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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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(iLMI lNDI i'.I.A I I DtK ISRAl'.LI TISCHEN RELKiK )NS( i! \\!!N! H , llll'/lu Seite 3 sich von 25000 im! 16000 vermindert, Der größere l'nl dir jüdischen Erwerbstätigen ist gegenwärtig in abhängiger Stellung, l'mf. Hirsch zog die folgende Schlußfolgerung: Wir deutschen Juden sind auf Qcdeih und Verderb mit der deutschen Wirtshaft verbunden, in der die Entwicklungstendenz konform derjenigen in ih n großen Weststaaten und Amerika geht. Die Lage des deutschen Juden ist schwer, aber hoffnungsvoll. Die deutsche Produktion weist •teigende Tendenz auf, hei der Umstellung in die neuen Wirtschaftsmethoden eröffnet sich ein neues l cid der besonderen jüdischen Begabung. Der Jude besitzt in hohem Walle die Fähigkeil /u geistiger konzentrierter Arbeit, ihm fäilt die Holle der organisatorischen, aber auch der technischen Leistung zu. Soll mau sich bemühen, nachzuweisen, dal! der judische Einfluß unbedeutend sei - Weit eher gilt es, nachzuweisen, daß der jüdische Einfluß wohltuend und der deutschen Wirtschaft unentbehrlich sei. Der Hedner entwickelte das folgende Programm der Selbsthilfe: I. Abwehr der ungleichen Behandlung mit juristisch-politischen Mitteln; Keine künstliche Angleichttng zwecks Verschwindens, son.- dern Qettung durch bewußt höhere Leistung; i. keim- Versuche, neue Betriebsformen zu hemmen, auch wenn sie, wie die Ausdehnung der Konsumgenossenschaften, dem jüdischen Geschäftsleben entgegenstehen. 4. Klarstellung der aussichtsreichen Entwicklungslinien der Wirtschaft, Ablenken von überfüllten und Hinlenken zu aussichtsreichen Berufen. Auf die Wertung der Person, auf Auswahl nach Eignung und Leistung soll das öffentliche Verlangen bewußt geleitet werden. Der Hedner schloß: „Wir iniiss.u dieses Land lieben I Täuschen wir uns nicht über die Problematik unserer Lage, aber verzweifeln wir auch nicht! Das amerikanische Beispiel zeigt den Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte der Menschheit an. Auch die deutsche Wirtschalt braucht die aktiven Elemente; also: Vorausschauen, Voratisbauen im Interesse Deutschlands, Dienst an der Allgemeinheit ist die jüdische .Wission. Ich habe es für meine seelische Pflicht gehalten, dies zu bekennen." (Begeisterter langanhaltender Beifall.) Die Sonnta&sverbandlung begann mit einer großen Kundgebung im Capitol. Nach erstklassigen künstlerischen Darbietungen und einem von Trau Lude Mannheim gesprochenem Prolog sprach Herl Justizrat Dr. Brodnitz ein Treugelübdc zur deutschen Republik aus, die bereits Außerordentliches geleistet habe l s müsse jed ich noch ein gegenseitiges Erkennen des Denkens und i ühlens allei im Dienste des Ganzen stehenden Bürger herbeigeführt werden. Herr Chefredakteur Qeorg Bernhard führte folgendes au-: Ot'ir deutschen Juden streben mein null äußerer Gleichheit, die zum teil erzwungen ist. Wer an diesem leeren Schein genug Itat, hat nichts gemein mit dem tieist eines Volkes, mit der Innerlichkeil seines Lebens. Wer soeben die deutsche Musik des deutschesten Musikers ab Erlebnis empfunden hat, ist ein wahrer Deutscher. Bei ihn Kämpfen der nächsten Wochen oder Monate wird ein Ziel erreicht werden müssen, len Innenbau des deutschen republikanischen Hauses s., einzurichten, daß alle in ihm möglichst behaglich wohnen können, und dall ilie schönsten Räume nicht wieder nur einer privilegierten Schicht zur Verfügung stehen. Nur da, wo Gerechtigkeit gegenüber allen herrscht, kann das Judentum gedeihen. Winl ein Stand bevorzugt, dann muh du Gesamtheit Schaden