Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte 4 größerem Interesse begegnen, als die geschätzte Rednerin weiteren Kreisen unserer Gemeinde persönlich bekannt ist und damit der Kontakt zwischen der Rednerin und dem Publikum von vornherein gegeben sein wird. Teenachmittag des Frauenverein „Ruth" Am 24. Januar findet im Weißen Saale des Zoo der diesjährige Teenachmittag des Frauenverein „Ruth" statt. Näheres wird in der nächsten Woche bekannt gegeben. Ludwig Hardt spricht Der 2S. Januar verspricht eine große Überraschung tu bringen: Ludwig Hardt wird jüdische Dichter lesen, so Heine, Börne, kränz Kofka, Else Lasker-Schüler, Werfel, Peter Altenberg u. a. Dieses Interessante Programm, das der große Sprecher mm ersten Male in I eipzig vortragen wink dürfte einen großen Kreis von Freunden des Künstlers und der jüdischen Dichtung nach dem Feurichsaale locken. Ii :n solchen Abend hat man schon lange ersehnt. Den jüdischen ' endvereinen, tür die Hardt spricht, ist nur der beste Erfolg vu v : sehen. Kundgebung der jüdischen Jugend Am 29. Januar vormittags wird von den Judischen Jugendverbinden Leipzigs eine große Veranstaltung geplant, anläßlieh der Ausstellung und der offiziellen Oründung des „Jüdischen Jugendring" in Leipzig. Die Vorbereitungen dafür sind im vollsten Oange, und yßc Mitglieder unserer Gemeinde werden bereits beute darauf aufmerksam gemacht. Kurl Weills neue Oper in Leipzig Am IS. Februar findet im hiesigen Neuen Theater die Uraufführung der neuen Oper de* s(, erfolgreichen jungen Komponisten Kurt Weill „Der /ar läßt sich..." statt. Der l »perntexl stammt von Georg Kaiser; der Stoff ist derselbe wie in Kaisers Roman: die Photographie des Zaren. — Der Komponist, der sich mit einem Schlage unter die gefeiertsten Tondichter unserer Tage gestellt hat, ist der Sohn des Leiters des „Kinderheims der Leipzig-Loge", und darf deshalb die ganz esondere Aufmerksamkeit der I dpziger Juden auf sich ziehen. Von der jüdischen .lugend \m vergangenen Sonntagmorgen wird wohl mancher jüdische Mitbürger erstaunt die tagen gerieben haben, als er einen imposanten Zug Jungen und Mädchen singend durch die Straßen der jüdischen Viertel ziehen iah, Wer konnte auch gleich glauben, daß diese kräftige und aufrechte Jugend in der kleidsamen bunten kracht der Bünde, mit den Wimpeln Und Klampfen, unsere jüdische Jugend sei! Es war Manchen ein freudiges Erlebnis. — Die im allgemeinen Ausschuß vertretenen Leipziger Bünde hatten mit einem Teil ihrer Jugendlichen vom gemeinsamen Treffpunkt aus die Aussteilung „Das junge Deutschland" im Ringmcßhaus besucht, l'nd wo sollte eine Ausstellung, die sich erstmalig ausschließlich der Jugend widmet, mehr Anklang finden als bei der Jugend selbst? , Wer nach Besichtigung der einzelnen Kojen im I, Stockwerk, enthaltend Material über Berufsleben, soziale Verhältnisse und Fürsorge der deutschen Jugend, den Gang mit den Sclbstdarstelhmgcn der Bünde betritt, der wird sich unwillkürlich angezogen fühlen von der abschließenden Wand, die in plastischen, leuchtenden Buchstaben die „Jüdische Jugend" anzeigt. Die zwingende Aufteilung dei Wandfläche, der Kontrast der Farben, der Tisch mit den ungewohnt angeordneten seitlichen Fächern, dies .dies dokumentiert einen neuen Willen, durch klare Qestafhing Weniges, Wichtiges, zur vollen Wirkung zu bringen. Diese Arbeit im dem jungen Dessauer Philipp Tolziner zu verdanken. Erst heute konnte infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten all -s vervollständigt werden: links auf schwarzem Untergrunde erscheinen