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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrgang, Nr. 10 9. marz 1928 mttoMktt dzr Jzr&elitiscken Ani-Hiches MdxhrichteH hier G*HieiMcleverw*ltHH #e l igiongqc mzindz v $u Ätitytg MiA « V iiu CJemeiudeblatt acheint »bchentiiuh am Freitag. m Mitgliedern der Religiansgemeinde wird ei uu -•tgeltlicn durch die Post jugeatellt Bezuane'j Wh Nkhtmitglieder monatlich 60 Pfennige, r Anzeigenannahme! */ c »r. GockenstraPe 1, Telephon M<43 ttt Sri»' Ultltungl > . u e ndcia t UUItSV Lei Löhrsn. n. lelep-ion MH :: Dru,.* und Vi.'.aj 77 1 eichir Leip'ic, Tockenstr. II, lelapVon <*<49. *n reiutnpc.se. D e 4 .espaOnt rrm-7ei:e 4) Wq. r.i mihtn- . rd kleine Anz» gan C Plg. Umachiagaaitan und Tert tpsaral• mv b*irnd. Tirif. - £T,r den -se- 1 K'ibr-e, Rauhof:?: 9 (Telephor 14-1491. D e Sir;,ltleitu:.g übernimmt fü die Lnler dem Namen jes Verfasser:, erst S.e. icnden beitrage und die Veremsn i.buchten nur u.c pießgesitilune a./.o uug Naü.aruck nur mit Quellenangabe ^nd Gfnehmiqung des Verfassers geita.tet. 75 Jahre Israelitischer Frauenverein Von Else (lohn. IL Insere schnellcbigc Zt-it mit ihrer slcis wechselnden Daseingform kennt wenig ruhende Punkte. Der rasche Wechsel der Zeitverhältnisse bedingt stets sieh indernde Erscheinungsformen. Wir leben in einer Zeit der Sucht nach dem Neuen. Nene Anschauungen werden propagiert und verworfen, private Existenzen keimen auf und vergehen, gemeinnützige Organisationen und Institutionen sprießen wie Pilze aus der Erde und sind wie diese von kurzer Lebensdauer. Bestand hat nur das, was auf gesunder liasis ruht, Dauer nur das, was Ober eine Zeitanschauung hinaus, einem tiefinneren Bedürfnis entspricht, Wenn der Israelitische Frauenverein gegenwärtig auf das ehrwürdige Alter von 75 Jahren zurückblickt und im Leipziger jüdischen Oemeindeleben nach wie vor ein geradezu unentbehrlicher Faktor ist, so ist das ein Beweis für seine Daseinsnotwendigkeit und für die gesunde liasis, auf der er ruht. Der Israelitische Frauenverein winde vor 75 Jahren, also wenige Jahre nach der Konstituierung der Leipzigei Jüdischen Gemeinde begründet, als einer der ersten jüdischen Vereine Leipzigs, die sich ausschließlich mit Wohlfahrtsaufgaben befaßten; denn seihst die Mendelssohnstiftung, die zu den ältesten Leipziger jüdischen Einrichtungen gehört, entstand erst im Jahre 1861. Unsere Leipziger jüdische Qemeinde, die jetzt nahezu 14000 Seelen umfaßt, bestand damals nur aus einigen hundert Juden. Eine Zählung aus dem Jahre 18U ergab 28 Familien mit 115 Personen. Wie groß die Zahl du- Juden hei der Konstituierung der Qemeinde gewesen ist. I.iiit sich aus den uns zugänglichen Hilfsquellen nicht genau feststellen, doch '-' Jahre später im Jahre 181') zählt die Qemeinde 274 Personen, l*Hi männliche und 78 weibliche Mitglieder. Die wenigen bei der Konstituierung der jüdischen Qemeinde in Leipzig ansässigen jüdischen Fami ien befanden sich wohl durchweg in guten pekuniären Verhältnissen. Bei den großen Schwierigkeiten, die gerade in jene; Zeit den Juden bei ihrer Niederlassung von den Leipziger städtischen Behörden gemacht wurden, war eine wohlgeordnete wirtschaftliche I agc erste Voraussetzung. So ist es erklärlich, daß Wohlfahrtsverpflichtungen innerhalb des eigenen Kreises zunächst nicht bestanden. Aber ebenso erklärlich isi es, daß in Leipzig, das durch seine Messen viele I remde anzog, das durch seine zentrale Lage auch außerhalb der Messe ein lebhafter Handelsplatz war, sehr häufig nichteinheimische Juden gezwungen waren, sich hilfesuchend an ihre hier ansässigen Qlaubensbrüder zu wenden. Plötzliche