leiden. Wir Juden sind zur Arbeit an der Oesamtheil verpflichtet. Für uns kommt nur eine Betätigung auf der Basis der Demokratie nicht im parteipolitischen Sinne in Betracht: Auslese der Tüchtigsten, woher sie kommen und Gerechtigkeit gegenüber allen. Redner schließt mit der Aufforderung an die deutschen Juden, Bekennermut zu «Igen. Herr Hechtsauw alt Dr. Norbert Regen tburgt i (Braunschwe's) schilderte die tiefe Tragik des jüdischen Einzelschicksals in i! r Kleinstädten und auf dem flachen Lande, die der fürchterliche Boyk >U veranlaßt. Gegenüber den schon zu einer periodischen l rscheinung gewordenen Schändungen jüdischer Friedhöfe musstdas Won eines vaterländischen Dichtergelten: ..Als Jude fühle ich kein Erröten, jedoch als Deutscher schäme ich mich". Alle Entartungserscheinungen unserer kranken Zeit werden von völkischer Seite auf den Generalnenner „jüdisch" gebracht. So ist es gekommen, daß selbst flu die Rechtspflege, diese Domäne unbeirrbarer staatlicher Hoheitsäußert in Einzelfällen — wir wollen gewiß nicht verallgemeinern ('.;■' völkische Welle durch von ihr ausgehende irrationale Kräfte Gefahren zeitigt, auf die hingewiesen wir gerade aus dem Gefühl der I! - achtung heraus, das wir für die deutsche Justiz und ihre Tr i i i empfinden, für unsere ernste Staatsbürgerliche Pflicht halten .lüdiscilc Wähler und Wählerinnen! Dsa noch bestehende Wahlunrecht und das daraus resultierende Vetsehen eint8 Wahlkommissars haben es verursadit, daß wir in so kurzer Zeit abermals vor Gemeindtwahlen gestellt sind. So sehr wir diesen erneuten Walilkampl und die erreute Belastungder jüdischen Steuerzahler uiJs liefste bedauern, 80 müssen wir doch alle Freunde wahrhaft jüdisdier und demokratischer Gesinnting erneut zur Arbeit aufrufen. Die neue Wahl mub der Jüdischen Volkspartei einen noch größeren Sieg bringen! Darum keine Lässigkeit, keine Wahlmudigken und erneut an die Arbeit für unsere Prinzipien! Das Programm der jüdischen VoJkspailei: 1. Sammlung aller jüdisdien Kräfte zur Kir.heit. Gleiches Redt für alle Richtungen im Judentum. Gleichberechtigung der nicht reidisangehörigen Juden im jüdischen Leben. Gleichstellung der Frauen im Gemeindeleben. Wirksame Vertrelung nach außen 2. Schaffung eines umfasserden sozialen Hilfswerks. Förderung des jüdischen Handwerks und der jüd. Landwirtschaft. Umschichtung der Jugend z. produktiven Berufen. Demokratisierung der jüdischen Körperschaften. 3. Erziehung eines vom jüdisdien Geiste und jüd. Bewußtsein durchdrungenen Geschlechts. lieb gemadit werden. Die jüdisd e Schule ist zu fördern. Das I lebräisdie ist als Spiadie unserer Vergangenheit und lebende Sprache zu pflegen. Die in den Bar Kochba-Vereinen verkörperte jüdische Sportbewegung ist zu unterstützen. 4. Ideelle und materielle Mitarbeit an dem vom Völkerbund gewährleisteten Aulbau der jüdischen Heimstätte in Frez Israel. Die Regelung der jüd. Emigration gehört zu unserem Plliditenkreis. 5. Der Kampf gegen die Feinde des Judentums ist in würdiger Form zu führen. Nur jüdische Leistung nicht Beteuerung erzwingt Achturg. Der Jugend muß das Judentum lebendig und Jeder, dem die Ziele dieses Programmes am Herzen liegen, der ein starkes, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, die Zukunft bejahendes, bewußtes stolzes Judentum will, gibt am 26. Februar seine Stimme den Kandidaten der Jüdischen 1. Louis Tumpowsky 2. Regina pfefferblürh 3. Dr. Arthur pletrkowsky 4. Joseph Benjamin Sachs 5. Dr Nathan Körber Volkspartei 6. Elias rlersch Bromberg 7. Alkhael Hoffmann 8. Dr. f ritz Loebenstelrt 9. Dr. Hans Abelsohn 10. Berthold Zülzer

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