Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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(iLMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGLME1NDE, LEIPZIG Seite 7 BOfche Sache ist. — Augenblicklich beschäftigt Bich der preußische Justizminister mit dieser Sache. Als einen weiteren Tatbestand haben wir die Rcliglonsbe» schimpf u Dgen. Als Beispiel fuhrt der Referent den l all mit dejn (ilogauer Friedhof an, an dessen Tor ein Junglehrer mit leinca Schülern vorbeizog, und als er entdeckte, daß es ein jüdischer I riedhof sei, ausrief: dreimal ausspucken. - Der Angeklagte wurde freigesprochen, da es sich hierbei nicht um die Beschimpfung einer Religion, sondern einer Rasse handele. Was die Friedhofsschändung und Verletzungen von Religionsgebräuchen anbetrifft, so lassen die l'olizeiorgane in diesen Angelegenheiten oft den Elan vermissen, den sie vor 1018, sagen wir in Fällen von Majestärsbdeidigungen, stets gezeigt haben. Haben wir so die wichtigsten Gebiete des Strafrechtes erörtert, so kommen wir jetzt zu den civil recht liehen Fragen. Kaufleute interessiert sicherlich die Boykottfrage. — Man will den Juden dadurch, dall man ihnen die wirtschaftliche Täligkeit einschränkt, das Leben erschweren; infolgedessen wird der Boykott gepredigt, jedoch nicht so sehr in der Großstadt als in kleineren Städten. — Solange sich der Boykott in Form einer Kundgebung erkennen lallt, kann man gegen ihn vorgehen; da ein derartiges Verbot gegen die guten Sitten verstößt. In manchen Fällen ist es auch gehingen, eine Beschlagnahme von Plakaten und Inseraten herbeizuführen. Als Schutz gegen den Offensivboykott haben wir den Defensivboykott. Z. B. sind in der sogenannten Bäderzeitung, die in der C.-V.-Zeitung alljährlich veröffentlicht wird, Pensionen etc. aufgezählt, die sich als christlich, arisch etc. bezeichnen. Durch gerichtliche Schritte hat man versucht, uns diesen Defensivboykott, der ja nur Notwehr ist, zu untersagen, jedoch ohne Erfolg. Bei der Behandlung der Verwaltungsarbeit verweist der Referent neben Fällen wie der Borkum-Fall auf die ungleichmäßige Behandlung der Juden bei der Bestellung als Schöffen und Geschworenen. Es gab schon früher in vielen Städten fast gar keine Juden als Schöffen, und an diesem Zustande hat sich auch In der Republik nichts geändert. In einigen Orten sind schon in der Liste lies Magistrats die Juden gestrichen, so daß sie nicht einmal zur Schöffenauswahl gelangen. Wenn wir nun alles das betrachten, dann wird die Frage sich aufdrängen: Welchen Einfluß haben antisemitische Strömungen auf die ^paRaG»eaB9&aBSae»E9ESEa!?t£»^ 8 Kaffeelhams ffiüstteir B Eleganf und modern renoviert Gemütlic her Aufenthalt Täglich Nachmittags und Abends - Künstler-Konzerte - /" "\ Eigene Konditorei verhütet Fußleiden mindert und beseitigt Fußschmerzen] DrScholls Fußpflege System Kostenlose Fußuntersuchung durch ausgebildetes Personal Hainsiraße Z6 \. Entscheidungen der Gerichte? Der Referent tut eine ganze Anzahl solcher Entscheidungen erlebt, bei denen sich das Gefühl geltend macht, dall, wenn es sieh nicht um Juden gehandelt hätte, ändert entschieden worden wäre. Wenn man auch sagen kann, dall es sich bei antisemitischen Urteilen um Einzelfalle handelt, so ist doch der Beweis auf Orund von Berichten über viele Fälle dafür gebracht, dall sich Fehlurteile gegen Juden in den letzten Jahren gehäuft haben. Ganz gleich, ob ein Richter bewußt oder unbewußt gegen das Judentum eingestellt ist, die Wirkung bleibt die gleiche. Da/n kommt nun, daß sich unser Riehtertum vorwiegend aus den Kreisen zusammensetzt, die darauf eingestellt waren, Vertreter des (tbrigkeitsstaates ZU »ein. Es muH hierbei unbedingt die Frage aufgeworfen werden: Dan' ein Richter über einen Judin ZU Gericht sitzen, wenn er judenfeindlicli gesinnt ist. Man kann es leider nicht ausschalten, daß die >;ti»tijjen StrOmungen, die das deutsche Volk durchziehen, auch ihren Niederschlag in der Denkweise der Richter finden. Niehl jeder Richter, der mit derartigen Prozessen zu um hat. ist unbefangen. Alle geistigen Hemmungen im Richter müssen ausgeschaltet sein, wenn er unbefangen urteilen will. Da ist es vor allem notwendig, dall der, der Ober jüdische Dinge zu urteilen hat, ein umfassendes Wissen über jiuli- BEKANNTEN MO BRUN£WICK- C©L eLecraoLfl-GRA HOMOKORD ■ ©D€©1N! JU!< 7iMksdr DM AM\ I SCHILLER- //f/A% *I PI PI Ii RPIAIili STQ.n'5 Männer und Frauen M^i^^m^l^^^^-^^- Keiner von Eurh darf am Wah'tiqe aus Gleichgültigkeit der Wahl fernbleiben! Jede Stimme kl n zum Sieg führen! Deshalb wählt alle Liste 4! Qoldrei - Kestenbaum - Schumer - hathansen - Dr.Dzialowski in Herlin. Frankfurt und Köln Die öffentliche jüdische Mei nung ist mit der Jüdischen Volkspartei! Erreicht das gleiche auch für Leipzig!