Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 Gi.Mi:i;>i):..;LAi . v^ut'S'-mew ■ ^otMiiiN«j£, LUP&O ekurisilkh« Parallelen /. B. aus der Eitel haben. Da wird geklopft und geklappert, wenn der Name Hainau gehört wird. Und r.eitwei- Ba muflte dieser fröhliche lärm von der Gemeinde aus geregelt werden, um nicht auszuarten. Hier hat sich, wie das ganz natürlich ist, mancher Krauch angelehnt, der mit dem frühlingsinalligen Ausklopfen des besiegten Winters in Zusammenhang uteht. ITie Analoge war um so schneller gegeben, als in Euraja das Purimfest gerade in die Zeit des schwindenden Winters fällt. Gelegentlich ist einmal die Purimfeier der Juden in spläterer Zeit auch durch Christen entlehnt worden, wo sie neben einer an Zahl starken Judenschaft lebten, die ihnen auch kulturell überlegen war. In dem galizischen Städtchen Limanova, das in der Umgebung von Neu-Sandec liegt, hatte es sich eingebürgert. Es fand am letzten Faschingsdienstag statt. Am Nachmittage taten sich 30 bis 90 junge Burschen aus dem Handwerkerstände zusammen, maskierten Und kleideten sich als Juden, wozu ihnen die Juden Atlas-Kaftan und Pelzmütze gern liehen. Dann wurde Hainau hervorgeholt. Das war eine bierfür vorbereitete in I umpen gehüllte Strohpuppe, die auf einen Wagen geest/t und herum gekarrt wurde. Beim Umzüge umtanzte man den Wagen uud sang auf die Feier bezügliche Gesangsstücke Vielfach wuredn die Darsteller bewirtet uud erhielten auch kleine Geldgeschenke. Der Umzug endete Räch etwa einer Stunde auf dem Marktplatze. Dort stand hierfür seit Jahren eine Holzsäule. Der Aelteste verlas die Anklageschrift. Das Todesurteil wurde gefällt, und unter Gesang und Jubel wurde Ilamali au die Säule, d. h. den (ialgen gehängt. Nachher wurde der Strohmann wieder heruntergenommen, auf den Handwagen gelegt und zum Flusse gefahren, von dessen Brücke die Leiche des Stroh-Hainaus in das Wasser geworfen wurde. lieber eine ältere Art Pnrimfeier von christlicher Seite haben wir ■HS gröllerer Nähe, nämlich aus Erfurt, ein interessantes Zeugnis: „Als die Kaiserlichen Anno 1631 von den Schwellen bey Leipzig reschlagen worden / hielten die Erffurter das folgende Jahr darauf Anno IW2. eben an dem Tage / da vorm Jahr die Schlacht gehalten war / nemlich den 7. September GOtt ZU Ehren ein grobes Fest / imd duckten GOtt für die vorm Jahr wieder die Kayserlichen erhaltene Victorie / und iienneten dill ihr Fest die Tage Purim: ohn Zweifel weil ebenfalls die Kaiserlichen und CathoHschen das Garaus mit den Evangelischen zu spielen gexlachten f wie Hainau mit den Juden / CiOtt aber sie selbst gestürtzet: Liessen auch eine Muntze schlagen ' da sie dill ihr Fest die Tage P u r i m nannten f und w ar die Mütze auf beyden Seiten also gestaltet, wie das Kupffer bey p. 203. ausweiset, zumal ich von «Vsen Thalern habe.' , . So berichtet Johannes Lund in seinen „'Jüdischen Heiligtümer»". Doch was brauchen wir nichtjüdische Nachahmungen unserer Puriinfeier, wenn unser Fest originalgenug und sicher bei uns begründet ist und in alter fröhlicher Weise von uns begangen wird. Die Freude am Weine, die sonst den Juden nie ausgelassen ««erden hell, wurde zu Purim so stark betont, daß es als Vorschrift galt, man solle an Purim soviel trinken, dafi man beim Verlesen der Megilla Haman und Mardochai nicht unterscheiden könne! Ttas ist freilich nicht buchstäblich zu verstehen; denn die Verlesung der Megilla schließt sich an den vorhergehenden Fasttag an, und die solenne Mahlzeit, bei der getrunken wird, ist erst am folgenden Abend. Aber schon die Vorlesung in der Synagoge wurde wie gesagt in ihrer besonderen Art ein Fest der Fröhlichkeit, an dem sich besonder« die Jugend beteiligte. Bei der Vorlesung klappert und klopft, klappt und knarrt die Jugend beim Namen Hainau mit „Graggern" und „Purimköppern", Und auch die Küche hat mit Krippchen und Fiamansohren