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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seih- 2 Fernsprechansdilusse des Gemeindeamtes Die Fursorgeabteilung des Gemeindeamtes mit ihren Unterabteilungen (Berufsberatung, Stellenucrmittlung und Djrlchnshassehat besonderen Anschluß erhalten und ist von jetzt ab nur noch unter Nr. 21382 anzurufen. Die Hauptverwaltung behält den bisherigen Anschluß Nr. 23602. Leipzig, den 9. Februar 1928. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Öffentliche Vorträge Die von uns angekündigten öffentlichen fünf Vorträge des Herrn Qemeinderabbiner Dr. Gold mann über Der jüdische Prophetismus sind verschoben worden und finden am 29. Februar, 7., 14., 21. und 28. Mär/ statt. Die Hauptversammlung des Cantral-Vepeins In Berlin Am Sonnabend, den It. Februar, abends, wurde im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates die alle zwei Jahre stattfindende Hauptversammlung des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eröffnet. Stattliche Landesverbände und fast all* Ortsgruppen wann durch Abgeordnete vertreten. Der Präsident des Centrai-Vereins, Herr Justizrai Dr. J. Brodnitz, hieO die Abgeordneten im Namen des Hauptvorstandes willkommen und sagte, seitdem vor Ä) Jahren die Dezentralisierung des Centrai-Vereins stattgefunden hat, wai tln' Hauptversammlung stets ein Jungbronnen, au» dem dir Abgeordneten Energien für ihre Arbeit schöpften, l rnste Fragen werden diese Hauptversammlung beschäftigen, mögen die Erörterungen von hohem jüdischen Geiste getragen werden. Dir Syndikus des CtntralA ertins, Herr Dr. Allred Wiener, .trstatt.'tc alsdann den Btricht: „Zwei Jahre Arbeit im Centrai-Verein" (1926-27). Er gab einen Rückblick über die allgemeine Lage und charakterisierte im einzelnen die Leistung der verschiedenen Faktoren. Wesentlich für die räiigkeh des Centrai-Vereins sind nicht mehr Eingaben und Beschwerden an die verantwortlichen Stellen, nicht ein W.rken von oben Ii.ii Ii unten, sondern es gib jetzt, wo Abwehr geboten erscheint, rechtzeitig auf den Plan treten, mit ruhigen Nerven die V.rgänge beobachten und dem Volke die wahre Gestalt des Judentums vorzuführen. Da- Zcitaiter der Beschwerde is. vorüber, es heg.mit ein freies Spin der freien Meinungsäußerung; ••:> wird der Kampf schwerer, komplizierter, aber auch erfreuender. Die Aufklärung der Massen und der Führer erfordern einen sozial und politisch vorgebildeten Stab \..n Mitarbeitern; der Kulturkampf muH mit I Elastizität geführt werden. Auf drei Wegen versucht der Centrai-Verein, Aufklärung in die Massen des deutschen Volkes zu tragen: durch das gesprochene Wort, durin das gedruckte Wort, durch tadellose Leistung und Bewährung de* jüdischen Deutschen. Als Beispiel lür die rednerische Aufklärungsarbeil führte der Redner an, daß ein einziger Mitarbeiter des Centrai-Vereins, Herr Norbert Einstein, in nicht weniger als 200 Versammlungen gewirkt hat; zahlreiche jüdische und imhtjudiv.he Freunde de- »..-V., meist führende Persönüchkeitea des öffentlichen Lebens, stellten dir Wort in den Dienst der gerechten Sache des jüdischen Deutschen. Auch die Broschüren des Centrai-Vereins tun ihre Wirkung. Die für dachristliche l esepublkuni bestimmte Monatsausgabc der „C.-V- Zeitung" wird in b'M'A) Exemplaren versendet. Die von Prof Goldstern redimierte ausgezeichnete Monatsschrift „Der Morgen"! sowie die übrigen Verlagswerke des PWlo-VerUges über Juden und Judentum finden größte Beachtung in der wissenschaftlichen Welt und in der Oeffentlichkeit. Im den letzten zwei Jahren hat der Verlag '28 neue Werke in einer Verlagshöhe von 35000 Exemplaren erscheinen lassen, die durch etwa 700 Buchhandlungen vertrieben werden. Die Aufklärungsarbeit in Wort und Schrift leitet über zur Aufklärungsarbeit für den zu erwartenden grollen Wahlkampf, Nach klaren Rieht- Die Themen der Einzelvorträge sind: , 1. Die Anfänge des Prophetismus. Arnos und tlosea. 2. Jcsaia. 3. Jcremia. •1. Die exilischen und nachexiUschen Propheten. 