Erkrankung, geschäftliche Verluste, unvorhergesehene Zwischenfälle verschiedenster Art mögen sie dahin gefuhrt haben, die Hilfe der Leipziger Juden in Anspruch /u nehmen, lind schon damals haben weitblickende, warmherzige jüdische Frauen erkannt, dal) sich hier auch ein Betätigungsfeld für den Wohltätigkeitssinn der jüdischen Frau bot. So entstand der Israelitische Frauenverein, der zunächst seine I lauptaufgabe darin sah, „durchreisenden armen Julien" zu helfen. Er zog die Grenzen seiner Betätigung aulicrordentlieh weit und war lür Not in jeglicher Form zuständig, gleichviel ob es sich um Greise, Kranke, auszustattende Bräute, Kinder, Säuglinge oder Wöchnerinnen handelte. Lieber die Entwicklung, die der Verein in den ersten Jahren seines Bestehens genommen hat, lällt sich nichts sagen, da die älteres Meten zurzeit nicht auffindbar sind. Einen Rückschluß auf den Aufschwung, den er genommen hat, gestattet aber die verhältnismäßig sehr hohe Mitgliederzahl, die er im I aufc det Jahre aufzuweisen hatte. Nach etwa 20-jährigem Bestehen (1873), als die Gemeinde aus _'S6 Mitgliedern bestand, zählte der Frauenverein 135 Mitglieder: ein ungeheurer Prozentsatz Er hat ein Jahreseinkommen von 172 Talern, 8 Neugroschen und ein Vermögen von l()3ii Talern. Ein Zeichen für das Vertrauen in die umsichtige Führung des Frauenverein, war es, dail mai, ihm Stiftungen mit namhaften Summen zur Verwaltung übergab und so seine vci sclüedcncn F.inzclaufg.ihcu auf das tatkräftigste forderte. Anläülich der ersten Traanng in der Synagoge wurde „eine Brautkasse uu arme jüdische Bräute" gegründet und in die Verwaltung des Frauenvereins übergeben. Weitere Stiftungen folgten, teils für tlie allgemeinen Zwecke des Vereins, teils für seine verschiedenen rVrbeitSZWCigC bestimmt. SO eine Stiftung Tür „arme, \erwaiste, jüdische Mädchen", eine andere für „hilfsbedürftige jüdische Frauen", andere wieder für ,annc Wöchnerinnen" usw. Zu diesen Stiftungen kamen im l aufe der Jahre solche, die, um das Gedächtnis eines lieben Toten zu ehren, mit dessen Naiuen verknüpft waren. Es war ein schöner, sinniger Brauch jener Zeit, der wohl wieder aufgenommen zu werden verdiente, daß man Menschen, die im Leben ihre Kraft einer Wohtfahrtsaufgabc schenkten, auch ii» Tode für dieses gleiche Werk weifer wirken ließ, indem man eine Stiftung auf ihren Namen machte So se zte man seinen Toten ein schönes Denkmal und lieli sie für alle Zeit mit ihrem Lebenswerk1 verknüpft sein. Dieser Brauch war zur Tradition geworden; der wirtschaftliche Umschwung hat ihn leider außer Uebung gebracht. Infolge der Zuwendung von Stiftungen verfügte der Verein nach hlafundzwanzigjä Irrigem Bestehen über ein Stiftung«kapital von I5iit>0 Mk., zu dem noch ein Vereinsvermögen von über 2000t) Mk. kam. Die Wohlfahrtsauf gaben der Qemeinde wurden damals durch eines) Unterstüt/ungsvcreiti erfüllt. In einem Bericht des Jahres iS75 heißt es: „Der Fraiienverein liell sich hei der QabCnVCrtcilung des UnteritÜtzungSVereinS für fremde Arme durch ein Mitglied vertreten und beteiligte sich mit namhaften Beiträgen". Bekannt ist. da;', regelmäßig in einem Räume des Synagogengebiutles vom Frauenverein Spenden an Arme verteilt wurden. Der I rauenv rein befand sich in der glücklichen I Bge, dem Unt«StÜtzungSvercin alljährlich eine Subvention von Unit) Mk. zuwenden zu können. Mit dem Jahre 1891 hörte der Unterstützungsverein auf; an seine Stelle trat für die Oemeindc- Armenpflege ein besonderer Ausschuß und die Gründung einer Gemeinde-Armenkasse. Iiis zum Jahre 1S«7 leistete der FrauenverOMa

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