ihre besonderen Genüsse für diesen Ualbfeiertag. Purim ist bei den Juden neben den ganz grollen religiösen Tagen der beliebteste Feiertag geblieben, entgegen dem Spriehworte: „Purim ist kein Jontef und Gedoches ist kein Kränk." (Auf Hochdeutsch: „Purim ist kein Feiertag und Fieber ist keine Krankheit".) Dagegen hat ein anderes jüdisches Wort vollen Anspruch beachtet zu werden, das länger als durch anderthalb Jahrtausende bezeugt ist, das sich auf Purim bezieht. Es ist uns überliefert worden, dag wenn einmal alle Feste deshalb verschwinden werden, weil in den messianisehen Zeiten alles als ein einziger Feiertag und eine einzige Freude sein wird, doch zwei Tage ihre Geltung behalten werden Das sind T i s c h a h - b'A b h , der Tag der großen Jüdischen Trauer, und P u r i m , der fröhlichste Tag, den das jflsBsche Jahr kennt. Denn Tischah-b'Abh wird als Geburtstag des Bftaschiach alle andern Feiertage übertreffen, und Purim —, — ja Purin kann nicht vergessen werden, weil das die ganze jüdische Geschichte zu vergessen hieße, die so viel Hamaffs kannte und kennt, und wahrscheinlich auch in Zukunft noch kennen wird, daß Pwam das Fest bleibt, das uns in der Ver1e7digung unserer Ehre nncT unseres Volkstums, unserer Stellung und unserer Zuknft zeigt. Darum soll wie in alten Zeiten, so auch jetzt an Purim in unseren Häusern Licht und Freude und inniges Erleben zu *Mrktn sein. Unsere Gemeinde Vorra m ihc: Der Jüdische 1 rophetismus Der zweit. Vortrag des Herrn Geiueiuderabbiner Dr. (loldinaun in der Reihe: der jüdische Prophetismua behandelt den Propheten „Jesaja". Der Vortrag findet am Mittwoch, den 7. März, pünktlich 20 l'hr im Konferenzzimmer der Höheren Israelitischen Schule (Gustav-Adolf-Str. 7) >tatt. Solbadkolonie Dfirrcnberg (Alfons Jacobsohn-Kinderheim) Wir weisen schon heute darauf hin, daß die Vorbereitungen für die Solbndkolonie Dürrenberg begonnen haben. Am I. Mai soll die erste Kolonie hinausgehen. Wit beabsichtigen dieses Jahr 5 Kolomen rrinauszu schicken, Wir bitten, die Ankündigung in der nächsten Nummer dieser Zeitung zu beachten. Es werden darin genaue Angaben bekanntgegeben, wann und wo die Anmeldung für die Solbadkolonie Durrenherg stattl'iaalct. Die „Palästinensische Künsilcrtruppe" in Leipzig; Wie wir erfahren, ist es dem Keren Kajemeth Lejisrael <Jüd. Nationalfonds) gelungen, die berühmte, vor kurzem in DeutschhuHl eingetroffene „Palästinensische Künstlertruppe" Tel-Aviv: Rafael Klatzkin. Frau Perkai, Meir Teotni zur Mitwirkung hei seinem am 14. März stattfindenden Purim ha II im Gr. Festnaal dc> Centraitheaters zu gewinnen. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten - Ortsgruppe Leipzig i:iiniiiiniiiiniKMHiHmuwtittiHuananm»MUiiMUiitrtiuimiiMttiiMiniiiiii iiiiiiiiiilliiiliiiiiiiiiiiiiillllllllllllllllllliiiilllliiiillliiniiiiiiiiiiiiiiiiiii MESSEABEND im Messemontag, den 5. März 1928 20 Uhr in den SehloBketlersalen, Dresdner StraBe 56 H iHiiiiiiimmmai Konzert, künstlerische Vorträge, Tanz-Überraschungen »iiHiiiiitiimiwnii jU Wiedersehensfeier der auswärtigen Kameraden =1 Bnpbatrl«b . PraisschleBen - Kaffeetafel Hl Hierzu werden die Karr.araden des R. j. F. urd B j F aus allen Ortsgruppen mil ihren Anff> desellscr.af.sanzuK « hörieen und Gä ten herzliche eingeladen. nicht erforderlich. Volkstümlicher Eintrittspreis t I.- Kein Weirawang Hill.........I....................III IIIIIIIII lTllll»IIIIIIIIIIIIISlllBISInllSWIIS«MI« Slll MiiainwiiisinssMSSnnsummm inniniiiiiiiiiiinmmiiiiiiniiniimiiimtnwimiiiiiiiniiiiiiitiiiiiip lJn»-re L-ip'i »r K imeradei de« R. i. F. and 8. j. P sowit alle unssre Freun le w irden gebeten, uns ba'dgefl Likörspea«M Md Ehrenpreise für da» Preltscriielei ruktmaa« en lassen. — Sammelstelle«: ÜesrJialtsstelle Dr. Jacohy Peters* r 22* 3ernik (liebau) Roßplatz t - H. Bucki, Gellertainee 7 0 Btbbo Cohn (Saal) Hainstraße 3. DER VORST/VH»