Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Saite i geschaffen haben. Wir werden uns bald Uberzeugen, dall diese Vergenhett keineswegs berechtigt i>t. Ks gibt eine Anzahl jüdischer Autoren, die nicht zu den Schlechtesten gehören, Fs sind bestimmt ge> nug, um das Märchen von der jüdischen Unproduktiv itäl /u zers ören. Es werden die Namen genannt David Kaiisch, Offenbach (als Dramatiker und Musiker, trotzdem er weniger Dramatiker als Musiker war), Ludwig Fulda, Qeorg Hirschfeld, Moritz Heimann, Hujo von rloffmansthal, Richard Beer-Hoffmann, Sternheim, Tol.ec, Wer.el, Max Brod, Arnold Zweig, Paul Kornfeld, Alfred Wolffens ein, Rehlisch und andere mehr. Wir kommen jetzt ZU dem /weiten (iehiete des Themas, tiein Film. Wir sind allerdings in der Lage, vieles von dem, was 'über -das Theater gesagt wurde, einlach auf den Film zu übertragen. Der nim ist ja, wie man will, eine Abzweigung oder eine Fortsetzung des Thea* lers. Bestimmt ist er jedenfalls eine Konkurrenz. Und m in kann tagen, dafl zurzeit Film und Buhne in einem erbitterten Daseinskampf gegeneinander begriffen sind. Wer siegen wird, das wird d e Zukunft Knien. Schon versucht das Thealer auf seinem vorgeschobensten P ist;.. nämlich bei der Piscator-Bühne, in Berlin einen Frieden mit dem I Ilm /u schließen in Form einer Synthese /wischen beiden. Pisactor, der übrigens kein Jude ist, wie immer behauptet wird, verwendet die Wittel des Films in gau/ neuartiger Weise zur Verstärkung seiner szenischen Wirkungen. Doch dieser kleine Ausblick ändert noch nichts daran, dall im Augenblick die Lage noch völlig ungeklärt ist Dafl im allgemeinen Bühnendarsteller auch filmen, wird /. B bewiesen durch die Bergner. die eine ebenso geniale Filmschauspielerin ist wie eine Schauspielerin für die Sprechbühne. Einer der bedeutendsten Filmschauspieler, der Jude ist, ist Charlie Chaplin. Man kann sagen, daß dieser kleine, merkwürdige Jude Chaplin, oder vielmehr die (iestalt, die er aus sich gemacht hat. heute ein Wcltbegriff Kimme des 18. Jahrhunderts (Duelle: Leipziger Ratsarchiv II. Sekt. S. 1179 u. L. .S'ö) Von Arno Kapp, Leipzig. A, >ni späten Nachmittage des 18. Stptembers Judendiener Samuel Seligmann aus Halle kurz „Haitische" Qerbertor zu I eip/ig, produzierte Herrn des Hotfaktors Urae! \a >n aus II anno 17J7 schritt der vor Torschluß durchs den Kammerpaß seidie, dem ihn nach einem Begehr tragenden ["orschreibe: und lut um seine Abfertigung und Einlaß in die Stadt. Er erhielt seinen „Judenzettel" und fconnte passieren. I s war das zweite Mal. daß ei nach Leipzig kam. Wahrend i im vergangenen Jahre mit seinem Herrn hier zur Messe «war, mußte er dieses Mal sich auf sieh seihst verlassen. Kein Wunder, daß er den umfangreichen Vorschriften der Judenordnung in einem Punkte licht nachkam, i: vergaß, sj Ii innerhalb Jl Stunden an der Wage in Markt zu melden. rem, daß er kein isondern se.u J len Vor den Stadtrichter zitiert, sagte er aul Befra wegs nach Leipzig gekommen sei, um zu handeln, habe ihn ..auhero geschkket, den alhier aufm Rathauße in Verhaff sitzenden luden bey ietzigen Feiertagen aufzuwarten,... gestehet auch, dafl i i sieh innerhalb 24 Stunden nach seiner Ankunft aut der Wage geworden ist. Von jüdischen Filmdramatikern sind Dr. Max Qlaß, Kau Mayer und Norbert Falk bekannt. Von Karl Mayer stammen die Manuskripte von Caligari, Scherben, Hintertreppe und det lelzti Mann, alles