahrtSStellc der deutschen Juden und dem Sozialen tUSSChufl ' gegeben wird. Lei den Beratungen standen Fragen des weiteren Ausdes Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandet durchgeführt ist, über die noch Näheres durch besondere Mitteilung an die Presse bekanntbaues der SedsorgC und Fürsorge im Vorder.'rund. Es wurde beschlossen, demnächst in Gern ein schaff mit dem Preußischen Landeaver- I band jüdischer Gemeinden und dem Sozialen Ausschult des Allgemei- | neu deutschen Rabbinerverbandes über die einschlägigen Fragen, zunächst für PreUBen, mit dem Ministerium zu verhandeln und alsdann Richtlinien für die Arbeit aufzustellen. Im übrigen wurde von dem Beitritt zu dem neu gebildeten „Reichszusammen schließ für soziale Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge", der unter dem Vorsitz des Strafvollzugspräsidenten Muntau in Celle steht, zustimmend Kenntnis genommen. Die jüdische Wohlfahrtspflege wird nach den getroffenen Vereinbarungen wie die übrigen Konfessionen durch ') Vertreter im Arbeitsausschuß des Rrichsszusammenschrusses vertreten sein. In der Kommissionssitzung für Psychopathenfürsorge war diesmal die I rage der Beratungsstellen tur schwer endehbare Kinder und Jugendliche Hauptgegenstand der Erörterungen. Im einzelnen gaben sie der Aufstellung eines lückenlosen Verzeichnisses der Beratungsstellen, das nunmehr zusammengestellt ist und nur noch durch Verhandlungen mit einigen jüdischen und inteikonfessionellen SteUen abschließend ergänzt werden soll. Zum Schluß wurde angeregt, sich demnächst mit der Frage von Beobachtungs-Kindergärten und -horten zu beschäftigen. Die Kommission für psychopathenfürsorge ist zur l rteilung aller Auskünfte bereit und würde für jede Mitteilung aus dei praktischen Arbeit der jüdischen Psychopathenfürsorge jeglicher Art sehr dankbar sein. In der Plenarsitzung der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdeten!ürsorge" konnte Herr Sanitätsrat Dr. Seeligsohn mit besonderer Freude zwei ausländische Oiste begrüßen, nämlich die Herren Cohen-London, Generalsekretär der Judischen Gesellschait lü....... hen- und l rauenschutz und Glück smann-Buenos- Aires, einen der Vorsitzenden der Jüdischen Mädchen- und I rauentchutzorgamsation in Buenos Aires. Beide gaben eingehende außerordentlich in. Berichte über den Stand ihrer Arbeiten. Her* Cohen erläuterte dabei insbesondere die Tätigkeit der internationalen Kommission für die Fragen des Mädchenschlitzes und Mädchenhandels beim Völkerbund in (ienf. Er begrüßte es mit großer Gentigtuung, in der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gcfährdetcnfürsorge" pine afle beteiligten jüdischen Organisationen umfassende Zentralstelle für die allgemeinen Aufgaben dieses Gebietes in Deutschland geschaffen ist. Herr Glücksmann berichtete ausführlich über die Organisation in Buenos-Aires und brachte vor allem zum Aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.