die Namen der im RckhsaUSSchtlfl der Jüdischen Jugend Verbände organisierten Bunde mit ihren Abzeichen; darunter hängen prachtvolle Photomontagen von Eugen Mittelmann aus dem Leben der Jugend: Zelte, Sport, Fahrt, die wohl manches Ii,kannte Gesicht enthalten. Auf dem Tische liegen unter Glas Belichte über die geistige Arbeit der Gruppen, die recht aufmerksam gelesen werden müssen (Wer sei kurz auch auf die Bücherei im 2. Stock hingewiesen), sowie eine interessante Uebersicht über die Verteilung der Geschlechter in den Leipziger Gruppen. In den Fächern sind einige Alben, ein Photoalbuin sowie Sammelhände der Zeitschriften aller Bünde und Richtungen in seltener Vollständigkeit. Wer aufmerksam durch die Abteilungen der vielgestaltigen Ausstellung gegangen ist, ermüdet von Statistiken, wird vielleicht der Tafel, die über dem Tische hängt, wenig Beachtung schenken. Doch gerade diese ist die Hauptsache. Für den durchrasenden Besucher sind die Statistiken, die mit ungeheurem Aufwand an Zeit und Arbeit hergestellt wurden, beileibe nicht bestimmt. Statistik ist unter den Juden nun mal keine beliebte Angelegenheit. Wird sie, wie in diesem Falle, einmal gründlich durchgeführt, so bringt sie jedoch stets hochinteressante Ergebnisse zutage. Welcher Verantwortliche Jude darf vorbeigehen an den Zahlen über „Organisierte und unorganisierte Jugend", über „Berufsverteilung", . Schulbesuch", aus denen erschütternd die anormale soziale Schichtung der jüdischen Bevölkerung erkennbar ist. Hoffnungsvoll wird er demgegenüber die erfolgreiche Berufsumschichtung im jung-jüdischen Wandelbunde und Hechaluz dargestellt linden. Eine Auswertung des Materials dürfte an dieser Stelle noch einmal von Wichtigkeit sein. Mögen diese Zeilen recht viele zum .Besucher der Ausstellung und vielleicht ein wenig zum Nachdenken über die Fragen der Jüdischen Jugend veranlassen. Ph. II. Neue Bücher Werner Jansen. Die Kinder Israel. Mose-Roman. Braunschweig, Berlin und Hamburg 1927 (Georg Westermann). Die biblische Erzählung von der Knechtschaft der Kinder Israel in Aegypten und ihrer Befreiung durch Mose und Aaron reiz.t die Phantasie zu lebhaftem Spiel, l'.ie Darstellung läRl so viele offene Fragen, daß sich ganz wie von selber der Versuch aufdrängt, das Fehlende hinzuzubauen. Judische Sage und Legende hat sich in reichem Maße um den Stoff geschlängelt und Zug für Zug mit vielgestaltigen Einzelheiten ausgemalt Auch mancher Mose-Roman erblühte aus solchem Gedankenspiel. Zu ihnen tritt als neuster der vorliegende Werner Jansens, den wir mit gemischten Gefühlen lesen. Der Dichter— das Werk zeigt in Aufbau und Sprache dichterische Werte — Verwahrt sich in einer kurzen Vorbemerkung dagegen, daß man in »lern Buche Tendenz, wittere oder historische Fehler feststelle; er wolle einzig von der Kraft des Blutes handeln, für die er „keinen sinnfälligeren Vorwurf in der Weltgeschichte entdecken konnte als Mose." Aber trotz — oder vielleicht gerade wegen? — dieser Verwahrung ist es schwer, darüber hinwegzukommen, dal! die dichterische Freiheit sich in einer Weise auslebt, die so sehr nach völkisch-antisemitischen Anschauungen schmeckt. Die religiösen Empfindungen der Juden muß es aufs tiefste verletzen, wenn Mose als dei Sproß eines ränkesüchtigen, machthungrigen, gesinnungslosen Hebräers und der von ihm verführten ägyptischen Prinzessin hingestellt wink Umsomdir, als gerade der Wunsch, die Kraft des Blutes zur Darstellung zu bringen, für EA-SCHUTZ hervorr acjetiua Qualifäismqbel aus eigener Fabrik Leipzig Körners* r. 54 56