5. Propheten und Piiester. Der Prophetismus und die religiöse Entwicklung. Die Vorträge finden im Konferenz/immer der Höheren israelitischen Schule, Gustav-Adolf-Straße 7, statt. Beginn pünktlich 8 Uhr abends. Leipzig, den 7. Februar 1928. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Aufsicht zu Peßach In der vorliegenden Nummer des Gemeindeblattes werden in dem allgemeinen Verzeichnis der unter Aufsicht des orthodokxcn QemeinderabbinatS stehenden Betriebe auch diejenigen aufgeführt, die nur zu Pellach unter Aufsicht stehen. Leipzig, am 7. Februar 1928. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. linien ist die Vorbereitung zu den Wahlkämpfen unternommen und im wesentlichen abgeschlossen. Notwendig ist es, dall jeder deutsche Jude sich sittlich verpflichtet fühl'., durch seine Einstellung zu den Problemen Judentum und Vaterland und pers önliche Lebensmerkmale das Inste Beispiel zu tiefgehender Aufklärung zu geben. Die Angriffe gegen das judische Schrifttum können wir nicht parieren, wenn wir selbst nicht wissen, was wir verteidigen. Der Centrai-Verein hat in den letzten Jahren im Phüo-Verlag wertvolle Werke über Juden und Judentum veröffentlicht. Zu begrüßen sind auch alle Bestrebungen ihr Jugend, die zur Verteidigung d s Judentums dienten. Trotzdem müsse noch viel geschehen. Die Monatsausgabe müsse statt 55000 Bezieher 5%00U Heiner haben. Eine Million Nichtjuden mÜSSte die Monatsausgabe jedesmal auf den Tisch ihres Hauses erhalten, Wir müssten in ganz anderein Maßstäbe als bisher in die läge versetzt sein, Werke anzuregen oder zu fördern, durch die die Erkenntnis des deutscheu Judentums vorwärts getrieben wird. Zu diesem /wecke sei eine stärkere Mitarbeit weiter Kreise crofrderlich. Unter allgemeiner Spannung der Abgeordneten ergriff der bekannte deutsche Wirtschaftler Staatssekretär a. D. Prof. Dr. Julius Hirsch das Wort zum Thema; „WirtSchaftsprobleme des deutschen Judentums". Er stellte fest, dalt sich innerhalb des Judentums mit Bezug auf seine wirtschaftliche Zukunft ein Pessimismus bemerkbar macht, der besonders in der Jugend Wurzel schlägt und krankhafte (U wachse hervorbringt. Wohl gibt d< r sich allenthalben bemerkbar machende wirtschaftliche Boykott, die Praxis der Nichten- Stellung von Juden und anderes mehr zu Besorgnissen Anlaß, es ist aber andererseits als sicher anzunehmen, dall Deutschland bei seinem Aufbau keine Energien entbehren könne und die jüdischen Kräfte nutzen wird. Das kleine Palästina kann die wirtschaftliche Judenfrage nicht lösen. Die vorwärtsschreitende neue Wirtschaft, die neue Meiischbeitsentwickhmg, werden auch die jüdischen Energien entfesseln. Die Jugend möge aus der gewollten Abschließung*, aus der selbsterrichteten geistigen QhcttOUiauer heraustreten. Man möge di in von den Antisemiten übernommenen Schlagwort, daß der Handel, die Warenvermittlung parasitär und nicht produktiv seien, entgegentreten. In Amerika sagt man, dall derjenige sich behauptet, ihr den besseren „Service" leistet: die organisatorische Funktion. Die I eistung des Juden im Handel liegt nicht im j;,d;schcn, sie liegt im deutsehen Interesse. Der Redner teilte Statistisches mit: Die Juden in Deutschland bilden kaum noch ein Prozent der allgemeinen Bevölkerung, weil der Geburtenrückgang unter ihnen höher ist als unter den Nichtjuden. (12 Proz gegen 8 Pmz ) Fast der dritte Teil aller deutschen Juden. 173000, Wohld in Berl'n. D:e deutschen Großstädte zusammen genommen beherbergen zwei Drittel des deutschen Judentums, ein Drittel lebt in Kleinstädten und auf dem flachen Lande. Sie sind meist im Handel, sowie im Hankwesen beschäftigt; eine Zunahme in der Industrie ist zu verzeichnen. Im öffentli-" eben Dienste, wo vor dem Kriege 25IKM1 Juden beschäftigt waren, hat jetzt eine Vermehrung stattgefunden, dagegen sind in der Armeeverwaltung, wo vor dem Kriege mehr als 2O0O Juden beschäftigt waren, jetzt nur noch 12 tätig. Die Zahl der jüdischen Rentner hat

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