Filme, die eine besondere Figenart aufweise.! und deren Ausdrucksmittel von der üblichen Form abweichen. Norbert Falks Filme Madame Dubai rv, ( armen, das Weib des Pharao und Anna Boleyn dankten ihre Siege im In- und Ausland zugleich der meiste,halten Regie von Ernst Lubitsch. Dieser Meisterregisseur, der gleichfalls Jude ist, möge uns hier als ein Name für viele .genügen. Fs ist oft gesagt worden, dall seine Massenregie unerreicht ist und da I ■ r mit seinen Leistungen auf diesem (iehiete auf wirklich einsamer II die thront. Die Erörterung der Frage: Juden in Bühne und Film beleuch.et vin Stück deutscher Kulturgeschichte an den Stellen, wo sie am glänzendsten ist und am problematischsten zugleich. -\n den Stellen, wo jüdischer < it ist und jüdisches Können sie entsprechend befruchte: und vorwärtsgetrieben haben. Es muß uns darum nicht kränken, wenn völkische Fanatiker das Judentum darum nur noch um so heftig« verdammen, weil es in tiefer Geistesverwandtschaft an dieser Aib.it geholfen hat. Nicht Besserwisserei oder Aufdringlichkeit oder wie derlei oberflächliche I rkiärungen s,,ns; lauten mögen, haben es dazu getrieben, sondern jene unergründliche liebe zum Deutschtum. Aehnlich wie bei Buhne und Film könnte man jüdische Mitarbeit an der deutschen Kultur auch auf allen anderen Oebteten zeigen. Pas Wissen darum tut not, denn je mehr man davon weiß und sich »davon zu eigen macht, desto besser wird die ureigenste Aufgabe erfüllt werden können, den Wert und die Leistungen der deutschen Ju len um das deutsche Vaterland aus dem Wust der Herabsetzungen und Schmähungen hcraus/uheben. nicht angemeldet, sondern es wäre sechs Lage darnach erst geschehen, gibet zu seiner i ntschuldij nng vor, er sey ein fremder Kerl, der nierr.thls, außer vor ein paar Monathen mit seinem Herrn nlhier gewesen, überdies hülle sein Herr einen königlichen Kammerpaß auf sich und einen Diener, dall ä'e auf der Waage nur einen □rOSCheit geben durften..." Der Rat bestrafte Seligmann we?en unterlassener Meldung nach an; I6S1 mit zwanzig Reichs di i Leipziger Judenordnung vom talern. Da unser Judendiener sich weigerte, die Strafe zu zahlen, nahm ihn der kat in Haft und entzog ihm den Kammerpaß seines Herrn da letzterer es ablehnte, für seinen Diener die Strafe ZU entrichten. Fin Qesuch um Erlaß der Strafe wurde vom Rate abschlägig beschiedi n. Da kam Hille von anderer Seite! Am 18. Oktober meldet ' der städtische Cieleitsmann Christian Wilhelm Ludwig an Ratsstelle daß der „Herr (icheimbdc Rath und Cammer-Vice-Praesident von /Climen I xzelleni ihn habe in dero Quartier beruften lallen, und ihm daselbst befohlen gehörige:! Orti zu vermelden, dali der Jude SeUgmann Samuel... vor diesmahl ohne Straffe dimittiret (entlassen) und ihm der turückbehal enc Cammerpaß extractiret (ausgehändigt) weiden solle." Du i'.i!'. aber hatte folgenden Wortlaut: „Demnach der Aller Durchleuchtigste Qroßmichtigstc Konig ia Fohlen i ml Churfürst zu Sachßen... den Juden und Hoff-Factor Israel Aaron in gewissen Angelegenheiten zu gebrauchen, und ihn Eintritt pro Person Mk. 2.— incl. 5teuer Centraiverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Ortsgruppe Leipzig veranstaltet am Sonnabend, den 21. »Januar 1928, 20 Uhr im Weißen Saale des Zoologischen Gartens Pfaffendorferstrasse einen FESTBALL Jazz-Kapelle: Merry-Berry-Band Gesellschaftsanzug erbeten. Gaste herzlich willkommen) Tombola